Naturnahe Wälder als wichtige Kohlenstoffspeicher

Weltweit werden jedes Jahr mehrere Millionen Hektar Wald für die Anlage von Weide- und Siedlungsflächen, oder für den Anbau von Ölpalmen und Soja, vernichtet. Auch Wiederaufforstungen finden statt, nur leider häufig als Monokulturen mit negativen Folgen für die Artenvielfalt, das Grundwasser und den Boden. In Deutschland nimmt die Waldfläche allgemein zwar leicht zu aber auch die geerntete Holzerntemenge ist in den letzten Jahren gestiegen. Aktuell werden gut 76 Millionen Kubikmeter Holz jährlich geerntet. Der Holzverbrauch der Deutschen ist mit gut 140 Millionen Kubikmeter jährlich nahezu doppelt so hoch, einen großen Anteil daran haben auch Papierprodukte, die dementsprechend importiert werden müssen. Erschreckend ist, dass heute mindestens 50 Prozent des deutschen Holzverbrauchs für die Energie-und Wärmeerzeugung verbrannt werden, die damit gewonnene Energiemenge ist mit weniger als fünf Prozent am Gesamtenergieverbrauch gering.

Wälder haben eine wichtige Doppelfunktion

Das zeigt klar dass der Nutzungsdruck auf den Wald hoch ist, fast jeder Hektar Wald wird bewirtschaftet. Um den Schutz der biologischen Vielfalt zu Fördern, hat die Bundesregierung bereits im Jahr 2007 beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 fünf Prozent der Waldfläche nicht mehr bewirtschaftet werden sollen – hier darf sich der Wald wieder nach seinen eigenen Regeln entwickeln. Im Jahr 2013 waren es gerade mal 1,9 Prozent der Waldfläche Deutschlands, die sich dauerhaft, mit rechtlichem Schutz, natürlich entwickeln durften.

Erschreckend: 70 MMillionen Kubikmeter Waldfläche werden jedes Jahr in Deutschland zu Monokulturen umgewandelt

Foto: Christoph Kasulke

Gerade alte unbewirtschaftete Wälder haben eine hohe Bedeutung: nicht nur für die biologische Vielfalt sondern auch für den Klimaschutz! Zum einen durch die Funktion des Waldes als Kohlenstoffspeicher und zum anderen durch die Stärkung ihrer biologischen Vielfalt wird die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel unterstützt.

Für die Ausprägung der biologischen Vielfalt im Wald spielen folgende Strukturen eine große Rolle: Baumartenzusammensetzung, Vorkommen aller Waldentwicklungsphasen, große Mengen an liegendem und stehendem Totholz, Vorhandensein von sogenannten Sonderstrukturen wie Höhlen und grobborkige Rindenstrukturen. Besonders alte Laubwälder in denen sich die Natur ohne Einschränkung entwickeln kann, besitzen meistens einen hohen Anteil dieser Strukturen. Im Vergleich zu intensiv genutzten Wirtschaftswäldern bieten sie ausreichend Brut- und Nahrungsstätten für viele Tier- und Pflanzenarten.

Prozessschutz

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Waldsituation bezüglich naturnaher Strukturen verbessert. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Großteil der Wälder, welcher von einem  hohen Anteil an Nadelbäumen dominiert wird, immer noch naturfern ist. Allerdings könnte diese positive Entwicklungstendenz in Gefahr geraten: Denn zukünftig sollen die Bäume noch früher geerntet, der Holzvorrat gesenkt und der naturferne Nadelbaumanteil gesichert werden – keine guten Aussichten für die biologische Vielfalt und den Klimaschutz.

Wie können wir also dafür sorgen dass wichtige Ökosysteme wie Wälder gestärkt werden, damit auch gleichzeitig ihre Resilienz gegen den Klimawandel und ihre Senken-Funktion erhöht wird? Ein kleiner Beitrag dazu kann über den Prozessschutz geleistet werden. Über den Prozessschutz wird gewährleistet dass die natürliche Entwicklung innerhalb eines Gebietes oder eines Ökosystems, wie dem Wald, erfolgen kann.

Zum Beispiel in Deutschland werden jährlich von der NABU-Stiftung neue Flächen erworben, und ein Großteil davon kann sich natürlich entwickeln. Das können wertvolle Naturschutzflächen sein aber auch Konversionsflächen wie ehemalige Tagebaue, deren Naturhaushalt stark beeinträchtigt ist. Bei dem Kauf der Flächen wird auch darauf geachtet dass zusammenhängende Flächen entstehen um wichtige Netzwerke für Arten und Lebensräume zu schaffen.

Das Beispiel Grünhaus

Eines dieser Projekte der Stiftung ist das 1.930 Hektar große, ehemalige Tagebaugebiet Grünhaus in der Niederlausitz. Aufgrund von stofflicher Vorbelastung wurde dieses Gebiet naturschutzgerecht und schonend saniert und jetzt der Natur überlassen. Hier haben sich inzwischen neben nachwievor großen vegetationsarmen Sandflächen, kleine Gras- und Krautfluren, Ginsterheiden und Gehölze bis hin zu jungen Waldbeständen entwickelt und sich über 3.000 Pflanzen- und Tierarten angesiedelt.

Da auf einen externen regulierenden Eingriff, besonders  in die Artenzusammensetzung der Gehölzbestände und die Bekämpfung von nicht heimischen Arten verzichtet wird, kann sich der Waldbestand natürlich entwickeln. Grünhaus leistet damit einen wachsenden Beitrag zum Klimaschutz. Vor allem durch die fortschreitende Bewaldung wird von Jahr zu Jahr immer mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden.

Auch auf politischer Ebene muss ein Umdenken stattfinden

Es müssen verbindliche politische Richtlinien für eine verbesserte nachhaltige, ökologische forstwirtschaftliche Praxis geschaffen werden um naturnahe Waldstrukturen  zu schützen und  zu entwickeln.

Allgemein ist es wichtig dass man den Anforderungen des Naturschutzes, der Gesellschaft und auch dem Klimaschutz gleichzeitig gerecht wird. Ein erster Schritt sollte allgemein die Reduzierung des Energieverbrauchs und verstärkte Förderung in Energieeffizienz sein, um dann zusätzlich politische Leitplanken für die stoffliche und energetische Holznutzung zu schaffen, die Basis für eine naturverträgliche Energiewende.

Der Beitrag zum Klimaschutz steigt durch Beispiele wie Grünhaus kontinuierlich. Aber jeder Einzelne von uns kann auch seinen Beitrag zum Klimaschutz, zur naturverträglichen Energiewende geben.

Was jeder einzelne für den Klimaschutz tun kann
Klimaschutz geht uns alle an. Aber wissen wir, wo wir stehen …und welche Maßnahmen zukünftig unseren CO2-Fußabdruck entscheidend verbessern können? Das lässt sich rausfinden mit dem NABU-CO2-Rechner. In dieser persönlichen CO2-Bilanz werden verschiedene Bereiche des Lebens von der Heizung über den Konsum bis zu den Fortbewegungsmitteln betrachtet. Berechnet wird nicht nur der individuelle CO2-Ausstoß, sondern auch das CO2, das durch einen klimafreundlichen Lebensstil nicht mehr in die Atmosphäre entweicht. Zum Vergleich wird auch der deutsche Durchschnitt angezeigt.

Allgemeine Information zum Artikel: der ursprüngliche Artikel, welcher am 17. Juli veröffentlicht wurde, ist überarbeitet worden.

 

Inga Römer

Inga Römer

Referentin für Naturschutz und Energiewende
Inga Römer

7 Kommentare

Dipl.-Ing. Sabine Schmidt

22.08.2017, 09:08

Eine Frage: Sie schreiben: "Zum Beispiel in Deutschland werden jährlich von der NABU-Stiftung neue Flächen erworben, und ein Großteil davon kann sich natürlich entwickeln." Ich habe schon mehrfach für Flächenkäufe gespendet. Warum kann sich nur "ein Großteil" natürlich entwickeln - und nicht alle ?

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Inga Römer

Inga Römer

24.08.2017, 10:43

Liebe Frau Schmidt, vielen Dank für Ihre wichtige Frage! Bei den NABU-Stiftungs-flächen muss man klar zwischen Prozessschutz und anderen Kulturlandschaften unterscheiden, also Offenlandstandorte wo es eher um eine Nutzung der Kulturlandschaft geht, wie z.B. Landwirtschaftliche Nutzung, Acker, Wiesen und Weidenflächen. Oder es geht allgemein um den Schutz von Arten die auf Offenland angewiesen sind. Wenn die Stiftung da keinen direkten Einfluss darauf nehmen würde, würden sich diese Flächen z.B. in Wälder umwandeln. Die Stiftung besitzt neben den Wildnisgebieten sehr viele Flächen auch davon. Das wird bei den Spendenaufrufen der NABU-Stiftung immer betont wofür die Spenden eingestezt werden sollen. Wenn Sie es bevorzugen dass Ihre Spende für diese Wildnissgebiete verwendet wird, dann ist dann wunderbar und wird dementsprechend erfolgen. Herzliche Grüße, Inga Römer

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Elmar Seizinger

24.07.2017, 09:07

Ein Absatz zum FSC auch in Verbindung mit der Nutzung von Holz- und Papierprodukten wäre noch schön gewesen :)

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Sebastian Scholz

Sebastian Scholz

25.07.2017, 15:33

Stimmt! Kommt in den nächsten Artikel zum Thema rein.

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Dr. Maurice Strunk

21.07.2017, 16:00

Sie schreiben: "70 MMillionen Kubikmeter Waldfläche werden jedes Jahr in Deutschland zu Monokulturen umgewandelt"? Sind solche Aussagen Ihr Ernst? Man muss den Eindruck haben, dass hier Leute über Dinge sprechen, die sich besser anderen Tätigkeitsschwerpunkten widmen sollten. Für mich ist jedenfalls erschreckend, mit welcher Ignoranz der NABU hier wissenschaftlichen Untersuchungen begegnet, die belegen konnten, dass nachhaltig genutzte Wälder in Deutschland (und unsere Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet!) einen deutlich höheren Beitrag zur Biodiversität leisten, als stillgelegte Wälder in unserem Land. Ganz abgesehen von der CO2-Senkenfunktion in Holzprodukten und der Substitution fossiler Energieträger durch den Einsatz von Holz, mit denen bewirtschaftete Wälder deutlich mehr zum Klimaschutz beitragen als ungenutzte Wälder in Deutschland. Aber es geht vermutlich ohnehin eher darum, durch das schüren von Ängsten bei Bürgern Spendengelder zu generieren.

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Inga Römer

Inga Römer

02.08.2017, 16:18

Sehr geehrter Herr Strunk, wir entschuldigen uns für den Fehler, der uns unterlaufen ist und weisen auf die aktualisierte Version des Artikels oben hin, Mit freundlichen Grüßen, Inga Römer

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Dipl.-Ing. Sabine Schmidt

22.08.2017, 09:03

Was soll an Nadelwald-Monokulturen schon nachhaltig sein ?! Und das Verbrennen von Holz in Kaminen und Kaminöfen geschieht mit einem viel schlechteren Anlagenwirkungsgrad als bei einer Gas-Brennwertheizung, die sehr wenig CO2 generiert ! Hinzu kommt der massive Ausstoß von Feinstaub und Schwefeldioxid: Kamine /-öfen emittieren mehr Feinstaub als alle Diesel-Pkw zusammen, hat das UBA schon vor Jahren festgestellt. Inn unserem Wohnumfeld ist durch den Kamin-Holz-Wahn die Luft so schlecht geworden, dass man im Winter kaum noch lüften kann, so sehr stinkt es nach Holzbrand ! (Unsere Lüftungsanlage mußten wir daher mit einem Aktivkohlefilter nachrüsten.)

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