Biomilch im Kaffee

So, jetzt erst mal einen Kaffee. Am liebsten einen Cappuccino. Auch wenn Italiener diesen nur morgens trinken und dafür nur ein müdes Augenbrauen-Hochziehen übrig hätten.

Es gibt ja so viele Facetten, wenn man übers Kaffeetrinken schreiben will. Das fängt bei der Herkunft des Kaffees an – Stichwort Fairtrade – geht über To-Go-Becher und endet noch lange nicht bei den lästigen Kaffeekapseln. Beim Kaffeetrinken kann man in ganz schön viele Umwelt-Fettnäpfchen stapfen.

Milch und Kafee

IKEA Deutschland bereitet seit heute seine Kaffee, Cappuccinos und Latte Macchiatos mit Biomilch zu. – Foto: IKEA Deutschland

Bislang wird der Milch im Kaffee aber erst wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie stammt in fast allen Cafés und Gastronomiebetrieben wie Kantinen, Schnellrestaurants oder Bäckereien aus konventionell erzeugter Milch. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat dazu jüngst einen Marktcheck veröffentlicht und eine eigene Kurzrecherche bestätigt dieses Bild: Man scheint wenig Wert auf Biomilch zu legen.

Biomilch steht für artgerechtere Haltung und Artenvielfalt

Cappuccino

Cappuccino mit Milchschaum aus Biomilch – Foto: IKEA Deutschland

Dabei spricht vieles für bio: Der Verzehr von Biomilch fördert eine artgerechte Haltung der Kühe. Zudem dürfen auf den Weiden und in den Futtermitteln keine Pestizide eingesetzt werden. Dagegen ist die intensive industrielle Landwirtschaft ein ganz wesentlicher Grund für den Rückgang der Artenvielfalt und der Belastung von Wasser und Böden.

Milchpreiskrise muss zum Umdenken in der EU-Agrarpolitik führen

Viel wurde in letzter Zeit über die Milchkrise berichtet, also den Preisverfall konventioneller Milch durch eine immense Überproduktion. Viele Milchbauern werden ihre Betriebe nicht weiterführen können, weil sie finanziell nicht mehr über die Runden kommen.

Rinder in Brodowin

Biomilch von Bio-Rindern: Rinderställe nach ökologischen Kriterien (wie hier im Ökodorf Brodowin) haben höhere Ansprüche an Platzverfügbarkeit und den Einfall von Tageslicht. – Foto: NABU/Iris Barthel

Der Ruf nach Fördermitteln und Unterstützung wird verständlicherweise an die Politik herangetragen. Hier wird mehr als deutlich, dass das bisherige System so nicht weiter funktioniert. Die Milchpreiskrise zeigt, dass die derzeitige EU-Agrarpolitik auch in ökonomischer Hinsicht versagt und dringend reformiert werden muss. Aus unserer Sicht müssen finanzielle Förderung an Maßnahmen gekoppelt werden, die der Artenvielfalt, des Naturschutzes und des Tierwohls dienen.

Ein Unternehmen sattelt um

Von daher geht heute von IKEA Deutschland ein wichtiges Signal aus. Der Möbelverkäufer, den der NABU seit 2011 in Umweltfragen berät, bietet in seinen rund 50 deutschen Kundenrestaurants Kaffeegetränke ab sofort nur noch mit Biomilch an – und zwar solche, welche die strengeren Qualitätsanforderungen der Anbauverbände erfüllt.

IKEA Deutschland ist nämlich unter den Top Ten der umsatzstärksten Systemgastronomen gelistet. Ich finde es lobenswert, dass ein großes Unternehmen sich hier zum Vorreiter macht. Hoffentlich findet es rege Nachahmer. Traurig ist nur, dass diesmal wieder deutlich macht: Die Politik schafft es nicht, die Weichen zu stellen hin zu einer zukunftsfähigen und ökologischen Agrarpolitik.

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Indra Enterlein

Indra Enterlein

Referentin für Umweltpolitik

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