Inga Römer Beiträge

Naturnahe Wälder als wichtige Kohlenstoffspeicher

Weltweit werden jedes Jahr mehrere Millionen Hektar Wald für die Anlage von Weide- und Siedlungsflächen, oder für den Anbau von Ölpalmen und Soja, vernichtet. Auch Wiederaufforstungen finden statt, nur leider häufig als Monokulturen mit negativen Folgen für die Artenvielfalt, das Grundwasser und den Boden. In Deutschland nimmt die Waldfläche allgemein zwar leicht zu aber auch die geerntete Holzerntemenge ist in den letzten Jahren gestiegen. Aktuell werden gut 76 Millionen Kubikmeter Holz jährlich geerntet. Der Holzverbrauch der Deutschen ist mit gut 140 Millionen Kubikmeter jährlich nahezu doppelt so hoch, einen großen Anteil daran haben auch Papierprodukte, die dementsprechend importiert werden müssen. Erschreckend ist, dass heute mindestens 50 Prozent des deutschen Holzverbrauchs für die Energie-und Wärmeerzeugung verbrannt werden, die damit gewonnene Energiemenge ist mit weniger als fünf Prozent am Gesamtenergieverbrauch gering.

Der Meeresspiegel steigt weiter bedrohlich an – was nun?

Das Meer steigt direkt vor unserer Tür…

Die Prognosen stehen schlecht: Der letzte Bericht des Weltklimarats (IPCC 2013) zeigt Werte zwischen 0,2–0,8 Meter für den zu erwartenden globalen mittleren Meeresspiegelanstieg für den Zeitraum 2000 bis 2100 an. Es gibt Veröffentlichungen, die einen noch höheren Meeresspiegelanstieg vorhersagen, nämlich zwischen 0,75 und maximal 1,9 Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts.

Das Problem ist aber, dass wir nicht genau sagen können, wie viel der Meeresspiegel in Zukunft steigen wird, weil es von so vielen Faktoren abhängt. Primär wird der Meeresspiegelanstieg durch die Ausdehnung der Wassermassen infolge der Erwärmung der Luft und somit der Meere und Ozeane ausgelöst (die Nordsee hat sich beispielsweise in den letzten 40 Jahren im Mittel um 1,5 bis 2 Grad Celsius erwärmt). Auch das Schmelzen der Eismassen auf dem Land (Gletscher und Eisschilde) führt zu einem steigenden Meeresspiegel. Hinzu kommt, dass der weltweite Anstieg regional sehr unterschiedlich sein kann, abhängig von Winden und Strömungen.

Alle Hoffnung liegt auf dem Kompetenzzentrum

„Endlich ist es da“, klang es in aller Munde auf der Eröffnungsfeier des neuen Kompetenzzentrums für Naturschutz und Energiewende. Die Idee des  Kompetenzzentrums, damals noch „Transfer-und Clearingstelle“ genannt, war schon 2012 beim NABU enstanden.

Windkraftanlagen entlang der Autobahn 14 zwischen Dresden und Leipzig - Foto: Norman Schiwora

Windkraftanlagen entlang der Autobahn 14 zwischen Dresden und Leipzig – Foto: Norman Schiwora

Über die Qualität von ökologischen Gutachten beim Ausbau erneuerbarer Energien

Vor allem beim Ausbau der Windenergie stellen oftmals unzureichende oder zu wenig objektive Gutachten aktuell ein zentrales Problem dar. Würde dieses gelöst, würden sich einige Konflikte zwischen den Anforderungen des Naturschutzes und denen der Windindustrie verringern. Lesen Sie mehr darüber im Beitrag unseres „Nachbarblogs“ „Naturschätze.retten“ – einfach auf den Beitrag klicken!

Warum spielt die Qualität der Erstgutachten in der Planungspraxis eine so große Rolle?

Klimawandel aufhalten und die Natur schützen – ein Spagat?

Seit der letzten Klimakonferenz in Paris 2015 steht fest, dass die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei oder besser noch 1,5 Grad Celsius begrenzt werden muss, um die schlimmsten Gefahren des Klimawandels abzuwenden. Nach den neuesten Erkenntnissen des Weltklimarats (IPCC) kann die Erderwärmung zu unumkehrbaren Folgen für Mensch und Natur führen. Hier ist von den Tipping points, den „Kipppunkten“ die Rede, die, wenn sie erreicht werden beziehungsweise „kippen“, Prozesse in Gang setzen können, die schwer aufhaltbar sind.

Foto: Margaret Bunzel-Drüke

Rotmilan vor Windkraftanlage, Foto: Margaret Bunzel-Drüke

Und das Ausmaß dieser Prozesse auf die biologische Vielfalt und Ökosysteme und deren systemische Zusammenhänge ist nicht abschätzbar. Das heißt, dass die 1,5-Grad-Obergrenze die einzige Messlatte ist, die uns zur Verfügung steht, um weltweit vorsorglich den Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme zu garantieren.

Die Zeit läuft aus für die Natur

Seit dem Start der Kimaverhandlungen in Paris, auf denen so viele Hoffnungen weltweit liegen, ist es auffallend dass einige der Themen besonders schwer auf den Schultern der Verhandler lasten. Es schreit förmlich nach Dringlichkeit zu Handeln bei besonders emotional-behafteten Themen wie ‚Verluste und Schäden‘ oder ‚Anpassung‘, da es vor allem die Länder betrifft, die schon von klimatischen Veränderungen heimgesucht werden und momentan ums Überleben kämpfen, wie z.B. die untergehenden Inselstaaten. Ungeachtet der Tatsache dass im Hintergrund der Verhandlungen Klimakatastrophen wie z.B. die jüngsten extremen Waldbrände in Indonesien oder viel zu frühe Monsun-Regen in Indien gemeldet werden, schaffen es die Vertragsstaaten bisher nicht, sich auf verbindliche Unterstützungs- und Finanzierungszusagen zu einigen.

NABU-Expertin Naturschutz und Energiewende Inga Römer auf der COP 21

NABU-Expertin Naturschutz und Energiewende Inga Römer auf der COP 21. Bild: Sebastian Scholz

In der ersten Woche der Klimaverhandlungen laufen die Prozesse viel zu langsam, keiner will sich flexibel zeigen. Textentwürfe werden hin-und hergeschoben, komplett gestrichen oder an anderer Stelle in Klammern gesetzt – was bedeutet, dass sie jederzeit aus dem Text gestrichen werden können. Und für uns, die Zivilgesellschafft, essenzielle Begriffe wie ‚environmental/ ecosystem integrity‘ (Unversehrtheit der Ökosysteme/der Umwelt) oder auch ‚human rights‘ (Menschenrechte) werden heftig debattiert und wurden komplett aus dem verbindlichen Textteil gestrichen und finden derzeit nur in der Präambel Erwähnung. Diese Debatte versetzt allen, die auf diesen Gebieten arbeiten und sich für die Werte, die hinter den Worten stehen, einsetzen, einen heftigen Stoß in die Magengrube und in großen Aufruhr.

Die holistische Rolle der biologischen Vielfalt

Bis endlich in einer der vielen Nebenveranstaltungen während des Weltklimagipfels einmal alles auf einen Punkt gebracht wird und die Frage aus dem Auditorium gestellt wird: „Was ist eigentlich der Kern dieser Klimaverhandlungen, ich meine warum sind wir eigentlich alle hier?“ Und die Antwort darauf ist ganz einfach: Es geht um den Schutz der Menschen und der Natur. Darum sind wir alle hier in Paris. Das muss in dem Abkommen berücksichtigt werden.

Der Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme muss einer der wesentlichen Inhalte des Abkommens sein. Es muss darauf hingewiesen werden, welche zentrale Rolle die biologische Vielfalt zum Beispiel für die landwirtschaftliche Produktivität, Wirtschaft, Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit hat. Diese sogenannten Ökosystemdienstleistungen gehen also weit über den einzelnen Schutz von Flora und Fauna hinaus.