Am Rad drehen – und am Klima

Am Rad drehen – und am Klima

Wenn ich morgens noch leicht verschlafen auf mein Rad steige, dauert es nicht lange, bis ich mich mit klarem Verstand auf die Straße konzentriere. Mein Puls steigt rasch und der Atem wird schneller. Das mag an dem etwas stressgeladenen Verkehr in Berlin liegen, oder einfach an der Tatsache, dass ich mich sportlich betätige. Denn Rad fahren wirkt sich positiv auf den Geist und die Gesundheit aus. Bei regelmäßigen Touren mit dem Fahrrad steigt das Herzvolumen und die Gehirndurchblutung, der Ruhepuls sinkt und die Atmung wird effektiver. Doch nicht nur wegen der Langzeit-Wirkung empfiehlt sich das Radfahren. Gerade jetzt ist das Zweirad wieder ganz im Trend.

Das Ende der Radlosigkeit

Die derzeitige Verkehrsruhe auf den Straßen wird von vielen Politiker*innen in Europa genutzt, um weitere Schritte für die längst notwendige Verkehrswende in die Wege zu leiten. Brüssel geht mit positivem Beispiel voran und zeigt, wie man eine vielbefahrene Innenstadt in nur wenigen Wochen umgestalten kann. So haben Fußgänger und Fahrräder seit kurzem Vorrang im gesamten Zentrum, Autos und Busse dürfen nur noch 20 Stundenkilometer fahren. Paris kündigte zuletzt sogar an, 650 Kilometer an neuen Fahrradwegen bauen zu wollen. Auch unsere Hauptstadt zieht im europäischen Trend mit und stellt derzeit geschützte Popup-Fahrradwege auf einigen Hauptstraßen auf die Beine, die begeistert angenommen werden. Das beweist, dass es mit der richtigen Infrastruktur möglich ist, dem Menschen einen sicheren Platz im Verkehr einzuräumen. Berlin möchte aber noch weiter gehen und möchte mit einem neuen Mobilitätsgesetz das Radfahren in der Hauptstadt noch attraktiver machen. 100 Millionen Euro sollen dank der Initiative Volksentscheid Fahrrad in der Hauptstadt in den Ausbau der Fahrradinfrastruktur investiert werden. Und dass das nachhaltig zu einer lebenswerteren Stadt beiträgt, zeigen diese Gründe:

Rauf aufs Rad, runter mit den Emissionen

Fahrräder verschmutzen die Luft nicht, machen kaum Lärm und nehmen deutlich weniger Fläche als Autos ein, weshalb weniger Boden versiegelt werden muss. Steigen also mehr Menschen aufs Velo um, können wir Parkplätze für klimarelevante Grünflächen nutzen und geben Vögeln und Insekten ihre Lebensräume zurück. Autos, Busse und LKW sind laut Umweltbundesamt für bis zu 80 Prozent der Emissionen in Innenstädten verantwortlich. Die klimaneutrale Radmobilität kann einen großen Teil dazu beitragen, verkehrsbedingte Treibhausgasemissionen zu reduzieren und somit zum Klimaschutz beitragen. Das bestätigte auch eine Studie der TU Dresden: So könnten die deutschen CO2-Emissionen jährlich um knapp drei Millionen Tonnen reduziert werden, wenn jeder zweite kurze Autoweg (bis fünf Kilometer) mit dem Fahrrad oder E-Bike zurückgelegt werden würde. Laut dem Verkehrsclub Deutschland könnten sogar siebeneinhalb Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Hinzu kommt: In diesem Entfernungsbereich ist das Fahrrad sogar oft das schnellere Verkehrsmittel.

 

Um dir das Fahrradfahren nachhaltig schmackhaft zu machen, hier

11 Tipps und Tricks:

  1. Lieber gebraucht statt neu: Solltest du noch kein Fahrrad besitzen, ist es möglich auf Fahrradflohmärkten, Onlineanzeigen oder in Second-Hand-Fahrradläden gebrauchte Räder preiswert zu erwerben. Diese werden in der Regel vor dem Vertrieb grundüberholt, oft inklusive Reparaturservice.
  2. Sicher ist sicher: Dein Fahrrad muss verkehrstauglich sein. Schon ein fehlendes Licht oder eine nicht funktionieren Bremse können gefährliche Auswirkungen auf den Verkehr haben. Zudem wird der Fahrgenuss durch Mängel stark beeinträchtigt. Daher solltest du dein Fahrrad vor dem Einsatz von einem Profi kontrollieren und regelmäßig warten lassen.
  3. Selbst Hand anlegen: In sogenannten Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstätten kannst du dein Fahrrad selbst reparieren. Hier findest du alle nötigen Werkzeuge sowie Ersatzteile. Bei Problemen kannst du das geschulte Fachpersonal um Rat fragen. Somit lassen sich schnell kleine aber auch große Fehler beheben. Wenn es keine Werkstätten in deiner Nähe gibt, frage doch mal bei Freunden oder Bekannten nach, ob sie nicht eine*n Fahrradbastler*in kennen.
  4. Pimp my bike: Auch ein altes Fahrrad kann in sogenannten Upcycling-Werkstätten neu ausgestattet werden. Ein Korb oder Fahrradtaschen können dabei helfen, Einkäufe leichter zu transportieren. Mit dem zusätzlichen Stauraum an den Seiten oder an der Front entlastest du deinen Rücken oder hältst deine Hände für das Lenken frei.
  5. Wenn es doch ein neues Zweirad sein soll: Über die Initiative Jobrad können Arbeitnehmer*innen von teilnehmenden Unternehmen ein neues Fahrrad als Dienstrad leasen, jederzeit fahren und bis zu 40 Prozent des Kaufpreises sparen.
  6. Elektrisch auf die Sprünge helfen: Sollte der Weg zur Arbeit doch zu weit oder anstrengend sein, sind Pedelecs oder E-Bikes eine umweltverträgliche Alternative zum Auto, besonders bei Entfernungen bis etwa 20 Kilometer. Hier solltest du dich auf jeden Fall in einem Fachhandel beraten lassen. Aus Umweltsicht sollten vor allem auf eine lange Akku-Lebensdauer und Verfügbarkeit von Ersatzakkus geachtet werden. Eine langlebige, reparaturfreundliche und recyclinggerechte Konstruktion helfen dabei.
  7. Bei großen Lasten entlastet: Das Lastenrad ist eine umweltfreundliche, kostengünstige und platzsparende Lösung für größere Transporte, wie einen kleinen Umzug oder den Großeinkauf. Deutschlandweit stehen in mehr als 50 Städten an immer mehr Standorten kostenfrei Lastenräder zur Ausleihe bereit, oft mit Unterstützung des örtlichen ADFC.
  8. Velo + öffentliche Verkehrsmittel: In manchen öffentlichen Verkehrsmitteln ist es erlaubt, das Fahrrad kostenlos mitzunehmen. Das ist dann von Vorteil, wenn du täglich zur Schule, Uni oder Arbeit pendeln musst. Durch das Mitnehmen können auch längere Strecken umwelt- und klimaschonend zurückgelegt werden. Öffentliche Fahrradausleihsysteme am Zielort können zusammen mit dem ÖPNV sogar die autofixierte Mobilität ersetzen.
  9. Urlaub auf zwei Rädern: Besonders in schlecht planbaren Corona-Zeiten lohnt es sich, mal einen Radurlaub zu erwägen. Mit dem Fahrrad in den Urlaub zu fahren, ist eine gesunde und klimafreundliche Art zu verreisen. Auf einigen Internetseiten wie Fahrradreisen.de sind diverse Routen, Hotels, Bett & Bike-Betriebe, oder beliebte Reiseziele aufgelistet.
  10. Für das Fahrrad auf die Straße: Mit einer regelmäßigen Teilnahme an sogenannten Critical-Mass-Rides, Reclaim-the-Streets-Partys oder verschiedenen Aktionstagen kannst du helfen, auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen. Für eine erfolgreiche Verkehrswende ist es zwingend notwendig, der Politik den Bedarf an einer fahrradfreundlichen Infrastruktur mitzuteilen.
  11. Last but not least – Sicherheit hat immer Vorrang: Um sicher durch den Verkehr zu gelangen ist es wichtig, sich voll und ganz auf die Straße zu konzentrieren und sich an das Rechtsfahrgebotzu halten. Und zwar nicht nur auf der Fahrbahn, sondern auch auf Radwegen, Radfahrstreifen, freigegebenen Gehwegen, Schutzstreifen und Fahrradstraßen. Mit Handzeichen kannst du mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren. Auf Musik beim Rad fahren sollte verzichtet werden.

 

Ich sehe nur Vorteile am Fahrrad: Es ist emissionsfrei, leise, schnell, kostengünstig und hält mich fit. Das Rad muss nicht einmal neu erfunden werden, um das Klima zu schützen. Jetzt muss es nur noch zum Standard-Verkehrsmittel werden. Drehst du auch am Rad?

Für mehr nachhaltige Alltagstipps schau auf www.NABU.de/Action vorbei und melde dich für unseren Newsletter „Nachhaltig leben“ an. Hier findest du mehr Informationen zu den Vorteilen des Radverkehrs, der notwendigen Verkehrswende und den Klimaschutzpotenzialen im Verkehr.

Tim Pohr

Tim Pohr

Mitarbeiter Veranstaltungsmanagement
Tim Pohr

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3 Kommentare

Ronja Oden

15.07.2020, 13:19

Interessant, dass die derzeitige Verkehrsruhe auf den Straßen von vielen Politikern in Europa genutzt wird, um weitere Schritte für die längst notwendige Verkehrswende in die Wege zu leiten. Jetzt wo weniger los ist, lohnt sich das Fahrradfahren auch wieder mehr. Ich muss mich nur vorher an die Fahrradreparatur machen.

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Michael Schnell

03.06.2020, 17:17

Guter Beitrag zum Thema Fahrrad. Ich stimme aber beim Thema Emission nur bedingt zu. Elektrofahrräder müssen an die Steckdose und Strom in Deutschland ist mehrheitlich noch kein sauberer Strom, auch der Abrieb der Reifen verursacht Mikroemissionen. Grundsätzlich ist radln aber eine gute Sache. E-Biken hat für mich auch wenig mit radln zu tun, es verleitet im Straßenverkehr zu Rambos auf und neben den Radwegen.

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Tim Pohr

Tim Pohr

09.06.2020, 16:30

Danke für dein Feedback. Wir sind natürlich auch eher Fahrrad-Fans. Grundsätzlich ist es jedoch eine gute Sache, dass Autofahrer auf eine Alternative wie Elektroräder umsteigen - im besten Fall werden diese mit grünem Strom betrieben.

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