Verschwindet jetzt die Plastiktüte?

In den Medien ist die Plastiktüte gerade ein beliebtes Thema. Viele Leute gehen sogar davon aus, dass es sie bald nicht mehr gibt. Das ist zwar nicht der Fall, aber in Zukunft wird es hoffentlich keine kostenlosen Plastiktüten mehr geben. Allerdings wird selbst das noch eine Weile dauern. Denn das Umweltministerium hat sich entschieden, unseren Tütenverbrauch nicht durch eine einheitliche gesetzliche Lösung zu regeln, sondern durch eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel. Alle Verbände, die diese Vereinbarung mittragen, wollen dann keine kostenfreien Plastiktüten mehr an ihre Kunden ausgeben.

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Der Tütenverbrauch in Deutschland soll durch eine freiwillige Vereinbarung verringert werden. Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Es wird weiterhin Plastiktüten geben

Der Handelsverband, der diese Vereinbarung mit dem Umweltministerium schließen will, hat aber nicht auf alle Branchen Einfluss, die kostenlose Plastiktüten verteilen. So gibt es zum Beispiel keine Pläne für Imbisse, Bäckereien, Kioske oder Wochenmärkte. Wichtig wäre jedoch eine einheitliche Regelung für alle Plastiktüten.

Plastiktüten: Praktisch aber schlecht für unsere Umwelt. Foto: Sebastian Hennigs

Plastiktüten: Praktisch aber schlecht für unsere Umwelt. Foto: Sebastian Hennigs

Auch die freiwillige Vereinbarung wird nicht von allen Einzelhändlern angenommen. Daher wird es in den nächsten Jahren ein ziemliches Durcheinander geben: In dem einen Laden muss man – wie im Supermarkt schon lange – für die Plastiktüte bezahlen, im nächsten bekommt man sie kostenlos und im Lieblingsklamotten­laden gibt es nur noch eine Papiertragetasche. Schließlich will man den Kunden nicht zumuten, einen eigenen Beutel dabei zu haben oder bei einem spontanen Kauf auch mal ein paar Cent zu zahlen. Denn: Für Einwegtüten aus Papier muss man nicht zahlen. In der Vereinbarung geht es ausschließlich um Plastiktüten und Läden können einfach auf kostenlose Papiertüten umsteigen.

Papiertüten sehen öko aus, sind aber gar nicht besser als Plastiktüten

Doch die Papiertüten sind leider oft schlechter als ihr Ruf. Umweltpluspunkte gibt es im Vergleich zur Plastiktüte lediglich, wenn es darum geht, wie sie sich in der Natur abbauen (und das auch nur, wenn man das Ausschwemmen der Druckfarben außen vor lässt). Daher ist es nur dann sinnvoll, auf Papiertüten umzusteigen, wenn die Gefahr groß ist, dass die Tüte in der Landschaft landet, und es in der Situation tatsächlich keine Alternative zur Einwegtüte gibt. Allgemein sollte man es aber vermeiden, Papiertüten zu nutzen. Denn umweltfreundlichere Tüten aus Altpapier mit Naturklebematerialien sind vergleichsweise teuer. Daher sind die Tüten, die man heute in den Läden bekommt, aus Frischfaser, woran auch das braune Antlitz nichts ändert: Die Tüten sind dann nur (bzw. immerhin) nicht gebleicht.

Die Plastikflut wächst in Deutschland weiter - Foto: NABU/S. Hennigs

Die Plastikflut wächst in Deutschland weiter – Foto: NABU/S. Hennigs

Auch die Produktion von Papiertüten ist mindestens genauso ressourcenintensiv wie bei einer Plastiktüte: Man braucht sehr viel Holz (statt Erdöl), Energie und Wasser sowie jede Menge Chemikalien für Klebematerial, Druckfarben und zur Zellstoffgewinnung. Daher egal ob Plastik oder Papier, am besten nutzt man eigene Taschen, Beutel und Tüten– und zwar so oft wie möglich, bevor sie irgendwann verschlissen und verdreckt als Mülltüten enden dürfen.

