Gesund und nachhaltig arbeiten – in den eigenen vier Wänden

Gesund und nachhaltig arbeiten – in den eigenen vier Wänden

Für manche ist es eine Befreiung, für andere eher ein zusätzlicher Stressfaktor: Das Arbeiten von zu Hause aus. Fest steht: Für mich hat sich aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen mein Arbeitsalltag verändert, so wie der von vielen anderen Arbeitnehmer*innen in Deutschland auch. Das Umweltbundesamt (UBA) schätzt, dass bei einem Viertel der Arbeitsverhältnisse auch in Zukunft ganz oder teilweise im Homeoffice gearbeitet werden kann. Das ist gut fürs Klima, denn der tägliche Pendelverkehr trägt nicht unerheblich zum CO2-Ausstoß bei.

Das Homeoffice ist aber nicht immer die nachhaltige Option, denn was an Ressourcen beim Pendeln eingespart wird, fällt schnell in der Doppelung der Technik oder einer intensiveren Internet-Nutzung an. Deshalb sieht das UBA im Zuge der rasanten Digitalisierung der Arbeitswelt Verbesserungsbedarf insbesondere bei der Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren und Netz-Infrastruktur, aber auch von Software und bei der Nutzungsdauer von Geräten. So ist beispielsweise der Zugriff von vielen dezentralen Rechnern im Homeoffice auf einen firmeneigenen Server im Büro energieintensiver, als wenn die Rechner aus demselben Gebäude darauf zugreifen.

Mehrarbeit durch Homeoffice?

Noch vor einem Jahr hatte ich das mobile Arbeiten eher mit Hipstern assoziiert, die mit einem Laptop im Café in Berlin-Mitte sitzen. Ein Klischee, das spätestens jetzt überholt ist. Mittlerweile verbinde ich mobiles Arbeiten mit meinem eigenen Küchentisch. Und das könnte auch nach Corona so bleiben, denn über die Hälfte der Unternehmen will laut einer ifo-Studie Arbeiten im Homeoffice dauerhaft stärker etablieren. Denn es hat sich gezeigt, dass die Arbeitnehmer*innen dort konzentriert arbeiten können und weniger kostenintensive Büroinfrastruktur vorgehalten werden muss. Auch ich habe in der Zeit die Ruhe meiner eigenen vier Wände zu schätzen gelernt – wenngleich ich mich auf meine Bürotage und den direkten Austausch mit meinen Kolleg*innen umso mehr freue.

Arbeiten in den eigenen vier Wänden kann aber auch negative Effekte haben: So hat eine Krankenkasse herausgefunden, dass Menschen im Homeoffice zwar im Schnitt zufriedener sind, aber auch öfter psychisch belastet. Das liegt unter anderem daran, dass es uns schwerer fällt abzuschalten – im wahrsten Sinne des Wortes. Während des Lockdowns kam hinzu, dass Eltern auf einmal Heimarbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen mussten. Frauen haben dabei viel häufiger eine Doppelbelastung auf sich genommen oder im Beruf zurückgesteckt.

Da die aktuelle Pandemie-Situation wohl noch einige Zeit anhält und damit vielen Angestellten nun weitere Wochen im Homeoffice bevorstehen, hier ein paar Tipps, wie wir das Arbeiten von zu Hause sozial und ökologisch nachhaltig gestalten können:

 

11 Tipps für ein nachhaltiges Homeoffice

Für Arbeitnehmer*innen:

