Natura 2000 Beiträge

Pandas, Wisente und Kettensägen

Updates zum Thema seit Erscheinen des Artikels am 13.7.2017:

19. Juli 2017: In einem offenen Brief (download hier) wendet sich NABU-Präsident Olaf Tschimpke an Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Bitte sich für die Rettung von Białowieża einzusetzen.

13. Juli 2017: Die EU-Kommission verklagt Polen vor dem Europäischen Gerichtshof und beantragt eine einstweilige Verfügung gegen die Abholzung von Białowieża.


In den vergangenen Tagen stürzten sich Politik und Medien in Berlin auf den jüngsten Akt der chinesischen „Panda-Diplomatie“, im Rahmen des G-20-Treffens in Hamburg wurde auch das Thema Klimawandel diskutiert.  Außerhalb dieser Bühnen der Diplomatie geht das Sterben wertvoller Wälder weiter. Nicht nur in den Tropen, sondern auch mitten in Europa.

Foto: Helge May

Während selbst Kanzlerin Angela Merkel, die Presse ohnehin, im Berliner Zoo verzückt die chinesische Leihgabe bewundert, rattern im UNESCO-Weltnaturerbe Białowieża die Motorsägen. Und nicht nur dort. Um unseren Energiehunger zu stillen, wurden in Nordrhein-Westfalen bereits über 5000 Hektar wertvoller alter Laubwald mit 200-jährigen Eichen und Buchen, der sogenannte „Hambacher Forst“, der Braunkohleförderung geopfert. Doch dieser Wald stand, politisch gewollt, nie unter Schutz. In Białowieża ist das anders. Er ist UNESCO-Weltnaturerbe, Nationalpark und seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union auch Natura-2000-Gebiet, das dem Schutz der EU-Naturschutzrichtlinien unterliegt: Der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie, den beiden Kernelementen des Naturschutzrechts in der EU.

Der etwa 1.500 Quadratkilometer große, einzigartige Urwald von Białowieża erstreckt  sich sowohl auf polnischer als auch auf weißrussischer Seite. Seit 1979 ist der Nationalpark Białowieża mit einer streng geschützten Kernzone von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Die Wälder mit jahrhundertealten Baumbeständen sind Heimat von Luchs, Wolf, Elch und vielen anderen in Europa selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten. Eine der größten Attraktionen – aber wesentlich schwieriger zu fotografieren als Pandas im Zoo – ist der Europäische Bison (Bison bonasus) oder Wisent.

Wisente durchstreiften bis in das frühe Mittelalter alle Urwälder in West-, Zentral- und Südosteuropa, doch mit dem Verlust seiner Lebensräume starb auch der Wisent aus. Ende des 19. Jahrhunderts war der „König der Wälder“ fast vollständig ausgerottet. Nur im Westkaukasus und in Białowieża hatten kleine Populationen überlebt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges starben sie dort ebenfalls aus. Aufwändige  Nachzuchten von Gehegetieren ermöglichten es aber nach dem zweiten Weltkrieg, wieder Wisente in die verbliebenen Urwälder auszusetzen, in Białowieża Anfang der 1950er Jahre (Hintergrundinfos zum Thema Wisent und Wisent-Schutz im Westkaukasus). Da die Tiere dort seinerzeit gute Bedingungen vorfanden und streng geschützt wurden, vermehrten sie sich rasch. Heute stammen alle Wisente, die in den ehemaligen Ostblockstaaten ausgewildert wurden, sowie die Tiere des ersten deutschen Auswilderungsprojektes im Rothaargebirge, aus dem Urwald von Białowieża.

Starkes Signal der Umweltminister zum EU-Aktionsplan

Der Aktionsplan der EU-Kommission.(Download der Broschüre auf Englisch)

Am 19.06.2017 schließen die Umweltminister der EU-Mitgliedstaaten das Kapitel „Fitness Check der FFH- und Vogelschutzrichtlinie“ endgültig ab und werfen den Blick nach vorn.

