Abschied mit gutem Gefühl

Abschied mit gutem Gefühl

Mehr als zwei Monate sind bereits vergangen, seit wir für den NABU nach Indonesien aufgebrochen sind. Ein Dorf am Rande eines Regenwaldschutzprojektes des NABU in Nord-Sulawesi wurde für Wochen zu unserem zu Hause. Im angrenzenden Waldgebiet sind wir auf die Suche nach Koboldmakis gegangen. Mit Hilfe von Rufaufnahmen haben wir die Verbreitung der nachtaktiven 07Äffchen untersucht um herauszufinden, ob sie als Indikatorarten für den Zustand des Waldes dienen können.

Koboldmakis benötigen bestimmte Vegetationsstrukturen und ein bestimmtes Mikroklima im Wald, um tagsüber ungestört schlafen zu können und nachts sicher zu ihren Jagdgründen zu springen. Nur dort, wo diese Voraussetzungen gegeben sind, kann ihre Existenz sichergestellt werden. Der NABU scheint mit seinem Projekt gerade noch rechtzeitig den Schutz des Regenwaldes in der Region gesichert zu haben. Außerhalb des Projektgebietes fanden wir viele Anzeichen für die starke Bedrohung des Lebensraums. Für die Koboldmakis wichtige Strukturen wie Bambusdickichte und bestimmte Palmenarten verschwinden in vielen Regionen Nord-Sulawesis zusehends. Auch das illegale Goldschürfen, das starke Bevölkerungswachstum und der damit wachsende Druck, Waldflächen Anbau für Mais, Reis und Palmöl, erfüllen uns mit tiefer Sorge.

Das Waldgebiet Popayato Paguat in Gorontalo, Sulawesi, dem sich der NABU im Rahmen seines Regenwaldschutzprojekts widmet, ist ein Beispiel dafür, wie das Miteinander von Mensch und Natur für beide Seiten funktionieren kann. Die Schulung der einheimischen Bevölkerung in ökologischer Agroforstwirtschaft und die Entwicklung alternativer Einkommensquellen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Erhaltung des Regenwaldes und damit des Lebensraums der Koboldmakis. Wenn sich unsere These, dass das Vorkommen verschiedener Koboldmakiarten für die Zustandsbeurteilung des Waldes genutzt werden kann bestätigt, sind wir einem nachhaltigen Waldmanagement schon ein gutes Stück näher gekommen. Mit einer Menge Daten, die noch ausgewertet werden müssen und dem guten Gefühl im Gepäck, etwas zum Schutz der niedlichen Großaugen beitragen zu können, treten wir langsam aber sicher die Heimreise an.

Wir hoffen, wir konnten mit diesem Blog einen kleinen Einblick in die praktische Primatenforschung geben und aufzeigen, wie dringend notwendig der Schutz des Regenwaldes ist für das Überleben dieser  kleinen Äffchen – und zahlreicher weiterer Arten.

Lara Shirin Bienkowski und Simon Stephan

Titelbild: Kobaldmaki auf Sulawesi – Foto: Lara Shirin Bienkowski

Simon Stephan

Simon Stephan

studiert an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde in dem Studiengang International Forest Ecosystem Management. Seine Liebe zu den Waldökosystemen der Erde wurde durch eine Reise in die kanadischen Outbacks geweckt. Sein Interessengebiet umfasst insbesondere das Feld der Umweltbildung und die Anwendung geographischer Informationssysteme zur Lösung umweltrelevanter Problemstellungen. Im Rahmen eines Auslandspraktikums beim NABU ist er mit einem Team von Wissenschaftlern auf Sulawesi unterwegs um die Frage zu klären, ob die Sulawesi-Tarsier als Indikatorarten für den Zustand des Regenwaldes geeignet sind.
Simon Stephan

Letzte Artikel von Simon Stephan (Alle anzeigen)

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.


%d Bloggern gefällt das: