Das Energie-ABC der Elektrogeräte

Das Energie-ABC der Elektrogeräte

Wer in den letzten Jahren durch einen Elektronikmarkt geschlendert ist und sich die neuen Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler angeschaut hat, konnte schnell den Eindruck gewinnen, dass es da nur Energiewunder zu kaufen gibt. Ein Großteil der Elektrogeräte war mindestens mit Klasse A ausgezeichnet, viele sogar mit A+++. Also viel besser als sehr gut. Da macht es ja praktisch keinen Unterschied mehr, welches man kauft. Oder?

Das täuscht leider. Die Unterschiede sind nach wie vor enorm. Selbst mit einem A+++-Elektrogerät konnte man nicht sicher sein, dass ein anderes nicht wesentlich weniger Energie verbraucht. Die alten Energielabels können die heutige Marktlage einfach nicht mehr abbilden. Daher hat die EU angefangen, Produkte neu zu kennzeichnen. An Waschmaschinen, Geschirrspülern, Kühlschränken und TV-Geräten sind bereits seit März 2021 neue Labels angebracht, seit März 2022 auch an Lampen und Leuchten. Andere Produktgruppen werden folgen.

Energielabel auf einer Glühbirnenpackung.

Mehr Klarheit: Links eine Glühbirne mit altem, rechts mit neuem Energielabel. Foto: NABU/Julia Simon

Durch die Umstellung gibt es kein A+++ mehr, sondern wieder eine einfache Skala von A (sehr gut) bis G (schlecht). Zugleich wurden die Anforderungen deutlich angehoben. Auch Elektrogeräte, die es vorher in die Topkategorien geschafft haben, erreichen heute meist nur noch C oder D. Somit hat die Industrie wieder viel Luft nach oben, um sich mit sparsameren Geräten die Auszeichnung als A- oder B-Gerät zu verdienen.

 

Ich finde das ziemlich hilfreich. Denn so können wir wieder auf einen Blick sehen, welche Modelle tatsächlich effizient sind.

Elektrogeräte neu kaufen oder reparieren?

Wer also eine neue Waschmaschine braucht, hat mit den neuen Labels eine einfache und gute Orientierungshilfe. Komplizierter ist die Frage, ob ich im Fall der Fälle meine Waschmaschine reparieren lassen oder doch lieber gleich eine neue, effizientere kaufen sollte. Denn klar: Auf der einen Seite verbraucht eine neue Maschine weniger Strom, auf der anderen Seite wird eine ganze Menge Energie eingesetzt, um sie zu bauen, die Rohstoffe dafür zu gewinnen und sie zu mir zu karren. Ganz zu schweigen davon, dass die alte Maschine ja dann entsorgt werden muss.

Was ist also besser – reparieren oder neu kaufen? In der Regel ist es ökologisch sinnvoller, Elektrogeräte zu reparieren, sofern sie einigermaßen effizient sind. Einen antiken Kühlschrank aus den 1990-Jahren zu reparieren, ergibt also wenig Sinn, einen fünf Jahre alten A++-Kühlschrank dagegen schon. Wer bei der Entscheidung vor allem die Umwelt im Blick hat, kann so schon ziemlich gut einschätzen, ob reparieren oder neu kaufen besser ist. In der Bilanz macht das einen gewaltigen Unterschied: Jährlich könnten wir in Deutschland 3,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen, indem wir Fernseher, Smartphones, Waschmaschinen und Notebooks länger nutzen!

Elektroschrott

Elektroschrott ist der am schnellste wachsende Abfallstrom der Welt. Foto: NABU/Sandra Kühnapfel

Natürlich spielt bei den meisten von uns auch der Blick aufs Bankkonto eine Rolle bei dieser Entscheidung. Je neuer das Gerät ist, desto mehr Geld sollte man auch aus rein wirtschaftlichen Erwägungen in die Reparatur stecken. Ausnahme: Waschmaschinen. Da lohnt es sich auch bei alten Geräten, weil die oftmals so robust konstruiert sind, dass sie auch nach einer Reparatur noch lange laufen können.

Wer repariert Elektrogeräte?

Oft macht es sich bezahlt, zunächst mal selbst zu schauen, ob man den Fehler beheben kann. Wenn die Waschmaschine das Wasser nicht mehr abpumpt, könnte dahinter auch einfach nur ein verstopftes Flusensieb stecken. Dann verrät ein Blick in die Bedienungsanleitung, was zu tun ist.

Weitere Tipps für eine erste Diagnose und eine Reparatur auf eigene Faust finden sich auf zahlreichen Internetseiten. Dort lassen sich auch die meisten Ersatzteile erstehen. Ist man selbst mit Schraubendreher und Lötkolben eher wenig geübt, kann es sich lohnen, Rat in einem der zahlreichen Repair-Cafés zu suchen – oder doch den Kundenservice oder die Elektronikfachkraft vor Ort zu buchen.

Recht auf Reparatur

Wie reparaturfreundlich ein Produkt ist, entscheidet sich schon bei seiner Entwicklung. Denn dann legt der Hersteller beispielsweise fest, ob das Gerät einfach zu öffnen ist und sich Teile problemlos austauschen lassen. Derzeit entwickelt die Politik so genannte Ökodesignrichtlinien, die den Herstellern diese Punkte vorgeben – ein sinnvoller Weg, um Ressourcen und Energie zu sparen!

