Neue Art, neuer Wart

Liebe LeserInnen,

neulich wurde für Trischen eine neue Vogelart registriert: Anas ligneus, die hölzerne Ente. Ihre Herkunft ist weitestgehend unbekannt. Ebenso sind ihre Verbreitung und Brutbiologie noch Gegenstand der Wissenschaft. Für Trischen stellt Anas ligneus einen Erstnachweis dar.

Unauffällig rastet diese Art im oberen Bereich des Strandes. Durch das fein gezeichnete Deckgefieder ist sie in dem, mit Treibholz versetzten, Spülsaum gut getarnt. Die rötlich bis blau-grünen Felder im Flügel scheinen bei der Art kennzeichnend zu sein. Das Auge ist glänzend rötlich. Die Abnutzungserscheinungen im Halsbereich deuten darauf hin, dass es sich um ein adultes Tier handelt.

Anas ligneus ist ein stummer Vogel, welcher weder Gesang noch Rufe äußert. Auch wegen dieser Tatsache, wird diese Art wahrscheinlich häufig übersehen.

Deutschlandweit gibt es nur wenige Nachweise aus Siedlungsbereichen.

Das auf Trischen entdeckte Exemplar zeigt sich jedenfalls erstaunlich zutraulich. Nur wenige Minuten nach ihrer Entdeckung ließ sie sich bereits streicheln und auf den Arm nehmen. Seitdem begleitet mich Anas ligneus bei meinen Tätigkeiten, und ist ein sehr zutrauliches und pflegeleichtes Tier. Einwandfrei stubenrein lebt es nun entweder auf der Terrasse oder im Inneren der Hütte.

Neuer Wart

Am Samstag hatte ich Besuch, der im Gegensatz zur hölzernen Ente ganz lebendig war. Till, der neue Vogelwart hat mich für einen Tag besucht, um sich seine neue Arbeitsstätte anzuschauen. Das ist hier Tradition das die neuen Warte einmal nach Trischen kommen, um die Insel schon einmal ein bisschen kennenzulernen. Wertvolle Erfahrungen der VorgängerInnen können an dem Tag auch schon vor Ort weitergegeben werden.

Wir hatten jedenfalls einen ganz wunderbaren Tag, Till freut sich auf das kommende Jahr und ich freue mich über meinen sympathischen Nachfolger. Mehr wird heute nicht verraten – er wird sich dann ja bald hier im Blog selbst vorstellen!

Till und ich mit Axel an seiner „Luise“

 

stimmungsvoller Herbst

Liebe LeserInnen,

auf Trischen ist es herbstlich geworden. Die Gräser der oberen Salzwiesen färben sich gelblich, Strandsode und Queller werden rot, da sie über den Sommer immer mehr Salz in ihren Blättern eingelagert haben und die späten Strandastern zeigen ihre violetten Blüten.

Auch in der Vogelwelt bemerkt man den Wechsel der Jahreszeiten deutlich – der Herbstzug hat begonnen. Die Vögel, welche hier bei uns oder noch viel weiter im Norden ihre Küken großgezogen haben, ziehen nun in ihre südlichen Winterquartiere, wo sie von den dort lebenden Menschen schon erwartet werden. Dort freut man sich bestimmt genauso über die ersten Schwalben die „nach Hause“ kommen, wie wir uns im April über ihre Ankunft bei uns freuen.

Vögel die an der Hütte Rast machen:

Hier auf Trischen habe ich am 18. September die letzten Schwalben gesehen. In diesen Tagen kommen dafür viele Wiesenpieper und Schafstelzen durchgeflogen. Plötzlich tauchen auf den Wasserflächen kleinere Gruppen von Spieß- und Pfeifenten auf, Bläß- Ringel- und Weißwangengänse ziehen über die Insel hinweg.

In den ersten Morgenstunden wird der Vogelzug systematisch erfasst. Ich schaue und lausche also gespannt Richtung Norden. Größere Arten kann ich gut mit den Augen bestimmen. Bei den kleinen Arten benötige ich zusätzlich meine Ohren. Die verschiedenen Zugrufe der Kleinvögel zu unterscheiden ist für mich eine gewaltige Herausforderung. Damit ich möglichst nichts verpasse lasse ich ein Aufnahmegerät mitlaufen, welches an einen Parabolspiegel angeschlossen ist. So kann ich hinterher die Zugrufe am Computer noch einmal anhören und mir die Sonagramme ansehen. Lange Zeit war es für mich ein Mysterium wie Menschen Vogelrufe zuordnen können. Für mich klang das immer alles gleich. Aber so langsam verändert sich das und ich bemerke die Unterschiede. Als Eindruck kommen hier drei Tonmitschnitte aus dem September:

Wiesenpieper mit einem kurzen lauten Ruf eines Steinwälzers (ziemlich am Anfang der Aufnahme)
Graugänse im Hintergrund mit langgezogenem Ruf von Goldregenpfeifer
Mornellregenpfeifer mit Wiesenpiepern in Hintergrund

 

 

Wettersonde

Liebe LeserInnen,

das Wetter ist, neben der Tide, für die Arbeit auf Trischen essenziell. Möchte ich zum Beispiel eine Vogelzählung machen achte ich darauf, dass es möglichst nicht regnet und im besten Fall relativ windstill ist. Die Wettervorhersage schaue ich meistens online nach, manchmal höre ich auch den Wetterbericht über den Seefunk. Vor ein paar Tagen kam das Wetter auf ganz andere Weise zu mir auf die Insel. Eine E-Mail erreichte mich, in der ich erfuhr das eine Wettersonde des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf Trischen gelandet wäre. Angegeben waren die genauen Koordinaten wo die Sonde lag, sodass ich diese einfach wieder einsammeln konnte.

Sonde, mit Ballonresten und Schnur

 

Die Nachricht kam von Hein Kipar aus Uetersen, der einer kleinen Gruppe von überwiegend Funkamateuren angehört und eben diese Wettersonden des DWD verfolgt und einsammelt. Ihn habe ich angerufen:

Hein, die Sonde lag tatsächlich nur wenige Meter von dem Punkt entfernt, den du mir geschrieben hast. Wie hast du das gemacht?

Das ist ein bisschen Erfahrung und Vorausberechnung von dem letzten GPS-Punkt, den wir von der Sonde empfangen haben. Wir werten die Geokoordinaten aus und kommen auf etwa 100 Meter genau ran. Das errechnet man dann aus der Flugrichtung, der Windgeschwindigkeit und der Fallgeschwindigkeit der Sonde.

Also gibt es eine richtige Zusammenarbeit zwischen den Funkamateuren und dem DWD?

Nein. Wir empfangen die Sonden mit Hilfe selbst gebauter Empfänger, dekodieren die Signale, welche die Sonden aussenden. Dann verfolgen wir den Weg der Sonden vom Start bis zur Landung und machen uns auf den Weg, um sie wieder einzusammeln. Täglich gehen bis zu 40 Wetterballons in Deutschland in die Luft, welche ja irgendwo auch wieder landen. Alle paar Sekunden sendet die Sonde ein Datenpaket los. Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung, Windgeschwindigkeit und eben die Koordinaten. Gerade im letzten Jahr, wo pandemiebedingt nur wenige Flugzeuge unterwegs waren (welche auch Wetterdaten liefern) wurden vermehrt Sonden gestartet.

Und wie groß ist der Ballon, der da dranhängt?

Beim Start hat der Ballon ungefähr einen Meter Durchmesser. Er ist mit Helium gefüllt und steigt bis auf ca. 30.000 Meter (also 30 km) Höhe. Dort oben hat der Ballon dann eine Größe von einem kleinen Einfamilienhaus. So weit hat er sich dort oben in der dünnen Luft aufgebläht. Dann platzt der Ballon. Innen drin ist ein Fallschirm der aufgeht, und das ganze flattert wieder nach unten.

