Der Meeresspiegel steigt weiter bedrohlich an – was nun?

Das Meer steigt direkt vor unserer Tür…

Die Prognosen stehen schlecht: Der letzte Bericht des Weltklimarats (IPCC 2013) zeigt Werte zwischen 0,2–0,8 Meter für den zu erwartenden globalen mittleren Meeresspiegelanstieg für den Zeitraum 2000 bis 2100 an. Es gibt Veröffentlichungen, die einen noch höheren Meeresspiegelanstieg vorhersagen, nämlich zwischen 0,75 und maximal 1,9 Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts.

Das Problem ist aber, dass wir nicht genau sagen können, wie viel der Meeresspiegel in Zukunft steigen wird, weil es von so vielen Faktoren abhängt. Primär wird der Meeresspiegelanstieg durch die Ausdehnung der Wassermassen infolge der Erwärmung der Luft und somit der Meere und Ozeane ausgelöst (die Nordsee hat sich beispielsweise in den letzten 40 Jahren im Mittel um 1,5 bis 2 Grad Celsius erwärmt). Auch das Schmelzen der Eismassen auf dem Land (Gletscher und Eisschilde) führt zu einem steigenden Meeresspiegel. Hinzu kommt, dass der weltweite Anstieg regional sehr unterschiedlich sein kann, abhängig von Winden und Strömungen.

Erwärmung der Ozeane und und Anstieg des Meeresspiegels (Klick zum Vergrößern) – Quelle: Meersatlas der Heinrich-Böll-Stiftung 2017 (Petra Böckmann/Heinrich-Böll-Stiftung)/ IPCC /Lizenz: Creative Commons (CC-BY 4.0)

Und das Meer steigt auch direkt vor unserer Haustür an den Küsten von Nord- und Ostsee: In der deutschen Bucht ist der Meeresspiegel im letzten Jahrhundert um rund 20 cm und an der deutschen Ostseeküste im gleichen Zeitraum um ca. 14 Zentimeter gestiegen. In Deutschland kann das eine Veränderung von besonders artenreichen Ökosystemen an der Küste zur Folge haben durch zum Beispiel den steigenden Grundwasserspiegel, der in Küstenregionen Bodenverwässerungen und Versalzung hervorrufen kann. Und es stellt auch eine Gefahr für die Küstenbewohner, durch eine erhöhte Anzahl an Sturmfluten und Überschwemmungen, dar.

…und ganze Inselgruppen versinken woanders

Aber woanders nehmen die Folgen des Meeresspiegelanstiegs von derzeit 3 Millimeter pro Jahr ganz noch ganz andere Dimensionen an als bei uns. Für flache Inselgruppen zum Beispiel im Pazifik oder der Karibik bedeutet das neben Überflutung, und damit Versalzung des Trink- und Grundwassers und des Landesinneren, direkter Verlust der Landmasse. Die Inseln sind dann nicht mehr bewohnbar, sie verschwinden direkt von der Bildfläche, was Migration zur Folge hat.

Folgende Inselstaaten sind schon jetzt davon betroffen: Tuvalu, Nauru, Kiribati, Vanuatu, Tokelau, Fidschi sowie die Salomonen und die Carteret-Inseln im Pazifik, die Malediven im Indischen Ozean und die Bahamas in der Karibik sind vom Untergang bedroht (siehe Karte: Meeresatlas 2017 (Heinrich-Böll-Stiftung)/IPCC)). Ein paar kleine Inseln wie einige der Salomonen, sind auch schon untergegangen. Und bei den Marshallinseln zum Beispiel ist der Meeresspiegel seit 1990 schneller angestiegen als im globalen Durchschnitt. Fast ein Drittel ihrer Bevölkerung hat das Land bereits verlassen, um in die USA zu gehen.

Einer dieser Inselstaaten, die Fidschis, wird dieses Jahr die Präsidentschaft der diesjährigen Klimakonferenz (COP23 in Bonn) übernehmen bei der die weltweite Staatengemeinschaft zusammenkommen wird.

