Klimaschutz statt Autofrust – so pendeln wir nachhaltig

Klimaschutz statt Autofrust – so pendeln wir nachhaltig

Hupkonzerte, Ampelphasen, Staufrust. Für viele fängt der Arbeitsstress schon mit der Autofahrt zur Arbeit an. Deshalb führt mich morgens mein Weg zur nächstgelegenen Haltestelle. Meist kommt innerhalb weniger Minuten eine Bahn. Auf der Fahrt kann ich dann noch etwas lesen oder tagträumen – und so komme ich entspannt an. Selten denke ich dabei darüber nach, was für ein Privileg es ist, einen guten öffentlichen Personennahverkehr zu haben. Meistens fällt es einem ja nur auf, wenn mal etwas nicht funktioniert. Dabei kommen wir im Stadtverkehr mit dem Fahrrad oder den Öffis oft sogar schneller voran als mit dem Auto.

Für mich als Stadtbewohnerin lohnt sich die Investition in ein Auto weder finanziell noch aus Zeitgründen. So wie ich sind schon 42 Prozent der Haushalte in Großstädten autofrei. Für viele Pendler*innen sieht der Alltag aber leider anders aus – unter anderem, weil sie sich nicht überall auf eine starke Nahverkehrs-Infrastruktur verlassen können.

Das Pendel-Dilemma

Arbeitswege und Dienstreisen sind für knapp die Hälfte der in Deutschland mit dem Auto gefahrenen Kilometer verantwortlich. Das liegt auch daran, dass immer mehr Menschen pendeln und dabei immer weitere Strecken zurücklegen. 2018 war das bei über 19 Millionen Bürger*innen der Fall. Das sind sechs von zehn Arbeitnehmer*innen. Und dabei sind die sogenannten Binnenpendler*innen, also Menschen, die innerhalb einer Stadt größere Entfernungen zurücklegen, noch nicht mitgezählt. Der durchschnittliche Arbeitsweg liegt heutzutage bei knapp 17 Kilometern.

Für das Klima macht es einen deutlichen Unterschied, ob wir Autos oder Öffis nutzen, wenn wir vergleichen, wie viele Treibhausgase in Gramm CO2-Äquivalenten pro Personenkilometer ausgestoßen werden: Beim Auto sind es 147 g, beim Linienbus 80 g, für Straßen-, S- und U-Bahn 58 g und bei Eisenbahn im Fernverkehr nur 32 g. Besonders schädlich sind Dienstreisen mit dem Flugzeug. Bei Inlandsflügen fallen diese schon mit 230 g ins Gewicht.

Die meisten Pendler*innen fahren natürlich nicht deshalb viele Stunden pro Woche hin und her, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil die Umstände es von ihnen verlangen. Jobs sind überwiegend in Städten, aber dort steigen die Mieten. Und bei zeitlich befristeten Arbeitsverträgen lohnt sich ein Umzug nicht. Langes Pendeln wirkt sich außerdem nicht nur auf die Umwelt aus, sondern auch auf die körperliche und seelische Gesundheit. Die Untersuchung einer Krankenkasse zeigt, dass mit dem Auto zu pendeln am schädlichsten ist.

Damit wir alle stressfrei und gesund zur Arbeit kommen, hier ein paar Tipps:

 

11 Tipps für nachhaltiges Pendeln

Für Arbeitnehmer*innen

  1. Erste Wahl fürs Klima: Das Fahrrad hat mit Abstand die beste Klimabilanz, hält uns fit und ist auf kurzen Wegen um sechs Kilometer die schnellste Alternative.
  2. Schienenverkehr voraus: Ob im Regionalverkehr oder innerhalb der Stadt mit Straßen-, S- und U-Bahn – Schienenverkehr spart CO2 und wird von vielen Menschen als die entspannteste Fortbewegung angesehen.
  3. Besser im Bus: Mit dem Linienbus sparen wir immer noch einiges an Klimagasen ein im Vergleich zu PKWs – und man kann sich nebenbei mit anderen Dingen beschäftigen als auf die Straße zu starren.
  4. Wenn Auto, dann Fahrgemeinschaften: Jeden Morgen sieht man sie – die Autos, in denen nur eine einzelne Person sitzt. Wenn Kolleg*innen sich zusammentun, kann viel Energie gespart werden.
  5. Homeoffice: Wer nicht jeden Tag ins Büro fährt, spart Zeit, Geld und CO2 Wie du das Arbeiten von zu Hause noch umweltfreundlicher gestalten kannst, liest du nächste Woche hier im Blog.

Für  Arbeitgeber*innen

  1. Jobticket für ÖPNV: Unternehmen können mit Verkehrsunternehmen günstige Konditionen für Monats- oder Jahreskarten aushandeln. Die Zeitkarte kann man dann in der Regel auch privat nutzen.
  2. Jobrad: Pendeln mit dem Fahrrad macht mehr Spaß, wenn man keine Gurke fahren muss. Wie wäre es also mit einem Dienstfahrrad, statt mit einem Dienstauto? Dabei least das Unternehmen Fahrräder oder E-Räder für die Angestellten.
  3. Aufladen am Arbeitsplatz: E-Autos sind umweltfreundlicher als Verbrennungsmotoren. Arbeitgeber*innen können das unterstützen, indem sie die Möglichkeit zum Laden anbieten – auch für E-Bikes. Am besten natürlich mit Ökostrom.
  4. Video statt Reise: Spätestens seit den Corona-Vorkehrungen hat sich herumgesprochen, dass sich viele Dienstreisen gut durch Videokonferenzen ersetzen lassen.
  5. Zug statt Flug: Unvermeidbare Dienstreisen tritt man am besten mit dem Zug an. Inlandsflüge sind angesichts der Klimabelastung ein absolutes No-Go.
  6. Im Notfall kompensieren: Wenn nichts an einem gelegentlichen Dienstflug vorbeiführt, dann bleibt noch die Möglichkeit, den Flug kompensieren zu lassen. Oder sich als Unternehmen auf andere Weise ernsthaft für den Klimaschutz zu engagieren.

Informationen rund um nachhaltige Mobilität findest du außerdem auf den Seiten vom Umweltbundesamt und natürlich auf NABU.de. Hier im Blog erfährst du wie du klimafreundlich am Rad drehst und warum du Kurzstreckenflüge lieber Insekten überlassen solltest.

Für mehr nachhaltige Alltagstipps schau auf www.NABU.de/Action vorbei und melde dich für unseren Newsletter „Nachhaltig leben“ an.

Sarah Buron

Sarah Buron

Referentin für Nachhaltigkeitskommunikation
Sarah Buron

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