Klimaschutz Beiträge

Klimaschutz in der EU – der kleinste gemeinsame Nenner der Mitgliedsstaaten

Es ist gerade mal ein gutes halbes Jahr her, als in Paris das Klimaabkommen verhandelt wurde. Die EU, mit ihrem Energie- und Klimaschutz-Kommissar Miguel Arias Cañete, hat sich als ein Treiber des Klimaschutzes feiern lassen. Und tatsächlich haben die europäischen Diplomaten Geschick bewiesen bei der Aushandlung des Abkommens.

High Ambition Coalition auf dem Weg zum Plenarsaal.

EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete mit der High Ambition Coalition auf dem Weg zum Plenarsaal der Pariser Klimakonferenz. Bild: Sebastian Scholz

Nach Paris ist vor Marrakesch – Klimakonferenz in Bonn

Am Donnerstag, den 26. Mai, ist in Bonn nach zehntägigen Verhandlungnen die erste UN-Konferenz des Klimarahmenabkommens nach Paris zu Ende gegangen. Der Verlauf der Verhandlungen war – wie immer – langsam. Aber die  Stimmung war anders als zuletzt in Bonn: Die Verhandlungen waren nun davon geprägt, dass die Ziele aus Paris in die Umsetzung kommen.

Klimakonferen in Bonn. Bild: Sebastian Scholz

Klimakonferenz in Bonn. Bild: Sebastian Scholz

Das wichtigste Ziel, das es zu erreichen gilt, ist die Begrenzung der globalen Erderwärmung auf deutlich unter 2°C und besser noch auf 1,5°C. Nach derzeitigen Stand reichen die Klimaschutzziele aller Staaten gerade mal um die Erderwärmung auf 2,7 bis 3,6°C zu begrenzen. Gleichzeitig vergeht kaum ein Monat, der nicht als der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gilt. Die Chancen, dass im Jahr 2016 bereits eine globale Erwärmung von 1,3°C erreicht wird, stehen beängstigend gut. Um so wichtiger ist, dass nun schnell die Weichen gestellt werden und die Klimaziele anghoben werden.

Das Pariser Klimaabkommen tritt als Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls erst ab 2020 in Kraft. Deshalb ist bis dahin Good Will und viel Verhandlungsgeschick auf internationalem Parkett nötig. Wenn die 1,5°C-Zielmarke nicht in weite Ferne rücken soll, muss schon 2018 die erste Runde zur Nachbesserung der nationalen Klimaziele stattfinden und nicht erst im Jahr 2023. Und das heißt natürlich auch für die Bundesregierung, dass sie handeln muss.

Im November trifft sich die Staatengemeinschaft erneut in Marrakesch. Bis dahin müssen sich die Pariser Klimaziele endlich auch in nationaler Politik widerspiegeln. Dass heißt wir müssen unsere Klimaziele bis 2050 nachschärfen und den Treibhausgasausstoß um mindestens 95 Prozent mindern. Dazu brauchen wir einen Klimaschutzplan bis 2050 der entsprechend ambitioniert ausgestaltet ist und klare Ziele für jeden Sektor benennt und mit Maßnahmen hinterlegt. Auch die Begrenzung des Ausbaus der erneuerbaren Energien – wie es derzeit in der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes diskutiert wird – ist kontraproduktiv um die Klimaziele zu erreichen. Und Schließlich muss sich die Bundesregierung auch dafür einsetzen, dass die EU schnellstmöglich die Klimaziele bis zum Jahr 2030 anhebt.

 

 

Das Licht für eine Stunde ausschalten ändert nichts

Mitte März werden alljährlich auf allen Kontinenten der Erde die Lichter für eine Stunde ausgeschaltet, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Bilder vom Brandenburger Tor und dem Pariser Eifelturm im Dunkeln bahnen sich dann um die Welt in allen Medien und das allerbeste: Jeder kann mitmachen und damit Teil einer weltweiten Aktion sein. Doch was bringt dieser Feel-Good-Aktivismus?

Licht aus. Foto: Teerapat/Fotolia

Licht aus. Foto: Teerapat/Fotolia

Die Aktion soll Aufmerksamkeit wecken für Klimaschutz, gemessen an der Berichterstattung gelingt das sehr gut. Gleichzeitig allerdings werden Dinge vermittelt, die sich vermutlich kontraproduktiv auf das Energiesparen und damit den Klimaschutz auswirken.

Erstens ist Lichtausschalten mit einem großen Verlust an persönlichem Komfort und Einschränkungen verbunden. Ohne Licht ist man hierzulande am frühen Abend fast zurück ins Mittelalter katapultiert – denn fast keine unserer alltäglichen Tätigkeiten funktionieren richtig gut ohne Licht. Klimaschutz ist aber nicht zwangsläufig mit Entbehrungen verbunden, auch wenn diese Aktion so verstanden werden kann. Klimaschutz funktioniert auch durch Energiesuffizienz und Energieeffizienz! Das heißt, da wo Energie verschwendet wird, müssen wir einsparen. Da wo wir den gleichen Nutzen mit weniger Aufwand bekommen können, müssen wir effizienter werden.

Zweitens wird durch diese Aktion der Sachverhalt auch sehr simplifiziert, denn tatsächlich lässt sich die Welt nicht verändern, wenn wir einmal im Jahr für eine Stunde das Licht ausschalten. Diese Aktion suggeriert Schalter drücken, alles gut und nun weiter so wie bisher. Klimaschutz braucht mehr Engagement von jedem Einzelnen. Klimaschutz muss im Alltag ankommen, Klimaschutz kann und muss die Grundlage für alle unsere Entscheidungen werden. Klimaschutz muss eine Rolle spielen, wenn wir die Leuchtmittel kaufen, die wir ausschalten!

We have #ParisAgreement

Die Konferenz ist lang, die Tage gehen ineinander über, wir verlassen das Hotel meist im Dunkeln und kommen im Dunkeln zurück und leben größtenteils auf dem Konferenzgelände. Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag? Eigentlich egal. Außer dass es natürlich zu einem Ende kommt / kommen muss. Zum Ende der Konferenz muss ja ein Abkommen stehen – und es steht! Nur einen Tag Verlängerung oder rund 26 Stunden hat es dafür gebraucht. Aber wie war der Weg dorthin? Auf der Klimakonferenz beginnt fast alle Arbeit mit dem Vertragsentwurf.

Edward Perry, BirdLife hat den Vertragsentwurf.

Edward Perry, BirdLife hat den Vertragsentwurf. Bild: Luca Bonaccorsi