Zum Tag des Toilettenpapiers: Keine Frischfasern ins WC!

Heute ist der internationale Tag des Toilettenpapiers. Ein Feier- und Gedenktag für Klopapier? Klingt erst mal komisch. Wer aber kurz in sich geht, wird die Kostbarkeit dieser zivilisatorischen Errungenschaft kaum in Frage stellen wollen; spätestens, wenn man an den Moment zurückdenkt, als auf dem stillen Örtchen mal kein Papier zur Hand war…

Toilettenpapier

Weiße, weiche Papierrolle – Ja, aber bitte aus Recyclingfasern! – Foto: M. Dommel

Der NABU möchte die heutige, besondere Aufmerksamkeit für die weißen, weichen Papierrollen nutzen, um aufzuzeigen, was unser Toilettenpapier- und Taschentuchkonsum eigentlich mit Ressourcenschutz zu tun hat.

Um eine Tonne Papier zu produzieren, müssen 2,2 Tonnen Holz als Rohstoffbasis eingesetzt werden. Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, dennoch werden allein für die Produktion von Papier, Pappe und Karton jährlich 13 Millionen Hektar Wald zerstört. Der immer noch steigende globale Papierhunger bleibt nicht ohne Folgen für unsere Umwelt:

Besonders ökologisch sensible Räume wie artenreiche Tropenwälder und Savannen sind heute durch illegalen Holzeinschlag und Umwandlung in Monokulturen bedroht. Holzplantagen belasten durch intensive Nutzung und Düngung Boden und Grundwasser. Der hohe Wasserverbrauch lässt die Grundwasserspiegel sinken, Flüsse und Seen austrocknen. Darüber hinaus wird eine traditionelle umweltfreundlichere Landnutzung zunehmend verdrängt und die in  und von Wäldern lebenden Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Waldverlust bedeutet Biodiversitätsverlust und beschleunigt die Klimaerwärmung.

Deutschland Spitzenreiter beim Papierverbrauch

Papierhandtücher

Genauso gut wie aus Frischfasern: Papierhandtücher aus Recyclingfasern – Foto: M. Dommel

Was hat das alles mit Klopapier zu tun? Die Deutschen gehören zu den absoluten Spitzenreitern beim Verbrauch von Papierprodukten. Im vergangenen Jahr hat jeder durchschnittlich rund 250 Kilogramm verbraucht. Zwar haben die Hygienepapiere – zu denen Toilettenpapier, Taschentücher, Küchenrolle, aber auch Windeln und Inkontinenzprodukte gehören – mit rund 20 Kilogramm pro Kopf einen relativ kleinen Anteil am Gesamtverbrauch, jedoch lassen in diesem Segment zwei problematische Entwicklungen aufhorchen.

Toilettenpapier

Die Deutschen gehören zu den absoluten Spitzenreitern beim Verbrauch von Papierprodukten – Tendenz steigend. Foto: Sibille Heine

Zum einen nimmt unser Verbrauch von Hygienepapier konstant weiter zu. Das liegt nicht allein daran, dass wir mehr Papier benutzen. Geändert hat sich häufig die Produktbeschaffenheit. Besaß unser Klopapier früher maximal drei Lagen, so haben Hersteller mit exzessivem Marketing Toilettenpapier, Taschentücher, ja sogar Windeln zu Luxusprodukten verklärt. Mit dem Papier soll man sich nicht mehr bloß reinigen, sondern sich etwas Gutes tun. Wenn drei Lagen Standard sind, dann müssen es heute vier oder fünf Lagen sein. Aber auch Farbe und Duft des Toilettenpapiers spielen neben dem Prädikat „ultra soft“ eine immer größere Rolle bei der Werbung für das Klopapier –  aus ökologischer Perspektive die reinste Verschwendung.

Die Werbung tut ihr Übriges

Die Werbung hat auch zur Folge, dass beim vermeintlich „schlechteren“ Papier aus Recyclingfasern die Nase gerümpft wird. In Punkto Qualität braucht das Recycling-Toilettenpapier den Vergleich mit den Konkurrenten aus Frischfasern nicht zu scheuen: Vor einiger Zeit bewertete die Stiftung Warentest die Güte verschiedener Papiere mit dem Fazit: In puncto Qualität schnitten die Recycling-Toilettenpapiere gut ab. Wer fürchtet, dass die Verwendung der Recyclingfasern unhygienisch ist, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass bei der Verarbeitung des Altpapiers so hohe Temperaturen genutzt werden, dass alle Keime abgetötet werden.

Der Blaue Engel

Papierprodukte, die das Blauen-Engel-Siegel tragen, bestehen aus Altpapier und sind daher umweltfreundlich.

Während bei  allen anderen Papiersorten rund drei Viertel der verwendeten Fasern konstant aus Altpapier stammen, so hat der Anteil von recycelten Papierfasern in Hygienepapieren drastisch nachgelassen. Zwischen 2000 und 2015 ist er von 75 Prozent auf unter 50 Prozent gesunken. Dabei zeigen Studien, dass Recyclingpapier bei Holz-, Energie- und Wasserverbrauch stets besser abschneidet als Papier aus frischer Zellulose.

Besonders problematisch am Trend zur Frischfaser: Hygienepapiere können in der Regel nicht recycelt werden. Dabei  kann eine Papierfaser bis zu fünfmal recycelt werden. In Toilettenpapier eingesetzt, ist sie für die weiteren Recyclingumläufe schlicht nicht mehr verfügbar. Auf unseren Hygienepapierkonsum und den Frischfaseranteil umgelegt, bedeutet das, dass wir allein in Deutschland jährlich über 750.000 Tonnen frische Fasern nach nur einmaligem Gebrauch aus dem Stoffkreislauf ausschleusen!

Wer bei dieser Ressourcenverschwendung nicht mitmachen will, sollte drei Regeln befolgen:

  • Weniger Papier verbrauchen
  • Recyclingpapier kaufen, und zwar nicht nur beim Hygienepapier. Produkte aus Altpapier sind zum Beispiel an der Kennzeichnung mit dem Blauen Engel leicht zu erkennen
  • Altpapier richtig in der blauen Tonne entsorgen, damit es als Rohstoff der Papierindustrie wieder zur Verfügung steht

Übrigens: Wer sich im Supermarktregal für Recycling-Toilettenpapier entscheidet, hilft nicht nur der Umwelt, sondern spart auch noch Ressourcen im Geldbeutel! Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte und zudem im Norddeutschen beheimatet ist, der kauft Goldeimer-Klopapier. Vom Kauf einer Packung Recyclingpapier gehen 20 Cent an Viva con Agua, die Projekte für sauberes Trinkwasser und Sanitätsversorgung finanzieren.

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Sibille Heine

Sibille Heine

Trainee Ressourcenpolitik

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