Klima Beiträge

Appell von Industrie und NABU: Holz ist zu schade zum Verbrennen!

Appell von Industrie und NABU: Holz ist zu schade zum Verbrennen!

Holz ist ein unverzichtbarer Rohstoff – auch für den Klimaschutz. Holz soll künftig deutlich mehr klimaschädliche Baustoffe wie Beton ersetzen und CO2 langfristig binden. Wir nutzen es in Möbeln, Spanplatten und Türen. Und es soll in Zukunft sogar fossiles Gas und Öl in der Grundstoffchemie ersetzen. Dabei dürfen wir aber die Wälder nicht übernutzen – sie dienen als CO₂-Speicher und Lebensräume, liefern Trinkwasser und kühlen die Umgebung.

Wenn man sich diese vielen Möglichkeiten der Holzverwendung anschaut, erstaunt eine Zahl: Etwa die Hälfte des in Deutschland anfallenden Holzes wird verbrannt – und ist damit für andere Nutzungen verloren. Mehr als ein Drittel des Holzes wird direkt nach der Ernte verheizt, vor allem Buchenholz. Vom gebrauchten Holz gehen sogar ca. 80 Prozent in die Verbrennung – deutlich mehr als in anderen europäischen Ländern und ein Ergebnis jahrelanger finanzieller Fehlanreize.

Dabei könnten die meisten Holzsortimente durchaus stofflich genutzt werden. Für Span- und Faserplatten, Dämmmaterial und sogar innovative Holzbausteine können problemlos Laubholz, Holz mit Borkenkäferspuren oder bereits gebrauchtes Holz (sogenanntes Altholz) verwendet werden. Lediglich mit giftigen Chemikalien belastetes Altholz kommt für eine Weiternutzung nicht in Frage, dieses macht aber nur wenige Prozent aus.

Holz als Brennstoff boomt – Klima und Wertschöpfung sind bedroht

Da Holzverbrennung in der EU als erneuerbare Energie gewertet wird, stellen immer mehr Privathaushalte, Städte und Unternehmen ihre Energieversorgung von Kohle, Öl und Gas auf Holzbiomasse um. So überfällig der Ausstieg aus den Fossilen auch ist: Die Wärmewende durch einen flächendeckenden Umstieg auf Holzenergie zu bewältigen, würde massive Klimaschäden mit sich ziehen und auch der Wertschöpfung schaden.

Das wird an einem Beispiel deutlich: Berlin plant für die Fernwärme einen Teil seiner Kohleheizkraftwerke durch Altholzverbrennungsanlagen zu ersetzen. Dieses Holz wird aber bisher in der Region Berlin-Brandenburg stofflich verwendet, zum Beispiel für Spanplatten oder Laminat. Diese Wertschöpfung steht durch die direkte Konkurrenz um das Holz nun auf dem Spiel. Zudem würde das im Holz gebundene CO₂ bei der Verbrennung freigesetzt – für die gleiche Wärmemenge wäre der CO₂-Ausstoß damit höher als bei Kohle.

Politik muss konsistente Leitplanken setzen

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger (r.) und der Präsident des Verbandes der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI), Dr. Jan Bergmann, setzen vor dem Bundestag mit dem gemeinsamen Holz-Appell ein Zeichen. Bildquelle: NABU/Marie Voigt

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger (r.) und der VHI-Präsident, Dr. Jan Bergmann, präsentieren den gemeinsamen Appell in Berlin. Foto: NABU/Marie Voigt

In einem gemeinsamen Appell haben sich daher nun der NABU, der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI) sowie der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackungen (HPE) an die Politik gewandt. Das gemeinsame Anliegen der Verbände: Es braucht dringend eine politische Weichenstellung hin zu einer effizienteren Holznutzung. Die derzeitige Subventionierung von Holzenergie, beispielweise über die EEG-Einspeisevergütung für Strom aus Holzverbrennung, für Anlagen in Wärmenetzen oder Holzheizungen, muss beendet werden. Stattdessen sollten staatliche Gelder in wirklich klimafreundliche, brennstofffreie Technologien investiert werden. Auch der Waldumbau und die stoffliche Verwendung von Holz sollten gefördert werden. Aktuell wird gleichzeitig der Erhalt der Waldsenke sowie deren Verheizen subventioniert – eindeutig eine Verschwendung von Steuergeldern, wie es im Appell heißt:

„Nur wenn mehr Holz für langlebige Produkte genutzt und weniger Holz verbrannt wird, kann Deutschland seine Klimaziele erreichen. Diese Erkenntnis muss beim Ausbau von Holzenergie und Holzwärme berücksichtigt werden, damit die begrenzte Rohstoffbasis nicht überfordert und andere wichtige Nutzungen verdrängt werden.“

Auch ordnungsrechtlich muss aus Sicht der Verbände gegengesteuert werden. So sollte eine Umstellung von Kraftwerken auf Holz nur noch erlaubt werden, wenn nachgewiesenermaßen keine stofflich noch verwertbaren Holzarten als Brennstoff eingeplant werden. Die unter der Vorgängerregierung nicht fertig gestellte Nationale Biomassestrategie muss auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen die nachhaltig vorhandenen Holzmengen in die Verwendungszwecke lenken, wo es bisher keine erneuerbaren Alternativen gibt. Und es braucht endlich ein umfassendes Monitoring, welche Mengen von Holz derzeit energetisch eingeplant werden. Denn ist ein Kraftwerk erstmal gebaut, entzieht es für Jahrzehnte das Holz der stofflichen Nutzung.

Für mehr Klimaschutz, eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder sowie für mehr Wertschöpfung muss das Motto lauten: Holz vorrangig und so oft wie möglich stofflich nutzen.


Weiterführende Informationen:


Von Eric Häublein, Referent für Bioenergie

Europäischer Emissionshandel: Hebel für Klimaschutz wird ausgebremst

Europäischer Emissionshandel: Hebel für Klimaschutz wird ausgebremst

Was ist passiert? 

Die Einführung des europäischen Emissionshandels für die Sektoren Gebäude und Verkehr (ETS II) war ursprünglich für 2027 geplant. Im November 2025 beschlossen die EU-Umweltminister*innen, diesen Zeitpunkt um ein Jahr auf 2028 zu verschieben. Das Europäische Parlament hat diesem Vorschlag im gleichen Monat zugestimmt. Mit dieser Verzögerung wird ein zentrales Element des europäischen Emissionshandels und damit ein entscheidender Hebel für Klimaschutz in der Europäischen Union geschwächt.  

Klimaziel 2040: Fehlende Ambitionen in der EU

Klimaziel 2040: Fehlende Ambitionen in der EU

Zu viele Schlupflöcher und Rechentricks

Am 05. November hat der europäische Umweltminister*innenrat das Klimaziel der EU für 2040 festgelegt – und es ist ein enttäuschendes Signal für den europäischen Klimaschutz!

Herber Rückschlag für Klimaschutz in der Schifffahrt

Herber Rückschlag für Klimaschutz in der Schifffahrt

Die internationale Seeschifffahrt ist für etwa drei Prozent der global emittierten Treibhausgase verantwortlich. Um diese Emissionen zu reduzieren, hat die zuständige UN-Organisation IMO 2023 eine Strategie beschlossen. Doch die finale Entscheidung wurde kurzfristig vertagt.

Mit Treibhausgasbilanzierung auf Klimakurs

Mit Treibhausgasbilanzierung auf Klimakurs

Immer mehr Unternehmen und Organisationen verpflichten sich dem Klimaschutz. Dabei fallen Begriffe wie Treibhausgasbilanzierung, Scope und Greenhouse Gas Protocol. Wie gelangt man von diesen abstrakten Fachausdrücken zu tatsächlichen Verbesserungen fürs Klima? Hier klären wir die Grundbegriffe und Hintergründe.

Wie können Unternehmen mehr zu Natur- und Klimaschutz beitragen?

Wie können Unternehmen mehr zu Natur- und Klimaschutz beitragen?

Nur mit einer richtigen Bilanzierung der eigenen Aktivitäten!                    Kritik am Ansatz der Value Balancing Alliance

Sustainable Finance spielt eine immer größere Rolle, um Klima- und Naturschutzziele in der Realwirtschaft zu stärken. Zudem spielt die Vermeidung von Greenwashing eine wichtige Rolle. Neben klaren Nachhaltigkeitsklassifikationen für Finanzanlagen sind erweiterte Unternehmensberichterstattungspflichten zentral, um Finanzflüsse effektiv umzuleiten. Investor*innen brauchen Klarheit darüber, wie stark Geschäftsmodelle auf das Klima und die Natur wirken und welche finanziellen Risiken sich durch Klima- und Umwelteinflüsse ergeben. Damit die Unternehmensberichterstattung dazu beitragen kann, Geschäftsmodelle anhand planetarer Grenzen auszurichten und Nachhaltigkeitsaspekte effektiv in die Unternehmenssteuerung zu integrieren, sind ambitionierte, wissenschaftsbasierte und zukunftsorientierte Accountingstandards notwendig.

Falsche Anreize: Wie die EU-Gesetzgebung die Entwaldung vorantreibt und das Klima bedroht

Falsche Anreize: Wie die EU-Gesetzgebung die Entwaldung vorantreibt und das Klima bedroht

Wälder spielen eine signifikante Rolle bei der Eindämmung der Klimakrise. In den Modellen des Weltklimarates IPCC sind sie als wichtige CO2-Senke einberechnet – werden sie stattdessen abgeholzt und verfeuert, rücken alle Klimaziele in weite Ferne. Unsere Zukunft hängt somit an der Zukunft unserer Wälder.

Hilft der neue europäische Emissionshandel wirklich dem Klimaschutz?

Hilft der neue europäische Emissionshandel wirklich dem Klimaschutz?

Beim Klimaschutz läuft uns die Zeit davon! Erst kürzlich hat der Weltklimarat wieder eindrücklich belegt, dass die nächsten zehn Jahre entscheidend sind, wenn wir noch irgendwie das Ruder herumreißen und die Klimakrise aufhalten wollen. Um in der EU bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent zu erreichen, schlägt die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket vor. Unter anderem beinhaltet dieses ab 2026 die Einführung eines zweiten Emissionshandelssystems für die Sektoren Gebäude und Straßenverkehr. Ähnlich wie bei dem ab 2021 in Deutschland geltenden System stellt sich hier aber die Frage, ob es sich nicht eher um einen zahnlosen Tiger handelt, oder ob unsere Kriterien für ein wirksames Klimaschutzinstrument erfüllt werden.

Bundesregierung vergibt erste Green Bonds

Bundesregierung vergibt erste Green Bonds

Etwa vier Milliarden Euro beträgt das Volumen der vom Bund aufgelegten grünen Bundesanleihen (Green Bonds). Mit den Einnahmen aus den ersten grünen Bundeswertpapieren sollen saubere Verkehrssysteme, Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen, der Übergang zu einer weitgehend mit erneuerbaren Energien arbeitenden Wirtschaft sowie zu einem effizienteren Energieverbrauch und die Förderung von klimaresilienten Wäldern und Naturlandschaften finanziert werden.

Umsteigen im Kopf – Nachhaltig „was bewegen“

Umsteigen im Kopf – Nachhaltig „was bewegen“

Sommerzeit ist Reisezeit und bei meinem besten Freund sah das letztes Jahr so aus: Im Mai die Mona Lisa im Louvre bestaunen, im Juni den Junggesellenabschied in Barcelona feiern und im August am Playa de las Teresitas die Sonne Teneriffas genießen – alles mit dem Flugzeug. Und damit ist er nicht allein: Für viele Menschen ist Fliegen ein selbstverständliches Mittel zum Reisen geworden.