Energiewende Beiträge

Modern und naturverträglich – Neue Strommasten

Freileitung oder Erdkabel? Diese Frage beim dringend benötigten Netzausbau hat sich seit Jahresbeginn zumindest für die großen Nord-Süd-Gleichstromleitungen zugunsten der Verkabelung entschieden. Doch für die Energiewende müssen auch zahlreiche kürzere Hoch- und Höchstspannungstrassen modernisiert und ausgebaut werden. Die Teilverkabelung ist natürlich möglich, aber rechtlich beschränkt. Außerdem gibt es zahlreiche Gebiete, in denen die Verlegung erhebliche Eingriffe bedeuten kann und eine Freileitung das geringere Übel darstellt.

Grafik: 50Hertz Transmission

Grafik: 50Hertz Transmission

Zumindest in der Forschung sieht man inzwischen nicht mehr nur schwarz-weiß. Denn einiges spricht dafür, dass Strommasten von Freileitungen heute nicht mehr so aussehen müssen, wie vor 80 Jahren. Die typische Stahlgitterbauweise in Tannenbaumform (Donaumasten oder Tonnenmasten) oder als “T“ auf einer Ebene hat sich bis heute tatsächlich kaum verändert. Inzwischen besteht jedoch zu Recht ein anderer Anspruch an unser Landschaftsbild, dass ohnehin zusehends technisierter wird: Monotone Felder mit verschwindenden Wiesen, Hecken und Alleen sowie Straßen, Gewerbegebiete, Windparks und weithin sichtbare Stromleitungen prägen unsere Umwelt.

In einigen Ländern Europas wie Dänemark, Island, UK und Frankreich sind bereits neuartige Strommasten in der Entwicklung oder im Betrieb. Auch in Deutschland sollen nun beim laufenden Netzausbauvorhaben an der Westküste Schleswig-Holsteins vom zuständigen Netzbetreiber TenneT abschnittsweise moderne Vollwandmasten eingesetzt werden. Der im Norden und Osten Deutschlands zuständige Stromübertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat mit einem Projektkonsortium nun ein technisch neuartiges und kompaktes Freileitungsdesign mit niedrigeren Masten in schmalerer Trasse entwickelt.

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Herkömmliche Übertragungsleitung mit Donaumasten, Foto: Eric Neuling

EU will Atomkraft fördern und alle so: WAS?!?

Wir schreiben das Jahr 30 nach Tschernobyl und 5 nach Fukushima und wir lesen fast wöchentlich von Nachrichten über Beinahe-Katastrophen und vorgetäuschte Wartungsarbeiten in Atomkraftwerken. In Deutschland ist der Atomausstieg besiegelt und niemand will das hierzulande noch ändern. Bis im Jahr 2022 die letzten deutschen Meiler vom Netz gehen, muss natürlich für deren Sicherheit gesorgt sein. Aber nicht nur hierzulande braucht es Klarheit über das Ende der Atomkraft. Denn was hilft der nationale Alleingang beim Ausstieg, wenn die grenznahen Reaktoren wie zum Beispiel Tihange, Doel oder Fessenheim jenseits von allen vernünftigen Sicherheitsstandards weiter betrieben werden?

Atomkraftwerk Tschernobyl - Foto: Denis Avetisyan/Fotolia

Atomkraftwerk Tschernobyl – Foto: Denis Avetisyan/Fotolia

Sicherheit würde nur die Überarbeitung des noch von Uralt-Kanzler Adenauer unterzeichneten EURATOM-Vertrags bieten, der regelt, dass jeder Staat in Europa autonom über die Nutzung von Atomkraft entscheiden kann. Stattdessen nimmt die EU-Kommission ausgerechnet diesen Vertrag von 1957 als Grundlage für den Ausbau der Förderung der Atomkraft: Die technologische Vorherrschaft in diesem Sektor müsse verteidigt werden, dazu sollen Investitionen erleichtert und die Forschung an der Atomkraft gefördert werden.

Schon verrückt: Wir erleben, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien längst das preisliche Niveau von fossilen Energieträgern erreicht hat. Außerdem versuchen die ehemals mächtigen Energiekonzerne – der Pleite nahe – sich aus der wahrscheinlich teuer werdenden Verantwortung für die Nachsorge der Atomkraft heraus zu kaufen. Die EU-Kommission scheint vor alledem die Augen zu verschließen. Statt einer Überarbeitung des EURATOM-Vertrags und einer EU-weiten Förderung naturverträglicher erneuerbarer Energien macht sie das Gegenteil.

