Klimaziele zu lasch: Unternehmen steuern auf 2,7 Grad zu

Klimaziele zu lasch: Unternehmen steuern auf 2,7 Grad zu

Die selbstgesteckten Ziele der Unternehmen der G7-Länder reichen nicht aus, um das Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Das zeigt ein neuer Bericht des Carbon Disclosure Projects. Deutlich wird: Die Umweltziele von Unternehmen müssen an internationale Abkommen gekoppelt werden.

Das gilt auch für europäische Firmen: Sie schneiden innerhalb der G7-Staaten zwar noch am besten ab, doch auch ihre Ambitionen reichen nicht aus, um die Erwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen.

Klares Signal: Unternehmensziele und internationale Abkommen zusammen denken

Der Bericht zeigt, dass Unternehmen am besten abschneiden, die sich mithilfe von Initiativen klare und ambitionierte Emissionsreduktionsziele gesetzt haben. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit. Häufiger planen Firmen zwar Verbesserungen gegenüber dem gegenwärtigen Zustand, orientieren sich aber nicht ausreichend an den Grenzen, die sie einhalten müssen, um die katastrophalsten Auswirkungen der Klimakrise abzuwenden. Das ließe sich ändern: Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der EU (CSRD) und auf der internationalen Ebene (ISSB) sollten Unternehmen dazu verpflichten, verbindliche und zeitlich terminierte Emissionsreduktionsziele zu setzen, die mit dem Pariser 1,5 Grad Ziel übereinstimmen. Es würde außerdem helfen, wenn Unternehmen nicht nur Ziele festlegen, sondern auch Pläne zur Umsetzung. Weiterhin sollten sie regelmäßig ihren Fortschritt transparent machen.

Ein Weckruf für die Weltklima- und Weltnaturkonferenzen

Nicht nur das Klima braucht dringend höhere Schutzziele: Weniger beachtet, aber genauso bedroht ist die natürliche Vielfalt als unsere Lebensgrundlage. Deshalb sollten auch hier, bei der Biodiversität, Unternehmensziele an verbindliche internationalen Abkommen gekoppelt werden. Im Bereich der Biodiversität beispielsweise können die No Net Loss-Ziele der Europäischen Kommission als Referenz dienen.

Die nächste Weltklimakonferenz im November und die Weltnaturkonferenz im Dezember bieten eine Gelegenheit, die Unternehmen mit hohem Einfluss und ihre Investoren und Kreditgeber auf den richtigen Pfad zu lenken. Hier kommen die richtigen Menschen zusammen, um internationale Abkommen zu verbessern, und diese Ziele dann auf nationale Ebene und für einzelne Unternehmen herunterzubrechen. Nur so kann erreicht werden, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen kein Mittel zur Selbstdarstellung ist, sondern ihr tatsächlicher Fortschritt erkennbar wird.

Fehlende Anreize im Finanzmarkt

Die Ergebnisse des CPD-Berichts zeigen auch, dass die vorhandenen Anreize im Finanzsystem für Unternehmen, sich Richtung Klimaneutralität zu transformieren, nicht ausreichen. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen zeigen mehrere aktuelle Studien auf, dass die ESG-Ratings von Unternehmen zurzeit kaum nachvollziehbar und inkonsistent sind, und somit Unternehmen sich besser am Finanzmarkt präsentieren können, als ihre Nachhaltigkeitsleistung eigentlich ist.

Es gibt am Finanzmarkt bis heute keine bindende Definition, ab wann ein Unternehmen als nachhaltig gilt. Dabei lebt davon die ganze Idee hinter Sustainable Finance: Nachhaltige Unternehmensaktivitäten bekommen günstigere Konditionen in der Kapitalbeschaffung, und somit wächst der Anreiz zum nachhaltigen Wirtschaften. Wenn sich jedoch so gut wie alle Unternehmen als nachhaltig präsentieren können, beispielsweise durch unregulierte und inkonsistente Ratings, wird dieser Anreiz für Klima und Natur wirkungslos.

Was ist zu tun?

Zuallererst müssen Unternehmen dazu verpflichtet werden, ihre Leistungen und Risiken im Klima- und Umweltbereich so ausführlich wie möglich zu veröffentlichen. Darauf aufbauend braucht es eine klare Definition, ab wann diese Leistungen des Unternehmens als nachhaltig klassifiziert werden können. Auf dieser Ebene sorgt massiver Lobbydruck der Industrie auf die EU-Taxonomie für institutionelles Greenwashing auf höchster Ebene, unter anderem mit der Einordnung von Energie aus Gas und Atom als nachhaltig. Gerade der Gesetzgeber muss auch bei ESG-Ratings für klare Richtlinien sorgen, damit die zahlreichen Nutzer auf die Konsistenz und Aussagekraft dieser Ratings vertrauen können. Nur wenn dies gegeben ist, hat der Finanzmarkt die nötige Transparenz, um mit dem Anreiz bevorzugter Konditionen in der Kapitalbereitstellung Unternehmen zu nachhaltigem Handeln zu bewegen. Zusätzlich darf die Politik nicht vollständig auf den privaten Finanzsektor hoffen, sondern muss durch Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden stärkere Anreize setzen, beispielsweise mit schärferen Vorgaben für Anleihenkäufe und Kreditsicherheiten. Denn auch die wirtschaftlichen Kosten und das finanzielle Risiko von umweltschädlichen Wirtschaftstätigkeiten müssen vollständig berücksichtigt und widergespiegelt werden, um den notwendigen wirtschaftlichen Wandel zu fördern.

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.


%d Bloggern gefällt das: