Sulawesi – gefährdetes Koboldmaki-Paradies

Die indonesische Insel Sulawesi hat durch seine Lage zwischen zwei großen Kontinentalplatten eine buchstäblich bewegte Vergangenheit hinter sich. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit der kleinen Insel. Denn dort, wo sich die eurasische Platte kontinuierlich über die australische Platte schiebt, befindet sich ebenfalls eine unsichtbare biogeographische Grenze in der Tiefe des Ozeans – die nach seinem Entdecker benannte Wallace-Linie.

Deutlich sichtbar ist diese Trennlinie durch die unterschiedliche Pflanzen- und Tierwelt, etwa im Vergleich zu den Nachbarinseln Sulawesi und Borneo. Koboldmakis kommen auf beiden Inseln vor –  doch in völlig verschiedenen Arten! Und diese Arten kommen jeweils nur auf der einen oder anderen Insel vor. Sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht – von ihrem Aussehen bis hin zu ihrem Sozialverhalten.

Sulawesi selbst beheimatet dabei die meiste Anzahl der kleinen Affen mit den großen Augen – und Wissenschaftler vermuten noch einige unentdeckte Koboldmaki-Arten mehr. Dieses Koboldmaki-Paradies beherbegt möglicherweise gerade deswegen so viele verschiedene Varianten dieser charismatischen Jäger, weil die Regenwälder in der Erdgeschichte den globalen Eiszeiten trotzen konnten. So entstand ein Refugium, in dem sich die kleinen, nachtaktiven Affen unabhängig von einander entwickeln konnten.

Exkursion nach Sulawesi - Foto: NABU/T. Kirschey

Exkursion nach Sulawesi – Foto: NABU/T. Kirschey

Für den internationalen Biodiversitätsschutz zählt jede Art und jede Variante einer Spezies, denn genetische Variabilität ist das beste Werkzeug für eine jede Art, kommenden Umweltveränderungen auf lange Sicht trotzen zu können; wie schon oft in der Erdgeschichte geschehen.

Heutzutage sieht sich dieses Refugium, die dichten Wälder Sulawesis, leider erneut einer Gefahr ausgesetzt. Der Mensch beansprucht immer mehr Flächen für sich und greift dabei massiv in intakte Habitate der baumlebenden Primaten ein. Große Waldflächen sind bereits verschwunden und wo Lebensräume zerstört werden, haben auch die Bewohner keine Überlebenschance mehr.

Seit 2009 setzt sich der NABU und sein indonesischer Partner Burung Indonesia daher vehement gegen die gefährlich ansteigende Entwaldungsrate ein. Gerade die Kobolmakis drohen, dauerhaft von Sulawesi zu verschwinden, einige darunter, die noch nicht einmal mehr entdeckt wurden.

Der NABU und sein lokaler Partner verfolgen deswegen den Ansatz, die noch bestehenden Waldflächen Sulawesis über sogenannte Ökosystem-Restaurations-Lizenzen dauerhaft und nachhaltig unter Schutz zu stellen. Dieses neuartige Konzept wurde erstmals im Harapan-Regenwald auf Sumatra erfolgreich erprobt. Gefährdete Gebiete können so nachhaltig und nach festgelegten Eingriffsregelungen und Ausgleichsmaßnahmen gemanagt werden und bergen so Potential für Mensch und Natur in der jeweilgen Region.

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Andrea Schell

Andrea Schell

Diplom-Biologin, studierte an der Georg-August Universität Göttingen und am Deutschen Primatenzentrum Biologie mit den Schwerpunkten Verhaltensökologie sowie Naturschutz. Unter anderem erforschte sie die Nahrungsökologie von Guinea-Pavianen im senegalesischen Niokolo-Koba-Nationalpark. Feldaufenthalte führten sie nach Afrika und Lateinamerika. Andrea Schell engagiert sich in international tätigen Naturschutzorganisationen während Forschungsexpeditionen in Afrika und Südostasien und unterstützt in der Öffentlichkeitsarbeit und Projektkoordination. Besonders wichtig im globalen Arten- und Ökosystemschutz ist ihr der enge Kontakt und Wissensaustausch mit lokalen Interessensvertretern, um neben Schutzstrategien auch alternative Einnahmequellen zu entwickeln. Anfang 2016 reiste sie mit einer NABU-Delegation nach Sulawesi und hielt für den indonesischen NABU-Partner Burung Indonesia einen Workshop, um auf die Schutzbedürfnisse der Koboldmakis aufmerksam zu machen.

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