Naomi rockt Paris

Naomi Klein. Creative Commons: Peoples’ Social Forum, 2014.

Naomi Klein. Creative Commons: Peoples’ Social Forum, 2014.

In der Pariser Innenstadt hat Naomi Klein mit der kanadischen Leap-Bewegung in bewusstem Abstand zur Weltklimakonferenz eine Veranstaltung organisiert, die ein deutliches Kontrastprogramm darstellt. Mit deutlich tiefgreifenderen Vorschlägen zu Eingriffen und Veränderungen der Gesellschaft als all denen, die in UN-Kreisen von Regierungen aktuell diskutiert werden.

Nach einem indianischen Gebet wurde die illustre Runde aus Journalisten, einem dänischen Parlamentarier und einflussreichen Mitgliedern der kanadischen Handelskammern und Gewerkschaften vorgestellt. Mitglieder des indianischen Stammes der Cree waren dabei. Eine Forderung von Leap ist die Anerkennung des Rechts der „ersten Nationen“, den UreinwohnerInnen Nordamerikas – derer, die das Land vor den europäischen „Invasoren“ bewohnt haben. Von den Stämmen will die Bewegung auch lernen, hat sie doch eine sehr enge Verbindung zur Natur. Von den Cree stammt der berühmte und hellsichtige Spruch, dass erst wenn das letzte Stück Natur ausgebeutet ist, wir merken würden, dass man Geld nicht essen kann.

Die Leap-Bewegung hat als zivilgesellschaftliche Vereinigung beachtliche Erfolge zu vermelden und Kämpfe gegen mächtige Gegner gewonnen. Die Keystone-XL-Pipeline, mit der fossile Energie von Kanada in die USA transportiert werden sollten, wird nicht realisiert. Obama sagte bei der Verkündung des Endes des Projektes, eine neue Pipeline sei „das falsche Signal“. Eine riesige, zum Betrieb bereit stehende Infrastruktur zur Kohleproduktion, -logistik, -verarbeitung steht wegen der starken Aktivisten still, der Ölmulti Exxon muss sich vor Gericht wegen krimineller Aktivitäten verantworten, die Harper-Regierung in Kanada wurde abgewählt, die wie wenig andere für „Big Oil“ und „Big Money“ standen. Dass diese Bewegung ausgerechnet in Kanada entstand ist kein Zufall, sind doch 75% aller weltweit operierenden Tagebaufirmen in Kanada gemeldet und die Auswirkungen dieser Wirtschaft überall zu spüren. Ein Gast aus Kenia fragte, ob die Umweltzerstörungen dieser kanadischen Firmen quer über den afrikanischen Kontinent auch Teil der Diskussionen innerhalb der Leap-Bewegung seien, man könne kein Internationalist nur in Kanada sein. Leap bekannte sich zum Engagement auch für andere Länder und verwies auf ihr Manifest.

Die Bewegung positioniert sich so fundamental, da auf derlei vielschichtige Probleme nur mit integrativen Lösungen geantwortet könne. Die positive Vision wird im „Leap-Manifest“ formuliert, das den Einsatz „füreinander und für die Erde“ in den Vordergrund stellt. Es sei kein sinnvolles System, wenn man durch die Sorge für andere Nachteile erleidet, wohingegen es sich finanziell lohne, andere auszubooten.

Am Vorabend der französischen Revolution im Jahre 1775 konnten sich die meisten Menschen womöglich keine freie Welt jenseits des feudalistischen Herrschaftssystems vorstellen. Heute ist es ebenso schwierig, sich eine grundlegend andere Wirtschaft und Gesellschaft vorzustellen, frei von Zwängen, Hunger und Elend. Aus der Erfahrung der Geschichte wissen wir jedoch, dass radikale Verbesserungen möglich sind und immer aus der Zivilbevölkerung ausgeht, die sich zusammenfindet.

Sebastian Scholz
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NABU-Teamleiter für Energie & Klima
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1 Kommentar

Sigrid Bucher

11.12.2015, 17:44

Diese Klimakonferenz geht die ganze Welt an. Weg vom Profit! Umdenken ist angesagt! Wenn alle Vernunft Vorrang hat kann das ansteigende Klima verändert werden. Jeder Staat und jeder der sich für die Natur interessiert sollte sich über diese Prognosen freuen. Ein gutes Gelingen für die gesamte Fauna, Flora, Tier, Mensch. und die gesamte Erde.

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