Wir fragen uns einhellig: Was? / *kopfschüttel* / *kopfklatsch* / *facepalm*

Ende im Gelände…

Überall dort, wo Menschen Kohle fördern, wird Natur und Landschaft zerstört. Im Namen einer sicheren Energieversorgung fräsen sich Schaufelradbagger durch die deutschen Braunkohlereviere bei Köln, Cottbus, Leipzig und Helmstedt. Wälder werden abgebaggert, Erdschichten umgelagert, Feuchtgebiete trockengelegt und ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Zerklüftete Landschaften sind die Folge sowie eine atemberaubende Luftverschmutzung. Bisher wurde all dies in Kauf genommen, damit Deutschland führend bei der Braunkohle-Produktion ist. Denn in den Revieren der Braunkohletagebaue und –Kraftwerke sichert diese Industrie Arbeitsplätze, lokale Wertschöpfung und Wohlstand – doch die Stromerzeugung mittels Kohle ist nicht länger tragbar.

Braunkohle ist der schmutzigste Energieträger und ihr Abbau hat fatale Folgen. Hier: Tagebau Welzow - Foto : NABU/E. Neuling

Braunkohle ist der schmutzigste Energieträger und ihr Abbau hat fatale Folgen. Hier: Tagebau Welzow – Foto : NABU/E. Neuling – Foto : NABU/E. Neuling

Die Zeiten stehen auf Energiewende – für die Braunkohle gibt es schon lange keine Zukunft mehr und das zu Recht. Es ist nicht die böse Energiewende, die schuld ist am Ende des Kohlezeitalters. Während politisch langsam aber sicher der Rückzug aus den fossilen Brennstoffen und ein „Kohlekonsens“ angepeilt werden, setzen sich neue Technologien durch, die zu einer sauberen und flexiblen Energieinfrastruktur führen.

Klimawandel aufhalten und die Natur schützen – ein Spagat?

Seit der letzten Klimakonferenz in Paris 2015 steht fest, dass die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei oder besser noch 1,5 Grad Celsius begrenzt werden muss, um die schlimmsten Gefahren des Klimawandels abzuwenden. Nach den neuesten Erkenntnissen des Weltklimarats (IPCC) kann die Erderwärmung zu unumkehrbaren Folgen für Mensch und Natur führen. Hier ist von den Tipping points, den „Kipppunkten“ die Rede, die, wenn sie erreicht werden beziehungsweise „kippen“, Prozesse in Gang setzen können, die schwer aufhaltbar sind.

Foto: Margaret Bunzel-Drüke

Rotmilan vor Windkraftanlage, Foto: Margaret Bunzel-Drüke

Und das Ausmaß dieser Prozesse auf die biologische Vielfalt und Ökosysteme und deren systemische Zusammenhänge ist nicht abschätzbar. Das heißt, dass die 1,5-Grad-Obergrenze die einzige Messlatte ist, die uns zur Verfügung steht, um weltweit vorsorglich den Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme zu garantieren.

Windenergie ohne Windrad – Energie aus der Kármánschen Wirbelstraße

Auch wenn wir es schon vorher wussten, das Klimaabkommen von Paris hat es mal wieder auf die Tagesordnung gerückt: wir müssen endlich weg den fossilen Energieträgern beenden, und zwar so schnell wie möglich. Klar, wir müssen dringend mehr Energie einsparen und die, diejenige wir nicht sparen können, muss noch effizienter eingesetzt werden. Trotzdem, wenn Elektrizität auch in Verkehrs- und Gebäudesektor eine größere Rolle spielt – und nur so können diese Sektoren emissionsfrei werden – werden wir am Ende mehr naturverträgliche erneuerbare Energien brauchen.

Eine interessante und völlig neue Art der Energieerzeugung aus Wind hat ein Erfinderteam aus Spanien entwickelt. Bei „Vortex Bladeless“ wird ein Phänomen der Strömungsmechanik genutzt – die Kármánsche Wirbelstraße – dabei wird ein windumströmter Körper in Schwingung versetzt.

Kármánsche Wirbelstraße Bild: Cesareo de La Rosa Siqueira

Kármánsche Wirbelstraße Bild: Cesareo de La Rosa Siqueira

Mehr Stromnetze für mehr Klimaschutz

Derzeit haben wir in Deutschland einen Umsetzungsstau bei den großen Trassen, die Strom aus dem Norden in den Süden transportieren sollen. Doch mit dem neuen Gesetz zum Energieleitungsbau kann dieser Schwebezustand nun endlich aufgelöst werden.

Stromtrasse durch den Thüringer Wald

Immer öfter können keine erneuerbaren Energien vom Norden in den Süden weitergeleitet werden – Foto: NABU/ E. Neuling

Den Stromnetzen fehlt es zunehmend an Übertragungskapazitäten. Infolge dessen kann erneuerbarer Strom aus dem Norden immer schlechter zu den Verbrauchszentren im Süden transportiert werden. Gerade Windkraftanlagen müssen dann abgeschaltet werden, wie es zum Beispiel zwischen den Feiertagen in Mecklenburg häufig zu erleben war.

Stattdessen werden an Standorten südlich des Netzengpasses Kraftwerke auf Basis fossiler Brennstoffe zugeschaltet. Dieser sogenannte „Redispatch“ zur Gewährleistung der Netzstabilität verursacht Kosten für die Verbraucher und unnötige CO2-Emissionen, die das Klima belasten.