Nachhaltigkeit Beiträge

Eine Welt aus Plastik

Eine Welt aus Plastik

Huch, schon gemerkt, jetzt ist schon wieder Fastenzeit. Vor einem Jahr habe ich zur Fastenzeit eine Plastikfasten-Aktion begonnen. Über meine Erfahrungen habe ich hier im NABU-Blog geschrieben. Nur, was hat sich seitdem verändert? Getan hat sich meiner Meinung nach einiges, denn vor allem in den Medien ist das Thema „Plastik“ 2016 verstärkt aufgenommen worden. Warum? Weil Plastik natürlich unser tägliches Leben bestimmt, und es mittlerweile auch genug Studien dazu gibt, wie viel Plastik im Meer schwimmt. Vor allem als Mikroplastik, das über Kosmetik oder synthetische Klamotten über die Flüsse ins Meer gelangt.

Mikroplastik: Von der Waschmaschine ins Meer

Mikroplastik: Von der Waschmaschine ins Meer

130 Fasern pro Betttuch, 150 Fasern pro Hemd und 260 bis 1.900 Fasern bei einer Fleecejacke: So viele synthetische Chemiefasern gelangen pro Waschgang aus unserer Kleidung über die Waschmaschine in unser Abwasser. Dies zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Weil weder Waschmaschinen noch herkömmliche Kläranlagen die synthetischen Mikrofasern vollständig filtern können, gelangen sie über das Abwasser in unsere Flüsse, Seen und Meere. Damit wird Mikroplastik aus Kleidung Teil des Wasserkreislaufs und dringt so auch in die komplexen aquatischen Nahrungsnetze von Tieren, Pflanzen und Menschen vor.

#CO2FreiSpassDabei: Das Ende ist erst der Anfang!

Bier ist nicht gleich Bier und Tomate ist nicht gleich Tomate

Ich hatte ja in meinem letzten Beitrag mit dem Bier aufgehört. Und es ist wirklich nicht leicht, Daten zum Product-Carbon-Footprint (PCF) von Bier oder Nahrungsmitteln generell zu bekommen. Wir haben uns mal die Mühe gemacht, und Daten für einige gängige Lebensmittel zusammengestellt. Mit zum Teil verblüffenden, zum Teil schockierenden Ergebnissen. Zurück zum Bier: Eine österreichische Brauerei hat nach internationalen Standards untersuchen lassen, wie viel CO2 bei der Bierproduktion so anfällt. Wenig überraschend ist dabei, dass Einwegflaschenbier einen fast doppelt so hohen PCF (671 g/l) hat wie Bier aus Mehrwegflaschen (305 g/l). Und Fassbier hat mit 281 g CO2 pro Liter am wenigsten. Hier scheint also die Wahl der Verpackung einen wesentlichen Einfluss auf den Carbon-Footprint zu haben. Und Fassbier schmeckt ja sowieso am besten…

Tomaten sind nur während der Saison wirklich klimafreundlich. Foto: Sebastian Hennigs

Tomaten sind nur während der Saison wirklich klimafreundlich. Foto: Sebastian Hennigs

Es gibt viele Lebensmittel, bei denen die Wahl nach dem klimafreundlichsten Produkt schwer fällt. Vor allem weil es kaum zugängliche Informationen darüber gibt und die Streuung doch sehr groß sein kann. Ich möchte nur einige Beispiele dazu nennen – und ja, ich weiß, viele Zahlen sind nervig, aber es geht leider nicht anders.

Wir brauchen eine nachhaltige Rohstoffpolitik

Sechs Tonnen pro Kopf. So viele Rohstoffe dürfte jeder Mensch laut UN-Wissenschaftlern rund um den Globus innerhalb eines Jahres verbrauchen, ohne die natürlichen Reproduktionskräfte unserer  Erde zu überschreiten. Betrachten wir den durchschnittlichen Jahresverbrauch in Deutschland mit 40 Tonnen pro Jahr und Einwohner wird schnell deutlich: Produktion und Konsum hierzulande sind weder nachhaltig noch fair.

