Der Ruf des Goldes

Der Ruf des Goldes

Um festzustellen, ob sich Koboldmakiarten durch ihre Ruflaute voneinander unterschieden lassen, sind wir bereits vor drei Tagen für weitere Rufaufnahmen in den Regenwald aufgebrochen. Inzwischen fühlen wir uns schon fast wie zu Hause. Anders als in den Agrarflächen nahe den Dörfern, können wir hier im Regenwald nun auch abends die Ruflaute aufnehmen. In der morgendlichen Dämmerungszeit sind aber immer noch weitaus mehr Koboldmaki-Stimmen zu hören.

Der Lebensraum der Koboldmakis ist in Gefahr, Foto: Simon Stephan

Kurz bevor sie sich in den Morgenstunden zum Schlafen begeben, kommunizieren Koboldmakis noch einmal besonders intensiv miteinander. Und trotz ihres geringen Gewichtes von etwa 100 Gramm kann man sie dann – mit ein wenig Glück – entdecken, wenn sie von Palmwedel zu Palmwedel springen. So sitzen wir jeden Morgen bereits etwa eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang auf unseren Positionen und beobachten, wie das Schauspiel des Tages das Konzert der Nacht ablöst.

Doch selbst hier, so tief im Regenwald, wird die Idylle getrübt. Auf dem Weg zurück ins Camp begegnen wir schwer bepackten Motorrädern, die sich täglich zu der rund 50 Kilometer entfernten Goldmine durch den Schlamm der bergigen Landschaft fressen.

 

Für den Goldabbau werden Bäume gefällt, Foto: Lara Shirin Bienkowski

Sie versorgen die Arbeiter dort mit Nahrung und Materialien. Die Wege, die uns durch die Waldstücke führen, wenn es am Flusslauf mal nicht weitergeht, sind gekennzeichnet von knietiefen Fahrrinnen. Im Gegensatz zum illegalen spielt der legale Goldabbau in der Region zwar nur punktuell eine Rolle, aber die bergrechtlichen Konzessionen liegen zum Teil sogar über den Waldschutzlizenzen. Dem illegalen Abbau, dem die lokalen Behörden offenbar nur zusehen, will der NABU mit seinem Regenwaldschutzprojekt aber begegnen, zum Beispiel durch Schaffung alternativer Einkommensquellen.

Titelfoto: Simon Stephan

Simon Stephan

Simon Stephan

studiert an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde in dem Studiengang International Forest Ecosystem Management. Seine Liebe zu den Waldökosystemen der Erde wurde durch eine Reise in die kanadischen Outbacks geweckt. Sein Interessengebiet umfasst insbesondere das Feld der Umweltbildung und die Anwendung geographischer Informationssysteme zur Lösung umweltrelevanter Problemstellungen. Im Rahmen eines Auslandspraktikums beim NABU ist er mit einem Team von Wissenschaftlern auf Sulawesi unterwegs um die Frage zu klären, ob die Sulawesi-Tarsier als Indikatorarten für den Zustand des Regenwaldes geeignet sind.
Simon Stephan

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