Silvesterfeuerwerk? Lass stecken!

Silvesterfeuerwerk? Lass stecken!

Über 100 Millionen Euro jagen wir in Deutschland Jahr für Jahr an Silvester in die Luft – in Form von Raketen und Böllern. Dass man dieses Geld auch sinnvoller ausgeben könnte, ist das eine. Das andere ist, dass unser alljährliches Silvesterfeuerwerk eine ganze Reihe an Problemen verursacht.

Viel Staub um nichts

Die Feinstaubbelastung in unseren Städten ist ein wichtiges Thema, wenn wir über Autoverkehr, Industrieanlagen und Holzfeuerungen sprechen – zu Recht! Aber auch beim Silvesterfeuerwerk lohnt es sich, die Feinstaubbelastung im Blick haben. Nach den neuesten Zahlen des Umweltbundesamts blasen wir durch Feuerwerke jedes Jahr über 2.000 Tonnen Feinstaub der Größe PM10 in die Luft – den Großteil davon an Silvester.

Diese Staubbelastung ist in vielen Städten nicht zu übersehen: Einige Minuten nach Mitternacht verschwinden ganze Straßenzüge im Nebel – oder korrekt gesagt: in einer dicken Staubwolke. Für uns Menschen und für alle anderen atmenden Lebewesen ist das eine immense Belastung. Denn Feinstaub gilt als Krebs erregend.

Es regnet Müll

Rauschende Nacht, volle Müllcontainer. Foto: NABU/Helge May

Feuerwerkskörper bestehen zu ungefähr zwei Drittel aus Hüllen, Konstruktionsteilen und Verpackungen. Klar ist: Alles Material, das wir in den Himmel jagen, fällt kurz darauf wieder zur Erde. Tausende und Abertausende Kleinteile aus chemisch verunreinigter Pappe, Holz und Kunststoff regnen vom Himmel.

Was die Stadtreinigung am nächsten Morgen nicht zusammenkehrt und entsorgt, bleibt liegen. Äcker und Wiesen, Gewässer und Wälder sind daher gespickt mit Plastikmüll, der sich mit den Jahren fein zersetzt – aber nicht verschwindet! Als Mikroplastik bleibt er uns erhalten, gerät in Böden und Gewässer und früher oder später auch in unsere Nahrungskette. Keine tolle Vorstellung!

Chemie-Dusche

Zu rund einem Drittel bestehen die Feuerwerksartikel aus einem Mix an Chemikalien. Ob Kaliumnitrat oder Schwefel, Strontium-, Kupfer- oder Bariumverbindungen: Viele Stoffe werden großflächig in der Atmosphäre verteilt und sinken langsam auf die Erde oder kommen mit dem nächsten Regen herunter. Spätestens dann werden zudem die letzten Chemikalienreste aus den ausgebrannten Raketen gewaschen und verteilen sich in unseren Böden und Gewässern.

Tierische Panik

Im Winter müssen Vögel und andere Tiere streng mit ihren Energiereserven haushalten. Mitten im Winter bei eisiger Nacht ein Feuerwerk zu überstehen, kostet oft zu viel Kraft. Foto: NABU/CEWE/Josef Graf

Wer einen Hund hat, kennt das: An Silvester geraten viele Haustiere angesichts des Lärms regelrecht in Panik. Wildtieren geht es nicht anders. Sie ziehen sich mitten im Winter und in tiefster Nacht zurück, um Energie zu sparen und so auch dunkle, eisige Zeiten zu überstehen.

Wenn dann an Silvester die Hölle losbricht, werden sie natürlich aufgeschreckt. Vögel, die normalerweise nur hundert Meter hoch fliegen, unternehmen gewaltige Kraftanstrengungen, um sich unter maximalem Stress in weit größeren Höhen in Sicherheit zu bringen. Dabei verbrennen sie wertvolle Energie, die sie eigentlich brauchen, um auch strenge Winter zu überleben. Noch Tage danach meiden viele von ihnen ihr angestammtes Winterquartier.

Es geht auch ohne Lärm und Feinstaub

All das zeigt: Silvesterfeuerwerk ist für unsere Umwelt, für Böden, Pflanzen und Tiere eine ganz schöne Belastung. Klar ist: Feiern kann man auch ohne Feuerwerk. Und ja, das neue Jahr beginnt auch ohne Raketen und Böller ordnungsgemäß. Das haben wir alle 2020 eindrücklich erlebt, als aufgrund von Corona Feuerwerk weitgehend verboten war. Und so wird es ja wohl auch in diesem Jahr sein – wieder aufgrund der Pandemie.

Vielleicht schaffen wir es ja zukünftig auch ohne diesen bitteren Anlass, Silvester ohne Feuerwerk zu feiern. Schließlich können wir Traditionen ja auch verändern. Eine Zwischenlösung könnte sein, die Nacht mit Licht- und Lasershows zu etwas Besonderem zu machen statt mit Raketen und Böllern. Zwar sind auch diese Shows für viele Tiere irritierend, aber zumindest fallen so Feinstaub, Müll und Lärm weg. Da Lasershows sicherlich nicht flächendeckend stattfinden, sondern nur an zentralen Orten, lässt sich die Belastung für die Natur räumlich steuern – zumal Silvester ja glücklicherweise nicht in die Hauptzugzeit der Vögel fällt, wenn Lichteffekte am Himmel die Tiere ganz besonders stören.

Für die Party zuhause ist eine Lasershow natürlich nicht so leicht umzusetzen. Da bieten sich eher Feuerkörbe und Laternen, Fackeln und Wunderkerzen, Konfettibomben oder Tischfeuerwerk im Innenbereich an. Und wenn die Umgebungsgeräusche nicht im Lärm der Böller untergehen, hören wir vielleicht auch wieder die Kirchenglocken läuten – pünktlich um Mitternacht.

Dieser Tipp ist als Gastbeitrag des NABU auf dem IKEA-Unternehmensblog erschienen. Seit Januar 2020 veröffentlichen wir jeden Monat einen Tipp für ein nachhaltigeres Leben. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner. Die Illustrationen stammen von der Grafikerin Jule Roschlau.

Eric Neuling

Eric Neuling

Referent für Vogelschutz
Eric Neuling

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3 Kommentare

Peter

01.01.2022, 07:27

Danke für den Beitrag! Was ich besonders nervig finde: Gem. Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV) § 23 darf man 48 Stunden knallen und so den Menschen und Tieren bis zu 48 Stunden den Schlaf rauben. Wer hat sich denn so etwas ausgedacht?

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Monika

21.12.2021, 18:38

Endlich tut sich was.Ich bin sehr dafür das damit endlich Schluss ist.Lärm und Dreck braucht man nicht um das neue Jahr zu begrüßen.

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Margret Kowalski

21.12.2021, 12:43

Endlich!!! Hoffentlich wird es in Zukunft so bleiben. Meine Katzen und mein Hund und auch ich sagen "Danke". Lärm, Straßenmüll und Luftverschmutzung hat ein Ende.

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