Rückblick

Wir errinnern uns: die EU-Kommission veröffentlichte am 27.04.2017 ihren vollmundig mit „Nature, People and the Economy“ überschriebenenen Aktionsplan. Dieser erfüllt bei erster Betrachtung des NABU zwar nicht ganz die Erwartungen, die wir zuvor an ihn gestellt und auf die wir hingearbeitet hatten. Gleichwohl hatten die in der Sache involvierten Umweltverbände auch auf EU-Ebene den Aktionsplan letztlich begrüßt und unterstützt. Bedenkt man, dass er nur kurzfristige Maßnahmen bis zum Jahr 2019 enthält und zusätzlich zu unserem erreichten Hauptziel gilt, die EU-Naturschutzrichtlinien unverändert zu lassen, scheint dies gerechtfertigt.

Schlussfolgerungen des EU-Umweltrats

Die luxemburgische Umweltministerin Dieschbourg, der deutsche Staatssekretär Flasbarth und der estonische Umweltminister Kiisler beim Umweltrat am 19.06.2017. Foto: Europäische Union.

Der Umweltrat in Luxemburg hat nun trotz der Vielstimmigkeit der verschiedenen EU-Mitgliedstaaten noch eine Schippe drauf  gelegt: Zum einen begrüßt er – wie dies im institutionellen EU-Gefüge üblich ist – den Aktionsplan der EU-Kommission. Darüber hinaus suchen die Umweltminister der EU im besten Diplomatensprech aber auch nach Wegen, um die EU-Kommission parallel zu weiteren Maßnahmen im Bereich Natur- und Biodiverstitätsschutz zu bewegen.

Dies wird deutlich, wenn man sich die vom Umweltrat (bisher nur auf Englisch) verabschiedeten Schlussfolgerungen näher anschaut. Adressiert werden nämlich u.a. die vom Ergebnis des Fitness Checks als prioritär herausgestellten Bereiche Naturschutzfinanzierung und Landwirtschaft sowie Umsetzung und Vollzug.

  • Unter Nummer 11 erkennen die Umweltminister selbstkritisch an, dass das Vervollständigen des Netzes Natura 2000 nebst dem Erarbeiten effektiver Managementmaßnahmen maßgeblich für die Zielerreichung der Richtlinien ist, und dass dies nur durch die Mitgliedstaaten selbst erfolgen kann.
  • Unter Nummer 17 bestätigen die Umweltminister, dass Haupthinderungsgrund dafür, dass das Natura 2000-Netzwerk die Vorteile nicht ausspielen kann, die Finanzierungslücke ist. Die Minister betonen dabei, dass angemessene, regelmäßige und zielgerichtete EU-Finanzierung nötig ist und fordern die EU-Kommission auf, nach Möglichkeiten zu suchen, um die Biodiversitätsziele besser ins EU-Budget zu integrieren. Unter Nummer 18 erkennen die Umweltminister sodann die Notwendigkeit an, die mehrjährige Finanzplanung zu verbessern im Hinblick auf Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen.
  • Unter Nummer 19 fordern die Umweltminister die EU-Kommission auf, Biodiversitätsaspekte effektiver in die Gemeinsame Landwirtschaftspolitik der EU (GAP) und andere parallele Politiken zu integrieren.
  • Unter Nummer 22 betonen die Umweltminister, dass es wichtig ist, aktuelle Schätzungen der Kosten für die Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien vorzulegen, auch um noch im laufenden Mehrjährigen Finanzrahmen der EU (MFR) die Wirksamkeit des integrierten Ansatzes der Biodiversitätsfinanzierung bewerten zu können.
  • Unter Nummer 25 erneuern die Umweltminister ihre Aufforderung an die EU-Kommission, einen Vorschlag für ein Transeuropäisches Netzwerk an Grüner Infrastruktur (TEN-G) vorzulegen.

 

NABU-Bewertung

Rückblick: Der NABU und BirdLife Europe beim Umweltrat am 20.06.2016 im Gespräch mit Umweltkommissar Vella. Foto: BirdLife Europe.

Der NABU und seine Dachverbände – BirdLife Europe und EEB – hatten im Rahmen ihrer Stellungnahme zum Aktionsplan und in den Gesprächen mit der EU-Kommission genau diese Punkte als elementar angesehen: TEN-G, Kostenschätzung, GAP-Kohärenz und Naturschutzfinanzierung im nächsten MFR. Vielfach haben sie im Vorfeld aber zu hören bekommen, hierdurch würden andere Politiken vorweggenommen oder dies sei zu ambitioniert für den kurzen Zeitraum des Aktionsplans.

