Blick über den Tellerrand: Wie gelingt nachhaltige Fischerei?

Blick über den Tellerrand: Wie gelingt nachhaltige Fischerei?

Ende März machten wir uns zu fünft zu einer viertägigen Informationsreise nach Dänemark und Schweden auf. „Wir“ sind zwei Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern, ein Fischer aus Schleswig-Holstein, Thomas Noack vom Thünen-Institut für Ostseefischerei Rostock und ich, Katharina Brundiers vom NABU-Meeresschutz.

Die Reise fand im Rahmen des Projektes „STELLA2“ statt, welches vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird. Im Projekt geht es um die Minimierung von Beifang von Meeressäugetieren und Seevögeln in der Stellnetzfischerei.

Ziel der Reise war es zu sehen, wie die skandinavischen Fischer*innen in der kommerziellen Fischerei mit alternativen Fangmethoden, wie Fischfallen und Reusen, arbeiten. Außerdem wollten wir einen Raum schaffen, in dem sich Fischerei, Naturschutz und Wissenschaft vorurteilsfrei begegnen und wir die Möglichkeit haben Pros und Contras dieser alternativen Fangmethoden zu diskutieren.

1000 Kilometer für den Wissensdurst und Vertrauensaufbau

Unsere Reise führte uns über Fredericia, Sletten, Kopenhagen und Ystad nach Bornholm und wieder zurück nach Deutschland. An den verschiedenen Stationen sprachen wir nicht nur über alternative Fangmethoden, sondern auch über Vermarktung, Kameras an Bord und den Umgang der küstennahen Fischerei mit der Rückkehr der Robben.

Wir besuchten Fischer, die Firma Anchorlab (die Kamerasysteme für die Fischerei herstellt), einen Netzmacher und einen ehemaligen Robbenjäger und Fischer.

 

An jeder Station gab es etwas, das unsere Aufmerksamkeit besonders hervorrief, oder eine brennende Frage beantwortete. Aus meiner Naturschutz-Perspektive waren die Stationen bei der Firma Anchorlab und dem ehemaligen Robbenjäger am interessantesten. Viele Fischer scheuen sich vor Kameras an Bord, da sie Bedenken haben ihren eigenen Datenschutz zu verletzen. Diese Bedenken konnten größtenteils ausgeräumt werden.

Durch den Einsatz von Kameras an Bord, könnte die Fischerei Teile ihre Fischereitätigkeit offenlegen und so die Möglichkeit eröffnen, Maßnahmen zur Vermeidung von Beifang von Meeressäugetieren und Seevögeln mit geringem Aufwand auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und ggf. anzupassen. Der ehemalige Robbenjäger hat ein eindeutiges Motto: „Lieber ein paar Fische in der Falle als keine im Netz“. Das hat uns allen in den Ohren nachgeklungen.

Fischfallen kommen in Dänemark schon länger zum Einsatz, da die Rückkehr der Kegelrobben und der damit einhergehende Wegfraß aus den Netzen eine Stellnetzfischerei fast unmöglich macht. Am Anfang habe ihn das Töten von Robben nicht gestört, bei der letzten Robbe war ihm, als würde er seinem eigenen Hund den Kopf zerschießen, so der Robbenjäger selbst. Zur Info: In Dänemark zeigte der Versuch eines bestandsregulierenden Managements keinerlei Wirkung.

Ein ungewöhnliches, aber fruchtbares Format

Wir waren nur eine kleine Truppe – wie wir feststellten war diese Größe genau richtig. Schnell stellte sich das Gefühl ähnlich wie bei einer Klassenreise ein. Es wurde viel gelacht, aber auch über ernsthafte, sowie private Themen gesprochen. Der kleine Rahmen, losgelöst vom Alltag und seinen Strukturen, ermöglichte einen zwanglosen Austausch, in dem wir offene, respektvolle Gespräche und Diskussionen führten, ohne dabei kontroverse Themen auszusparen. Es zeigte sich, dass die „Jungs“ vorwärtsgewandte, emanzipierte Männer sind, die offen für Innovationen sind. Ein Geist, der in den aufgeheizten politischen Runden zu oft verloren geht.

Und wie geht es nun weiter?

Alle drei Fischer sind daran interessiert im Rahmen von „STELLA2“ alternative Fangmethoden auszuprobieren und an deren Weiterentwicklung mitzuwirken. Diese Motivation seitens der Fischer ist der Schlüssel für die gemeinsame Zusammenarbeit und eröffnet die Möglichkeit, die notwendige Umstellung auf umweltschonende Fangtechniken in der kommerziellen Fischerei zu erreichen. Und auch ich, seitens des Naturschutzes, habe das Gefühl weitere Verbündete in der Fischerei gewonnen zu haben mit denen ein zukünftiges, gemeinsames Wirken in Richtung naturverträgliche Küstenfischerei möglich ist.

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Katharina Brundiers
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