Plastiktüten-Bashing okay – aber dann auch an alle Verpackungen ran!

Schön wäre, wenn die Diskussion und die Aufregung um die Plastiktüte den Blick darauf lenken würde, dass wir allgemein immer mehr Verpackungsmüll produzieren. Da glaubt man, wir würden immer umweltfreundlicher und abfallärmer konsumieren. Aber so ist es leider nicht: Mit 617 Kilogramm Siedlungsabfällen pro Kopf sind wir Europameister in der Müllproduktion. Der Plastikmüll ist seit 1994 um 59 Prozent gestiegen und von den jährlich 4,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in Deutschland sind 2,9 Millionen Tonnen Verpackungen – das sind 60,5 Prozent (Angaben ohne Industrieabfälle).

Auch dass wir das alles recyceln, ist ein Märchen. Recycelt werden hiervon nur 33 Prozent, der Großteil mit 66 Prozent wird „thermisch verwertet“, das heißt verbrannt! Wenn die Leute das aber als Anlass nehmen und ihren Müll nicht mehr trennen, sinkt die Recyclingquote noch weiter ab, denn nur zuhause gut getrennter Müll kann auch gut recycelt werden. Derzeit arbeitet die Politik – endlich – auch an höheren Recyclingquoten.

Die Plastiktüte darf nur der Anfang sein: Inzwischen sind bei Obst und Gemüse, das Verbraucher im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt kaufen, schon 63 Prozent vorverpackt. Die neue „to-go“-Kultur produziert immer mehr Müll – die jährlich in Deutschland verbrauchten Coffee-to go-Becher aufeinander gebaut würden bis zum Mond reichen. Und auch der Versand- und Onlinehandel ist für den immer weiter ansteigenden Verpackungsmüll mit verantwortlich.

Bei der Plastiktüte darf nicht Schluss sein – jetzt muss es erst richtig los gehen gegen den überflüssigen Plastikmüll!

 

Mehr zum Thema:

Weitere Informationen auf www.NABU.de

FAQs zu Plastiktüten

Hintergrundpapier über Plastiktüten

Unser NABU-Tipp zur Mülltrennung

3 Kommentare

Ulrike

13.04.2016, 16:28

Der Onlinehandel ist dafür aber auch verpflichtet für ordentlich Geld Verpackungslizenzen zu kaufen und zahlt für jedes GRAMM Verpackungsmaterial ordentlich Gebühren

