Kleine Jäger mit großem Durchblick

Warum haben Koboldmakis nun so riesengroße Augen? – Ganz einfach: Weil sie nachtaktive Jäger sind! Doch nicht alle Tiere, die in der Dunkelheit auf Beutejagd gehen, haben vergrößerte Augen.

Koboldmaki - Foto: NABU/T. Kirschey

Koboldmaki im Nationalpark Bogani Nani Wartabone (bei Gorontalo,Nord-Sulawesi, Indonesien) – Foto: NABU/T. Kirschey

Unsere Hauskatzen zum Beispiel verfügen – wie viele andere nachtaktive Beutegreifer auch – über perfektionierte Augen. Sie besitzen eine besondere Schicht hinter der Netzhaut, die das einfallende Licht reflektiert und so das Sehen in den Nachtstunden erheblich verbessert.

Koboldmakis hingegen haben dieses Tapetum lucidum (so heißt diese anatomische Besonderheit der Netzhaut) nicht. Die Evolution hat sie anstatt dessen mit den Riesenaugen ausgestattet, sodass die kleinen Affen dennoch viel Licht einfangen können und bei ihren nächtlichen Streifzügen erfolgreich Insekten und Geckos ausmachen können.

Das ist für die Fleischfresser extrem wichtig, denn sie ernähren sich hingegen aller anderen Affenarten ausschließlich von Tieren. Da die Riesenaugen im Schädel nicht sehr beweglich sind, verfügen Koboldmakis des Weitern über eine Eulen-ähnliche Hals- und Nackenanatomie, die es ihnen ermöglicht, ihren Kopf um bis zu 180 Grad zu wenden.

Rekordverdächtige Sprungleistung

Zusammen mit ihren zum Springen optimierten Extremitäten wie der verlängerten und namensgebenden Fußwurzel – der Tarsus – und ihrem Steuerorgan, dem langen Schwanz, können sie also in der Dunkelheit und auf größerere Distanz ihre Beute ausmachen und diese gezielt und schnell einfangen. Ihre Sprungleistung ist dabei enorm und schlägt in Relation alle Rekorde, zu denen Spitzensportler zum Beispiel bei den laufenden Olympischen Spielen in der Lage sind. Wären Koboldmakis 1,75 Meter groß, könnten sie nämlich locker 70 Meter weit springen.

Ihr charismatisches Aussehen hat also einen ganz bestimmten Sinn und gibt ihnen einen entscheidenden Vorteil als nachtaktiver Jäger in den dichten Büschen der Wäldern Südostasiens.

Karina Schell

Karina Schell

Diplom-Biologin, studierte in Göttingen Verhaltensforschung und Naturschutz und schloss ihr Studium an der Dalhousie University Halifax zum Management von Kojoten im Nationalpark in Nova Scotia, Kanada, ab.

Nach dem Studium absolvierte sie eine Weiterbildung zur Projektkoordination in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und arbeitete in international tätigen Organisationen im Bereich internationaler Natur- und Klimaschutz.

Ihr Interessensschwerpunkt ist der globale Biodiversitätsschutz. Durch ihre Regionalerfahrung in Lateinamerika und Afrika interessiert sie sich besonders für nachhaltigen Artenschutz im Konfliktfeld Ressourcennutzung und ländliche Entwicklung.
Karina Schell

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3 Kommentare

Marlene Hepner aus Pretzsch in Sachsen Anhalt

21.08.2016, 12:03

Das was ihr da schreibt finde ich sehr interessant. Ich bin sehr Natur interessiert. Als junge Frau war ich ehrenamtlich beim Naturschutz der DDR tätig. Schön das diese Aufgaben jetzt von anderen übernommen werden. Ich schaffe es körperlich nicht mehr. Ja auch zu DDR-Zeiten wurde für den Naturschutz gearbeitet wenn das auch manchmal anders dargestellt wird

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