Transparenz für die Natur – was gibt es da zu zögern?

Transparenz für die Natur – was gibt es da zu zögern?

75 Prozent der weltweiten Nutzpflanzen wie Obst und Gemüse hängen von tierischer Bestäubung ab, 70 Prozent aller Arzneien gegen Krebs stammen aus oder sind inspiriert von der Natur. Es liegt auf der Hand: Damit wir satt und gesund sind, brauchen wir eine gesunde Natur. Welchen Anteil haben Unternehmen daran, dass die Biodiversität trotzdem immer weiter zerstört wird? Wann ist der Punkt erreicht, an dem Unternehmen ihre eigene Wirtschaftsgrundlage untergraben? Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht genau. Denn nach wie vor gibt es keine einheitlichen Regeln, nach denen Unternehmen zeigen, wie sich ihre Handlungen auf Umwelt und Klima auswirken. An dieser Stelle kommt das sperrige Wort Nachhaltigkeitsberichterstattung ins Spiel: Die EU arbeitet zurzeit an Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie sollen Transparenz schaffen in genau diesen Fragen. Einige Wirtschaftsverbände wollen diese Standards jedoch weiter verzögern und inhaltlich abschwächen. Das darf nicht passieren.

NABU fordert: keine weitere Verzögerung der neuen Nachhaltigkeitsberichterstattung

Gemeinsam mit anderen Verbänden fordert der NABU die Europäische Kommission auf, an ihrem Zeitplan zur Einführung der neuen Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen festzuhalten. Diese Regelung legt fest, welche Kennzahlen die Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit offenlegen müssen. Zur gewohnten Geschäftsbilanz käme eine Umweltbilanz hinzu. So könnte die EU dem verwirrenden Dschungel aus grünen Siegeln einen vertrauenswürdigen Standard entgegensetzen, der die Nachhaltigkeitsleistungen der Unternehmen vergleichbar und transparent macht.

Ruf nach mehr Transparenz wird immer lauter

Die Erkenntnis, dass die weiter voranschreitende Naturkrise unsere Lebensgrundlage und damit auch die Geschäftsgrundlage vieler Unternehmen gefährdet, verbreitet sich mehr und mehr. Mittlerweile fordern nicht nur NGOs, sondern auch Finanzinstitutionen und sogar mehr als 300 Unternehmen mehr Transparenz. In dieser Woche veröffentlichte zusätzlich der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung einen offenen Brief. Darin unterstreicht er, wie wichtig prüfbare und vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen für den Finanzsektor schon jetzt sind.

Insgesamt wird deutlich: Unternehmen sollten ihre Abhängigkeiten von der Natur und ihre Auswirkungen auf die Natur offenlegen. Je früher Unternehmen in der Lage sind, diese Informationen zu erfassen und in ihre Entscheidungen miteinzubeziehen, desto zukunftsfähiger sind sie aufgestellt.

Transparenz als Grundlage für nachhaltige Entscheidungen

Nicht jedes Unternehmen wird von sich aus motiviert sein, zukunftsfähig zu handeln. Auch deshalb ist es wichtig, dass beispielsweise Banken durch die jährliche Berichterstattung eine Informationsbasis bekommen. Dank ihr könnten sie die Unternehmen mit ihrer Untätigkeit konfrontieren. Sie könnten damit drohen, ihre Investitionen auf Unternehmen zu konzentrieren, die nachhaltiger wirtschaften. Staaten könnten Unternehmen, die in der Nachhaltigkeitsberichterstattung schlecht abschneiden, von öffentlichen Auftragsvergaben ausschließen.

Ein verlässlicher Standard gegen Greenwashing

Die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung bildet außerdem die Grundlage, Greenwashing in der Finanzbranche zu stoppen. Aktuell sind sogenannte nachhaltige Finanzprodukte auch deshalb so unübersichtlich, weil es keine einheitliche Informationsbasis gibt.

Impulse aus der Weltnaturkonferenz?

In wenigen Wochen beginnt die Weltnaturkonferenz COP15 im kanadischen Montréal. Hier beraten 196 Staaten, wie sie den dramatischen, weltweiten Schwund von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Insekten und Amphibien und die Zerstörung von Wäldern, Meeren und weiteren Lebensräumen aufhalten können. Dabei spielen auch die Finanzmärkte eine große Rolle: Noch immer gibt es zu viele Subventionen und Investitionen, die der Umwelt schaden, anstatt sie zu schützen. Die zahlreichen Stimmen, die Verbindlichkeit und Transparenz von Unternehmen fordern, sollten auch hier gehört werden. Die EU könnte in diesem Zuge mit seinem geplanten Berichtsstandard eine internationale Vorreiterrolle einnehmen, die der Verantwortung unserer Wirtschaft für die weltweite Naturkrise gerecht wird.

Ambitionierte Standards zur Erhaltung der Wirtschaftsgrundlage

Eine Absenkung des Ambitionsniveaus bzw. eine weitere Verzögerung des europäischen Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zu fordern ist also nicht nur völlig unzeitgemäß und gegen jeglichen aktuellen Trend, es gefährdet auch die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen und Europäischen Wirtschaft. Denn die Nachfrage nach Informationen zur Nachhaltigkeit von Unternehmen wird kommen. Wenn nicht vom Gesetzgeber, dann von anderen Marktteilnehmern oder der Gesellschaft selbst.

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