holzblockhaus

13.04.2016, 13:24

Seit längerer Zeit gibt es in unserer Gesamt-Gemeinde mit 7 Teilorten in jedem davon an allen Ausfall-Straßen, Wander-Feld-Waldwegen sog. "Hunde-Klo-Stationen", wo die Hundebesitzer für die Hinterlassenschaft ihres Vierbeiners kostenlos eine sehr stabile "Plastiktüte" entnehmen, befüllen und wieder dort einwerfen können. Diese Einrichtung hätte erst gar nicht entstehen dürfen, das ist auch eine große Menge produzierter Plastiktüten, die "KOSTENLOS" abgegeben werden. Wir "MEnschen" sollen Plastikverpackungen sparen - o.k., aber für das "Haustier" gilt das wohl nicht? und meine Gemeinde ist nicht die einzige, die solche "Hundeabfallbehälter" aufgestellt hat und sehr viel Geld dafür investiert - muß ja auch geleert werden. Das "Problem" mit den Plastiktüten ist also viel größer als in o.g. Bericht erwähnt. Ich hab deshalb KEIN schlechtes Gewissen, wenn ich "mal" in einem Laden meine Sachen eingepackt bekomme, weil ich vielleicht zu viel für meinen Korb/Beutel eingekauft habe. Es geht ja nicht nur um die "Plastiktüte" - wir hatten ja schon länger einen sehr umfangreichen Blog zur Plastikvermeidung im allgemeinen. Aber so einfach "Das Rad" zurückdrehen, wie in die 60er Jahre z. B. geht auch nicht, wo wir mit unseren Weidenkörben zum Einkaufen gingen, Quark in einer mitgebrachten Schüssel bekamen usw. selbst "damals" wurde das Brot schon in ein "Seidenpapier" eingeschlagen, die Brötchen kamen in eine Papiertüte, im Textilgeschäft wurde ein neuer Schlafanzug "schön" in bedrucktes Papier gewickelt usw. - Wo soll man ansetzen? - Die Politik ist "schuld" an diesem Verpackungsmüll, weil sie den Herstellern jegliche Freiheiten erlaubt - auch "Schummelpackungen" mit viel Luft - DA beginnt die Umweltbelastung -/Verschmutzung, die wir als Verbraucher nun "ausbaden" sollen. Ich habe mich kürzlich bei der Firma ... beschwert, die diese Fleckentücher für die Waschmaschine herstellt (bei neuen, dunklen Sachen ganz praktisch), weil die Schachtel ca. 20 % "leer" ist, also viel zu groß gehalten ist. Die Antwort war erschreckend - "man würde doch umweltverträglich produzieren, habe schon Auszeichnungen für Resourcenschonung etc bekommen - Aber das eine teil-leere Schachtel auch eine größere Verpackung für die "Verpackungseinheit" für den Handel bedeutet, mehr Ladefläche in einem LKW verbraucht usw. usw. - das hat man nicht bedacht - "wir produzieren und verpacken umweltschonend" - punkt. es ist also eine Sache der Politik. hier wirkungsvolle Vorgaben zu machen und uns kleinen Endverbrauchern kein schlechtes Gewissen einzureden, wenn wir "mal" eine Plastiktüte benützen. Und was den Versandhandel betrifft - das ist ein Karussell - früher gab es auch schon viele Versandhäuser (Quelle, Neckermann etc.). Wenn ich z. B. heute online 1 Buch bestelle und es mir nach Hause schicken lasse, (kommt mit DHL, die ohnehin täglich in unserer Landgemeinde unterwegs ist, weil sie auch mit der "Post" zusammen die Briefpost zustellt -) schone ich m.E. mehr die Umwelt, denn ich muß mit meinem Auto nicht 16 km "einfach" in die Stadt fahren, was wiederum Umweltbelastung in Form von Abgasen bedeutet, und natürlich hohem Benzinverbrauch. Man muß alles, was man tut, in der richtigen Relation sehen. Und dann kommt es noch so, daß ich z. B. das gewünschte Buch gar nicht bekomme, es muß auch dort erst bestellt werden .................... usw. usw. .....

Maxi

09.06.2016, 00:16

Ich finde, es ist eben doch an uns Verbrauchern, einen Anfang zu machen und uns endlich unserer Macht bewusst zu werden. Jeder nicht konsumierte Artikel zählt! Die Politik muss ran, klar! Aber es ist zu einfach, es nur auf "die Politik" zu schieben! Wir Konsumenten haben uns ebenso vorzuwerfen, an dem System mitzuwirken, sobald wir für diese Dinge bezahlen. Meiner Meinung nach kann jeder etwas bewirken, kann in seinem Verhalten und Konsum etwas ändern, kleine und große Schritte sind möglich: Das Weglassen von Getränken in Plastikflaschen, kein Brot oder Brötchen in Plastik kaufen, ganz viele Obst und Gemüsesorten lassen sich ohne Beutelchen und auch ohne Umverpackung, also ganz lose mit ein bisschen Sorgfalt transportieren. Man kann auch bei Alltagsgegenständen auf natürliche Materialien achten: Mehrweg-Trinkflaschen und Dosen aus Edelstahl, Teppiche und Textilien aus Wolle, Baumwolle oder Leinen, Bodenbeläge aus Naturstein oder Holz, Möbel aus Holz, generell langlebigere Produkte kaufen und auf Qualität achten... Meistens sehen diese Dinge dann auch noch viel besser aus als die 08/15-Version!

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