Das sensible Ökosystem Wald ist durch Abholzung, fortschreitende Flächenumwandlung in landwirtschaftliche Anbauflächen und Goldabbau massiv gefährdet. Foto: Andrea Schell

Beim Rohstoffabbau (hier: Goldabbau auf Sulawesi/Indonesien) werden oft sensible Ökosysteme zerstört und Menschenrechte missachtet – auch durch deutsche Unternehmen. Foto: Andrea Schell

Auszeichnung abstauben: „Projekt Nachhaltigkeit“

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Besonders seit der Verabschiedung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) vor einem Jahr ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ wieder ein Buzz-word.

Diese nachhaltigen Entwicklungsziele wurden von allen Staaten der Vereinten Nationen unterzeichnet. Ihr Zweck ist es, bis zum Jahr 2030 ein gutes Leben für alle Menschen zu ermöglichen und gleichzeitig unsere Natur- und Umwelt zu erhalten – eben eine nachhaltige Entwicklung.

Streuobst

Auch die Rekultivierung einer Landschaft kann ein Beitrag zur Nachhaltigkeit sein. – Foto: NABU/B. Schaller

Zum Tag des Toilettenpapiers: Keine Frischfasern ins WC!

Heute ist der internationale Tag des Toilettenpapiers. Ein Feier- und Gedenktag für Klopapier? Klingt erst mal komisch. Wer aber kurz in sich geht, wird die Kostbarkeit dieser zivilisatorischen Errungenschaft kaum in Frage stellen wollen; spätestens, wenn man an den Moment zurückdenkt, als auf dem stillen Örtchen mal kein Papier zur Hand war…

Toilettenpapier

Weiße, weiche Papierrolle – Ja, aber bitte aus Recyclingfasern! – Foto: M. Dommel

Verschwindet jetzt die Plastiktüte?

In den Medien ist die Plastiktüte gerade ein beliebtes Thema. Viele Leute gehen sogar davon aus, dass es sie bald nicht mehr gibt. Das ist zwar nicht der Fall, aber in Zukunft wird es hoffentlich keine kostenlosen Plastiktüten mehr geben. Allerdings wird selbst das noch eine Weile dauern. Denn das Umweltministerium hat sich entschieden, unseren Tütenverbrauch nicht durch eine einheitliche gesetzliche Lösung zu regeln, sondern durch eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel. Alle Verbände, die diese Vereinbarung mittragen, wollen dann keine kostenfreien Plastiktüten mehr an ihre Kunden ausgeben.

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Der Tütenverbrauch in Deutschland soll durch eine freiwillige Vereinbarung verringert werden. Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Es wird weiterhin Plastiktüten geben

Der Handelsverband, der diese Vereinbarung mit dem Umweltministerium schließen will, hat aber nicht auf alle Branchen Einfluss, die kostenlose Plastiktüten verteilen. So gibt es zum Beispiel keine Pläne für Imbisse, Bäckereien, Kioske oder Wochenmärkte. Wichtig wäre jedoch eine einheitliche Regelung für alle Plastiktüten.

44 Tage Plastikfasten – Fazit und Gewinnspiel

Heute ist Gründonnerstag und die Fastenzeit ist offiziell zu Ende. Während meines Plastikfastens wurde ich immer wieder gefragt, wie es mir geht, ob ich durchhalte und ob es mir schwer fällt. Meistens ist es mir nicht schwer gefallen, da ich schon vorher beim Einkaufen darauf geachtet habe, gewisse unnütze Dinge aus Plastik zu vermeiden.

 

Plastikgurken

Bio-Plastikgurken. Foto: Iris Barthel

Trotzdem hat sich mir durch das Fasten eine ganz neue Welt eröffnet. Das bewusste Nachdenken darüber, welche Kosmetik ich im Bad benutze, ging sogar über das Plastik hinaus zu den Inhaltsstoffen. Gerade aufgrund von Mikroplastik und Hormonen in der Kosmetik, möchte ich besser darauf achten, was in meinen Pflegeprodukten ist. Ich hätte außerdem gerne ein Pfandsystem, bei dem ich einfach die Verpackung wieder zurück geben könnte. Meine Anfragen dazu z. B. bei The Body Shop blieben aber bis heute unbeantwortet.

Auftrag: Plastikfrei einkaufen

NEU (26.1.2018): Eine Liste aller Unverpackt-Läden in Deutschland gibt es bei Enorm.

Ich befinde mich ein meiner vorletzen plastikfreien Woche. Das heißt aber nicht, dass ich nach diesem Experiment wieder zu den alten Mustern zurückkehre. Ich habe viel gelernt in den letzten Tagen und einiges fällt mir auch nicht schwer, umzusetzen.

Heute geht es um meinen Ausflug in einen konventionellen Supermarkt. Ich kaufe natürlich schon die ganze Zeit plastikfrei, aber hiermit will ich zeigen, dass dies auch in einem ganz normalen Supermarkt möglich ist. Mit einer Einkaufsliste mit Dingen, die ich plastikfrei besorgen sollte, bestückt, ging es los.

 

Als mittlerweile alter Hase auf dem Gebiet hatte ich zwei Jutebeutel, zwei Gemüsebeutel und eine kleine Papiertüte mit.
Aber seht erst mal selbst, wie ich mich so geschlagen habe.

Nicht bekommen habe ich Reis, Müsli, Kaffee und Backpulver. Selbst Haferflocken sind in beschichteten Tüten. Der Grund: Sobald es feucht wird, sind die Flocken natürlich nicht mehr verwendbar. Die Hersteller wollen dies wohl so vermeiden. Beim Backpulver ist dies ähnlich. In Großmärkten für Gastronomie gibt es Backpulver allerdings plastikfrei – aber auch nur in der Riesenpackung. Alternativ Natron nehmen. Müsli im Glas gibt’s z.B. hier. Allerdings gibt es im Biomarkt Haferflocken in Papierverpackung und außerdem lässt sich Müsli auch einfach leicht selbst herstellen.

Bioabfall-Potenziale heben – jetzt!

Eigentlich sollten Deutschlands Städte und Gemeinden spätestens ab dem 1. Januar 2015 ihren Bürgern eine getrennte Bioabfallsammlung ermöglichen, so will es das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Rund ein Achtel der Kommunen kommt jedoch auch mehr als 14 Monate nach dem Stichtag seiner rechtlichen Verpflichtung gar nicht oder nur unzureichend nach.

Die Folge: Statt bequem über die Biotonne müssen in Deutschland immer noch viele Bürgerinnen und Bürger ihre Speise- und Grünabfälle in der Restmülltonne entsorgen oder an zentrale Sammelstellen bringen. So landen jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Bioabfälle in Müllverbrennungsanlagen, statt hochwertig verwertet zu werden.

Bioabfallsammlungen in Detuschland (Stand Januar 2016) - Grafik: u.e.c. Berlin

Bioabfallsammlungen in Detuschland (Stand Januar 2016) – Grafik: u.e.c. Berlin

Dabei sind Bioabfälle zum Verbrennen viel zu schade. Die Organikfraktion birgt bei richtiger Verwertung ein hohes energetisches Potenzial, trägt zum Klimaschutz bei und gibt dem Boden wichtige Nährstoffe zurück. Wie Studien zeigen, könnten deutschlandweit jährlich rund neun Millionen Tonnen über die Biotonne erfasst und einer Kaskadennutzung – also Gewinnung von Biogas durch Vergärung und anschließender Kompostproduktion aus den Gärresten – zugeführt werden.