MOIN Feldarbeit: Nester finden über Umwege

MOIN Feldarbeit: Nester finden über Umwege

Wenn man eine Vogelart besser schützen will, sollte man über ihre Brutbiologie Bescheid wissen. Wenn man mehr wissen will über die Brutbiologie eines Vogels, dann sucht man die Nester. Das funktioniert bei den meisten Wiesenvogelarten – z.B. Kiebitz, Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Austernfischer – sehr gut, bei der Bekassine ist das wesentlich schwieriger.

Die Bekassine ist ein kleiner Watvogel mit langem Schnabel, durch ihr braun gestricheltes und marmoriertes Gefieder optimal an ihren Lebensraum, feuchte Wiesen, angepasst – und in Deutschland vom Aussterben bedroht. Mehr Infos HIER.

In Schleswig-Holstein ging es der Bekassine bisher noch vergleichsweise gut, doch auch hier wird die Landwirtschaft immer intensiver, Böden werden trockengelegt und stärker gedüngt. Sie kommt fast nur noch in Naturschutzgebieten und auf extensiv beweideten Feuchtwiesen vor. Doch auch in diesen Gebieten gehen die Bestände zurück – warum?

Feuchtwiese

Hier im Sumpf fühlt sich die Bekassine wohl.

Um diese Frage zu beantworten hat das MOIN ein Pilotprojekt zur Erforschung der Bekassine in Schleswig-Holstein gestartet. Dabei sollen die Nester der Vögel überwacht werden und wichtige Brutparameter wie Anzahl der Eier, Schlupferfolg und Überlebensrate der Küken untersucht werden – und dafür muss man die Nester finden. Nester von anderen Watvögeln, die auf Wiesen brüten, kann man relativ einfach finden. Kiebitze, Große Brachvögel, Uferschnepfen und Austernfischer sieht man meistens sehr gut im zeitigen Frühjahr auf ihren Nestern sitzen. Man schaut von außen auf die Flächen und sieht die brütenden Vögel, dann kann man die Nester gezielt anlaufen und dann sichern.

Im Brutlebensraum der Bekassine ist dies sehr schwierig bis fast unmöglich, denn sie brüten in sehr feuchten, sumpfigen Wiesen mit großen Binsenbüscheln. Darin versteckt sich der relativ kleine Vogel und man sieht von außen nichts. Da dachten sich die findigen Forscher, dass man ja die erwachsenen Vögel fangen, ihnen einen Sender auf den Rücken schnallen, dann den Sender mit einer Antenne suchen und dann den Vogel finden könnte – auf dem Nest. Ein ziemlicher Umweg, aber anders noch viel aufwendiger.

  • Bild 1: Mit solchen Netzen – Japannetze genannt – werden die Bekassinen gefangen. Eine gängige Methode in der Vogelforschung und für die Vögel ungefährlich.
  • Bild 2: Die Bekassinen werden mit einer Klangattrappe angelockt, die aufgezeichnete Rufe und Gesänge der Bekassine abspielt. Neben dem Netz werden noch weitere Fallen aufgestellt.
  • Bild 3: Erfolg! Die gefangene Bekassine wird durch fachkundige Hände aus dem Netz befreit.
  • Bild 4: Die gefangene Bekassine wird vermessen.
  • Bild 5: Die Bekassine wurde mit einem Sender ausgestattet, der auf dem Rückengefieder befestigt wird. Direkt danach wird der Vogel wieder freigelassen.

 

Titelfoto: Bekassine im Schlamm (NABU/Tom Dove)

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