Nachhaltigkeit 2.0: So legst du dein Geld grün an

Nachhaltigkeit 2.0: So legst du dein Geld grün an

CO2 und Energie im Haushalt sparen, mich umweltschonend und regional ernähren sowie autofrei bewegen – das ist mir wichtig. Aber in meinem scheinbar schon recht nachhaltigen Leben hatte ich lange einen blinden Fleck: Ich habe meiner Bank die Narrenfreiheit überlassen, mit meinem Geld zu tun, was sie will. Was, wenn auch mein Geld dazu beiträgt, dass Waffenhandel, Atomkraft oder Kinderarbeit  unterstützt werden? Das entspricht absolut nicht meinen Werten, ist aber leider bei vielen Banken der Fall. Damit soll jetzt Schluss sein: Ich räume mein Geld auf und gebe es in Hände, die verantwortungsvoll damit umgehen.

Zeit für einen Kurswechsel

Ist es nicht irre, dass wir oft keine Ahnung davon haben, welche Finanzgeschäfte die Bank mit dem eigenen Geld tätigt? Schließlich beläuft sich das Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland auf mehr als sechs Billionen Euro. Sechs Billionen – was für eine Schlagkraft! Banken, Versicherungen, Pensions- und Rentenkassen investieren dieses Geld – und bestimmen damit maßgeblich die Sozial-, Umwelt- und Klimaverträglichkeit der Wirtschaft und Gesellschaft mit. Laut einer Studie des Bundesumweltministeriums könnten mit einer klimafreundlichen privaten Anlagestrategie 42 Prozent weniger schädliche Treibhausgase verursacht werden. Wie wir das anstellen können, ist wenigen Verbraucher*innen klar, denn selten sind Akteure in der Finanzwelt transparent und informieren aktiv bezüglich der (Nicht-) Nachhaltigkeit ihrer Investitionen. Versucht man sich auf den Seiten der etablierten Banken zu erkundigen, wohin das Ersparte investiert wird, strandet man schnell bei leeren Worten und einem fehlenden Angebot von echt nachhaltigen Optionen. Damit ist spätestens mit dem Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung am 10.3.2021 Schluss, denn dann müssen Informationen zur Nachhaltigkeit von Bankenfonds kommuniziert werden.

Ab zur grünen Bank

Früher galt abseits der Großstädte: Wer eine Bankfiliale in einem Ort hatte, hatte das Monopol und besaß das Geld der Gemeinde. In der Filiale kannte man die Mitarbeiter*innen beim Namen und sie halfen bei allen Anliegen weiter. Mit dem Aufkommen des Onlinebankings hatten erstmals auch Geschäftsmodelle mit Nischencharakter abseits des klassischen Schalterservices eine Chance, sich in der Bankenwelt zu behaupten. So konnten nachhaltige Banken sich auch ohne Filialen vor Ort leichter etablieren. Inzwischen gibt es einige nachhaltige Banken im In- und Ausland. Wer im Internet sucht, wird schnell fündig. Aber was genau zeichnen grüne Banken und nachhaltige Investitionen aus? Die Kriterien dafür sind nicht festgelegt, jedoch ist es ein guter Anfang, wenn Finanzinstitutionen sich explizit für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung einsetzen. Siegel vom Forum Nachhaltige Geldanlagen oder dem Fair Finance Guide können bei der Orientierung helfen. Ein Siegel erhält, wer nicht in unethische Branchen investiert (etwa Atomkraft, Rüstungs- und Tabakindustrie) oder explizit grüne und nachhaltige Anlageprodukte schafft, die in Einklang mit Umwelt- und Klimaschutz sowie Menschenrechten stehen. Damit wir gemeinsam den Schritt in eine nachhaltigere Finanzwelt schaffen, hier einige Tipps:

 

11 Tipps, wie du nachhaltig mit deinem Geld umgehst

Wie du zu einer nachhaltigeren Finanzwirtschaft beiträgst

  1. Erster Schritt Bankenwechsel: Wem wir unser Geld überlassen, dem überlassen wir auch die Macht, damit Gutes oder Schlechtes zu bewirken. Daher kann der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank viel bewirken und ist schneller durchgeführt, als man denkt. Einen ersten Einstieg, um die Wahl der persönlich richtigen Bank zu erleichtern, bietet Geld bewegt oder der Fair Finance Guide.
  2. Faire Fonds: Wer sein Geld nicht nur in die richtigen Hände geben, sondern es auch anlegen möchte, kann es in einen sozial- und umweltverträglichen Fonds investieren.
  3. Fairsicherung: Auch die Wahl der Versicherung hat über das Kapital und die Investitionen der Versicherung Einfluss auf den Finanzmarkt. Daher lohnt auch hier der Wechsel zu einer fair und nachhaltig arbeitenden Versicherung.
  4. Grünes Crowdfunding: Ideen, Innovation und neue Startups unterstützen, darum geht es bei Crowdfundig. Mit einer mehr oder weniger großen Finanzspritze kann eine Gruppe von Leuten gemeinsam mit ihrem Geld dazu beitragen, eine nachhaltige Alternative auf den Markt zu bringen, um im Idealfall auch davon zu profitieren.
  5. Fassade hinterfragen: Viele Unternehmen und Finanzdienstleister erwecken den Anschein, nachhaltig zu sein. Gräbt man allerdings etwas tiefer, werden schnell Unstimmigkeiten sichtbar. Daher als Kund*in vor größeren Anschaffungen und Investitionen Fragen stellen: In was wird investiert? Welche nachhaltigen Projekte und Ziele gibt es? Welche Kriterien für Nachhaltigkeit werden genutzt?
  6. Guten Zweck unterstützen: Wer mit seinem Geld etwas Gutes tun möchte, ohne persönlichen Profit haben zu wollen oder es gleich anzulegen, kann auch in einen nachhaltigen guten Zweck investieren.

Was du außerdem tun kannst: Kaufverhalten nachhaltig gestalten

Mit jeder Kaufentscheidung haben wir die Möglichkeit, Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen. Dabei gilt:

  1. Weniger ist mehr: Weniger kaufen und sich vor jedem Kauf fragen „Brauche ich das wirklich und werde ich es nutzen?“
  2. Klasse statt Masse: Nicht auf die Quantität, sondern die Qualität von Dingen setzen, die im Idealfall länger halten.
  3. Nachhaltigkeit geht vor: Bei kleinen und größeren Anschaffungen darauf achten, dass diese die nachhaltigste Wahl ihrer Produktklasse sind. Dabei kann man beispielsweise auf deren Ursprung, Herstellung, Effizienz und vorrausichtliche Langlebigkeit sowie Möglichkeit zum Reparieren oder modularen Erweitern achten.
  4. Grüne Investition: Wenn der Arbeitsweg statt mit dem Auto auch mit dem E-Bike oder Lastenfahrrad zurückgelegt werden kann, warum nicht diese Investition erwägen?
  5. Grüner Strom: Auch der Wechsel zu einem Ökostromanbieter mit dem Grüner Strom Label ist eine Investition des eigenen Geldes für einen nachhaltigen Ausbau des Ökostromnetzes.

Die Tipps haben dich inspiriert, selbst nachhaltiger mit deinem Geld umzugehen? Darum geht es auch in der Monatschallenge der Und-Action!-Kampagne. Hier findest du mehr Informationen zum Thema sowie weitere Tipps für ein nachhaltiges Leben.

Melanie Meier

Melanie Meier

Referentin für Nachhaltigkeitskommunikation
Melanie Meier

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1 Kommentar

Laurenzerl

02.11.2020, 08:22

Oeconomia http://oeconomia-film.de/ Profite von heute sind Verschuldungen von morgen

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