Die Flugbahn der Sonde. In der Nähe von Tönning ist der Ballon geplatzt.

 

Und werden viele der Sonden auch tatsächlich wiedergefunden?

Ganz viele Sonden landen im Wasser. Je nach Windrichtung in der Nord- oder Ostsee. Es starten viele Sonden von Norderney – die landen oftmals in der Nordsee. Und die von Schleswig in der Ostsee, da wir ja meistens Westwind haben. Aber wo es geht, da sammeln wir sie ein. Heute Morgen sind wir unterwegs gewesen, da hing die Sonde aber leider 20 Meter hoch im Baum. Da lässt sich dann nichts machen.

Das ist je echt schade, dass diese Wetterballons Einwegprodukte sind, die überall in der Natur verbleiben. Gerade diese Struktur mit dem langen Seil, dem Ballon und Fallschirm können für Tiere ja auch durchaus zum Verhängnis werden.

Genau deswegen machen wir das ja. Gestern war ich erst im Raum Itzehoe und habe da eine Sonde auf einer Kuhweide eingesammelt. Am Nachmittag war ich dann nochmal unterwegs. Da kam ich dann aber zu spät, da war schon jemand vor mir dort gewesen.

Dann ist das also auch ein bisschen eine Jagd nach den Sonden?

Ja ja – wir nennen uns scherzhaft auch „Sonden-Jäger“. Da ist auch ein bisschen Wettbewerb dabei.

Sind auf Trischen schon öfter Sonden gelandet?

Soweit ich das in der Statistik zurückschauen kann, das sind in etwa drei Jahre, ist dort noch keine gelandet.

Vielen Dank, Hein Kipar, für das spannende Gespräch. Ich finde es absolut großartig, wie hier Menschen Ihre Leidenschaft aus dem Funkwesen mit der „Jagd“ nach Sonden verbinden und dabei auch noch Müll einsammeln – so schön kann Naturschutz sein 😊

 

Küstenputztag

Liebe LeserInnen,

am Samstag, den 18. September, ruft der NABU bundesweit wieder zum „Küstenputztag“ auf. Was in den USA vor über 30 Jahren ins Leben gerufen wurde, erfreut sich auch in Deutschland seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Denn es ist tatsächlich so: Müll sammeln macht einfach Spaß. Und mit jedem Stück Müll was man entfernt hat, hat man der Umwelt wieder etwas Gutes getan. Das fühlt sich gut an – ein bisschen wie nach dem Staubsaugen.

Ob man nun nur am kommenden Samstag losstiefelt, ist dabei eigentlich egal – Hauptsache der Müll kommt weg. Auch ich sammle in diesem Jahr wieder Müll am Strand von Trischen. In den letzten Wochen habe ich immer wieder ein paar Teile mitgenommen, am Hüttenaufgang zwischengelagert und mittlerweile einen stattlichen Haufen an der Südspitze der Insel angelegt.

Dieser besteht zum größten Teil aus Fischereizubehör wie Netzresten und Tauwerk. Danach kommen Getränkeflaschen und Lebensmittelverpackungen. Jede Menge leere und volle Kanister und Folienreste bis hin zu Spielzeug, Kleidung und Luftballons. Dieser Haufen wird in der dieser Woche dann von der „MS Trischen“, einem Schiff vom Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, abgeholt. Und klar spült jede Tide wieder neue Dinge an den Strand die dort nicht hingehören, aber dennoch fühlt es sich super an das immerhin dieser Haufen schon einmal entfernt ist und Trischen ein bisschen sauberer geworden ist.

Hier gibt es weitere spannende Informationen:

5 Fakten über Luftballons und was sie in unserer Natur anrichten

Gewässerretter

Meere ohne Plastik

 

 

Von echten und vermeintlichen Seltenheiten

Liebe LeserInnen,

egal mit welcher Tiergruppe man sich beschäftigt, es gibt immer häufige und seltene Arten. Und genau wie manche Menschen hinter seltenen Briefmarken her sind, sammeln andere Menschen Sichtungen von seltenen Vogelarten. Diese Leute fahren zum Teil viele Kilometer, „nur“ um einen seltenen Vogel zu sehen.

Und klar, auch ich freue mich, wenn ich Vogelarten sehe, die ich eben nicht so häufig zu Gesicht bekomme. Und so waren die letzten Augusttage auf Trischen schon ein bisschen aufregend, da ich (für mich) drei seltene Arten und eine vermeintlich seltene Art gesehen habe. Hier erst einmal die drei echten Seltenheiten:

 

Die Steppenweihe

Steppenweihen werden jährlich in Schleswig-Holstein gesichtet, aber eben lange nicht so häufig wie die anderen Weihen. Ihre Brutgebiete liegen viel weiter im Süd-Osten Europas und auch die Hauptzugroute liegt im östlichen Mittelmeer. Daher kommen immer nur wenige Vögel bis nach Deutschland. Mit ihrer kontrastreichen Zeichnung am Hals bestehend aus einem hellen Kragen mit dunkler „Boa“ ist sie gut zu erkennen. Ich hatte Glück, da die Steppenweihe erst nahe an der Hütte vorbeiflog, um dann an der Wiesenkante einen Rotschenkel zu erbeuten. So hatte ich Zeit ein Bild zu machen.

Steppenweihe mit Rotschenkel

Der Mornellregenpfeifer

Über die Sichtung der vier Mornellregenpfeifer habe ich mich besonders gefreut, habe ich doch über einen langen Zeitraum mehrfach versucht diese Vögel zu sehen. Für sie bin ich tatsächlich schon öfters irgendwo hingefahren, wo kurz vorher welche gesichtet wurden – immer ohne Erfolg; bis auf einmal. Diese vier waren also erst meine zweite Sichtung dieser Art. Mornellregenpfeifer kommen hier nur auf dem Zug vor, da ihre Brutplätze hoch im Norden, in den Tundren Schwedens und Norwegens sowie in Schottland, liegen. Ein Foto konnte ich leider nicht machen.

 

Der Ziegenmelker

Ziegenmelker sind nachtaktive Vögel und schlafen im Tageseinstand. Dieses Tier hatte sich dafür ein paar Hölzer ausgesucht, welche gleich neben der Treppe liegen. Und da saß dieser außergewöhnliche Vogel den ganzen Tag und hat sich bis zur Dämmerung nicht vom Fleck bewegt. Ziegenmelker sind unheimlich gut getarnt und imitieren einen Ast auf welchem sie längs draufsitzen, um quasi mit ihm zu verschmelzen. In der Nacht fliegen sie lautlos umher und jagen Insekten aus der Luft. In Deutschland sind sie recht selten. Scheinbar wurde rund um das Jahr 77 n. Chr. verbreitet, das die Vögel nachts an Eutern von Ziegen saugen – daher der bis heute bestehende etwas seltsame Name.

Und nun die Seltenheit, die doch keine war:

Die Weißbartgrasmücke

Beim morgendlichen Blick ins Lockgebüsch wird mir plötzlich anders: eine Grasmücke mit rotem Bauch – habe ich noch nie gesehen! Was kann das sein? Ich mache ein paar Fotos, bin immer noch ganz unsicher, tippe aber auf Weißbartgrasmücke. Ich schicke die Bilder zu Martin, der mir bei schwierigen Beobachtungen hilft und er ist im ersten Moment auch aufgeregt. Aber dann, bei genauerem Hinsehen, entpuppt sich die Seltenheit als ganz normale Klappergrasmücke, die wahrscheinlich an oder bei reifen Beeren gefuttert hat und sich dadurch rötlich eigefärbt hat.

Also nur Fehlalarm – war trotzdem toll!