Warum weniger Fleischkonsum einfach besser ist

Warum weniger Fleischkonsum einfach besser ist

Ein Schinkenbrötchen hier, ein Schnitzel dort und zwischendurch ein Burger um die Ecke – Fleisch ist bei uns zum Alltagsprodukt geworden und ständig verfügbar. Rund 55 Kilogramm verzehrt jeder Mensch in Deutschland pro Jahr im Durchschnitt. Weltweit hat sich die Fleischproduktion in den vergangenen 50 Jahren auf imposante 330 Millionen Tonnen vervierfacht – Tendenz weiter steigend.

Und während in vielen armen Ländern nach wie vor viele Millionen Menschen hungern, essen wir in Europa so viel Fleisch, dass es unserer Gesundheit, der Umwelt, der Natur und dem Klima massiv schadet.

Ist die Kuh ein Klimakiller?

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht davon aus, dass 18 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen sind, sofern man die ganze Produktions-, Vertriebs- und Konsumkette betrachtet. 45 Prozent dieser Emissionen werden danach bei der Produktion und Verarbeitung der Futtermittel frei – mehr als bei der Verdauung der Wiederkäuer (39 Prozent). Die restlichen Treibhausgase entstehen laut FAO unter anderem beim Transport, bei der Kühlung und Erhitzung von Fleisch und beim Bau der Ställe.

Kuh mit Kalb grasen auf einer Wiese

Kühe auf der Weide sind nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch sehr viel besser für die Umwelt als die intensive Haltung im Stall. Foto: NABU/ Ingo Ludwichowski

Stimmt also der Spruch „Kühe sind Klimakiller“? Jein – gerade bei Kühen stimmt das nur zum Teil. Richtig ist, dass die riesigen Mengen an Rindern und Kühen, die in der intensiven Landwirtschaft gehalten werden, riesige Mengen Methan ausstoßen. Und dieses Gas ist fatalerweise 20-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid.

Eine Frage der Haltung

Wenn die Rinder allerdings nicht im Stall, sondern auf der Weide stehen, sieht die Klimabilanz von Rindfleisch nicht mehr ganz so übel aus. Dann nämlich tragen die Kühe zum Erhalt von Wiesen und Weiden bei. Und dieses Grünland speichert wiederum große Mengen an Kohlenstoff. Denn vor allem auf nicht zu intensiv bewirtschaftetem, artenreichem Grünland wandeln Mikroorganismen abgestorbene Pflanzenmasse in Humus um und entziehen so der Atmosphäre Kohlenstoff. Das ist gut für den Klimaschutz. Es kommt also sehr darauf an, wie die Tiere gehalten werden und wie das Land bewirtschaftet wird.

Auslage beim Metzger, verschiedene Sorten Fleisch

Fleisch sollte etwas Besonderes sein und seltener auf den Tisch kommen – und wenn, dann am besten in Bioqualität von der Weide. Foto: NABU/Sebastian Hennig

Und wie ist es mit Schweinen, Hühnern und anderen Tieren? In mancherlei Hinsicht ist deren Haltung für die Umwelt sogar noch deutlich problematischer! So leiden etwa in Regionen mit intensiver Schweinehaltung die Böden, das Trinkwasser und die gesamte Natur massiv unter dem großen Gülleeintrag. Und um die riesigen Futtermengen für die intensive Haltung – egal welcher Tierart – anzubauen, wird nach wie vor der Amazonasregenwald gerodet und in Ackerflächen verwandelt. Für die biologische Vielfalt, das Klima und vieles mehr ist das eine einzige Katastrophe.

Futtertrog oder Teller?

Bei uns in Deutschland landet übrigens die Hälfte des geernteten Getreides nicht auf Tellern, sondern in Futtertrögen. Dabei würde das Getreide sehr viel mehr Menschen satt machen als das Fleisch, das daraus produziert wird. Das zeigen folgende Zahlen: Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, braucht es im Schnitt 6,5 Kilogramm Getreide und 36 Kilogramm Raufutter – sowie viel Energie.

Pflanzen in Fleisch zu „veredeln“ ist also eine ganz schön ineffiziente Sache und vor allem dann problematisch, wenn Getreide und Hülsenfrüchte wie Soja importiert werden, um sie zu verfüttern. Denn dieses Hochleistungsfutter wird aufwändig produziert und wäre oftmals auch für den menschlichen Verzehr geeignet. Im Gegensatz zu Schweinen und Hühner können Rinder immerhin noch traditionell mit Raufutter gefüttert werden – also etwa mit Gras und Heu. Das ist weniger kritisch, denn Grünland lässt sich ressourcenschonender bewirtschaften und mit den Erzeugnissen könnte unsere Verdauung nichts anfangen – es gibt in diesem Fall also keine Konkurrenz zwischen Teller und Futtertrog.

Alles in allem kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Eine fleischreduzierte Ernährung ist weitaus besser für die Umwelt!

Tipps für die umweltfreundliche Ernährung

Was also tun, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern? Auch wenn die Berechnung der Umweltbilanzen kompliziert und unübersichtlich ist, die Handlungsempfehlungen sind ganz einfach:

Essenstisch gedeckt mit vielen verschiedenen heimischen Obst- und Gemüsesorten wie Erdbeeren, Birne, Kartoffeln und Zwiebeln

Obst und Gemüse statt Fleisch ist gut für die Gesundheit – und für die Umwelt. Foto: NABU/Sebastian Hennigs

  • Fleischkonsum reduzieren und auch bei anderen tierischen Produkten wie Milch zurückhaltend sein: Niemand muss komplett verzichten, aber wenn wir alle den Konsum runterfahren, ist schon viel gewonnen. Eine Rückkehr zum Sonntagsbraten anstelle des alltäglichen Fleischverzehrs wäre ein guter Anfang!
  • Bio kaufen: Die ökologische Landwirtschaft emittiert rund ein Fünftel weniger Treibhausgase als die konventionelle und schont auch Böden, Wasserhaushalt und die Artenvielfalt.
  • Auf Weidetierhaltung achten: Milchprodukte und Rindfleisch am besten von Tieren, die draußen sein durften!
  • Regional und saisonal kaufen: Vor allem Produkte, die mit dem Flugzeug zu uns kommen, sind ein ökologisches Desaster.

Ich finde: Fürs neue Jahr wären das vier sinnvolle Vorsätze.

 

Dieser Tipp ist als Gastbeitrag des NABU auf dem IKEA-Unternehmensblog erschienen. Seit Januar 2020 veröffentlichen wir jeden Monat einen Tipp für ein nachhaltigeres Leben. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner. Die Illustrationen stammen von der Grafikerin Jule Roschlau.

Dr. Christine Tölle-Nolting

Dr. Christine Tölle-Nolting

Teamleiterin NABU-Landnutzung
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