Die Wohnung anheizen, nicht das Klima!

Die Wohnung anheizen, nicht das Klima!

Ungefähr ein Drittel unseres Energieverbrauchs verwenden wir in Deutschland darauf, Wohnungen zu heizen, Wasser zu erwärmen und Häuser zu klimatisieren – eine riesige Menge! Sowohl finanziell als auch mit Blick auf den Klimawandel schlägt das gewaltig zu Buche. Die gute Nachricht ist, dass wir alle etwas tun können, um den Energieverbrauch fürs Wohnen zu reduzieren – und um damit sowohl Geldbeutel als auch Klima zu schonen.

Wer sein Haus energetisch komplett saniert, senkt den Energieverbrauch natürlich am weitesten, dazu später mehr. Aber auch im Kleinen lassen sich große Effekte erzielen, ganz ohne nennenswerte Investitionen.

Seid ihr noch ganz dicht?

Jetzt im Winter geht vor allem in Altbauten viel Wärme durch zugige Fenster und Türen verloren. Wo genau es zieht, lässt sich ganz einfach mit einer brennenden Kerze herausfinden. Wenn es draußen eisig und windig ist, flackert die Flamme an den Stellen mit den größten Ritzen und Wärmelecks. Mit selbstklebenden Schaumstoff-Dichtungsbändern oder elastischen Profildichtungen lassen sich Fenster für wenige Euro abdichten. Zieht es unter der Wohnungstür, helfen Bürstendichtungen. Sie werden an die Tür-Unterkante geklebt oder geschraubt.

Genauer Blick auf die Heizkörper

Damit die Heizkörper ihre Arbeit effizient verrichten können, gilt es, ein paar Dinge zu beachten:

Auch wenn Heizkörper meist nicht zu den optischen Highlights zählen, sollte man sie nicht hinter Vorhängen, Möbeln oder Verblendungen verstecken. Damit sie den Raum effizient erwärmen können, muss die Luft frei zirkulieren können. Verdeckte Heizkörper dagegen verursachen einen Wärmestau und verschwenden Energie.

In vielen älteren Häusern sind die Heizkörper in Wandnischen zurückgesetzt. Das mag optisch gefällig sein, ist energetisch aber kontraproduktiv. Denn die Außenwand hinter dem Heizkörper ist logischerweise besonders dünn, so dass ein guter Teil der Heizenergie direkt nach draußen verschwindet. Wer den Aufwand scheut, die Nischen zuzumauern und die Heizkörper davor zu setzen, sollte die Nische hinter dem Heizkörper dämmen. Dazu eignen sich etwa dünne Dämmplatten mit Aluminium-Beschichtung, die die Wärme in den Raum reflektiert. Wichtig: Zwischen Dämmplatte und Heizkörper muss ein kleiner Abstand bleiben, damit die Luft zirkulieren kann.

Wenn es im Heizkörper gluckert und er sich nur ungleichmäßig erwärmt, hilft es meist, den Heizkörper zu entlüften. Das ist ganz einfach: Mit einem speziellen Schlüsselchen öffnet man das Entlüftungsventil am Heizkörper und lässt die Luft entweichen – so lange, bis Wasser statt Luft herausläuft. Nicht vergessen, ein kleines Gefäß unter das Ventil zu halten, damit es keine Sauerei gibt! Das Ventil findet sich meist oben am entgegengesetzten Ende des Zulaufs.

 

Cool bleiben spart Energie

Wer die Raumtemperatur um ein Grad senkt, spart rund sechs Prozent Heizenergie und reduziert damit Kosten und Emissionen. Daher ist die Investition in einen gemütlichen warmen Pullover überaus sinnvoll. Man braucht nicht mit Mütze und Handschuhen im Wohnzimmer zu sitzen, aber es muss ja auch nicht unbedingt nur im T-Shirt sein. Dämmung ergibt nicht nur an Gebäuden Sinn, sondern auch am eigenen Körper!

