„Endlich Sommer! Lass uns die Heizung austauschen!“

„Endlich Sommer! Lass uns die Heizung austauschen!“

Jetzt im Sommer denkt man an alles Mögliche, aber nicht an seine Heizung. Die Heizung soll im Winter ein gemütliches Heim bescheren und vor allem soll sie eines: funktionieren.

Wie jedes technische Gerät erreicht aber auch der Heizkessel irgendwann sein Lebensende, funktioniert nicht mehr, oder nicht mehr zufriedenstellend. Dummerweise passiert das meistens dann, wenn die Heizung läuft und auch dringend benötigt wird – im Winter. Dann wird schnell im Telefonbuch die Nummer vom Handwerker des Vertrauens rausgesucht und ordentlich Druck gemacht, schließlich muss das Haus ja wieder warm werden.

Schnelle Lösung = gute Lösung?

Wann hat der Handwerker Zeit? Wann ich? Welches Heizkessel-Modell nehme ich denn? Das alte lief doch über zwanzig Jahre gut. Das nehme ich wieder. Oder doch was Neues? Etwas Energie – und damit Kosten sparen wäre ja auch nicht verkehrt. Ah! Der Handwerker hat zum Glück noch einen neuen, verpackten Kessel auf Lager. Den hat er schon Dutzende Male eingebaut. Der ist gut. Und er kann gleich morgen eingebaut werden. Den nehm´ ich!
So oder so ähnlich läuft das des Öfteren ab. Weil es eben schnell gehen muss, kann man nicht immer die besten Entscheidungen treffen.

Kaputter Heizkessel? Neue Chance!

Ein kaputter oder alter Heizkessel bietet aber auch neue Chancen. Natürlich kostet der Austausch erst einmal Geld. Aber wenn man nun schon Geld in die Hand (oder aus dem Sparstrumpf) nehmen muss, kann man das Geld auch möglichst sinnvoll investieren. In Deutschland fallen 35 Prozent des Energieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen im Gebäudebereich an – vor allem durch das Heizen und das Bereitstellen von Warmwasser. Hier bietet die technologische Weiterentwicklung ordentlich Einsparmöglichkeiten – für Energieverbrauch, Heizkosten und CO2-Ausstoß.

Um das volle Einsparpotenzial auszuschöpfen, sollte man aber eben keine übereilte Entscheidung treffen – schließlich soll die Heizung auch die nächsten 20-30 Jahre wieder gut funktionieren. Eine Heizung sollte bestenfalls im Sommer modernisiert oder ausgetauscht werden. Ohne Zeitdruck kann dabei die beste Entscheidung getroffen werden, damit die neue Heizung im Winter für Gemütlichkeit sorgen kann.

Was es alles zu beachten gibt…

Wenn das Lebensende der Heizung absehbar ist oder sich das Geld auf dem zinsfreien Konto langweilt, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Das „Projekt Heizungstausch“ kann starten. Doch dabei gibt es viel zu beachten. Wer ohnehin in die Modernisierung seiner vier Wände investieren möchte, sollte sich um eine Energieberatung bemühen. Um gute, erfahrene und vertrauenswürdige Energieberater*innen zu finden, lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf die Liste der Energie-Effizienz-Experten*innen, das Energieberater-Netzwerk oder den Gebäudeenergieberaterverband.

Die Experten*innen sollten vor allem dann eingebunden werden, wenn doch mehr als nur die Heizung ausgetauscht werden soll. So können Hausbesitzer*innen gemeinsam mit den Berater*innen einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen. Darin wird aufgezeigt, im welcher Reihenfolge welche Maßnahmen zu welchen Kosten am meisten Sinn machen, um die Energieeffizienz seines Gebäudes zu steigern und Heizkosten und CO2 einzusparen.

Willkommene Nebeneffekte einer energetischen Modernisierung sind neben der Verbrauchsreduzierung die Wertsteigerung des Hauses, die Verbesserung der Behaglichkeit und am Ende auch eine optische Auffrischung des Hauses. Vielleicht ergibt das Sanierungskonzept auch, dass man sich am Ende völlig vom (Erdgas- oder Heizöl betriebenen) Heizkessel verabschieden kann und auf ein Blockheizkraftwerk, eine Wärmepumpe oder eine Brennstoffzelle setzt. Die Energieberater*innen helfen dann auch bei der Fördermittelsuche – und der Staat fördert eine solche Umrüstung mit teilweise beträchtlichen Beträgen.

Modernisiertes Einfamilienhaus mit Solaranlage.
Foto: NABU/ H. May

Die richtige Einstellung zählt!

Der NABU fordert ein zügiges Ende der Verbrennung von Heizöl und Erdgas – sie emittieren einfach in Summe zu viel CO2. Insofern ist der Wechsel auf ein Heizsystem mit erneuerbaren Energien letztlich alternativlos.

Aber ob nun der alte Heizkessel durch einen modernen Brennwertkessel (mit Solarthermie-Unterstützung) ausgetauscht wird oder auf ein zukunftsfähiges Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien umgerüstet wird – eines bleibt gleich: die richtige Einstellung des Heizsystems ist enorm wichtig. Dadurch wird die Haltbarkeit verlängert und die Einsparpotenziale können voll ausgeschöpft werden. Hersteller von Heizsystemen liefern die Geräte (die mittlerweile über eine beachtliche IT-Unterstützung verfügen) in einem voreingestellten Lieferzustand mit standardisierten Einstellungen aus. Dabei können die Hersteller nicht wissen, ob das Haus auf Rügen am Meer, auf einer Bayrischen Alm oder mitten in Bottrop steht. Der Standort (klimatische und meteorologische Bedingungen) des Gebäudes und euer Heiz- und Wohlfühlverhalten haben großen Einfluss auf die Auslegung des Heizsystems. Ein Heizsystem, dass an die spezifischen Bedingungen und Wünsche angepasst ist, kann bis zu 20 Prozent weniger Energie verbrauchen, als ein System mit Standardeinstellungen und Überdimensionierung.

Weiteres Einsparpotenzial liefert das Monitoring in den ersten Heizperioden. Wenn sich das System eingespielt hat, lohnt es sich auch, noch einmal einen Blick in die Einstellungen zu werfen. Läuft alles optimal und so, wie es soll? Mit einem (digitalen) Wärmezähler kann man schnell erfassen, ob das System den maximalen Wirkungsgrad aufweist und damit effizient läuft. Oder ob falsche Einstellungen zu unnötigem Energieverbrauch führen. Ein Effizienzmonitoring kann so auch zu Einsparungen von zehn bis zwanzig Prozent beitragen. Und das schöne dabei: das neue Heizsystem richtig einzustellen und durch Monitoring zu überwachen, kostet nicht die Welt, hilft aber Heizkosten und CO2 zu sparen.  Gleichzeitig ebnet es den Weg, für eine intelligente Überwachung und Steuerung der Heizungsanlage.

Wenn es um CO2-Einsparungen geht schauen wir immer auf den Stromverbrauch und die Kraftstoffverbräuche von PKW, LKW und Co. Aber in Deutschland fallen 35 Prozent des Energieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen im Gebäudebereich an – vor allem durch das Heizen und das Bereitstellen von Warmwasser. Die Heizungen sind meist im Heizungskeller versteckt und damit kaum im Blick, wenn es um CO2-Einsparung zur Bekämpfung der Klimakrise gibt. Aber die Wärmewende – also die drastische Reduzierung der Heizverbräuche – ist ein sehr wesentlicher Teil der Energiewende, da ein großer Teil unseres Energieverbrauchs durch die Erzeugung von Wärme entsteht. Die Konzepte von Passivhäusern, Niedrigstenergie-Gebäuden und Plusenergie-Häusern zeigen, dass es heute technisch ohne weiteres möglich ist, CO2-arm oder gar CO2-frei zu heizen und zu wohnen. Dass das aber nicht die einzigen CO2-Aufwändungen im Haus sind, könnt ihr hier nachlesen.

Die Entscheidung, ob und wie der alte Heizkessel ausgetauscht wird, hat einen wesentlichen Einfluss auf das Gelingen der Energiewende – und damit darauf, ob wir es schaffen, die Klimakrise zu bekämpfen. Jeder heute eingebaute Heizkessel wird seine Arbeit die nächsten 20 bis 30 Jahre verrichten und entsprechend auch so lange CO2 ausstoßen – oder eben auch nicht. Ihr habt die Wahl! Die Einstellung muss stimmen.

Es ist Sommer – also raus mit den alten Kesseln und rein in die zukunftsfähige Energieversorgung!

Danny Püschel

Danny Püschel

Referent Energiepolitik und Klimaschutz
Danny Püschel

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