Naturnahe Wälder als wichtige Kohlenstoffspeicher

Weltweit werden Wälder gefällt oder zu Monokulturen umgewandelt. Auch in Deutschland. Hier liegt die jährliche Anzahl der gefällten Kubikmeter bei 70 Millionen. Eine solch relativ große Menge ist nicht mehr mit einer nachhaltigen Forstwirtschaft vereinbar. Und Berechnungen legen dar, dass 140 Millionen Kubikmeter jährlich für alle Holzprodukte gebraucht werden. Der Rest wird also auch noch zusätzlich importiert. Seit 2010 werden mindestens 50 Prozent des deutschen Holzverbrauchs für die Energie-und Wärmeerzeugung genutzt.

Wälder verschwinden von der Bildfläche oder verlieren ihre Artenvielfalt

Das bedeutet, dass der Druck auf Waldökosysteme und auf die natürliche Waldentwicklung hoch ist. In Deutschland sieht es mit der Waldbiodiversität allgemein auch nicht so gut aus, denn nur circa 1,9 Prozent der Wälder in Deutschland stehen dauerhaft unter rechtlichem Schutz und werden weder forstwirtschaftlich oder anders genutzt und sind somit die einzigen Wälder mit einer natürlichen Waldentwicklung.

Erschreckend: 70 MMillionen Kubikmeter Waldfläche werden jedes Jahr in Deutschland zu Monokulturen umgewandelt

Erschreckend: 70 MMillionen Kubikmeter Waldfläche werden jedes Jahr in Deutschland zu Monokulturen umgewandelt – Foto: Christoph Kasulke

Das ist eine erschreckend geringe Zahl und zeigt, dass die Waldbiodiversität in Deutschland in Gefahr ist. Dabei haben solche Wälder eine hohe Bedeutung: nicht nur für die biologische Vielfalt sondern auch für den Klimaschutz! Zum einen durch die Funktion des Waldes als Kohlenstoffsenke und zum anderen durch die Stärkung ihrer biologischen Vielfalt wird auch ihre Resilienz gegen und Anpassung an den Klimawandel verbessert.

Laubwald versus Monokultur

Für die Stärkung der biologischen Vielfalt im Wald spielen folgende wichtige Strukturen eine große Rolle: große Mengen an liegendem und stehendem Totholz, Höhlen und grobborkige Rindenstrukturen. Auch alte Laubwälder und Gebiete, in denen sich die Natur ohne Einschränkung entwickeln kann, besitzen meistens einen hohen Anteil dieser Strukturen und somit an biologischer Vielfalt. Im Vergleich zu bewirtschafteten Wäldern bzw. Monokulturen bieten sie ausreichend Brut- und Nahrungsstätten für viele Tier- und Pflanzenarten. Leider werden in der gängigen forstwirtschaftlichen Praxis oftmals junge Wälder genutzt und somit die natürlichen Prozesse die für das Entstehen dieser Strukturen notwendig sind, gar nicht stattfinden können.

Monotoner Kiefernforst

Monokulturen wie dieser Kiefernforst sind meistens anfälliger für sich ausbreitende Krankheiten und Schädlinge – Foto: Jeanette Blumröder

Die gängige Praxis wird außerdem meist von Nadelhölzern oder Monokulturen dominiert. Diese sind meistens anfälliger für sich ausbreitende Krankheiten und Schädlinge und halten Stürmen nicht im gleichen Maße stand wie ältere gesündere Baumarten wie zum Beispiel Laubwälder. Laubwälder und Wälder die sich natürlich entwickeln können, leisten zusätzlich einen größeren Beitrag zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung. Diese findet direkt in den Bäumen selbst und im Mineralboden statt, wo eine große Menge an Kohlenstoff gebunden wird. Solche naturnahen Wälder haben eine hohe Bedeutung für den weltweiten Klimaschutz und den Schutz der biologischen Vielfalt.

Prozessschutz

Aber wie können wir dafür sorgen dass wichtige Ökosysteme wie Wälder gestärkt werden, damit auch gleichzeitig ihre Resilienz gegen den Klimawandel und ihre Senken-Funktion erhöht wird? Ein kleiner Beitrag dazu kann über den Prozessschutz geleistet werden. Über den Prozessschutz wird gewährleistet dass die natürliche ökologische Entwicklung innerhalb eines Gebietes oder eines Ökosystems, wie dem Wald, erfolgen kann.

Zum Beispiel in Deutschland werden jährlich von der NABU-Stiftung neue Flächen erworben, und ein Großteil davon kann sich natürlich weiterentwickeln. Das können wertvolle Naturschutzflächen sein aber auch Konversionsflächen wie ehemalige Tagebaue, deren Naturhaushalt schon stark zerstört ist. Bei dem Kauf der Flächen wird auch darauf geachtet dass zusammenhängende Flächen entstehen um wichtige Netzwerke für Arten und Lebensräume zu schaffen. Damit der natürliche Kreislauf gestärkt, die Resilienz dieser Gebiete inklusive ihrer Wälder an den Klimawandel erhöht und somit Klimaschutz stattfinden kann.

Das Beispiel Grünhaus

Eines dieser Projekte der Stiftung ist das 1.930 Hektar große, ehemalige Tagebaugebiet Grünhaus in der Niederlausitz. Aufgrund von stofflicher Vorbelastung wurde dieses Gebiet naturschutzgerecht und schonend saniert und jetzt der Natur überlassen. Hier haben sich inzwischen neben nachwievor großen vegetationsarmen Sandflächen, kleine Gras- und Krautfluren, Ginsterheiden und Gehölze bis hin zu jungen Waldbeständen entwickelt und sich über 3.000 Pflanzen- und Tierarten angesiedelt.

Aus dem ehemaligen Tagebaugebiet in der Niederlausitz ist über die Jahre ein grünes und blühendes Naturparadies entstanden – Foto: Frauke Hennek

Da auf einen externen regulierenden Eingriff, besonders  in die Artenzusammensetzung der Gehölzbestände und die Bekämpfung von nicht heimischen Arten verzichtet wird, kann sich der Waldbestand natürlich entwickeln. Grünhaus leistet damit einen wachsenden Beitrag zum Klimaschutz. Vor allem durch die fortschreitende Bewaldung wird von Jahr zu Jahr immer mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden.

Auch auf politischer Ebene muss ein Umdenken stattfinden

Im Jahr 2007 hat die Bundesregierung beschlossen, dass bis 2020 die Anzahl rechtlich geschützter naturnaher Wälder von  1,9 auf mindestens fünf Prozent der Waldfläche erhöht bzw. zehn Prozent des öffentlichen Waldes aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Doch bis dahin sind es nur noch zwei Jahre und bisher ist nicht viel passiert. Um das fünf Prozent Ziel zu erreichen, müssen etwa 220.000 Hektar aus der Nutzung herausgenommen werden. Obwohl einzelne Bundesländer schon mit der Implementierung diese Zieles auf regionaler Ebene begonnen haben, werden wir laut eines Forschungsinstitutes nur 3 Prozent bis 2020 erreichet haben. Von daher ist ein Handeln dringend und die Ausweisung  weiterer Schutzgebiete von Nöten.

Was jeder einzelne für den Klimaschutz tun kann
Klimaschutz geht uns alle an. Aber wissen wir, wo wir stehen …und welche Maßnahmen zukünftig unseren CO2-Fußabdruck entscheidend verbessern können? Das lässt sich rausfinden mit dem NABU-CO2-Rechner. In dieser persönlichen CO2-Bilanz werden verschiedene Bereiche des Lebens von der Heizung über den Konsum bis zu den Fortbewegungsmitteln betrachtet. Berechnet wird nicht nur der individuelle CO2-Ausstoß, sondern auch das CO2, das durch einen klimafreundlichen Lebensstil nicht mehr in die Atmosphäre entweicht. Zum Vergleich wird auch der deutsche Durchschnitt angezeigt.

Außerdem müssen verbindliche politische Richtlinien für eine verbesserte nachhaltige, ökologische forstwirtschaftliche Praxis geschaffen werden um die Strukturvielfalt, als auch die zeitliche und räumliche Habitatkontinuität im Wald zu gewährleisten und nachhaltig zu schützen.

Allgemein ist es wichtig dass man den Anforderungen des Naturschutzes, der Gesellschaft und auch dem Klimaschutz gleichzeitig gerecht wird. Ein erster Schritt sollte allgemein die Reduzierung des Energieverbrauchs und verstärkte Förderung in Energieeffizienz sein, um dann zusätzlich politische Leitplanken für die stoffliche und energetische Holznutzung zu schaffen, die Basis für eine naturverträgliche Energiewende.

Der Beitrag zum Klimaschutz steigt durch Beispiele wie Grünhaus kontinuierlich. Aber jeder Einzelne von uns kann auch seinen Beitrag zum Klimaschutz, zur naturverträglichen Energiewende geben.

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Inga Römer

Inga Römer

Referentin für Naturschutz und Energiewende

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