Bezüglich des vom NABU als Ausweg aus der Finanzierungslücke gesehenen eigenständigen Naturschutzfonds findet sich in den Schlussfolgerungen nun keine explizite Forderung der Umweltminister. Dies mag auch daran liegen, dass in Deutschland zwar die Umweltministerin vehement für einen solchen eintritt, diese Position aber nicht ressortabgestimmt ist. Wichtig werden dürfte für die Zukunft also, dass sich eine gemeinsame Linie auch mit anderen Ministerien findet. Von einem Naturschutzfonds betroffen, aber bezüglich der finanziellen Leistungen an Landnutzer auch von ihm profitieren könnte beispielsweise das Landwirtschaftsministerium; haushalterisch relevant dürfte darüber hinaus das Finanzministerium sein. Immerhin sieht auch der beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angesiedelte Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik – gemeinsam mit dem Sachverständigenrat für Umweltfragen – in einer aktuellen Stellungnahme den Naturschutzfonds grundsätzlich für das vorteilhaftere Modell.

 

Fazit

Insgesamt verdeutlichen die aufgezeigten zahlreichen Hinweise in den Schlussfolgerungen, dass ein „Business as usual“ nicht ausreichen wird. Damit hat die Kommission genügend Rückhalt aus dem Mandat der Mitgliedstaaten: zum einen gilt es, die einzelnen Maßnahmen des Aktionsplans abzuarbeiten – eine Aufgabe, die nicht unterschätzt werden sollte. Gleichzeitig sind weitere Schritte einzuleiten, um gerüstet zu sein und die Weichen zu stellen, damit die großen Politikbereiche der EU – etwa GAP und MFR – spätestens nach 2020 ebenfalls ihren Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten.

#NatureAlert: Kommission veröffentlicht Aktionsplan

Heute veröffentlichte die EU-Kommission den angekündigten Aktionsplan zum besseren Schutz von Natur und Biodiversität in der EU – das „Follow-up“ zum Fitness-Check der EU-Naturschutzrichtlinien (Pressemitteilung der Kommission). Im Dezember 2016 beschloss die EU-Kommission anstelle einer Änderung der beiden Richtlinien Schritte für deren verbesserte Umsetzung und Finanzierung einzuleiten. Ein historischer Erfolg für den europäischen Naturschutz, an dem der NABU in enger Zusammenarbeit mit Umweltverbänden in Deutschland und der EU einen großen Anteil hat.

Der druckfrische Aktionsplan, der von der EU-Kommission als Mitteilung an das europäische Parlament, den Rat, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen verabschiedet wurde, trägt den verheißungsvollen Titel „Ein Aktionsplan für Menschen, Natur und Wirtschaft“. Doch was verbirgt sich dahinter?

Schutzgebiete vor dem Aus?

Schutzgebiete vor dem Aus?

Schließen Sie sich unserem Protest an und schicken Sie einen Protestbrief an die Kanzlerin!

Das Ringen um einen wirksamen Schutz von Nord- und Ostsee geht in die vorerst letzte Runde. Mitte Mai steht dazu eine Entscheidung im Bundestag an. Und es sieht nicht gut aus.

Im Februar 2017 wurde das Bundesnaturschutzgesetz novelliert. Mit den eingebrachten Änderungen können zusätzliche Arten wie Haie und Rochen, aber auch seltene Lebensräume besser geschützt werden. Der Haken: Paragraf 57 der Gesetzesnovelle. Hier wird den betroffenen Ministerien für Landwirtschaft, Wirtschaft, Fischerei und Forschung – statt wie bisher eine Beteiligung – eine sogenannte Einvernehmensregelung zugesichert. Das ist nichts anderes als ein Vetorecht bei der Unterschutzstellung unserer wertvollsten Meeresgebiete, den Natura-2000-Gebieten nach FFH- und EU-Vogelschutzrichtlinie. Beim Schutz von Schweinswalen, Seevögeln, Riffen oder Seegraswiesen sollen künftig die Fischerei-, Rohstoff- und Schifffahrtslobbys mitentscheiden können.