  1. Balance zwischen Arbeiten und Leben: Mach dir einen konkreten Zeitplan, genauso als wärst du im Büro. Ein Wechsel zwischen Arbeitskleidung und Freizeitkleidung hilft dir, zwischen deiner privaten und beruflichen Rolle zu wechseln.
  2. Kopf abschalten, Körper bewegen: Du fährst sonst mit dem Fahrrad zur Arbeit und sitzt jetzt den ganzen Tag in der Wohnung? Versuche deine Pausen aktiv zu gestalten: Ob Spazieren an der frischen Luft, Yoga-Übungen oder den Garten winterfest machen. Hauptsache, du stehst von deinem (temporären) Arbeitsplatz auf. Iss etwas Leichtes und vergiss nicht, genug Wasser zu trinken – am besten Leitungswasser.
  3. Für Konzentration und Klima: Stoßlüften sorgt für die Extraportion Sauerstoff im Gehirn. Drei- bis viermal am Tag solltest du die Fenster komplett öffnen. Die Heizkörperthermostate werden beim Lüften heruntergedreht. Lass Türen zwischen beheizten und unbeheizten Räumen am besten ganz zu. Vermeide dauerhaftes Lüften auf Kipp – damit verschwendest du viel Heizenergie.
  4. Energiefresser Onlinespeicher: Beim Versenden und Speichern von E-Mails und Anhängen verbrauchen Server eine Menge Energie. Das gleiche gilt für das Speichern in der Cloud: Weil dort die Daten jederzeit zum Abruf bereitgehalten werden, ziehen diese ständig Strom. Energie sparst du, indem du Mehrfachspeicherungen vermeidest, komprimierte Dateien verschickst und natürlich E-Mail-Postfächer und Cloud-Speicher regelmäßig ausmistest.
  5. Soziales Miteinander: Versuche den Austausch mit den Kolleg*innen aufrechtzuerhalten, durch Team-Chats, Telefonate oder auch bewusste Video-Calls. Das ist wichtig – auch für deine Stimmung und Motivation.
  6. Endlich Abschalten: Es ist Feierabend und du kannst so richtig abschalten! Das gilt auch für deine technischen Geräte, denn im Standbymodus verbrauchen sie weiterhin Strom. Auch wenn du dank Ökostrom besonders grün arbeitest: je weniger Strom du nutzt, umso besser. Mit einer Steckerleiste erledigt sich das Problem mit einem kurzen Klick.

Was Arbeitgeber*innen für den Schutz von Mitarbeiter*innen und der Umwelt tun können:

  1. Arbeitnehmer*innen unterstützen: Die Arbeit von zu Hause aus verlangt Arbeitnehmer*innen einiges ab. Umso besser, wenn Unternehmen sie dabei unterstützen, beispielsweise mit regelmäßigen Online-Austausch-Formaten.
  2. Passende Technik: Bei der Neuanschaffung von Technik sollte darauf geachtet werden, unnötige Doppelungen zu vermeiden. Beispielsweise können Laptops statt Festrechner sowohl im Büro als auch zu Hause genutzt werden. Dabei gilt immer: auf hochwertige und langlebige Produkte achten, die man auch reparieren und aufrüsten kann!
  3. Flexible Plätze: Für Mitarbeiter*innen, die nur sehr selten ins Büro kommen, bietet sich eine geteilte Nutzung von Arbeitsplätzen an. Weniger Büroarbeitsplätze bedeuten auch weniger Platzbedarf und Energieverbrauch.
  4. Video statt Dienstreise: Aus Gründen des Infektionsschutzes wurden bereits viele Dienstreisen durch Telefon- und Videokonferenzen ersetzt. Das sollten wir auch in Zukunft beibehalten. Denn selbst die energieintensivsten Videokonferenzen sind ökologischer als die Vielfliegerei.
  5. Digitale Weiterbildungen: Auch Schulungen für Mitarbeiter*innen funktionieren oft prima per Videoschalte und Online-Seminar. So klappt auch die Einführung in neue Programme und Arbeitsabläufe, ohne dass die Angestellten sich mit der Eingewöhnung ins Homeoffice allein gelassen fühlen.

Mehr Tipps für eine gesunde und klimafreundliche Digitalroutine findest du hier in unserem Blog. Außerdem zeigen wir dir, wie Pendeln klimafreundlicher wird und wie du Müll am Arbeitsplatz vermeidest.

Für mehr nachhaltige Alltagstipps schau auf www.NABU.de/Action vorbei und melde dich für unseren Newsletter „Nachhaltig leben“ an.

Sarah Buron

Sarah Buron

Referentin für Nachhaltigkeitskommunikation
Sarah Buron

1 Kommentar

Uwe

26.10.2020, 20:09

Meiner Meinung nach ist belegter Online-Speicher nicht sooo energieintensiv, wie das Telefonieren über verschiedene Online-Tools. Denn das bloße Speichern der Daten verbraucht weniger Strom, als durch die Rechenleistung der Telefoniesoftware auf dem eigenen Rechner, denen der anderen Teilnehmer, und dem Rechenzentrum verbraucht wird. Was man auch nicht vernachlässigen sollte ist die Ernährung zu Hause. Im Homeoffice muss ja auch gekocht werden, und da sollte man unbedingt darauf achten, keine ökologisch fragwürdigen Lebensmittel zu verwenden. Das zieht die Ökobilanz sonst weit runter.

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