Dämme höher zu bauen ist nicht das Allheilmittel

Hinzu kommt noch die Ungerechtigkeit, dass reiche Industrieländer wie Deutschland im Vergleich zu diesen Inselstaaten das nötige Geld für Klimaanpassung aufbringen können. Es ist schon verrückt, wie hoch die Kosten der Klimaanpassung sind und sie werden in Zukunft noch drastisch steigen. Zum Beispiel soll das „Hochwasserschutzprogramm“ des Bundesumweltministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) rund 5,4 Milliarden Euro mit sämtlichen Maßnahmen kosten.

Bei einem Meeresspiegelanstieg von 25 Zentimeter müssen wir uns darauf einstellen, dass die Kosten für Deichverstärkungen um etwa 5 bis 15 Prozent und bei 50 Zentimeter um 75 Prozent für Deutschland ansteigen werden. Zur Befestigung der Deiche müssen allein in diesem Jahrhundert aller Voraussicht nach etliche Milliarden Euro ausgegeben werden. Also auch aus ökonomischer Sicht müssen wir versuchen, den Klimawandel bzw. den Meeresspiegelanstieg zu mindern.

Was jeder einzelne für den Klimaschutz tun kann
Klimaschutz geht uns alle an. Aber wissen wir, wo wir stehen …und welche Maßnahmen zukünftig unseren CO2-Fußabdruck entscheidend verbessern können? Das lässt sich rausfinden mit dem NABU-CO2-Rechner. In dieser persönlichen CO2-Bilanz werden verschiedene Bereiche des Lebens von der Heizung über den Konsum bis zu den Fortbewegungsmitteln betrachtet. Berechnet wird nicht nur der individuelle CO2-Ausstoß, sondern auch das CO2, das durch einen klimafreundlichen Lebensstil nicht mehr in die Atmosphäre entweicht. Zum Vergleich wird auch der deutsche Durchschnitt angezeigt.

Der Küsten- und Hochwasserschutz ist notwendig zur Anpassung an den Klimawandel. Das alleine reicht aber nicht, auch die Ursache, der Klimawandel, muss bekämpft werden. Dass der Klimawandel menschengemacht ist, steht spätestens seit dem letzten Bericht des Weltklimarates (IPCC 2013) fest. Wenn wir also so weitermachen wie bisher, sich folglich unser Energie-, Ressourcenverbrauch und somit Treibhausgasausstoß nicht reduziert, lautet die Prognose eine andauernde Klimaerwärmung und somit auch ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels.

Wir brauchen die naturverträgliche Energiewende!

Aus diesem Grund ist es so wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was jeder Einzelne für den Klimaschutz tun kann. Denn die naturverträgliche Energiewende hat nicht nur mit dem Ausstieg aus den fossilen und dem Ausbau der erneuerbaren Energieträgern zu tun, sondern mit einer notwendigen gesellschaftlichen Transformation. Hier ist jeder Einzelne gefragt, mit der Reduzierung seines eigenen Energie-und Ressourcenverbrauchs beizutragen durch Einsparung und Effizienz.

Jeder Bundesbürger verursacht rund 11,6 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, jeder Bürger der USA sogar rund 17(!) Mal. Zum Vergleich der Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf und Jahr liegt bei einen der oben aufgelisteten Inselstaaten, in Kiribati bei gerade einmal 0,6 Tonnen.

Wir haben also noch viel Einsparpotenzial und wir haben es in der Hand: Durch unser Verhalten können wir den größten Teil des Ausstoßes der Treibhausgase, die in die Umwelt gelangen beeinflussen. Es geht darum, nicht nur Verantwortung für den Meeresspiegelanstieg vor der eigenen Haustür sondern weltweit zu übernehmen – deshalb  ist die naturverträgliche Energiewende so wichtig!

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Inga Römer

Inga Römer

Referentin für Naturschutz und Energiewende

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