Person repariert Laptop

Mit einer guten Reparaturanleitung lassen sich Ersatzteile auch selbst austauschen. Foto: NABU/Sandra Kühnapfel

Doch wie kann man selbst erkennen, welche Elektrogeräte leicht zu reparieren sind? Das ist (noch) gar nicht so einfach. Eine gute Möglichkeit wäre ein Reparatur-Index. Deutschland plant diesen einzuführen, in Frankreich gibt es ihn bereits. „Reparatur-Index“ klingt erstmal kompliziert, ist aber ganz einfach und sehr praktisch: Auf einer Skala von eins bis zehn lässt sich daran schon beim Kauf ablesen, wie unkompliziert sich ein Gerät später reparieren lässt.

Die Politik könnte Reparaturen auch dadurch attraktiver machen, indem sie dafür sorgt, dass Ersatzteile besser erhältlich sind und Reparieren günstiger wird – etwa durch Steuererleichterungen. Die Nutzungsdauer von Elektrogeräten zu verlängern, ist also sinnvoll und möglich. Man muss es nur wollen!

Dieser Tipp ist als Gastbeitrag des NABU auf dem IKEA-Unternehmensblog erschienen. Seit Januar 2020 veröffentlichen wir jeden Monat einen Tipp für ein nachhaltigeres Leben. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner. Die Illustrationen stammen von der Grafikerin Jule Roschlau.

Du suchst weitere Ideen für ein nachhaltigeres Leben? Hier findest du Tipps zum Energiesparen und zur Planung eines naturnahen Gartens sowie Ideen, wie du die Umwelt schonen kannst, indem du Dinge tauschst und ausleihst, statt sie neu zu kaufen.

Julia Simon

Julia Simon

Referentin für Kreislaufwirtschaft
Julia Simon

Letzte Artikel von Julia Simon (Alle anzeigen)

3 Kommentare

Christopher Seidel

03.05.2022, 08:52

Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

Antworten

Rainer Kirmse , Altenburg

09.04.2022, 17:05

DER PLANET UND DER MÜLL Plastikflut und Wegwerftrend, Man konsumiert permanent. Der Mensch des Anthropozän Lässt sich's auf Erden gut geh'n. Mit Snacks und Kaffee to go Hält er sein Leben im Flow. Der westliche Lebensstil - Von Mehrweg hält man nicht viel. Wohlstandsmüll bedroht die Stadt, Der gelbe Sack ein Feigenblatt. Von Müllvermeidung keine Spur, Unrat verschandelt Wald und Flur. Plastikinseln auf den Meeren, Wie lange soll's noch währen? Kommen wir endlich zur Vernunft, Vermüllen nicht uns're Zukunft! Rainer Kirmse , Altenburg Herzliche Grüße aus Thüringen

Antworten

Alex S.

23.03.2022, 10:34

In den letzten 16 Jahren des CSU/CDU-Wirthausrat-Diktats haben auch alle deutschen Unternehmen die Produktion nach Asien verlagert. Dadurch werden mehr: - Menschenrechtsverletzungen, - Menschen arm, da sie in Billiglohn-Jobs gezwungen werden, - mehr Umwelt in diesen Ländern zerstört, da es in diesen Ländern keine funktionierenden Ökostandards gibt, - usw. Dass es dadurch weniger Arbeitsplätze in Deutschland und Europa gibt, darüber macht sich der typisch deutsche Billig-Schnäppchen-Käufer keine Gedanken. Es wird durch weniger Arbeitsplätze weniger in die deutschen Rentenkassen eingezahlt. Dadurch muss die Bundesregierung mit 100 Milliarden EURO der deutschen Steuergelder die Rentenkassen jährlich subventionieren. Hat das jemand auf dem Schirm wenn er "Made in ASIEN" kauft. Damit gräbt er seinen Kindern und Enkeln die Arbeitsplätze ab. Aber hauptsache erst mal billig eingekauft. Auch die Krankenkassen, sogar die oprivaten, die jährlich den Vorstandsbossen und Aktionären 15% Gewinne ausschütten müssen, werden mit ca. 20 Milliarden EURO jährlich mit deutschen Steuergeldern unterstützt. Die Gewinne werden trotzdem an die Vorstandsbosse und Aktionäre ausgeschüttet. Nachweislich benutzt "ASIEN" gefälschte GS und CE Zertifikate. Wenn ich ein Elektroartikel kaufen möchte, frage ich die Firma mit einer E-Mail vorher ab, wo diese Artokel produziert werden. Bei einem Anteil der Produktion von mehr as 60% im Produktionsprozess darfein solches Produkt "Made in GERMANY" heißen. Diese "Made in GERM;ANY" Produkte kosten nicht immer mehr, man hat aber mehrere Gewissheiten: - Sie entsprechen den Sicherheitsbestimmungen, - sind qualitativ um einiges besser und - können direkt bei Defekten dem Hersteller zurück geschickt werden, - auch die Entsorgung erfolgt auf diesem Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Unternehmen dann tatsächlich recyceln und nicht die defekten Waren zur Zerstörung der Umwelt in andere Kontinente verschickt werden, wo sie Erde, Wasser und Luft zerstören und uns ein lebenswertes Leben auf diesem Planetren doch wieder vermiesen. Kauft keine Produkte "Made in ASIEN" Fördert die Sozialsysteme in Deutschland und Europa. Ist das so schwer zu verstehen? Ich kaufe doch keinen VW, der in China in Einzelteilen von den unterdrückten Uiguren für 8.000 EURO hergestellt wurde, um dann in Einzelteilen mit einem Öltanker nach Deutschland verschifft wird, um dann von osteuropäischen Arbeitern, die aufgrund EU-Regeln nicht in die Sozialsysteme einzahlen brauchen, zusammengabaut und für 34.000 EURO hier als Meisterleistung der deutschen Ingenieurskunst verkauft zu werden. Welcher tatsächlich mit einem Gehirn ausgestattete Mensch kauft solche Produkte?

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.


%d Bloggern gefällt das: