Wir sind jetzt Öko-Griller

Wir sind jetzt Öko-Griller

Pünktlich zum 1. Mai kommt hier mein Beitrag zum Öko-Grillen.

Kaum geht das Thermometer in Deutschland über die 20 Grad, riechen wir aus den Gärten und Balkon einen wohl bekannten Grill-Geruch. Offensichtlich ist die zweitliebste Beschäftigung der Deutschen neben dem Bier trinken das Grillen. Jetzt will sie uns auch noch das Grillen vermiesen, mögen manche jetzt denken. Ja, denn leider ist es immer noch so, dass die Mehrheit billiges Fleisch und Würstchen auf den Grill schmeißt. Hauptsache viel ist die Devise.

Grundsätzlich gilt: Je höher der vegetarische und gleichzeitig regionale Anteil auf dem Rost, desto nachhaltiger das Grillvergnügen. Denn Fleischkonsum hat seinen ökologischen Preis.

Ein nicht unerheblicher Teil des weltweiten Klimagas-Ausstoßes geht auf sein Konto, Ressourcen wie Wasser und Energie werden bei der Herstellung verschlungen und Regenwälder gerodet. Soll es trotzdem Fleisch sein, empfiehlt sich solches aus biologischer und regionaler Herkunft. Dies garantiert Mindeststandards in Punkto artgerechterer Haltung und umweltfreundlichem Anbau, zudem entfallen lange Transportwege.

(Wenn schon Fleisch, dann sollte es auch das ganze Tier sein? Exkurs „From nose to tail“.)

Kreativität

Ausstecher für Gemüse

Ausstecher für Gemüse

Grillmeister, die auf frisches, möglichst saisonales und regionales Gemüse zurückgreifen, schonen die Umwelt.  Zucchini, Aubergine, Champignon oder grüner Spargel sind zudem gesund und lecker. Auch Bratlinge, Grillkäse, Früchte und Brot lassen sich prima grillen, der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Rezepte für selbst gemachte Grillsaucen oder Brot vom Grill gibt es zuhauf im Internet.

Müll in den Parks

In vielen Städten gibt es öffentliche Grillflächen. Wer sich die Berliner Grünflächen, auf denen gegrillt werden darf, anschaut, bemerkt schnell, dass sie immer noch Gang und gebe sind – die Einweggrills. Um Müll zu vermeiden, sollte man auf Einweggrills verzichten. Besser sind herkömmliche, langlebige Grills aus Metall. Ich habe beispielsweise einen tragbaren Grill, den ich überall mit hin nehmen kann.

Auch einmal benutzbares Plastik oder Pappgeschirr verbraucht nur unnötig Energie und Ressourcen. Daher sollte beim Grillausflug auf das eigene Camping-, Porzellan-

Alles drin im Picknick-Rucksack

Alles drin im Picknick-Rucksack

oder Hartplastik-Geschirr zurückgegriffen werden. Übrigens: Grillschalen aus Alu sind gesundheitsschädlich. Davor warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Essen aus Alu-Schalen ist gefährlich, weil das Metall in die Speisen übergeht. Dabei gibt es gute Alternativen: Große Kohl-Blätter zum Beispiel, die nachher ganz einfach im Bio-Abfall landen. Neben Einweggrill und Einweggeschirr, wäre es auch gut, möglichst nicht in Plastik verpacktes Gemüse zu wählen, auch das reduziert Müllberge in Parks.

Kohle ist nicht gleich Kohle

Was viele nicht wissen: Herkömmliche Grillkohle stammt häufig aus Tropenwäldern. Denn auf den Verpackungen muss leider nicht angegeben werden, wie das Holz geerntet wurde, um welche Baumart es sich handelt und aus welchem Gebiet es stammt. Im Jahr 2015 wurden laut Statischem Bundesamt 227.000 Tonnen Holzkohle importiert. Die meiste Holzkohle kam aus Polen, Paraguay und Nigeria. So findet sich wahrscheinlich auch viel Tropenholz auf dem Grill wieder. Normalerweise würde man davon ausgehen, dass das FSC-Siegel weiter hilft. Eine Studie des Thünen-Instituts zeigte jedoch, dass in Sortimenten mit der Deklaration „aus heimischen Laubhölzern“ neben diesen auch Beimischungen von tropischen/subtropischen Hölzern enthalten waren. In zwei Fällen waren die Chargen sogar FSC bzw. PEFC zertifiziert. Besser wäre ansonsten regionale Holzkohle, mir persönlich ist nur eine Bio-Grillkohle aus dem Saarland bekannt.

Es gibt aber mittlerweile auch Alternativen. Die Firma OlioBric stellt Briketts aus den Abfällen der Olivenölpressung, aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten, dem sogenannten Oliventrester, her.

Sind Grill und Kohle in Position gebracht, geht es ans Anzünden. Hierbei sollten chemische Grillanzünder vermieden werden. Leicht brennbare, ökologische Materialien, etwa kleine Äste und Stöckchen, Karton, Wolle oder Watte tun es genauso gut. Wie beim Grillen selbst gilt auch hier: Gut Ding will Weile haben.

Mehrweg beim Grillen

Mehrweg beim Grillen

Grundsätzlich gilt beim Grillen draußen: Falls doch Müll entsteht, diesen auf jeden Fall wieder mitnehmen oder im nächstbesten Mülleimer korrekt entsorgen.

 

Nicole Flöper

Nicole Flöper

Redakteurin "Naturschutz heute" und Mitarbeiterin der Pressestelle
Nicole Flöper

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3 Kommentare

Uwe

28.04.2018, 06:15

Wie haben uns letztes Jahr für den Garten einen Elektrogrill gekauft und sind total zufrieden damit. Keine Kohle mehr schleppen, Strom aus erneuerbaren Energien. Das Beste ist die einfache Temperaturregelung, sodass ich leicht verhindern kann, dass das Grillgut verbrennt, wenn mal Essensstau herrscht. 😊

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Saaba

26.04.2018, 14:36

Leider ist, wie ich im Supermarkt und in meiner direkten Umgebung miterleben muss, Billigkeit immer noch wichtiger als das Wissen um Vorgänge in Tierhaltung und Schlachthäusern. Sogar im Internetzeitalter, in dem man online alles erfahren kann, selbst wenn man TV-Verweigerer ist, behauptet mancher, er wüsste nicht, wie er es besser machen solle. Warum ist gutes Fleisch zu teuer, aber schlechte Autos, Alkohol und Aufsitzmäher nicht? Man könnte verzweifeln. Bei Waschbär kann man einen voll abbaubaren Wegwerfgrill aus Bambus und spezieller Kohle kaufen, für knapp unter 10 Euro. Bisherige Wegwerfgrills sind extrem billiger. Wer sich für zu billige Wegwerfgrills interessiert, interessiert sich derjenige überhaupt für eine ökologische Lösung? Boah, bin mal gespannt, ob sich dieser Artikel im Angebot hält. Ich plädiere nicht nur für eine Steuer auf Plastik, sondern auch für eine Steuer auf Alufolie und Aluminium generell. Die Gewinnung von Alu richtet große Umweltschäden an, dagegen werden Aluprodukte viel zu billig verkauft. Außerdem sind sie in Verbindung mit bestimmten Lebensmitteln gesundheitsschädlich. Wenn wir auf dem Grill unbedingt etwas einhüllen wollen, dann machen wir das in Backpapier mit Baumwollband oder in kleinen Edelstahlschalen. Es gibt doch kleine Camping-"Wiederverwend"-Grillls. Wenn es vom Handel keine Angebote wie Wegwerfgrills gäbe, dann gäbe es entsprechende Käufe nicht. Wer so etwas erfindet ist gewissenlos.

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Thomas

26.04.2018, 13:56

Danke für diesen Post. Beim Thema Rindfleisch gibt es zur anschaulichen Illustration ein gutes Video von der ARD zum Thema Nutztierfutter: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/tierfutter-gefahr-fuer-die-umwelt-und-die-welternaehrung-100.html (2014, 6 min, "Gefahr für die Umwelt und die Welternährung?") Aktuelle Videos aus den Schlachthäusern - hier speziell Rinder - zeigen eindrucksvoll, was hinter einem Rindfleisch steht, wenn man nicht genau auf die Herkunft achtet: https://www.stern.de/tv/warum-ein-mcdonald-s-schlachthof-diese-bilder-erklaeren-muss-7860438.html, 2018, 10 min, stern-Recherche Ergänzend: Hier ein schöner Soundtrack: https://vimeo.com/230171301 (Trailer von Dominion, Dokumentation/Kinofilm, 2018). Melancholisch; mit dem Potential zum Sommergrillhit. :-)

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