#CO2FreiSpassDabei – Mobilitätsverhalten, wir müssen reden!

Ich habe gestern Bilanz gezogen und so geht es nicht weiter! CO2-frei leben heißt, sich selbst zu hinterfragen und bei mir besonders wichtig: Ich muss mein Mobilitätsverhalten dringend überdenken!

Stadtverkehr in Berlin. Foto: Sebastian Scholz

Stadtverkehr in Berlin. Foto: Sebastian Scholz

Dabei mache ich doch schon vieles richtig – dachte ich zumindest.

Meine Mobilität im Alltag

Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und an den Tagen, an denen ich das nicht tue, nutze ich den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Rad fahren völlig ohne Emissionen. Foto: Sebastian Scholz

Rad fahren völlig ohne Emissionen. Foto: Sebastian Scholz

Fahrradverkehr ist emissionsneutral. Das ist schon mal gut, da macht es mir schon heute keine Probleme mich CO2-frei fortzubewegen. Bei Regen oder wenn ich weiter oder länger unterwegs bin nehme ich Tram, U-Bahn oder S-Bahn. In Berlin bewege ich mich generell nur so fort. Natürlich bin ich mir auch bewusst, dass das in Berlin auch einfach ist, denn fast alles ist relativ nah und damit leicht per Fahrrad zu erreichen. Und die öffentlichen Verkehrsmittel sind so gut ausgebaut, dass ich zu keiner Tages- oder Nachtzeit mir ernsthaft Gedanken machen muss, ob ich nach Hause komme.

CarSharing. Foto: Sebastian Scholz

CarSharing. Foto: Sebastian Scholz

Inzwischen bin ich außerdem auch Mitglied bei allen großen Carsharing-Anbietern in Berlin. Zumindest bei denen, die das Floating-Carsharing anbieten. Also Autos, die irgendwo stehen und die ich per Smartphone suche und zum Teil auch öffne.

Ich benutze diese Dienste ab und zu (habe meine Fahrten natürlich auch bilanziert). Mein ehrlicher Eindruck ist aber: Ich verlagere dadurch eigentlich nur Verkehr, den ich per Rad oder per ÖPNV getätigt hätte, auf diese Angebote. Nämlich immer dann, wenn ich aus welchen Gründen auch immer zu bequem bin aufs Fahrrad zu steigen oder zur nächsten Haltestelle zu gehen. Aus Klimaschutzgründen, ist das also eher nicht hilfreich – und hier habe ich auch noch Potenzial.

Auf Dienstreisen bin ich innerhalb des letzten Jahres selbstverständlich auch nur mit der Bahn gefahren. Auch nach Paris zur letzten Klimakonferenz kam gar nicht in Frage, anders als mit der Bahn zu reisen. Ein Auto besitze ich gar nicht erst, so dass ich auch meine privaten Reisen innerhalb Deutschlands ausschließlich per Bahn oder auch mal Fernbus unternehme.

Problem: Fliegen

Flughafen Frankfurt. Foto: Sebastian Scholz

Flughafen Frankfurt. Foto: Sebastian Scholz

Meine Bilanz ist trotzdem schlecht. Ich fliege ganz eindeutig zu viel. Rein gefühlt tue ich das gar nicht – dieses Jahr war ich bloß ein langes Wochenende in Wales, Freunde Besuchen in Brüssel und zweimal die Familie besuchen und Urlaub machen in Spanien. In der Summe bin ich 11.339 Kilometer geflogen  und habe dabei 3,11 Tonnen CO2 verursacht (habe ich mit dem CO2-Rechner ausgerechnet).

Wie komme ich noch mal darauf, dass das nicht viel sein könne? Urlaub ist kein Alltag, vielleicht liegt dieser Bereich in meinem blinden Fleck, wenn es um Klimaschutz geht. Und natürlich ist Fliegen auch alternativlos (zumindest in meinen Urlaubsplanungen). Wenn man nur fünf Tage Zeit hat für einen kurzen Urlaub und das Ziel klar ist (z.B. Freunde in Belgien), dann geht es gar nicht anders als fliegen. Will ich CO2-frei leben, muss ich dringend überdenken, ob ich solche Trips überhaupt machen sollte und kann.

CO2-Kompensation

Es geht auch noch anders: CO2-Kompensation. Dabei wird Geld für als Ausgleich gespendet, entweder an ein Klimaschutzprojekt oder an eine Organisation, die sich darum kümmert, dass dadurch an anderer Stelle CO2 vermieden wird. Klar ist, dass kann natürlich nicht die erste Wahl sein. Wichtiger ist, dass als allererstes Treibhausgase vermieden und gemindert werden. Und nur wenn das gar nicht geht, sollte man zum Mittel der Kompensation greifen.

