Legacy Warnings! Steht Südafrika vor einer Atomrenaissance?

Ein Gastbeigrag von Katja Becker, www.ujuzi.de

Seit mehreren Jahren reisen wir mit offenen Augen durch die Welt und suchen uns Themen, die in der Regel wenig internationale Beachtung finden, uns aber unter den Nägeln brennen. So fanden wir auch den Weg nach Südafrika.

Die Zahnbürste und die geplante Obsoleszenz

Am Anfang dieser Geschichte steht eine kaputte elektrische Zahnbürste, die ich seit drei Jahren mein Eigen nenne. Aber was heißt schon „kaputt“? Der Akku funktioniert einfach nicht mehr. Nach ständigem Aufladen hat er den Geist aufgegeben. Und nun? Die Zahnbürste zum nächsten Wertstoffhof bringen? Kommt für mich nicht in Frage! Schließlich setzen wir uns beim NABU ja immer dafür ein, dass Elektrogeräte ein längeres Leben bekommen und damit Umwelt und Ressourcen geschützt werden.

Elektrische Zahnbürste - Foto: Michael Dommel

Praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, den Akku einer elektrischen Zahnbürste selber auszuwechseln – Foto: NABU/Michael Dommel

Versuch, den Akku selber auszutauschen

Ich untersuche die Zahnbürste also genauer und stelle fest, dass es nirgendwo eine Öffnung oder eine Klappe gibt, durch die ich an die Batterie herankomme. Es handelt sich also um einen eingebauten Akku, der erheblichen Einfluss auf die Lebensdauer der Bürste hat. Denn ist er erst einmal kaputt, werfen viele Verbraucher das Gerät sofort weg und kaufen eine neue Bürste.

Mit Youtube-Videos zum Erfolg?

Was also tun? Wer heute nicht mehr weiter weiß, der bildet keinen Arbeitskreis, sondern guckt sich erst einmal im Internet um. Auf der Internetseite des Herstellers werde ich erst einmal enttäuscht, denn ich finde zwar eine knappe Bedienungsanleitung, aber kein Handbuch für die Reparatur. Nach kurzer Suche finde ich zwar einen Reparatur-Service-Partner, der befindet sich aber am anderen Ende von Berlin. Also surfe ich weiter und werde dann auch sofort überwältigt von 21.700 Suchergebnissen, bestehend aus Reparaturvideos, Reparaturblogs, Zeitungsartikeln und Produktbewertungen.

Boykott Elektroschrott

Ein neues Gesetz verhindert, dass zukünftig mehr Elektroschrott ein zweites Leben eingehaucht bekommt. Handy, Toaster, Herd und Lampe will jeder irgendwann einmal loswerden. Das Gesetz, das den Umgang mit dem vermeintlichen Elektroschrott regelt, ist Anfang Juli vom Bundestag mit den Stimmen der Regierungskoalition verabschiedet worden.

Diese Elektrogeräte sind für den Second-Hand-Markt verloren, weil mit ihnen nicht sorgsam genug umgegangen wurde - Foto: NABU/B. Bongardt

Diese Elektrogeräte sind für den Second-Hand-Markt verloren, weil mit ihnen nicht sorgsam genug umgegangen wurde – Foto: NABU/B. Bongardt

Nun ist es nicht so, dass es vorher keine Regelung gab, im Gegenteil: Die Grundsätze bleiben. Alte Elektrogeräte sind Sonderabfall, der beim Wertstoffhof oder im Einzelhandel abzugeben ist. Deutschland muss Minimummengen einsammeln. Die gesammelten Geräte müssen von Schadstoffen befreit und vor allem die Metalle ins Recycling geschickt werden.

Plastic Bag Free Day 2015 – sag nein zur Plastiktüte!

Wer kennt das nicht? Überquellende Tütenberge zuhause, weil man gar nicht so schnell schauen kann, wie die Kaufhauseinkäufe in der Tüte verschwinden. Weil man schon wieder die Tasche zuhause vergessen hat oder ganz spontan einkaufen war. Inzwischen stapeln sich zudem nicht nur Plastiktüten, sondern auch Jutebeutel, weil man an der Kasse oft aus schlechtem Gewissen zum Baumwollbeutel greift statt zur verachteten Plastiktüte.

Über 70 Plastiktüten pro Jahr und Person in Deutschland

Viele Plastiktüten werden einem beim Einkauf ungefragt aufgedrängt oder man zahlt sogar noch freiwillig dafür, um als lebende Werbefläche eingesetzt zu werden: Aktuell verbraucht jeder in Deutschland mehr als 70 Plastiktüten pro Jahr – da sind die dünnen Beutelchen aus der Apotheke oder aus der Gemüseabteilung noch gar nicht mitgerechnet, genau wie die dicken Henkeltüten aus dem Discounter.

„Sharing Non-Economy“ statt „Sharing Economy“

Zum heutigen Verbrauchertag hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände das Thema „Sharing“ aufs Programm gesetzt. Eigentlich hatte das Thema seine Hochphase schon vor zwei Jahren, als „Sharing“, „Teilen“ und „Collaborative Consumption“ medial erst völlig überbewertet, und dann als Unterwanderung von Sozialstandards und als neues Geschäftsmodell hoch kapitalistischer Start-Ups genauso stark kritisiert wurde.

Nachbarschaftliches Leihen von Werkzeugen hat einen umweltfreundlichen Mehrwert. Foto: Pumpipumpe

Nachbarschaftliches Leihen von Werkzeugen hat einen umweltfreundlichen Mehrwert. Foto: Pumpipumpe

Aktuell hält Uber das Thema noch in der Diskussion, weil Städte, Kommunen und die Taxibranche gerichtlich gegen Uber vorgehen. Aber ist es ruhig geworden um die Idee, mit einer Stärkung des Konzepts „Nutzen statt Besitzen“ auch Umweltvorteile zu erzielen. Das hat auch der NABU mit dem Konzept verbunden und daher 2012 mit der Heinrich Böll Stiftung die erste Studie zum Thema in Auftrag gegeben.

Mitmachen beim Wettbewerb „BodenWertSchätzen“ – und bis zu 5.000 Euro gewinnen

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen bis zum Jahr 2020 nur noch 30 Hektar pro Jahr neu in Anspruch zu nehmen. Dafür hat sie nur noch fünf Jahre Zeit – ambitioniert, wenn man bedenkt, dass es aktuell noch immer gut 70 Hektar im Jahr verbraucht werden. Das entspricht umgerechnet 100 Fußballfelder pro TAG! Würde das 30-Hektar-Ziel schon heute gelten, hätten Anfang Juni bereits die Bagger in Deutschland still stehen müssen.

Green World © Ella Sarkisyan - Fotolia

„BodenWertSchätzen“ – Gruppen können sich noch bis 31.7.2015 bewerben und bis zu 5.000 Euro gewinnen. Foto: Green World © Ella Sarkisyan – Fotolia

Weltweit sieht es auch nicht besser aus. Statt den Boden und damit unsere Lebensgrundlage zu schützen, gehen weltweit jährlich rund 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens verloren. Bodenschutz lässt sich darum nicht mehr länger vertagen.