Solidarische Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft

Jeden Dienstag mache ich mich auf den Weg zu meiner Solawi-Abholstelle. Dort nehme ich meine wöchentliche Gemüseration in Empfang. Solawi steht nämlich für Solidarische Landwirtschaft. Jedes Mal bin ich gespannt, was der Bauer wohl für Gemüse vorbei bringt. Denn danach richtet sich, was bei mir gekocht wird. Beim Abholen treffe ich auch die anderen Mitglieder meiner Bezirksgruppe. Das ist eine gute Gelegenheit sich über Rezepte auszutauschen.

Das Prinzip einer Solawi ist ganz simpel: Verbraucher*innen und Landwirt*innen tun sich zu einer  Versorgungsgemeinschaft zusammen. Die Landwirt*innen oder Gärtner*innen berechnen, welche Kosten im Laufe von einem Jahr beim Anbau entstehen. Die Gruppe der Verbraucher*innen übernimmt diese Kosten und erhält im Gegenzug die Ernte. Jede Solawi ist individuell. Bei den meisten gibt es frisches Gemüse, bei manchen auch Obst, Eier oder Milchprodukte. Die Versorgung kann durch einen Familienbetrieb erfolgen, mehrere Höfe, ein Kollektiv oder eine Genossenschaft. Einige hundert Menschen kann eine Solawi problemlos mit frischen Lebensmitteln versorgen. Die passende Solawi in deiner Region kannst du übrigens über das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft finden.

Saisonal und regional

Ich habe das Gefühl, die Solawi regt meine Experimentierfreude an. Ob Paprika, grüne Bohnen oder Spitzkohl – gekocht wird das, was Saison hat. In der kalten Jahreszeit werde ich besonders kreativ, denn ich will ja nicht immer dieselben Wintergemüseeintöpfe kochen – auch wenn sie köstlich sind. Aus Knollensellerie wird bei mir beispielsweise Sellerieschnitzel: Einfach die vorgekochten Selleriescheiben wie ein „echtes“ Schnitzel panieren und dann in der Pfanne goldgelb brutzeln. Das passt prima zum selbstgestampften Kartoffelbrei. Und Rote Beete landet nicht nur in Salaten und Aufläufen sondern auch im Kuchen. Mein Anteil reicht für mehr als zwei Personen und kostet auch nicht mehr, als dieselbe Menge Gemüse im Bio-Laden. Als Anteilseignerin trage ich natürlich gewisse Risiken mit. Wenn die Möhren-Ernte in einem Jahr nicht so gut ausfällt, dann gibt es eben weniger Möhren. Dafür kann ich auch Ideen und Wünsche mit einbringen.

Das Solawi-Prinzip wird in Deutschland immer populärer. Von 2008 bis 2020 ist die Zahl der Initiativen von 9 auf über 280 gestiegen. Wenn du noch mehr Gründe suchst, warum eine Solawi auch was für dich sein könnte, dann habe ich sie hier für dich zusammengetragen:

11 Vorteile von Solidarischer Landwirtschaft:

  1. Gesund und lecker essen: Jede Woche frisches Gemüse und Obst in Bio-Qualität. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, deine „5 am Tag“ – die fünf empfohlenen Portionen Obst und Gemüse – nicht zu schaffen.
  2. Klima und Biodiversität schützen: Solawi-Höfen sind nachhaltige Anbaumethoden besonders wichtig. So kannst du dir sicher sein, dass keine chemisch-synthetischen Pestizide und Dünger eingesetzt werden.
  3. Mit-Ackern: Bei gemeinsamen Arbeitseinsätzen kannst du selber mit anpacken. So bekommst du einen Einblick, wie dein Gemüse wächst und wie schön und anstrengend Landwirtschaft ist.
  4. Lebensmittelverschwendung vermeiden: Krumme Gurken wirst du öfters zu Gesicht bekommen. Denn auch Gemüse, das für den Supermarkt nicht schön genug ist, landet nicht im Müll sondern auf dem Teller.
  5. Vielfalt genießen: Der Hof deines Vertrauens wird sich bemühen die größtmögliche Bandbreite zu produzieren. Oft bekommst du auch alte oder ungewöhnliche Sorten.
  6. Alles unverpackt: Nie wieder Möhren im Plastiksack! Die Landwirt*innen liefern das Gemüse in Mehrwegkisten und du kannst dir deinen Anteil in deine Mehrwegbeutel packen.
  7. Gleichgesinnte treffen: Ihr seid eine Gemeinschaft, die sich selber organisiert. Das macht etwas Arbeit, aber auch Spaß und du triffst Leute in deiner Umgebung, denen Nachhaltigkeit und gutes Essen genauso wichtig sind wie dir.
  8. Transparenz leben: Du weißt genau, wo dein Gemüse herkommt und wer es angebaut hat. Außerdem bekommst du Einblick in die Finanzen und lernst so den wahren Warenwert kennen.
  9. Ausbeuterische Arbeit adé: Du kannst sichergehen, dass du die Landwirt*innen fair bezahlst. Denn nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit ist wichtig, sondern auch die soziale und ökonomische.
  10. Transportwege sparen: Deine Nahrungsmittel wachsen in der näheren Umgebung von deinem Wohnort. Und weil die Ernteanteile meist zu zentralen Abholpunkten gefahren werden, entsteht weniger Verkehr, als wenn du selbst zum Hofladen fährst. Oder als wenn jede Kiste einzeln nach Hause geliefert wird.
  11. Regionale Entwicklung fördern: Bisher wird ein großer Teil des Gemüsebedarfs durch Importe gedeckt, dabei gibt es auch in deiner Region viel Potential. Das Solidarprinzip kann junge Landwirt*innen dabei unterstützen, neue Höfe zu gründen oder konventionellen Betrieben helfen, auf Ökolandbau umzusteigen.

Informationen rund um nachhaltige Landwirtschaft findest du auf den Seiten vom NABU.de. Hier im Blog bekommst du aktuelle News zur Agrarpolitik und erfährst, wie du Lebensmittelverschwendung vermeidest.

Für mehr nachhaltige Alltagstipps schau auf www.NABU.de/Action vorbei und melde dich für unseren Newsletter „Nachhaltig leben“ an.

Sarah Buron

Sarah Buron

Referentin für Nachhaltigkeitskommunikation
Sarah Buron

2 Kommentare

Ina

18.11.2020, 18:00

Ich bin auch ein Solawi Mitglied und bin immer noch total begeistert. So frisches und leckeres Obst und Gemüse habe ich im Supermarkt nie bekommen.

Antworten

Bienchen

16.11.2020, 22:21

Ich bin seit diesem Jahr in einer Solawi Mitglied. Ich fand es anfangs gewöhnungsbedürftig, dass man monatlich den gleichen Betrag zahlt, aber unterschiedlich viel Gemüse dafür erhält. Inzwischen finde ich es toll, man bekommt die massiven Probleme durch Trockenheit im Frühjahr direkt mit. Auf nem Acker läuft man auch nicht mit Gießkannen zum bewässern, das sind viel größere Flächen im Hausgarten. Im Winter werden wir eine Windschutzhecke pflanzen, für Tier, Mensch und Boden .

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