Meine „Leidenschaft“: Plastikmüll

Meine „Leidenschaft“: Plastikmüll

Ich habe länger nichts geschrieben, denn auch mich hat die Krankheitswelle erwischt. Heute möchte ich euch aber Elisa Czech vorstellen. Die 28-Jährige arbeitet im NABU-Naturschutzzentrum Blumberger Mühle bei Angermünde und hat sich seit ihrem Studium mit dem Thema Mikroplastik auseinandergesetzt. Angefangen hat dies mit ihrer Masterarbeit zum Thema „Mikroplastikvorkommen in Süßwasserseen“ – vereinfacht formuliert. Es war damals eine der ersten Studien zu diesem Thema. Sie hat dafür zwei Seen in Italien untersucht. Schon im Jahr 2014 kam dabei heraus, dass sehr viel Plastik in Süßwasserseen eingetragen wird.

Elisa Czech

Die 28-jährige Elisa beschäftigt sich mit Mikroplastik und dessen Auswirkungen.

Dafür untersuchten sie und ihre Arbeitsgruppe die Oberfläche der Seen, aber auch die stehende Wassersäule in zehn und 15 Metern Tiefe. Schon vorab gab es die Vermutung, dass viel Plastik durch Wind in die Seen eingetragen wird. Auf der Wasseroberfläche fanden sie und ihre Mitstreiter damals deutlich mehr Plastikrückstände, als in der Wassersäule. Ob tatsächlich der Wind dafür verantwortlich war, konnte nicht eindeutig belegt werden, allerdings ist rund um die Seen ein Tourismusgebiet und daher kommt es zu einem deutlich erhöhten Mülleintrag. „Seitdem lässt mich das Thema nicht mehr los, ich habe sogar beobachtet, wie Strandsäuberer den Müll einfach in den See zurück geschoben haben“, erzählt Elisa, „wir haben damals nicht damit gerechnet, dass wir so viel Plastik finden würden.“

Elisa ist nicht tatenlos

Elisa hat aber seitdem nicht nur ihren Konsum hinterfragt, sondern ist auch aktiv geworden. Sie hat in Hamburg im Arbeitskreis Meere von Greenpeace mitgearbeitet und ist eine der Mitarbeiterinnen des Aachener-Projektes „pacific garbage screening“. Die Architektin Marcella Hansch hat die Idee zu einer schwimmenden Plattform entwickelt, mit der nicht nur großer Plastikmüll, sondern vor allen Dingen auch Mikroplastik aus dem Meer gefiltert werden soll. Diese befindet sich aber noch in der Entwicklungsphase und sucht Unterstützer. Wer mitmachen will, kann dies hier.

Mikroplastik im Sieb

Mikroplastik im Sieb gesammelt.

Die Idee besteht darin, das Meeresplastik noch vor Ort zu recyceln und dadurch Energie sowie Algenkunstoff zu gewinnen. Elisa ist hier Teil des Forschungsteams. Bis ein Lösungsansatz in der Richtung gefunden und umgesetzt wird, ist es aber noch ein langer Weg. Dafür muss noch mehr Grundlagenforschung passieren.

 Ihr Alltag ohne Plastik

„Es gelingt mir selber nicht komplett plastikfrei zu leben, ich möchte beispielsweise nicht ohne meine Outdoor-Jacke sein. Aber ich verzichte auf Verpackungen, To-Go- und Essensverpackungen gehen gar nicht“, sagt Elisa. „Außerdem bin ich komplett auf Naturkosmetik umgestiegen, da in dieser kein Plastik in flüssiger Form enthalten ist.“ In der Blumberger Mühle setzte sie Aktionen zum Thema um und klärt durch Umweltbildung auf. Eine Mitarbeiterin erhält sogar beim örtlichen REWE jetzt Wurst und Käse in ihre mitgebrachten Dosen, die sie auf einem Tablett anreicht. „Mein Tipp: Es ist nicht immer alles und nicht immer alles sofort umsetzbar, aber in kleinen Schritten kann jeder viel Plastik-Müll vermeiden.“

Wer von Elisa Tipps haben möchte, wie man in der eigenen Region für das Thema sensibilisiert, dem kann sie Praxisvorschläge geben. Sie selbst ist momentan im Gespräch mit einem Start-up zu Strohhälmen aus Glas. Kontakt über elisa.czech@NABU.de.

Nicole Flöper

Nicole Flöper

Redakteurin "Naturschutz heute" und Mitarbeiterin der Pressestelle
Nicole Flöper

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5 Kommentare

Uwe

03.04.2018, 16:09

Sehr interessant finde ich auch das Projekt "The great bubble wall barrier" aus den Niederlanden: http://thegreatbubblebarrier.com/en/ Dort soll versucht werden, in Flüssen schwimmenden Plastikmüll durch eine "Wand" aus Luftblasen an den Rand des Flusses zu leiten, wo das Plastik herausgefiltert werden kann. Sehr interessant ist dass Video des Projekts. Ich finde es sehr überzeugend und habe bereits gespendet. 👍😁

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Saaba

20.03.2018, 14:17

Das ist schockierend, dass Strandfeger Müll einfach wieder ins Wasser zurückschieben! Wer sind diese Leute? Als wenn ein See eine Abfalltonne wäre. Das macht mich wütend. Das Sammeln von Müll, vor allem an Gewässern, scheint immer dringender zu werden, ich höre und lese es immer häufiger. Alles was in der Umgebung herumliegt, kann durch Wind und Regen in die Gewässer getrieben werden. Angefangen vom kleinen Bach kann es bis runter in die großen Flüsse auch ins Meer gespült werden. Seit ich mir die immer häufiger von Meeresschützern und Touristen gezeigten Fotos und Filme von Müll an und in Gewässern angesehen habe, sehe ich um mich herum nur noch Müll, an Straßenrändern, in Abflussrinnen, auf Wiesen, Parkplätzen, einfach überall. Wer macht sowas? Wir alle sollten zu einem besseren Bewusstsein kommen, dass vor allem Plastik nicht harmlos ist. Ich bin den Menschen sehr dankbar, die gute Ideen verbreiten wie z.B. den Guppy-Bag (der Mikoplastik aus der Wäsche zurückbehält) oder das Wissen über hormonell wirksame Chemikalien, die IMMER NOCH in Verpackungen und in Beschichtungen von Dosen, Bechern und Kassenbons enthalten sind. Wir werden dicker, unfruchtbarer, allergischer und kränker. Das Umstellen auf Bionahrung und -pflegeprodukte allein reicht noch nicht, wir müssen beim Kaufen, Bauen und Reisen neu schauen, was man uns an Giften und Müll andrehen will. Ich wünsche mir, dass Wissenschaftler uns noch öfter und deutlicher mit ihren Erkenntnissen vor Augen führen, dass das entstandene Mikroplastik am Ende doch wieder nur auf unserem Teller landet.

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Sabine

20.03.2018, 11:54

Dies gefällt mir. Dafür möchte ich mich aber nicht bei Wordpress registrieren müssen.

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Nicole Flöper

Nicole Flöper

20.03.2018, 12:00

Liebe Sabine, ich verstehe nicht ganz, was Du meinst. VG Nicole

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Der NABU

Der NABU

20.03.2018, 12:17

Liebe Sabine, der "gefällt mir"-Button richtet sich an Blogger, hier können Leute, die selbst einen WP-Blog betreiben, zeigen, dass ihnen der Beitrag gefällt. Du kannst den Beitrag aber in den Social-Media-Kanälen teilen, oder eben einen Kommentar hinterlassen. Herzliche Grüße!

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