Salz in der Luft, Schlick unter den Füßen, Natur pur?

Salz in der Luft, Schlick unter den Füßen, Natur pur?

Sommer, Sonne, Meer und die Aussicht auf eine beeindruckende Naturerfahrung – eine großartige Kombination, die jedes Jahr viele Menschen an unsere Küsten treibt. Allein der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer verzeichnet jährlich mehr als 20 Millionen Besuchstage und ist damit Spitzenreiter unter allen Nationalparks in Deutschland. Das Wattenmeer ist nicht nur weltweit einzigartig und für den internationalen Vogelzug von zentraler Bedeutung, sondern zugleich Sehnsuchtsort und Erholungsparadies für viele Menschen in Dänemark, den Niederlanden, Deutschland und darüber hinaus.

Insbesondere die grenzübergreifende Zusammenarbeit dieser drei Anrainerstaaten kann den Schutz des Weltnaturerbes mit seinen hochproduktiven Watt- und Schlickflächen wesentlich voranbringen. Deshalb begrüßt der NABU das Abschluss-Statement der 15. Trilateralen Wattenmeerkonferenz 2026 in Esbjerg: „Wir setzen uns dafür ein, die natürlichen Werte, die Vielfalt, die Kohärenz und die Dynamik des Wattenmeeres zu bewahren, zu stärken und weiterzuentwickeln.“

Denn trotz seiner Ausweisung als Nationalpark und UNESCO Weltnaturerbe ist das Wattenmeer heute zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Gasförderung vor der Insel Borkum, neue Kabel und Pipelines für Offshore-Windenergie, Wasserstoff und CO₂, aber auch die Vielzahl an Schiffsbewegungen setzen den Lebensräumen und Bewohnern des Wattenmeers zu. Dazu kommen landbasierte Einflüsse, wie der viel zu hohe Eintrag von Nährstoffen aus der Landwirtschaft und der bereits jetzt deutlich messbare Einfluss des Klimawandels. Nicht zu vergessen die Fischerei mit schädlichen Fanggeräten und das Fehlen von nutzungsfreien Gebieten. Die Folgen für das Ökosystem sind divers und reichen von massiver Schädigung wichtiger Lebensräume wie Dünen, Muschelbänken, Watten und Sandbänken bis hin zu einer Verschlechterung der Wasserqualität. Wir laufen dazu Gefahr, große Teile des Wattenmeers durch den Meeresspiegelanstieg zu verlieren.

Diese bedauerlichen Entwicklungen bedrohen nicht nur das Wattenmeer selbst, sondern könnten sogar zur Aberkennung des Weltnaturerbestatus durch die UNESCO führen. Insofern erschien der diesjährige Titel der Wattenmeerkonferenz „Protection Through Recognition“, also „Schutz durch Anerkennung“, richtungsweisend und auch viele Programmpunkte adressierten wichtige Stellschrauben. Von der Idee einer gemeinsamen strategischen Umweltbewertung der kumulativen Einflüsse über die Frage, wie der Ausbau der Offshore-Windenergie und der Schutz der sensiblen marinen Ökosysteme besser zusammengebracht werden kann, bis hin zu einem nachhaltigen Schutz der Salzwiesen als wichtige Kohlenstoffsenken und natürlicher Küstenschutz. Viele gute Ansätze, die nun in die Tat umgesetzt werden müssen. Ansonsten kann dieser einzigartige Lebensraum mit seinen über 10.000 Arten und wichtigen ökologischen Funktionen kaum bewahrt und das selbstgesteckte Ziel der trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit „so weit wie möglich ein natürliches und sich selbst erhaltendes Ökosystem zu erreichen, in dem natürliche Prozesse ungestört ablaufen können“ nicht realisiert werden.

Quellerpflanze im Watt.

Der Queller (Salicornia europea agg.), besiedelt die Verlandungszone der Salzwiesen knapp unterhalb der Hochwasserlinie. Foto: imageBROKER/Michael Dietrich

Nur gemeinsam im Austausch mit den Menschen vor Ort sowie mit den verschiedenen Nutzergruppen können wir das Wattenmeer für Millionen Zugvögel, als Lebensraum für Meeressäugetiere und Kinderstube auch kommerziell wichtiger Fischarten erhalten. Dafür müssen aber dringend weitere Schritte hin zu einem besseren Management des Wattenmeeres unternommen, die zunehmende Übernutzung hinreichend adressiert und wirksame Schutzmaßnahmen engagiert umgesetzt werden. Das Gute daran, passende Lösungsansätze für eine Vielzahl der Probleme liegen bereits auf dem Tisch:

Mit der Raumordnung haben wir ein wichtiges raumplanerisches Instrument in der Hand, welches aber nicht nur Platz für die verschiedenen menschlichen Aktivitäten auf dem Meer bereitstellen soll, sondern eben auch das Erreichen eines guten Umweltzustandes durch planerische Vorgaben zum Ziel haben muss.

Kernzonen der Nationalparks müssen endlich großflächig nutzungsfrei werden, damit sich Arten und Lebensräume erholen können. Diese Gebiete sind sowohl Orte für eine mögliche Wiederansiedlung bereits verloren geglaubter Arten als auch Ausgangspunkt für eine Wiederansiedlung stark geschädigter Arten und Lebensräume in angrenzenden Gebieten. Eine ambitionierte Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung bietet hierfür eine einmalige Gelegenheit.

Wanderzugkorridore für Zugvögel und marine Arten müssen offengehalten und der Beitrag der Meere zum Schutz des Klimas erhalten und, wo möglich, gestärkt werden. Gerade die Schlicksedimente sowie See- und Salzwiesen im Wattenmeer liefern hierzu einen wichtigen Beitrag. Das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz (ANK) stellt hierfür ein geeignetes Finanzierungsinstrument dar.

Die Anrainerstaaten haben es also selbst in der Hand das Wattenmeer als einzigartigen Naturraum und wichtigen Beitrag zum Klima- und Küstenschutz zu erhalten und seine Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels zu stärken, damit es auch in Zukunft heißen kann: „Komm Schatz, wir fahren heute ans Meer und lassen die Seele baumeln, wer weiß, was wir diesmal Faszinierendes entdecken können.“

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Dr. Thorsten Werner

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Team Meeresschutz

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