Nun gut, vermeiden kann ich meine Flugreisen des vergangenen Jahrs nun nicht mehr. Künftig werde ich ganz sicher noch einmal mehr darüber nachdenken, ob ich fliegen muss und welche Alternativen ich habe. Ich kompensiere nun also meine Flugreisen. Der wohl bekannteste Anbieter für CO2-Kompensation ist Atmosfair. Es gibt auch noch andere, wichtig ist aber, dass bei den Klimaschutzprojekten Standards eingehalten werden; Atmosfair hat nur Projekte, die nach dem CDM-Gold-Standard zertifiziert sind; darauf solltet Ihr achten bei der Wahl eines Anbieters.

Meine Rechnung zur Kompensation meiner Flugreisen beläuft sich auf 87 Euro. Klingt viel, eigentlich ist es aber ein Schnäppchen dafür, dass ich zumindest diesen Bereich CO2-frei gestalten kann. Das kann aber keine Ausrede für mein künftiges Mobilitätsverhalten sein. Da muss ich ran – auch im Urlaub.

Sebastian Scholz
Folgen

Sebastian Scholz

NABU-Teamleiter für Energie & Klima
Sebastian Scholz
Folgen

5 Kommentare

Marcus

16.10.2016, 10:43

Der Trick ist, kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre einzubringen, das nicht zuvor schon in Form von z.B. Pflanzen vorhanden war. Bei uns steht das Fahrrad als Verkehrsmittel im Vordergrund, so weit das möglich ist. Wo das nicht geht, kommt unser CNG Auto mit 3kg CNG.-Verbrauch zum Einsatz. Wenn die Möglichkeit haben CNG von Verbiogas zu tanken, fahren wir zu 100% klimaneutral, da das CNG nur aus Biomüll und pflanzlichen Abfällen ohne Energiepflanzen wie z.B. Mais gewonnen wird. Ansonsten sind wir gezwungen eine Mischung aus fossilem mit 20% Bio-CNG zu tanken, was den nominellen CO2 Ausstoß von 79g/km, aber eben nochmal um diese 20% senkt. Das st derzeit besser als jedes Elektroauto im deutschen Strommix.

Berger-Kobayashi Heide

13.10.2016, 10:15

Ich lebe auch zu hause in Japan sehr energiebewussst und bin bin auf dem Mobilitaetssektor hier wirklich vorbildlich: besitze kein Auto, fahre weite Strecken nur mit der Bahn, kurze Strecken nur mit dem Fahrrad. Aber der einmal jaehrliche Flug in die deutsche Heimat ( wo ich dann auch nur mit Bahn und Fahrrad unterwegs bin) schiebtt meine Energiebilanz total ueber die Grenze nach oben. Irgendetwas ist da nicht gerecht mit dem Fussabdruckrechner. Kann man wirklich alle ueber einen Kamm scheren? Was ist mit Leuten, die sich fuer weltweite Voelkerverstaendigung und Umweltschutz einsetzen? Kann man das denn, wenn man nur im engen Umkreis bleibt?

Birgit Bossbach

12.10.2016, 09:49

CO2-frei leben geht überhaupt nicht. Mit jedem Atemzug atmest Du Sauerstoff ein und CO2 aus. Pflanzen machen es, salopp gesagt umgekehrt. Ohne CO2 keine Pflanzen, ohne Pflanzen kein Sauerstoff, ohne Sauerstoff keine Menschen, ohne CO2 kein Leben. CO2 an sich ist nicht das Problem. Es wird in großer Menge in Pflanzen gespeichert. Das Problem ist das CO2, das übrig bleibt, wenn Menschen die Pflanzen angreifen, die das CO2 speichern könnten und das CO2, das frei wird, wenn sie gleichzeitig fossile Brennstoffe nutzen. Vielleicht träfe es emissionsarm leben, oder Ressourcen schonend leben besser? Andere Emissionen, z.b. CO, Methan, Stickoxyde sind viel kritischer zu bewerten.

Sebastian Scholz

Sebastian Scholz

12.10.2016, 10:06

Ja, das stimmt natürlich, CO2 ist Teil des natürlichen Stoffwechsels. CO2 ist aber auch Synonym für die menschengemachten Treibhausgase - mengenmäßig ist da auch tatsächlich CO2 am problematischten. In unserer Bilanzierungssoftware werden aber auch Methan- und Lachgasemissionen abgebildet. Deshalb müsste ich in der Bilanz immer korrekterweise von CO2-Äquivalenten sprechen und schreiben. Mit 'CO2-frei' will ich anknüpfen an die G7-Beschlüsse von Elmau und der 'Dekarbonisierung der Weltwirtschaft' und an die Klimaziele aus Paris nach denen 'eine Balance aus menschengemachten Treibhausgasemissionen und -senken' hergestellt werde müsse. Auf Deutschland heruntergebrochen formulieren wir als Zielforderung ein Minderung der Treibhausgasemissionen von mindestens 95 Prozent bis zum Jahr 2050 gegenüber 1990. Das ist dann tatsächlich nur fast CO2-frei.

Kommentare deaktiviert

%d Bloggern gefällt das: