Wie können Unternehmen mehr zu Natur- und Klimaschutz beitragen?

Wie können Unternehmen mehr zu Natur- und Klimaschutz beitragen?

Nur mit einer richtigen Bilanzierung der eigenen Aktivitäten!                    Kritik am Ansatz der Value Balancing Alliance

Sustainable Finance spielt eine immer größere Rolle, um Klima- und Naturschutzziele in der Realwirtschaft zu stärken. Zudem spielt die Vermeidung von Greenwashing eine wichtige Rolle. Neben klaren Nachhaltigkeitsklassifikationen für Finanzanlagen sind erweiterte Unternehmensberichterstattungspflichten zentral, um Finanzflüsse effektiv umzuleiten. Investor*innen brauchen Klarheit darüber, wie stark Geschäftsmodelle auf das Klima und die Natur wirken und welche finanziellen Risiken sich durch Klima- und Umwelteinflüsse ergeben. Damit die Unternehmensberichterstattung dazu beitragen kann, Geschäftsmodelle anhand planetarer Grenzen auszurichten und Nachhaltigkeitsaspekte effektiv in die Unternehmenssteuerung zu integrieren, sind ambitionierte, wissenschaftsbasierte und zukunftsorientierte Accountingstandards notwendig.

Effektive Standards zur Berichterstattung fehlen bislang

Die wichtige Rolle der Unternehmensberichterstattung für die Umleitung der Finanzflüsse ist lange bekannt, doch bislang fehlen effektive Standards. Zwar müssen einige Unternehmen in der EU bereits heute auf Grundlage der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) über nicht-finanzielle Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit berichten. Doch die Berichtspflicht ist kaum standardisiert und wird von Unternehmen sehr unterschiedlich gehandhabt. Ein effektiver Vergleich ist derzeit nicht möglich. Mit der Corporate Sustainability Reporting-Directive (CSRD) plant die EU, diese Lücke zu schließen und höhere Standards für die Unternehmensberichterstattung zu verabschieden. Allerdings soll die CSRD erst 2024 rückwirkend für das Jahr 2023 gelten. In der Zwischenzeit versuchen sich verschiedene öffentliche und private Initiativen mit eigenen Standards zu positionieren– mit unterschiedlichen Ambitionsniveaus.

Value Balancing Alliance: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Ein privater Accountingansatz, der in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten hat, ist von der privatwirtschaftlichen Initiative Value Balancing Alliance (VBA) erarbeitet worden, die aus 19 Unternehmen besteht. Sie erarbeitet eine Methodik, die positive und negative Einflüsse von Unternehmen monetarisiert. So stellt die VBA ein Entscheidungsinstrument bereit, mittels dessen Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit nachhaltiger aufstellen können sollen. Allerdings zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass der VBA-Ansatz für dieses Ziel kein hinreichendes Instrument darstellt. Wesentliche Punkte eines ambitionierten Unternehmensaccountings, das Nachhaltigkeitsziele systematisch integriert, Geschäftstätigkeiten wissenschaftsbasiert analysiert und so positiv auf die Unternehmenssteuerung Einfluss nimmt, sind nicht erfüllt.

Kritik von NABU, Germanwatch und WWF

Zentrale Kritikpunkte, die NABU, WWF und Germanwatch in einem gemeinsamen Factsheet am Ansatz der Value Balancing Alliance zusammengetragen haben, sind folgende:

  • Dem VBA-Ansatz gelingt es nicht, die planetaren Grenzen in der Geschäftstätigkeit abzubilden. Stattdessen weist der VBA-Ansatz einen monetären Wert für die Einflüsse des Unternehmens auf Klima, Umwelt und Gesellschaft aus. Die Einhaltung planetarer Grenzen ist aus diesem Wert jedoch nicht unmittelbar zu erkennen.
  • Anstatt Natur- oder Klimaschäden als klare negative Faktoren aufzulisten, suggeriert der Ansatz der VBA, dass negative und positive Impacts miteinander aufgewogen werden könnten. Zwar empfiehlt die VBA ein solches Aufrechnen nicht durchzuführen, um Greenwashing zu vermeiden: Unternehmen könnten hier trotzdem Möglichkeiten sehen, ihre Analyse mit einer Kompensationslogik zu versehen.
  • Der Accountingansatz der VBA fokussiert vor allem auf zurückliegende Geschäftstätigkeiten. Transformationspfade und wissenschaftsbasierte Nachhaltigkeitsziele sieht er aktuell nicht vor: Ob Unternehmen tatsächlich zukunftsorientiert aufgestellt sind, lässt sich so nur unzureichend bewerten.
  • Damit ein Unternehmensaccounting positive Nachhaltigkeitseffekte generieren kann, muss es fundierte Entscheidungen über Geschäftstätigkeiten ermöglichen. Diese Entscheidung kann jedoch aufgrund der oben skizzierten Kritikpunkte kaum getroffen werden.

Unternehmensaccounting: Ambitioniertere Standards sind nötig

Damit die Unternehmensberichterstattung zu verbesserten Nachhaltigkeitsanstrengungen in Unternehmen führen kann, sind wichtige Voraussetzungen zu erfüllen. Der Accountingansatz der Value Balancing Alliance erfüllt diese Kriterien nicht. Berichterstattungsstandards mit einem höheren Ambitionsniveau sind nötig, als die VBA sie mit ihrem Ansatz vorlegt.

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