Wo die Kobolde wohnen

Wo die Kobolde wohnen

Die kleinen Sulawesi Koboldmakis, deren Lebensraumansprüche wir erforschen möchten, lebten ursprünglich in Wäldern, die völlig unberührt von menschlichem Einfluss waren.  Diese Primärwälder sind in Indonesien leider kaum noch zu finden. Sie wurden abgelöst durch Wälder, die sich nach einer Störung, zum Beispiel einem Waldbrand oder Holzeinschlag, durch Sukzession neu gebildet haben, so genannten Sekundärwäldern. Glücklicherweise haben sich die Koboldmakis an diesen neuen Lebensraum gewöhnt. Sie haben den Strukturreichtum schätzen gelernt, der durch den dynamischen Prozess der Sukzession entstanden ist: Zuerst übernehmen lichtabhängige, schnellwachsende Baumarten das Ruder und werden dann im Laufe der Zeit von schattentoleranten, langsamer wachsenden Baumarten abgelöst. In diesen vergleichsweise jungen Wäldern findet man deshalb Bäume aller Höhen nebeneinander. Die Baumschicht der kleineren Bäume ist hier besonders stark ausgeprägt. Für die Äffchen ist das von Vorteil, da sie sich, anders als viele andere Affenarten, gern in den unteren Baumschichten des Regenwalds aufhalten.

Die Nester der Koboldmakis findet man vor allem in Bambus, Rattan, oder Zuckerpalmen, da diese Pflanzen ihnen am Tage genügend Schutz vor Fressfeinden wie Schlangen oder Wildkatzen bieten. Nachts kommen die kleinen Fleischfresser dann aus ihren Verstecken hervor, um zu jagen. Sie halten sich dann vor allem an umliegenden Flüssen und Bächen auf, da die Insektendichte dort besonders hoch ist. Das können auch wir spüren, wenn wir nachts mit unseren Kopftaschenlampen die Flussläufe entlangstapfen und sich im Sekundentakt riesige Grashüpfer – vom Licht angezogen –  in unseren Haaren verfangen. Koboldmakis bei Nacht auch wirklich zu sehen ist äußerst selten. Sie besitzen, anders als beispielsweise unsere heimischen Katzen, kein so genanntes Tapetum lucidum, auf Deutsch „leuchtender Teppich“, was die Reflexion des Lichtes im Auge verursacht. Das ist auch der Grund, weshalb sie so große Augen haben. Man kann sie also nicht so einfach anhand leuchtender Augen entdecken, wenn man sie mit der Taschenlampe anleuchtet, so wie wir es bei den Tieren in Deutschland gewohnt sind. Aber wir geben nicht auf und trotzen auch weiterhin den Mücken, Grashüpfern und anderem Getier, um in den nächsten Beiträgen ein paar schöne Fotos von den kleinen Kobolden für Euch zu haben!

Lara Shirin Bienkowski und Simon Stephan

Titelbild: Regenwald auf Sulawesi – Foto: NABU/Tom Kirschey

Lara Shirin Bienkowski

Lara Shirin Bienkowski

studiert „International Forest Ecosystem Management“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Der Bachelorstudiengang befasst sich neben der Lehre nachhaltiger Waldbewirtschaftungsmethoden zu einem erheblichen Teil mit Naturschutz. Während des Studiums hat sich Lara Shirin vor allem auf die sozialen Aspekte in der Entwicklungszusammenarbeit, wie interkulturelle Kommunikation und Umweltbildung spezialisiert. Praktische Erfahrungen konnte sie in erster Linie in den Bereichen Wildtiermanagement und Umweltmonitoring sammeln. Im September 2017 reist sie im Auftrag des NABUs im Rahmen eines halbjährigen Praktikums nach Indonesien, Sulawesi, um gemeinsam mit der BirdLife-Partnerorganisation „Burung Indonesia“ die Lebensraumansprüche der endemischen Koboldmakis zu erforschen.
Lara Shirin Bienkowski

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