Alle Hoffnung liegt auf dem Kompetenzzentrum

„Endlich ist es da“, klang es in aller Munde auf der Eröffnungsfeier des neuen Kompetenzzentrums für Naturschutz und Energiewende. Die Idee des  Kompetenzzentrums, damals noch „Transfer-und Clearingstelle“ genannt, war schon 2012 beim NABU enstanden.

Windkraftanlagen entlang der Autobahn 14 zwischen Dresden und Leipzig - Foto: Norman Schiwora

Windkraftanlagen entlang der Autobahn 14 zwischen Dresden und Leipzig – Foto: Norman Schiwora

Aus dem Wunsch heraus, die durch den rasanten Ausbau der Erneuerbaren, vor allem zwischen der Windenergie und dem Naturschutz vermehrt auftretenden Konflikte anzugehen. Und damit die weitere Ausgestaltung und Umsetzung der Energiewende erfolgen kann, ohne dass die Ziele des Natur- und Artenschutzes weiter gefährdet werden. Nachdem die Idee als Wahlkampfforderung aufgegriffen und im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD 2013 vereinbart wurde, wurde eine Machbarkeitsstudie als Teil eines vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Projektes dazu vom NABU in Auftrag gegeben. Als vormals NABU-eigene Idee hatte es nun mehrere Jahre Aufbauphase gebraucht, bis am 1. Juli 2016 das Kompetenzzentrum endlich offiziell eröffnet wurde.

Die Neutralität bewahren

Windkraft und Bioenergie Foto: Jürgen Eggers

Windkraft und Bioenergie Foto: Jürgen Eggers

Das Kompetenzzentrum für Naturschutz und Energiewende (KNE) ist ein vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziertes Projekt. Trägerschaft hat die Michael-Otto Stiftung für Umweltschutz inne mit einem Beirat aus Vertretern der Wissenschaft und Forschung, Umweltverbänden, der Energiewirtschaft, Ländern und Kommunen um über Aufgaben und strategische Entwicklung des Kompetenzzentrums zu entscheiden.

Kernaufgabe ist es, den naturverträglichen Ausbau der Energiewende zu unterstützen und dabei zu helfen, Konflikte zwischen erneuerbaren Energien und dem Naturschutz zu lösen und im Vorfeld aus dem Weg zu räumen. Dabei wird die größte Herausforderung sein, seine Neutralität zu bewahren.

Für die gesamte Debatte, die hinter den Kernkonflikten zwischen Naturschutz und der Energiewende stet, ist es gerade wichtig, dass genau diese Neutralität bewahrt bleibt, damit Diskussionen sachlich und konstruktiv bleiben. Das ist besonders wichtig für den Ausbau der Windenergie, wo die Konflikte vor Ort aufkommen und ausgetragen werden. Wie kann das gehen?

Der Dreiklang: Fachinformation, Konfliktberatung vor Ort und Fachprozesse

  • Fachinformation: Mit dem Fokus auf die Windenergie an Land, Bioenergie, Solarenergie und Netze soll das KNE eine Informationsplattform entwickeln und Auskünfte geben, die sich ausschließlich auf wissenschaftliche Studien stützen sollen. Dabei sollen Stellungnahmen von allen Akteuren in diese Auswertung einfließen. Sämtliche Anfragen die aus der Öffentlichkeit kommen, werden per Email beantwortet und die Antworten auf der Webseite des KNEs veröffentlicht.
  • Konfliktberatung: Aktuell wird ein Pool mit ausgebildeten Mediatoren aufgebaut, die bei Konflikten auf Anfrage von allen Akteuren zu Rate gezogen werden können, aber von den Konfliktparteien bezahlt werden. Hier steht zusätzlich die starke Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen im Fokus. Das ist wichtig, da die Kernkonflikte genau auf dieser Ebene stattfinden und die Debatte dort noch mehr gefördert werden muss. Das könnte auch hilfreich für die verschiedenen Naturschutzverbandsebenen sein, um besonders im Laufe der Einzelfallprüfung und im Vorfeld Konflikte präventiv aus dem Weg zu räumen und gleichzeitig eine erhöhte Qualität der Planungen  zu gewährleisten. Denn das KNE bietet neben der Beratung und Supervision auch Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die zuständigen Mitarbeiterinnen in Ländern, Regionen und Kommunen an.
  • Fachprozesse: Auch Dialoge die das KNE ab nächstem Jahr anregen möchte, werden eine große Rolle spielen, da es der erste Schritt sein muss, überhaupt alle Akteure an einen Tisch zu holen um offene Fragen anzugehen und um sich mit den Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen. Die primären Ziele sind , verhärtete Fronten aufzuweichen, Vertrauen zu schaffen und die Vernetzung der Akteure. Der Austausch könnte auch darin liegen aufzuzeigen was eigentlich schon gut läuft. Auch hier nimmt das KNE eine wichtige Rolle ein. Die Fachprozesse sollten sich noch offenstehenden Fragen widmen. Wie z. B. eine Flächenpotenzialstudie entwickelt werden kann, die klar aussagt, wie viel Ausbau noch notwendig ist und ob dieser auch inklusive naturschutzfachlicher Belange möglich wäre.

Unsere Wünsche und Erwartungen an das Kompetenzzentrum

Die Kernfragestellung ist doch: Wie kann in Zukunft garantiert werden, dass naturschutzfachliche Belange in das Planungsregime von vornherein integriert und dadurch erhöhte Planungs-und Rechtssicherheit für die Vorhabensträger geschaffen werden? Nicht nur seit den Ergebnissen der „Progress Studie“ ist klar, dass in Zukunft die Verantwortung mehr auf den Ländern liegen wird, die in der Verpflichtung sind, dass der gute Erhaltungszustand einer Art sichergestellt wird.

Aus NABU-Sicht steht dabei immer die naturverträgliche Standortwahl an erster Stelle. Aus diesem Grund ist eine verbindliche Regionalplanung auf Länderebene die Eignungsgebiete mit Ausschlusswirkung ausweist, unabdingbar. Zusätzlich ist eine verbesserte Qualitätssicherung und-kontrolle bei den naturschutzfachlichen Prüfungen notwendig. Bei den Anforderungen an die Politik kann das KNE einen großen Beitrag auf allen Ebenen leisten. Auf der nationalen Ebene muss ein Austausch und konstruktiver Dialog stattfinden, die das KNE durch seine neutrale Rolle moderieren kann, auf lokaler Ebene durch die Konfliktberatung vor Ort und auf regionaler Ebene durch die Unterstützung der spezifischen Behörden.

Somit kann die Naturverträglichkeit ein politisches und planerisches Leitbild und integraler Bestandteil der Energiewende werden.

Weitere Informationen zum KNE sind unter: www.naturschutz-energiewende.de zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Inga Römer

Inga Römer

Referentin für Naturschutz und Energiewende

6 Kommentare

Lutz Geuß

13.01.2017, 18:54

Liebe Umwelt Freunde Ich habe da so ein Paar fragen. Energieerhaltungssatz und Windkraftanlagen Ist unmöglich Energie zu erzeugen? Die „Energieerzeugung“ ist die Umwandlung vorhandener Energie (Wind) in eine für den Menschen nutzbare Form.(Elektroenergie) Was passiert mit dem Energiegehalt der Winde,hinter den Windkraftanlagen? Welche Klimaveränderungen sind zu erwarten,bei fehlender Windkraft? Es gibt ja verschiedene globale Winde. Der Polarjet und der Subtropenjet weden durch Gebirge in ihrer Bahn geführt. Werden diese Mäander durch Windkeaftanlagen beeinflusst. Wurden diese Auswirkungen schon erforscht? CO²und andere Gase werden als Hauptursache der Erderwärmung genannt. ABER!!! Erzeugt der Mensch nicht Wärme aus Strom? Heizen, Warmwasser, Kliemaanlagen, Licht , Elektromotorenabwärme. Auch Autos und Tranzportfahrzeuge erzeugen viel Abwärme. Die Innenstadt- und Industriegebietstemperaturen liegen jetzt schon ca. 2-3°C über den Umlandwerten. Abwässer von Industrie und Privat sind wärmer als die Seen und Flüsse in die es eingeleitet wird. Mikrokliema wird an vielen Stellen durch den Menschen erzeugt. Flüsse und Seen in Großstädten und Industriezentren heizen sich auf. Der Mensch muß, um nicht seine Umgebung zu erwärmen, besser mit der vorhandenen Energie umgehen. Also ein Aufheizen der Umwelt verhindern. Ich würde mich über Informationen zu diesem Thema freuen. Mit freundlichen Grüßen L.G

Inga Römer

Inga Römer

26.01.2017, 15:08

Sehr geehrter Herr Geuß, vielen Dank für Ihr Kommentar und Ihre Fragen. Ich möchte gerne kurz auf Ihre Fragen eingehen. - Sie haben völlig Recht, physikalisch gesehen ist das Wort " Energieerzeugung" nicht richtig. Allerdings wollte ich es gerade in dem Text ändern und konnte es leider nicht finden. Ich werde das aber in Zukunft beachten. - Zur Frage: Was passiert mit dem Energiegehalt der Winde, hinter den Windkraftanlagen?: Windkraftanlagen können theoretisch max. 2/3 der Windenergie nutzen. - Zur Frage: Welche Klimaveränderungen sind zu erwarten, bei fehlender Windkraft?: Diese Frage kann man sehr schlecht konkret beziffern. Aber wenn wir so weitermachen weiter wie bisher, muss bis 2100 mit einer Temperaturerhöhung von 4,2 bis 5 °C gerechnet werden. - Zur Frage: Werden diese Mäander durch Windkeaftanlagen beeinflusst?: Das ist mir nicht bekannt. - Zur Frage: CO²und andere Gase werden als Hauptursache der Erderwärmung genannt: Das ist richtig, aber es geht dabei um den Treibhauseffekt, der durch die Treibhausgase wie CO² beeinflusst wird. - Zur Frage: Heizen, Warmwasser, Kliemaanlagen, Licht , Elektromotorenabwärme. Auch Autos und Tranzportfahrzeuge erzeugen viel Abwärme. Die Innenstadt- und Industriegebietstemperaturen liegen jetzt schon ca. 2-3°C über den Umlandwerten: Hier möchte ich hinzufügen, dass die Temperatur nicht gleich Klima ist. - Zur Frage: Der Mensch muß, um nicht seine Umgebung zu erwärmen, besser mit der vorhandenen Energie umgehen.: Ja, da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Ich hoffe, ich konnte Ihre alle Fragen zufriedenstellend beantworten, Herzliche Grüße, Inga Römer

Herbert Hahne

28.08.2016, 07:40

Lieber NABU, zunächst werde ich schon skeptisch, wenn eine GmbH sich anmaßt, das Zentrum der Kompetenz für Naturschutz und Energiewende sein zu wollen. Wenn ich dann die handelnden Personen ansehe und die Finanzierung durch das Bundes­mi­nis­te­riums für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reaktor­sicherheit beachte, befürchte ich, dass hier eine weitere Feigenblattinstitution geschaffen wurde, die im Endeffekt Lobbyismus betreibt und den durch den Steuerzahler finanzieren lässt. Zweck der gemeinnützigen Gesell­schaft soll die Förde­rung des Natur- und Umwelt­schutzes insbe­son­dere durch die Unter­stüt­zung einer natur­ver­träg­li­chen Energie­wende sein. Da bin ich einmal gespannt. Herbert Hahne www.galluse.de

Inga Römer

Inga Römer

29.08.2016, 16:56

Lieber Herr Hahne, vielen Dank für Ihr Kommentar! Ich denke, man sollte auf jeden Fall kritisch bleiben, da stimme ich Ihnen zu. Vor Allem, was seine Neutralität betrifft. Aber es schafft auch gleichzeitig Hoffnung darauf, dass eine Institution geschaffen wurde, die es möglich machen kann, die Naturverträglichkeit doch noch mehr als politisches und planerisches Leitbild in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu holen. Und somit die Hoffnung darauf, integraler Bestandteil der Energiewende zu werden. herzliche Grüße, Inga Römer

Hans-Jörg Guhla

27.08.2016, 12:05

Hallo, da würde ich hier vor Ort, Anwohner der Nauener Platte im Havelland, sehr gern mitmachen und entsprechende Ausbildungen mitmachen sowie an Besprechungen und Planungen teilnehmen. Mit freundlichen Grüßen

Inga Römer

Inga Römer

29.08.2016, 16:39

Lieber Hans-Jörg Guhla, Vielen Dank für das Kommentar! Es ist schön zu sehen, dass es so viel Engagement auf lokaler Ebene gibt! Leider werden für das Mediatoren Programm für die Konfliktberatung vor Ort nur vom KNE selbst ausgebildete professionelle Mediatoren zur Verfügung gestellt werden. Ich werde Ihre Anfrage dennoch an das KNE weiterleiten, man weiß ja nie. herzliche Grüße, Inga Römer

Kommentare deaktiviert