Zahlen die zählen: Das Insektensterben ist real

Zahlen die zählen: Das Insektensterben ist real

Die jüngst veröffentlichte Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen „Insekten in Deutschland und Auswirkungen ihres Rückgangs“ brachte einige Interessenvertreter dazu, die Hinweise auf das Insektensterben als unseriös oder zumindest vorschnell zu diskreditieren. Das ganze sei vielmehr eine „rot-grüne Wahlkampf-Falle“. Die Unterstellung, es gäbe mangelnde Beweise für das Artensterben, erinnert jedoch an das Vorgehen der Klimaskeptiker, das Fakten und Zahlen ignoriert. Hintergrund: Es geht um die Umverteilung von 60 Milliarden Euro Agrarsubventionen.

Vordergründig wird moniert, dass die Langzeitergebnisse der sogenannten „Krefelder-Studie“, die auf einigen Standorten in NRW beruhen, zu einem bundesweiten Problem aufgebauscht würden. In der Tat: die regionalspezifischen Krefelder Untersuchungen sagen nichts aus über die bundesweite Situation. Die von manchen getroffene Aussage „80 Prozent weniger Insekten in Deutschland“  kann so nicht gemacht werden. Korrekt ist hier als Aussage: „Bis zu 80 Prozent Biomasseverluste bei Fluginsekten in den vergangenen 15 Jahren in NRW“.

Es besteht Anlass zur Sorge in Deutschland und Europa

Dennoch muss den „Insektenskeptikern“ entgegnet werden. Es gibt großen Anlass zur Sorge auf bundesweiter und europäischer Ebene. Zum einen ist es ein Warnsignal, dass die Krefelder Daten aus Naturschutzgebieten gewonnen wurden (wie sähen die Ergebnisse wohl in der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft aus?). Vor allem aber gibt es inzwischen zahlreiche weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die auf einen drastischen Rückgang von Insekten, Vögel und anderen Arten auch anderswo hinweisen. Einige sollen im Folgenden erwähnt werden.

Den Bock nicht zum Gärtner machen!


Ein vielfältiger Garten kommt ohne Pestizide aus (Foto: E. Neuling)

 

Wer dachte, dass der Verbrauch von Pestiziden durch Hobbygärtner eine vernachlässigbare Nummer ist, liegt falsch. Jährlich werden in Deutschland etwa 7.000 Tonnen Pestizide durch nichtberufliche Anwender eingesetzt, ein Großteil davon landet in Privatgärten. Diese nehmen insgesamt eine Fläche ein, die mehr als dreimal so groß ist wie das Saarland – oder, um die ökologische Brisanz zu verdeutlichen, mehr als halb so groß wie alle Naturschutzgebiete zusammen.

Pandas, Wisente und Kettensägen

Updates zum Thema seit Erscheinen des Artikels am 13.7.2017:

19. Juli 2017: In einem offenen Brief (download hier) wendet sich NABU-Präsident Olaf Tschimpke an Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Bitte sich für die Rettung von Białowieża einzusetzen.

13. Juli 2017: Die EU-Kommission verklagt Polen vor dem Europäischen Gerichtshof und beantragt eine einstweilige Verfügung gegen die Abholzung von Białowieża.


In den vergangenen Tagen stürzten sich Politik und Medien in Berlin auf den jüngsten Akt der chinesischen „Panda-Diplomatie“, im Rahmen des G-20-Treffens in Hamburg wurde auch das Thema Klimawandel diskutiert.  Außerhalb dieser Bühnen der Diplomatie geht das Sterben wertvoller Wälder weiter. Nicht nur in den Tropen, sondern auch mitten in Europa.

Foto: Helge May

Während selbst Kanzlerin Angela Merkel, die Presse ohnehin, im Berliner Zoo verzückt die chinesische Leihgabe bewundert, rattern im UNESCO-Weltnaturerbe Białowieża die Motorsägen. Und nicht nur dort. Um unseren Energiehunger zu stillen, wurden in Nordrhein-Westfalen bereits über 5000 Hektar wertvoller alter Laubwald mit 200-jährigen Eichen und Buchen, der sogenannte „Hambacher Forst“, der Braunkohleförderung geopfert. Doch dieser Wald stand, politisch gewollt, nie unter Schutz. In Białowieża ist das anders. Er ist UNESCO-Weltnaturerbe, Nationalpark und seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union auch Natura-2000-Gebiet, das dem Schutz der EU-Naturschutzrichtlinien unterliegt: Der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie, den beiden Kernelementen des Naturschutzrechts in der EU.

Der etwa 1.500 Quadratkilometer große, einzigartige Urwald von Białowieża erstreckt  sich sowohl auf polnischer als auch auf weißrussischer Seite. Seit 1979 ist der Nationalpark Białowieża mit einer streng geschützten Kernzone von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Die Wälder mit jahrhundertealten Baumbeständen sind Heimat von Luchs, Wolf, Elch und vielen anderen in Europa selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten. Eine der größten Attraktionen – aber wesentlich schwieriger zu fotografieren als Pandas im Zoo – ist der Europäische Bison (Bison bonasus) oder Wisent.

Wisente durchstreiften bis in das frühe Mittelalter alle Urwälder in West-, Zentral- und Südosteuropa, doch mit dem Verlust seiner Lebensräume starb auch der Wisent aus. Ende des 19. Jahrhunderts war der „König der Wälder“ fast vollständig ausgerottet. Nur im Westkaukasus und in Białowieża hatten kleine Populationen überlebt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges starben sie dort ebenfalls aus. Aufwändige  Nachzuchten von Gehegetieren ermöglichten es aber nach dem zweiten Weltkrieg, wieder Wisente in die verbliebenen Urwälder auszusetzen, in Białowieża Anfang der 1950er Jahre (Hintergrundinfos zum Thema Wisent und Wisent-Schutz im Westkaukasus). Da die Tiere dort seinerzeit gute Bedingungen vorfanden und streng geschützt wurden, vermehrten sie sich rasch. Heute stammen alle Wisente, die in den ehemaligen Ostblockstaaten ausgewildert wurden, sowie die Tiere des ersten deutschen Auswilderungsprojektes im Rothaargebirge, aus dem Urwald von Białowieża.

Wer hat das Sagen…in der EU-Agrarpolitik?

Kräftemessen in Brüssel

Am Freitag lud EU-Agrarkommissar Phil Hogan nach Brüssel ein: Er wollte die Ergebnisse seiner Bürgerbefragung zur künftigen Agrarpolitik vorstellen und diskutieren. Sehr viele wollten seiner Einladung folgen. So viele, dass nur 400 von über 1000 Anmeldungen akzeptiert wurden, und die Hälfte der Teilnehmer in einem Nebensaal untergebracht werden musste. Die Konferenz wurde in 22 Sprachen übersetzt (man entschuldigte sich, dass dies für Gälisch und Kroatisch leider nicht möglich war). Doch hat sich der Aufwand gelohnt? Und was kam am Ende heraus?

Zunächst kann man der Konferenz zugutehalten, dass sie Agrarlobbyisten wie Funktionären der EU-Kommission klar gezeigt hat: die Zeiten ändern sich. Vereinbarungen darüber, wer künftig die Milliardensubventionen aus Brüssel bekommt, können diese nicht mehr unter sich ausmachen.

Dies wurde zum einen durch den ersten Vortrag deutlich, in dem die Ergebnisse der EU-weiten Bürgerbefragung vorgestellt wurden (zeitgleich wurde ein ausführlicher Bericht sowie eine Kurzfassung online gestellt – jeweils Download im pdf-Format). Bereits Kommissar Hogan hatte sich in seinem Grußwort mit der hohen Teilnehmerzahl geschmückt, diese sei ein Beweis für das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Agrarpolitik. In der Tat, mit etwa 320.000 Teilnehmern war die Befragung die zweitgrößte in der Geschichte der EU. Im Vortrag wurde dann auch klar dargestellt, dass dies auf die LivingLand-Kampagne der Umweltverbände zurückzuführen ist, die alleine 260.000 Teilnehmer mobilisiert hatte. Die Forderungen nach einer fairen, umweltverträglichen und global verantwortungsvollen Landnutzungs- und Ernährungspolitik bekamen daher einen prominenten Platz. Gleichzeitig wurde deutlich, dass andere Kampagnen, wie zum Beispiel die des Deutschen Bauernverbands weit weniger erfolgreich waren.

Interessantes Ergebnis außerdem: auch unter Abzug der LivingLand-Stimmen rangiert die Sorge um die Umwelt ganz vorne bei den Teilnehmern, selbst bei vielen Landwirten. Ansonsten gehen die Antworten jedoch zwischen „Bürgern“ und „Landwirten“ oft auseinander. Es bleibt also das Problem, dass die Meinungsführer unter den Agrarverbänden immer noch Erfolg in den eigenen Reihen damit haben, die LivingLand-Vision als eine darzustellen, die sich gegen die Bäuerinnen und Bauern richtet. Nichts wäre weiter entfernt von der Wahrheit – zumindest für einen Großteil der Betriebe wäre ein alternatives Fördersystem sicher besser als der Status Quo. Verlieren würden jedoch einige einflussreiche Akteure, die derzeit die meisten Gelder bekommen und oft für die größte Umweltbelastung verantwortlich sind. Und die sind eben leider oft die lautstärksten Vertreter ihrer Verbände.

Nach der interessanten Präsentation der Konsultationsergebnisse wich das Niveau der Veranstaltung leider stark von dem Dialogforum ab, das ursprünglich von der Kommission großmütig angekündigt worden war. Eine Reihe von Wissenschaftlern wurde gebeten, die Ergebnisse von Workshops vorzutragen – und die meisten von Ihnen verloren sich in Details und Forderungen man bräuchte noch Forschung. Sicher nicht falsch – aber für eine politische Konferenz zu diesem Zeitpunkt eher unpassend.

Anschließend bestand die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Meinungen zu äußern – sogar eine Online-Möglichkeit wurde dafür eingerichtet. Leider wurde kaum eine einzige Frage jemals beantwortet. Schließlich erfuhren wir, dass dies von den Organisatoren auch gar nicht geplant gewesen sei, man wolle weiterhin „zuhören“, was die Akteure zu sagen haben. Dies klang auf einmal so, als würde die Konsultation so noch einmal verlängert, die eigentlich am 2.Mai beendet worden war. Vielleicht weil die Ergebnisse nicht ganz so wie erwartet ausgefallen waren? Der EU-Agrarkommissar konnte jedenfalls aus terminlichen Gründen nicht an der Abschließenden Fragerunde teilnehmen…

Klar wurde bei dieser Reihe von Meinungsäußerungen: die Umweltverbände erhielten kaum das Wort, und waren im Saal auch klar unterrepräsentiert. Agrarverbände und Industrie konnten wesentlich mehr Vertreter auf den zuvor für sie reservierten Plätzen unterbringen – und diese wurden auch fleißig vom Moderator aufgerufen. Es wurde also klar: hier wehte noch etwas der Wind der früheren Zeiten, als sich die Generaldirektion Landwirtschaft und die Agrar-Lobbyisten unter sich trafen. Wir Umweltverbände haben aber im Saal, wie auch über die Online-Beteiligung sehr deutlich gemacht, dass diese Zeiten vorbei sind.

Für die kommenden Schritte der Agrardebatte bedeutet dies: Es kommt darauf an, bei jeder Etappe klar zu machen, was das Motto der Verbände bei dieser Konferenz war: Wir brauchen eine GAP für alle (We need a CAP4ALL).

 

Informationen und Dokumente zur Konferenz finden Sie hier

Starkes Signal der Umweltminister zum EU-Aktionsplan

Der Aktionsplan der EU-Kommission.(Download der Broschüre auf Englisch)

Am 19.06.2017 schließen die Umweltminister der EU-Mitgliedstaaten das Kapitel „Fitness Check der FFH- und Vogelschutzrichtlinie“ endgültig ab und werfen den Blick nach vorn.

Rückblick

Wir errinnern uns: die EU-Kommission veröffentlichte am 27.04.2017 ihren vollmundig mit „Nature, People and the Economy“ überschriebenenen Aktionsplan. Dieser erfüllt bei erster Betrachtung des NABU zwar nicht ganz die Erwartungen, die wir zuvor an ihn gestellt und auf die wir hingearbeitet hatten. Gleichwohl hatten die in der Sache involvierten Umweltverbände auch auf EU-Ebene den Aktionsplan letztlich begrüßt und unterstützt. Bedenkt man, dass er nur kurzfristige Maßnahmen bis zum Jahr 2019 enthält und zusätzlich zu unserem erreichten Hauptziel gilt, die EU-Naturschutzrichtlinien unverändert zu lassen, scheint dies gerechtfertigt.

Schlussfolgerungen des EU-Umweltrats

Die luxemburgische Umweltministerin Dieschbourg, der deutsche Staatssekretär Flasbarth und der estonische Umweltminister Kiisler beim Umweltrat am 19.06.2017. Foto: Europäische Union.

Der Umweltrat in Luxemburg hat nun trotz der Vielstimmigkeit der verschiedenen EU-Mitgliedstaaten noch eine Schippe drauf  gelegt: Zum einen begrüßt er – wie dies im institutionellen EU-Gefüge üblich ist – den Aktionsplan der EU-Kommission. Darüber hinaus suchen die Umweltminister der EU im besten Diplomatensprech aber auch nach Wegen, um die EU-Kommission parallel zu weiteren Maßnahmen im Bereich Natur- und Biodiverstitätsschutz zu bewegen.

Dies wird deutlich, wenn man sich die vom Umweltrat (bisher nur auf Englisch) verabschiedeten Schlussfolgerungen näher anschaut. Adressiert werden nämlich u.a. die vom Ergebnis des Fitness Checks als prioritär herausgestellten Bereiche Naturschutzfinanzierung und Landwirtschaft sowie Umsetzung und Vollzug.

  • Unter Nummer 11 erkennen die Umweltminister selbstkritisch an, dass das Vervollständigen des Netzes Natura 2000 nebst dem Erarbeiten effektiver Managementmaßnahmen maßgeblich für die Zielerreichung der Richtlinien ist, und dass dies nur durch die Mitgliedstaaten selbst erfolgen kann.
  • Unter Nummer 17 bestätigen die Umweltminister, dass Haupthinderungsgrund dafür, dass das Natura 2000-Netzwerk die Vorteile nicht ausspielen kann, die Finanzierungslücke ist. Die Minister betonen dabei, dass angemessene, regelmäßige und zielgerichtete EU-Finanzierung nötig ist und fordern die EU-Kommission auf, nach Möglichkeiten zu suchen, um die Biodiversitätsziele besser ins EU-Budget zu integrieren. Unter Nummer 18 erkennen die Umweltminister sodann die Notwendigkeit an, die mehrjährige Finanzplanung zu verbessern im Hinblick auf Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen.
  • Unter Nummer 19 fordern die Umweltminister die EU-Kommission auf, Biodiversitätsaspekte effektiver in die Gemeinsame Landwirtschaftspolitik der EU (GAP) und andere parallele Politiken zu integrieren.
  • Unter Nummer 22 betonen die Umweltminister, dass es wichtig ist, aktuelle Schätzungen der Kosten für die Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien vorzulegen, auch um noch im laufenden Mehrjährigen Finanzrahmen der EU (MFR) die Wirksamkeit des integrierten Ansatzes der Biodiversitätsfinanzierung bewerten zu können.
  • Unter Nummer 25 erneuern die Umweltminister ihre Aufforderung an die EU-Kommission, einen Vorschlag für ein Transeuropäisches Netzwerk an Grüner Infrastruktur (TEN-G) vorzulegen.

 

NABU-Bewertung

Rückblick: Der NABU und BirdLife Europe beim Umweltrat am 20.06.2016 im Gespräch mit Umweltkommissar Vella. Foto: BirdLife Europe.

