Reisetagebuch Teil 5:  Blitze zucken über die Zeltwand

Reisetagebuch Teil 5: Blitze zucken über die Zeltwand

Drei Tage Lehrerworkshop liegen hinter uns und zur Belohnung geht es nachmittags auf die Halbinsel Zege. Die Autos werden vollgepackt und wir sitzen ein wenig enger als gewohnt, denn uns begleiten ein Ranger und der Natural Ressource Officer Wondwosen des NABU Bahir Dar Team. Ziel ist der auf der Spitze des Berges liegende Community Campingplatz. Der NABU hat die Anwohner der nahen Gemeinde darin unterstützt, hier einen Campingplatz aufzubauen. Alles ist vorhanden, selbst eine Dusche gibt es und den besten Blick auf den Tanasee. Und das Beste daran: Die Einnahmen kommen direkt der Gemeinde zugute.

Gerade angekommen, bricht schon wieder Hektik aus. Die ein wenig in die Jahre gekommenen Zelte des Bahir Dar Teams müssen aufgebaut werden, bevor die Sonne untergeht. Nach einigem Hin und Her mit den Stangen hat jeder einen Schlafplatz und alle versammeln sich um die Feuerstelle zum Essen.

Die Nacht bricht an, der Wald ruft und wir machen uns auf, ihn zu erkunden. Heuschrecken klatschen uns ins Gesicht, angelockt vom Schein unserer Stirnlampen. Alles um uns surrt, brummt und ruft. War das Geräusch nun ein Vogel oder ein Frosch? Die Meinungen gehen auseinander. Wir bleiben stehen, um eine schlafende Libelle zu beobachten. Und plötzlich funkelt der Waldboden um uns rosa! Hunderte Nachtfalteraugen starren uns an. Doch dann treibt uns ein Regenschauer in die gemütliche Wärme des Zeltes.

Nachts, kurz nach 3 Uhr: Alle schlafen friedlich, nur ein Zelt liegt wach. Blitze zucken über die Zeltwand. Eins, zwei, drei und das stetige Surren des Waldes um uns wird unterbrochen von heftigem Donnergrollen. Kommt das Gewitter näher? Regen setzt ein, die „Nachtwache“ setzt die Heringe neu und sorgt dafür, dass der Wind die Zelte nicht freilegt. Ein Blick in den Himmel verrät: Es sind gleich drei Gewitter um uns herum – eigentlich ein tolles Schauspiel. Am Morgen sind trotz größter Bemühungen einige Schlafmatten durchnässt. Vielleicht sollte man die Regenzeit in Äthiopien doch etwas ernster nehmen. Ein äthiopischer Kaffee und selbstgemachtes Brot wecken die Lebensgeister und lassen Nässe und Schlamm vergessen.

Begleitet vom Rascheln der Äthiopischen Grünmeerkatzen in den Bäumen geht es durch semiwilde Kaffeeplantagen den Berg hinunter zur Ura Kidane Mehret, einem der schönsten Klöster der Amhara Region. Und nicht nur wir sind früh aufgestanden. Der ganze Waldboden ist schon in Bewegung. Ameisen bahnen sich ihren Weg und Springschwänze scheinen eine Massenwanderung vorzunehmen. Auf halber Strecke kreuzt ein Mini-Drache unseren Weg, doch schnell ist der Nil-Waran in Dickicht der Bäume verschwunden. Ein Klippschliefer schaut verschlafen aus der Steinmauer, die das typisch runde Gebäude umgibt.  Sieht fast wie ein Zirkuszelt aus Stein und Holz aus. Vor allem wenn man ins Kloster blickt, denn die Wände sind über und über bemalt mit farbenfrohen Bildern, die Bibelgeschichten erzählen. Kaum zu glauben, dass es aus dem 14. Jahrhundert stammt.

Es war schön, die Stadt gegen den Wald zu tauschen, denken wir, als uns das kleine Boot über den Tanasee wieder zurück nach Bahir Dar trägt.

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