Nature, People and the Economy

Über den Aktionsplan als Follow-Up zum Fitness Check der EU-Naturschutzrichtlinien

Nature Alert Erfolg - Fred Fuchs

Fred Fuchs: „NatureAlert-Erfolg“

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob die EU-Kommission ihre eigenen Schlussfolgerungen und das REFIT-Programm bzw. ihre „Better-Regulation-Agenda“ insgesamt ernst nimmt. Derzeit erarbeitet sie nämlich einen sogenannten Aktionsplan als Follow-Up zum Fitness Check der EU-Naturschutzrichtlinien. Wir erinnern uns: mehr als zwei Jahre währte das Bemühen von Naturschützern, engagierten Bürgerinnen und Behördenvertretern, um gegen das Aufweichen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie anzukämpfen. Als das Kollegium der EU-Kommissare am 7. Dezember 2016 entschied, die beiden Richtlinien nicht aufmachen zu wollen, konnten endlich die Sektkorken knallen. Dass die EU-Naturschutzrichtlinien „fit for purpose“ sind, bestätigt das Arbeitsdokument vom 16. Dezember 2016, welches offiziell einen Schlusspunkt unter den Fitness Check setzt.

Viel erreicht, aber noch lange nicht genug!

Viel erreicht, aber noch lange nicht genug!

Erster Fortschrittsbericht zur Umsetzung des EU-Umweltrechts

Das Umwelt- und Naturschutzrecht der Europäischen Union (EU) beziehungsweise der früheren Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ist eine Erfolgsgeschichte, die angesichts anderer, vermeintlich drängenderer Probleme, oder im Juncker-Sprech „wichtiger Dinge“  oft gerne vergessen wird. Eine Erfolgsgeschichte seit 1973, seit also fast 45 Jahren, der Verabschiedung des ersten gemeinschaftlichen Umweltaktionsprogramms (UAP). Inzwischen beschlossen Rat und Parlament im November 2013 das bereits siebte UAP (Beschluss Nr. 1386/2013/EU) bis 2020, mit dem gleichermaßen anschaulichen und programmatischen Titel „Gut leben innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten“. Im Herbst 2015 unterschrieben die EU als Ganzes sowie ihre Mitgliedstaaten die UN-Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (SDGs).

#NatureAlert erfolgreich: EU-Naturschutzrichtlinien bleiben

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EU-Kommission gibt Pläne zur Änderung des Naturschutzrechts auf

Soeben erreicht uns die Nachricht, dass die Europäische Kommission beschlossen hat, die EU-Naturschutzrichtlinien in ihrer jetzigen Form beizubehalten (Pressemitteilung der EU-Kommission). Jean-Claude Juncker hat damit sein Vorhaben aufgegeben, die EU-Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zu „verschmelzen und zu modernisieren“.

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Man kann dies durchaus einen historischen Erfolg nennen. Erstmals in der Geschichte der EU war versucht worden, bestehende Umweltstandards zurückzudrehen – unter dem Deckmantel der „Entbürokratisierung“ und in der Zuversicht, dass der Naturschutz keine starke Stimme in der Gesellschaft hat.

Karmenu Vellas Kommentar zur Debatte der Kommissare (auch HIER):

„Our European Commission ‚fitness check‘ has recognised that the European Birds and Habitats Directives remain relevant and fit for purpose. They will not be ‚opened‘. The Juncker Commission continues to look to connect in meaningful ways with European citizens. Protecting and investing more in nature is essential as so many depend on it also economically – It  is literally a grassroots approach. Our focus will now be on making sure that they are implemented in the most effective and efficient way to realise their full potential for nature, people and the economy. I am delighted that we have delivered on an essential part of the mandate given to me by President Juncker“.

Update: Am 16.12. veröffentlichte die EU-Kommission ihr „Staff Working Document“ (KOM-Arbeitspapier) – download HIER (Englisch).

Wir wollen eine EU mit starken Umweltstandards

Der NABU, unser Dachverband BirdLife, viele weitere Verbände, Unternehmen, Institutionen aus ganz Europa und nicht zuletzt über 500.000 Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv zu Wort gemeldet haben, haben das Gegenteil bewiesen. Wir wollen eine EU, die mit starken Umweltstandards weltweit vorangeht.

Finaler Countdown für Europas Naturschätze

© European Union , 2016 / Source: EC - Audiovisual Service / Photo: Etienne Ansotte

Wöchentliches Sitzung des Kollegiums der Kommissionsmitglieder. Foto: European Union , 2016 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Etienne Ansotte

Der Countdown zur finalen Entscheidung der EU-Kommission zum Fitness-Check der EU-Naturschutzrichtlinien hat begonnen. Am kommenden Mittwoch (7. Dezember) werden die EU-Kommissare in ihrer wöchentlichen Kollegiumssitzung zusammen kommen, um in einer sogenannten Orientierungsdebatte über die Zukunft des EU-Naturschutzes zu sprechen. Der Fitness-Check der EU-Naturschutzrichtlinien steht als erster Punkt auf der Tagesordnung des Treffens. Wir fordern von der Kommission dem Votum von über 500.000 Bürgerinnen und Bürgern, der Allianz der EU-Umweltministern und der Mehrheit des Europäischen Parlamentes zu folgen und den Erhalt der Richtlinien im Anschluss des Treffens zu verkünden.

Die Richtlinien erfüllen ihren Zweck. Das bestätigt die Evaluationsstudie der Fachgutachter, die im Juli auf Druck der Umweltverbände hin veröffentlicht wurde, eindrucksvoll. Nachdem die finalen politischen Schlussfolgerungen der Kommission ursprünglich im Frühling 2016 erwartet und dann auf den Herbst verschoben worden, ist es nun allerhöchste Zeit den Prozess endlich abzuschließen und sich den eigentlichen Problemen zu widmen. Die Naturschutzrichtlinien bilden eine hervorragende gesetzliche Basis für den EU-Naturschutz. Nach über zwei Jahren umfangreichster Überprüfung steht so viel fest. Woran mangelt es, um den Artenrückgang zu stoppen und sich dem 2020-Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie wenigstens noch zu nähern?

Neustart für die EU-Naturschutzfinanzierung?

Internationaler NABU-Workshop in Bratislava

Die Slowakei hat gerade den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne. Daher führt der Weg vieler Diplomaten und Experten derzeit an die Donau nach Bratislava.

Foto: Kristina Richter

Als Teil eines vom Bundesumweltministerium geförderten Projekts veranstaltete der NABU dort am 10.Oktober einen internationalen Workshop zur EU-Naturschutzfinanzierung. Schirmherr der Veranstaltung war die Slowakische Ratspräsidentschaft, mitorganisiert wurde der Workshop von unserem Dachverband BirdLife Europe und dem Naturschutzverband SOS/BirdLife Slowakei.

Umsetzung von Natura 2000: Wie fit ist Deutschland?

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Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Foto: Adam Sevens

Der Fitness-Check der EU-Naturschutzrichtlinien ist auf politischer Ebene leider immer noch nicht zu einem formalen Ende gebracht worden, insofern bietet der Herbst womöglich noch manchen Spannungsbogen; rein fachlich ist das Ergebnis der Überprüfung aber eindeutig: die Richtlinien sind „fit for purpose“, wie die auf Druck der Verbände veröffentlichte Fachstudie zeigt. Zumindest gilt dies demnach für die Richtlinien selbst. Der Umsetzung in den Mitgliedsstaaten hingegen  werden in der Studie erhebliche Defizite bescheinigt: Fehlende Kriterien für den günstigen Erhaltungszustand, unzureichender Schutz der Gebiete vor Eingriffen, fehlende Managementpläne und ausbleibende oder ineffektive Managementmaßnahmen,  mangelhafte Integration der Ziele und Vorschriften der Richtlinien in andere Politikbereiche (vor allem in die GAP), Wissenslücken sowie eingeschränkte Datenverfügbarkeit und fehlender Austausch von Daten, Erfahrungen und Ergebnissen,  unzureichende Verfügbarkeit finanzieller Mittel. Parallel läuft zudem weiterhin das im Frühjahr 2015 von der EU-Kommission eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik wegen zeitlicher Verzögerungen bei der rechtlichen Sicherung der Gebiete und der Festlegung von Managementmaßnahmen. Grund genug also um einmal genauer hinzu schauen – unter der Überschrift „Umsetzung von Natura 2000 – wie fit ist Deutschland?“ fand dazu am 27. September ein NABUtalk in Berlin statt.