Der NABU und seine Dachverbände – BirdLife Europe und EEB – hatten im Rahmen ihrer Stellungnahme zum Aktionsplan und in den Gesprächen mit der EU-Kommission genau diese Punkte als elementar angesehen: TEN-G, Kostenschätzung, GAP-Kohärenz und Naturschutzfinanzierung im nächsten MFR. Vielfach haben sie im Vorfeld aber zu hören bekommen, hierdurch würden andere Politiken vorweggenommen oder dies sei zu ambitioniert für den kurzen Zeitraum des Aktionsplans.

Bezüglich des vom NABU als Ausweg aus der Finanzierungslücke gesehenen eigenständigen Naturschutzfonds findet sich in den Schlussfolgerungen nun keine explizite Forderung der Umweltminister. Dies mag auch daran liegen, dass in Deutschland zwar die Umweltministerin vehement für einen solchen eintritt, diese Position aber nicht ressortabgestimmt ist. Wichtig werden dürfte für die Zukunft also, dass sich eine gemeinsame Linie auch mit anderen Ministerien findet. Von einem Naturschutzfonds betroffen, aber bezüglich der finanziellen Leistungen an Landnutzer auch von ihm profitieren könnte beispielsweise das Landwirtschaftsministerium; haushalterisch relevant dürfte darüber hinaus das Finanzministerium sein. Immerhin sieht auch der beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angesiedelte Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik – gemeinsam mit dem Sachverständigenrat für Umweltfragen – in einer aktuellen Stellungnahme den Naturschutzfonds grundsätzlich für das vorteilhaftere Modell.

 

Fazit

Insgesamt verdeutlichen die aufgezeigten zahlreichen Hinweise in den Schlussfolgerungen, dass ein „Business as usual“ nicht ausreichen wird. Damit hat die Kommission genügend Rückhalt aus dem Mandat der Mitgliedstaaten: zum einen gilt es, die einzelnen Maßnahmen des Aktionsplans abzuarbeiten – eine Aufgabe, die nicht unterschätzt werden sollte. Gleichzeitig sind weitere Schritte einzuleiten, um gerüstet zu sein und die Weichen zu stellen, damit die großen Politikbereiche der EU – etwa GAP und MFR – spätestens nach 2020 ebenfalls ihren Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten.

Politik und Pestizide

Sei es zu konkreten Wirkstoffen oder politischen Wegweisern: In letzter Zeit mehren sich die Vorschläge, wie zukünftig mit Pestiziden umzugehen sei. Grund genug, um sie einer kritischen Analyse zu unterziehen:

Pestizidplan der Grünen

Mit dem jüngst veröffentlichten „5-Punkte-Plan zur Reduktion von Pestiziden“ gibt die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Vorschläge für den zukünftigen Umgang mit Ackergiften – und zeigt, wie die verheerenden Auswirkungen von Pestiziden auf die biologische Vielfalt reduziert werden können. Unter anderem werden ökologische Ausgleichsflächen für den Pestizideinsatz, eindeutig definierte Reduktionsziele, verstärkte Forschung zu Verfahren des Integrierten Pflanzenschutzes und Verbesserungen im Zulassungsverfahren gefordert. Damit ist eine passende politische Ergänzung zum „5-Punkte-Programm für einen nachhaltigen Pflanzenschutz“ des Umweltbundesamtes (UBA) geschaffen worden, welches ebenfalls seiner Umsetzung harrt.

Für eine bessere Agrarpolitik

Für eine bessere Agrarpolitik

Heute Nacht um 0:00 endete die EU-Konsultation zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) mit einer immensen Beteiligung von 258.708 Bürgerinnen und Bürgern, die sich über unsere Online-Aktion klar für einen Wandel in der EU-Agrarpolitik ausgesprochen haben. Damit hat das Bündnis der europäischen Umweltverbände (BirdLife, European Environmental Bureau (EEB) und WWF) erneut zu einer Rekordbeteiligung bei einer EU-Bürgerbefragung beigetragen.

 

Dafür möchten wir uns bei allen Unterzeichnern, unseren Mitgliedern und Unterstützern ganz herzlich bedanken!

Grazie, Thank you, Danke, Gracias, Dank je wel und Merci an das fantastische Team von BirdLife, EEB, WWF in Brüssel, sowie an die Kolleginnen und Kollegen im NABU und bei WWF Deutschland, BUND und DNR für die harte Arbeit! Und natürlich Dank an alle, die in ganz Europa mitgeholfen haben, für LivingLand zu werben und dabei so viele Menschen mobilisiert haben! Wir haben es gemeinsam möglich gemacht, dass das komplexe Thema Agrarpolitik, das bisher vor allem von wenigen Fachpolitikern und der Agrarlobby bestimmt wurde, in die breite Öffentlichkeit gelangt ist. So konnten wir zeigen, wie groß das gesellschaftliche Interesse an einer fairen, ökologisch nachhaltigen, gesunden und global verantwortungsvollen Agrarpolitik ist und das sie deshalb in Zukunft breit diskutiert werden muss.

#NatureAlert: Kommission veröffentlicht Aktionsplan

Heute veröffentlichte die EU-Kommission den angekündigten Aktionsplan zum besseren Schutz von Natur und Biodiversität in der EU – das „Follow-up“ zum Fitness-Check der EU-Naturschutzrichtlinien (Pressemitteilung der Kommission). Im Dezember 2016 beschloss die EU-Kommission anstelle einer Änderung der beiden Richtlinien Schritte für deren verbesserte Umsetzung und Finanzierung einzuleiten. Ein historischer Erfolg für den europäischen Naturschutz, an dem der NABU in enger Zusammenarbeit mit Umweltverbänden in Deutschland und der EU einen großen Anteil hat.

Der druckfrische Aktionsplan, der von der EU-Kommission als Mitteilung an das europäische Parlament, den Rat, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen verabschiedet wurde, trägt den verheißungsvollen Titel „Ein Aktionsplan für Menschen, Natur und Wirtschaft“. Doch was verbirgt sich dahinter?

100.000 fordern eine neue Agrarpolitik!

100.000 fordern eine neue Agrarpolitik!

Jetzt sind es schon über 100.000 Bürgerinnen und Bürger, die über unsere Online-Aktion an der EU-Bürgerbefragung teilgenommen haben, und es werden minütlich mehr. Aber es bleibt auch nicht mehr viel Zeit: nur noch bis zum 2.Mai läuft die Konsultation von Phil Hogan, dem EU-Agrarkommissar. Wer es noch nicht getan hat: spätestens jetzt ist die Zeit sich einzumischen. Möglichst direkt den Fragebogen der EU-Kommission ausfüllen (Zugang hier, dauert etwa 20-30 Minuten mit unseren LivingLand-Antwortempfehlungen) – oder aber über die Online-Aktion in wenigen Klicks unter www.NABU.de/abstimmen .

Eine neue Bewegung hat sich gebildet

LivingLand besteht nicht nur aus den vielen Stimmen von Einzelbürgern. Es schließen sich auch immer mehr Organisationen und Unternehmen der LivingLand-Vision an. Wer schon alles dabei ist sieht man auf der internationalen Seite der Kampagne. Wer noch mitmachen will, kann das ganz einfach hier tun: www.Living-Land.de . Ob Bioladen, Sternerestaurant, Fitness-Studio, Krankenkasse oder Wasserwerk, ob Forschungseinrichtung oder Naturschutzverein, Lebensmittelhändler oder Verlag – es geht darum zu zeigen, dass Agrarpolitik und Ernähung alle angeht – und es so nicht weitergehen kann.

Für eine andere Agrarpolitik

Für eine andere Agrarpolitik

Stellt Euch vor, es gibt eine Bürgerbefragung und alle machen mit!

Der für Landwirtschaft zuständige EU-Kommissar Phil Hogan hat am 2.Februar eine Bürgerbefragung gestartet. Bis zum 2. Mai gibt er uns allen die Möglichkeit, uns zur Zukunft der EU-Agrarpolitik zu äußern. Allerdings ist der Fragebogen, wie bei solchen Konsultationen leider üblich, sehr technisch und schwer verständlich. Normalerweise nehmen an derartigen „Pflichtübungen“ europaweit nur ein paar Dutzend Experten der einschlägigen Interessensgruppen teil.