„Straw Wars“

„Straw Wars“

Wer von euch hat Plastikstrohhalme zu Hause? Ich muss es ja zugeben – ja ich habe noch Altbestände in meiner Küche. Ein Paket stammt aus einem bekannten Möbelkaufhaus, das sie in Riesenpackungen vertreibt. Doch wann benutze ich die schon mal? Eigentlich nur bei Partys in Cocktails. Natürlich habe ich auch Papierstrohhalme, wer die jedoch schon mal benutzt hat, weiß, dass sie sich schnell auflösen. Nicht sehr angenehm.

Der Verbrauch von Plastikstrohhalmen ist unfassbar: In den USA werden jeden Tag 500 Millionen Plastikhalme verbraucht. Das hat der National Park Service berechnet. Jeder kennt das: Es gibt sie bei Fast Food-Ketten, in kaltem Kaffee „to go“ und in der Gastronomie. Und auch in der EU werden oft überflüssige Müllberge aus Plastikstrohhalmen produziert: über 36 Millliarden jährlich laut einer von der EU finanzierten Studie.

Auch der NABU findet immer wieder bei Clean-Ups Strohhalme an den Stränden Deutschlands.

Plastikhalme in Tieren

Die Folge: Die Plastikstrohhalme landen oft im Meer oder in Flüssen und Seen und zerfallen zu Mikroplastik. Tierschützer fanden die Strohhalme auch schon in der Nase von Schildkröten. Ich sehe die Halme oft, wenn „to go“-Becher mit Strohhalm einfach in der Landschaft entsorgt werden. Und das nicht nur in der Stadt, denn Drive-in und Fast Food-Ketten gibt es auch auf dem Land.

Lösungen

Lösungsansätze gibt es schon, aber leider werden diese nicht flächendeckend umgesetzt. In Seattle wird es ab diesem Jahr ein Verbot in Bars und Restaurants geben. Und was ist mit Deutschland? Da muss wohl jeder Barbesitzer noch selbst entscheiden. Im „normalen“ Handel gibt es kaum Alternativen. Im Internet dagegen schon: Strohhalme aus Glas, Edelstahl, Bambus, PLA (biobasierter Kunststoff) oder essbare gibt es mittlerweile zu kaufen. Auch gibt es schon Strohhalme aus Stroh – wohl das ungewöhnlichste Produkt, auch wenn Roggenhalme schon im 19. Jahrhundert in den USA benutzt wurden. Bei den biobasierten Kunststoffen ist es aber wichtig, dass sie richtig entsorgt werden, denn sie können in der Natur nicht abgebaut werden.

Strohhalme

Brauchen wir überhaupt Strohhalme?

Die Frage ist daher eigentlich: Brauchen wir überhaupt Strohhalme? Eigentlich geht es auch gut ohne, oder nicht?

Wichtig ist auch die Entsorgung: Papierstrohhalme, die mit Flüssigkeiten in Berührung gekommen sind, gehören in den Restmüll.

Zusatz

Stichwort Eiswürfel: Ich benutze schon seit mehreren Jahren Würfel aus Stahl oder Stein, so fallen bei mir Plastik- oder Silikonformen weg. Diese werden im Eisfach kalt und sind wiederverwertbar. Ich persönlich finde das ok, da sie lange haltbar sind. Wenn lange haltbare Plastikformen benutzt werden, ist das sicher auch nachhaltiger als die Eiswürfelplastikbeutel, die einfach im Müll landen. Die häufig als Whiskysteine benannten Würfel gibt es im Netz zu kaufen.

PS: „Straw Wars“ ist ein Projekt aus Großbritannien. Zu finden hier. 

Nicole Flöper

Nicole Flöper

Redakteurin "Naturschutz heute" und Mitarbeiterin der Pressestelle
Nicole Flöper

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8 Kommentare

Heiko

20.04.2018, 07:26

Ich finde es schade, dass man nur beim Verbraucher die Schuld sucht. Ich denke, dass die Industrie hier umdenken muss. Es gibt Materialien, welche sich nach 6 Monaten komplett auflösen. Es gibt Taschen, welche aus Zelluose hergestellt werden können. Da muss die Industrie umdenken und anderes zur Verfügung stellen. Ist ja nicht so, dass wir hingehen und sagen, dass alles einzeln verpackt sein muss.

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Nicole Flöper

Nicole Flöper

20.04.2018, 08:31

Das sehe ich anders. Der Konsument bestimmt, in dem er kauft. Da das aber nicht zu ändern ist, finde ich, der Staat müsste Regelungen vorgeben.

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Saaba

20.04.2018, 13:11

Wir Konsumenten kennen das Kaufen kleiner Einheiten in Plastik verpackt gar nicht anders. Fast alle trockenen Lebensmittel werden vom Handel mit Hilfe der Plastikindustrie so angeboten, teuer in kleinen Einheiten. Wer hier profitiert und warum, schwant einem schon. Weizennudeln esse ich nicht, daher werde ich das Barilla-Regal nicht leerkaufen, das als einziges in Pappe anbietet. Gestern in 3-Sat die Doku "Müll-Meister Deutschland" gesehen (-> Mediathek). Es läuft noch schlechter als ich dachte. Fast alles aus der Recycling-Tonne wird verbrannt, nur 15 % Wiederverwertung. Da sehe ich beim Anblick des Supermarkt-Angebotes schon die Restmülltonne vor mir. Sicher sind auch Konsumenten an den Müllbergen mitschuldig, siehe Coffee-to-go-Becher (innen beschichtet!), und dass Kinder in Plastik verpackten Süßkram kaufen. Wer sowohl plastikfrei einkaufen will als auch Biolebensmittel fordert (damit z.B. das Getreide ohne Pestizide ist), muss schon aktiv neue Wege finden. Online-Vorratskauf trockener Bio-Lebensmittel (muesli-laden) in Papiertüten, die man wiederverwendet - oder 40 km in die zweitnächstgrößere Stadt zu einem Unverpackt-Laden fahren. Und es ist einem klar, dass nur wenige Leute sich so verhalten!!! Gesetze gegen Plastikeinkaufstüten sind ja ganz nett. Aber ich erkenne weiter keine großen Anreize für Konsumenten oder ehrliche und praktische Bewegung bei Verpackungsindustrie und Handel im großen Stil (wir sind immerhin über 80 Mio. Konsumenten + Export). Dass China unseren Plastikmüll nicht mehr nehmen will, ist jetzt anscheinend der größte Anreiz - nicht einmal schlechtes Gewissen bzw. Vernunft. Mehr Müll verbrennen führt laut Doku nur zu mehr Stäuben aus den Abluftfiltern, die als Gift dann teuer in Salzstollen eingelagert werden müssen. Müllvermeidung ist also der einzige Weg. Bei manchen Dingen im Supermarkt wie Nudeln, Rosinen, Nüssen und manche Getreide bedeutet das momentan nur Nichtkauf.

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Christoph

15.04.2018, 19:01

Danke für euren Artikel :) Die Strohhalme liegen überall an den Stränden, besonders in Indien, Indonesien und anderen Südostasiatischen Ländern. Nachdem die Kokosnuss ausgetrunken ist, wird einfach alles am Strand zurückgelassen. Es ist so erschreckend und dumm. Dabei sind die Alternativen da: Edelstahl, Papier, Glas, Bambus oder eben gar kein Strohhalm. Viele Grüße, Christoph

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Saaba

16.04.2018, 12:56

Es wird zu viel zum Wegwerfen produziert, was man einfach verbieten müsste. Verbieten ist doof, aber ohne Druck und Zwang verändert sich manches nicht und man muss ständig dagegen arbeiten. In Singapur gibt es meines Wissens immer noch ein Kaugummi-Verbot. Sie haben es einfach gemacht und bleiben dabei. Wenn wir Menschen uns nicht bald ändern, werden wir zur Not eines Tages überall von Computern mittels Überwachungskameras auf unser Verhalten kontrolliert und aus dem Verkehr gezogen, damit die Welt als Ganzes nicht in unserem Müll untergeht.

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Christina

05.04.2018, 15:07

Plastik Trinkhalme habe ich noch nie gekauft.Leider sind so viele Produkte in Plastik verpackt und man muss es so kaufen. Ich bin habe noch Zeiten kennengelernt,da wurde noch Wurst&Fleisch einfach in Papier eingewickelt. Milch in Glasflaschen,Klamotten nicht in Klarsichtfolie u.s.w., und es ging auch. Ich habe schon immer Müll getrennt,was sich da allein in einer Woche ansammelt,Wahnsinn. Ich würde am liebsten in Läden einkaufen,wo man mit seinen eigenen Behältern einkaufen kann. Leider sind diese Läden viel zu weit entfernt.

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Saaba

05.04.2018, 13:12

Ja, die eigenen Plastik-Trinkhalme zuhause, die wir mal für eine Party für Cocktails gekauft hatten, haben mich richtig geärgert, als ich einen Meeresfilm über Plastikmüll und Trinkhalme im Meer gesehen habe mit den Gefahren für die Tiere. Denn da ist mir aufgegangen, wie überflüssig und gefährlich diese Halme sind. Ich habe sie in die gelbe Tonne getan (aus Wut über mich selbst hätte ich diese lieber verbrannt) und bei einer Bestellung ein paar dauerverwendbare Edelstahl-Trinkhalme gekauft inclusive Reinigungsbürstchen. Dann fiel mir ein, dass ich als Schülerin mal irgendwo echte STROHhalme bekommen hatte. Warum gibt es das eigentlich nicht einfach in einem Supermarkt, in kleiner Stückzahl? Bars werden nicht von heute auf morgen drauf verzichten, und zuhause "braucht" man es doch sehr selten. Zum Umrühren in Longdrinkgläsern (das wird eine seltene Gelegenheit sein) tuts immer noch ein langer Löffel. In Cafes und Bars werde ich mich zukünftig gegen Halme vorausschauend wehren. In Deutschland mag es ja ein gewisses Umwelt- und Müllsammelbewusstsein geben, aber vielleicht zieht der eigene Verzicht noch weitere Kreise, so dass überflüssige Trinkhalme bald Geschichte sind.

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hanne ihring

05.04.2018, 11:24

kaugummi ist auch nichts auf der strasse.ich fand einen vogel der verklebt war am schnabel mit gaugummi ,er war tod.

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