Dämmung der Gebäudehülle

Vor allem in älteren Häusern ist es auf Dauer sinnvoll, eine energetische Sanierung ins Auge zu fassen. Bevor der Umbau startet, sollte man sich ausführlich beraten lassen. Bei einer Energieberatung erfährt man eine ganze Menge: Wo sind die größten Defizite am Haus? Sollte vor allem das Dach saniert, die Fenster ausgetauscht oder die Fassade gedämmt werden? Was kostet das alles – und welche Förderungen gibt es dafür vom Staat? Die aktuellen Förderprogramme sind nicht zu verachten, da übernimmt der Staat schnell mal 30 Prozent der Investitionssumme – oder sogar noch mehr.

Wer sein Haus energetisch saniert, sollte immer auch eventuelle tierische Mitbewohner berücksichtigen. Überwintern Fledermäuse auf dem Dachboden oder brüten Vögel an der Fassade, lassen sich für diese Tiere im Zuge der Sanierung problemlos Quartiere anbringen. Am besten plant man das gleich von Anfang an mit ein. Dann ist man auch naturschutzrechtlich auf der sicheren Seite.

Heizanlage auf dem Prüfstand

Die alte Ölheizung kommt endlich raus? Sehr gut! Das ist eine seltene Chance, auf eine umweltverträgliche und zukunftssichere Heiztechnik umzusteigen. Eine neue Heizung kauft man nicht alle Tage, daher sollte das System für die kommenden 20, 30 Jahre passend sein. Sich mit einer Gasheizung weiter an fossile Energieträger zu binden, ist dabei meist nicht sinnvoll. Je nach Objekt kann da etwa eine Wärmepumpe in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage die deutlich bessere Lösung sein. Auch hierfür gibt es attraktive Förderprogramme, bei denen der Staat bis zu 45 Prozent zuschießt. Ein Heizungsfachbetreib ist sowohl für Planung und Umsetzung als auch für die Beantragung der Fördermittel der richtige Ansprechpartner.

Ob kleine Optimierungen oder große Sanierung: Wer Heizenergie spart, lebt kostengünstiger und schützt das Klima. Wann man damit anfangen sollte? Am besten sofort!

Dieser Tipp ist als Gastbeitrag des NABU auf dem IKEA-Unternehmensblog erschienen. Seit Januar 2020 veröffentlichen wir jeden Monat einen Tipp für ein nachhaltigeres Leben. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner. Die Illustrationen stammen von der Grafikerin Jule Roschlau.

Lisa Storcks

Lisa Storcks

Referentin für Energiepolitik und Klimaschutz
Lisa Storcks

9 Kommentare

Tobi

18.07.2022, 17:08

Sehr gute Tipps! Sanieren ist sehr wichtig und bringt am meisten für die Wärmedämmung und im Sommer gegen die Wärme. Nun ist Sanieren aber gerade heutzutage sehr sehr teuer und nur ab der oberen Mittelklasse erst machbar. Wenn man ein normales Haus sanieren möchte mit Isolierung an der Außenwand dann kostet das pro m^2 ca. 40-100€ je nach System. Das sind dann aber nur reine Materialkosten. Das kann sich leider nicht jeder leisten und eine Wärmepumpe kostet je nach Ausbaugröße mal kurz über 4000€ in der kleinen Version. 20.000€ insgesamt, wenn man es richtig machen will. Das ist heute für den Otto-Normalverbraucher fast nicht mehr zahlbar. Die Technologien sind da aber sie sind noch nicht rentabel. Photovoltaik mit Stromspeicher und kombinierte Solarthermie kostet auch insgesamt mindestens 20.000€ (MIT Förderung). Heizungsbauer fehlen überall und man bekommt nicht mal einen Besichtigungstermin innerhalb von 1-3 Jahren, weil alle ausgebucht sind. In Deutschland ist noch viel viel viel viel Förderung und Werbung für energiearme und CO2-Neutrale Technologien fürs Heizen/Kühlen notwendig. Mit der aktuellen Ausbaurate kommen wir nicht da hin, wo Europaregelungen und der Weltklimarat hin will. Wir müssen noch sehr sehr viel dazu lernen...

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Lisa Storcks

Lisa Storcks

19.07.2022, 08:58

Genau deswegen, weil noch so viel zu tun ist, setzen wir uns ja immer weiter für eine sozialverträgliche Wärmewende ein, wo insbesondere "Fördern und Fordern" mehr zusammengedacht wird!

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Balzarek

17.03.2022, 15:31

Jahresverbrauch von 700 KW/h! Was ist denn das? Sicher ist 'kW' gemeint. 'kW' ist aber die Maßeinheit für Leistung und hat hier i.d.S. nichts mit Verbrauch zu tun! Maßeinheit für Verbrauch ist 'kWh'! Frau Storcks, die Bemerkungen bzw. Erkenntnisse zu Kühlgeräten sind mir neu. Ein Kühlgerät zeichnet sich u.a. durch eine gute Dämmung aus. Der Einfluss der Umgebungstemperatur ist zumindest theoretisch gegeben, dürfte praktisch aber fern von 6 % sein, worauf sind denn im Übrigen die 6% bezogen? Lobenswert ist auf jeden Fall der Wille zum Energie sparen. Bestimmte physikalische Gesetzmäßigkeiten wirken trotzdem. Eine Mindesttemperatur muß sein! Gerade hier in der Küche kommt es bei übermäßigen Temperatur absenken zu hoher Luftfeuchte mit der Folge Tauwasserausfall und Schimmelbildung, was man zunächst gar nicht sieht. Am Ende hat man das vermeintlich Gesparte durch hohen Sanierungsaufwand um ein Mehrfaches verloren! mfG!

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Edelgard Hartung

12.02.2022, 10:38

Gibt es noch Fördergelder in 2022 für neue energetisch bessere Heizungen???

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Lisa Storcks

Lisa Storcks

14.02.2022, 14:20

Soweit ich weiß, ist dazu bislang noch nichts final entschieden...

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Barbara Oertwig

11.02.2022, 19:56

Guten Tag, das ist alles sehr schön, und was wir selber machen können, tun wir bereits: Heizung tagsüber drosseln, Schlafzimmer und Küche meist gar nicht an, dicke Vorhänge vor Balkon und Eingangstür. Aber anderes ist schwieríg umzusetzen, wenn man zur Miete wohnt. Z.B.: Damals war es wohl schick, Metallfensterrahmen zu verbauen (die auch noch Schallschutz beinhalten, weil wir in der ehemaligen Einflugschneise von Tegel wohnen). Diese haben leider den Nachteil : im Winter irre kalt und im Sommer heizen sie schön auf. Leider werden die Fenster nur ausgetauscht, wenn diese kaputt gehen und sie nicht mehr reparabel sind(keine Ersatzteile mehr lieferbar) . Zum Zweiten haben wir zwar einen Aussen-Dämmschutz am Haus, der aber besteht aus Asbestplatten ! Und eine Erneuerung steht wohl nicht an. Tja..... Mit freundlichen Grüßen Barbara Oertwig aus Berlin

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Lisa Storcks

Lisa Storcks

14.02.2022, 14:16

Ja, das Vermieter-Mieter-Dilemma taucht leider immer wieder auf... Es stimmt leider, dass der Spielraum als Mieterin teilweise begrenzt ist. Da braucht es vor allem Ausdauer im Dialog mit den Vermietenden und eine Regierung, die die nötigen Rahmenbedingungen aufstellt...

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Gerd Wehinger

10.02.2022, 17:37

Ich habe unter anderem vermisst dass auf das Thema Tempertur in der Küche garnicht eingegangen wurde. Ich habe die Tür zur Küche immer zu, heize in der Küche nicht und spare so doppelt: 1. Heizenergie und 2. Strom für Kühlgeräte denn dort gilt auch die 6 Prozent Ersparnis pro Grad Umgebungstemperur. So komme ich auf einen ahresverbrauch von 700 KW/h bei 2 Zimmern und 1 Person.

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Lisa Storcks

Lisa Storcks

14.02.2022, 14:14

Danke für die wertvolle Ergänzung und den tollen Einsatz beim Stromsparen! :)

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