Am Strand

Liebe LeserInnen, ich hoffe Sie hatten Freude am miträtseln 🙂

Es gab hier eine Vermutung im Gästebuch: Die Eikapsel eines Hais! Ein guter Tipp, denn diese sehen tatsächlich ganz ähnlich aus und man kann sie auch regelmäßig am Strand finden.

Was ich da am Strand gefunden habe, ist jedoch ein Teil eines Vogelskelettes.

 

 

In der Abbildung kann man gut sehen, wie der „tanzende Bär“ quasi kopfüber im Skelett des Vogels eingefügt ist. Es handelt sich hier um das Brustbein. Das starre und große Brustbein stabilisiert den Körper beim Flug und bietet viel Platz für die Ausbildung von großen Flugmuskeln.

Auch sonst sind die Knochen von Vögeln ganz anders als unsere eigenen. Sie sind zum Beispiel mit vielen Luftkammern durchsetzt. Das macht den Vogel zu einem Leichtgewicht, was wiederum für das fliegen in der Luft ungemein praktisch ist.

Von welchem Vogel der Knochen stammt, kann ich leider nicht sagen. Nur das er schon offensichtlich länger im Meer lag, denn überall auf der verfärbten Oberfläche hatten sich bereits Seepocken angeheftet. Diese kleinen Krebstiere bauen ihre Panzer auf festen Untergründen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Am Strand

Wer kennt das nicht. Ein Spaziergang am Strand, der Blick schweift umher, immer auf der Suche nach kleinen Schätzen. Eine schöne Muschel, ein schöner Stein oder vielleicht sogar eine Flaschenpost? Strandfunde machen einfach Spaß!

Wenn ich auf Trischen am Strand entlang gehe, schaue auch ich natürlich viel am Spülsaum entlang. Denn zwei Mal am Tag, mit jedem Hochwasser, bringt das Meer neue Dinge an den Strand. Neben den üblichen Muschelschalen, Holzstückchen und Steinen finde ich dort immer wieder Neues. Manchmal erkenne ich erst auf den zweiten Blick, was da eigentlich vor mir liegt. Und manchmal kann ich die Strandfunde auch gar nicht zuordnen. Heute möchte ich Sie mit an den Strand nehmen und Sie dürfen gerne miträtseln, was ich dort gefunden habe:

 

Eine Scherbe? Ein tanzender Bär?

Raten Sie gerne mit, in wenigen Tagen werde ich es hier auflösen!

Mein sympathischer Nachbar

Jetzt, in den ersten Junitagen, bekommen viele Vogelarten auf Trischen ihren Nachwuchs. In den letzten Tagen konnte ich schon erste Familien von Austernfischern im Watt beobachten. Auch die Möwenküken schlüpfen in diesen Tagen und die Küken der Löffler sind zum Teil schon richtig groß.

Rund um die Vogelwärterhütte fällt jedoch eine Vogelart ganz besonders auf: der Rotschenkel.

früh morgens am Dünenübergang

In direkter Nachbarschaft zur Hütte haben sie ihre Nester angelegt, so dass ich sie dort jeden Tag intensiv beobachten konnte. In den letzten Tagen habe ich endlich auch die „Kleinen“ durch das Gras huschen sehen. Damit die Elternvögel den Überblick behalten nutzen sie alle hohen Ansitzwarten, die ihnen zur Verfügung stehen. Da die höchste Ansitzwarte die Vogelwärterhütte selbst ist, sitzen sie auch regelmäßig direkt vor dem Fenster oder an der Treppe. Von hier oben können sie sehen, wo die Küken sich aufhalten oder ob sich eine Gefahr nähert. Und ich selber kann diese zarten Vögel auf den Sitzwarten wunderbar beobachten.

Durch anhaltendes Rufen führen sie ihre Küken durch die Salzwiese oder warnen sie bei Gefahr. Dieses Rufen fängt jeden Tag pünktlich zu Sonnenaufgang an. Einen Wecker benötige ich somit meistens nicht.

Die Küken sind sogenannte Nestflüchter. Das bedeutet, dass sie kurz nach dem Schlupf laufen und auch selbständig nach Nahrung suchen können. Meistens legen Rotschenkel vier Eier, im Abstand von 2 Tagen. Damit die Küken aber alle gleichzeitig schlüpfen, fängt das Weibchen erst mit dem vierten Ei an zu brüten. Ansonsten würden die älteren Küken schon davonlaufen, während das zuletzt gelegte Ei noch gar nicht geschlüpft wäre.

Dieses Jahr ist für die Rotschenkel auf Trischen ein gutes Jahr. Viele Familien sind unterwegs und sobald sich eine Möwe nähert fliegen etliche laut rufende Rotschenkel hinter ihr her, bis sie sich wieder davon machen. Je mehr Vögel an einem Ort brüten, desto besser funktioniert eben auch die Feindabwehr.

Das ist schön zu beobachten und so nehme ich den frühmorgendlichen Wecker auch gerne an.

1,2,3, ganz Viele…

Eine zentrale Aufgabe einer Vogelwartin ist, na klar, Vögel beobachten und dokumentieren. Das mache ich natürlich nicht einfach so nach Lust und Laune, sondern habe da genaue Vorgaben.

Nicht nur auf Trischen, sondern an ganz vielen Stellen im Wattenmeer werden zum Beispiel regelmäßig rastende Vögel erfasst. Das ist eine nicht ganz leichte Übung, denn hier gibt es vor allem im Frühjahr und im Herbst wirklich viele Vögel zu zählen. Diese nutzen die nahrungsreichen Wattflächen, um auf dem Zug zwischen ihren Winter- und Brutgebieten „aufzutanken“. Viele Vögel verbringen den Winter an der Westküste Afrikas. Im Frühjahr fliegen sie von dort aus zu uns ins Wattenmeer. Sie legen dabei hunderte oder gar tausende Kilometer zurück. Im Wattenmeer bleiben sie für einige Wochen, um sich mit Muscheln, Schnecken und Würmern ordentliche Fettpolster anzufressen. Diese brauchen sie, für den anstrengenden Weiterflug nach Norden. Für die Brut fliegen manche Vögel nämlich bis in die Tundragebiete im Norden Skandinaviens oder Russlands. Nach der Brut geht ihre Reise dann umgekehrt wieder zurück, so dass wir im Herbst wiederum viele Rastvögel bei uns beobachten können.

Ohne Rastplatz wäre so eine lange Reise für die Vögel nicht zu schaffen. Für sie ist ein intaktes Wattenmeer mit reichlich Nahrung überlebensnotwendig. Gut, dass es als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützt ist.

Also plane ich meine erste Rastvogelzählung für Trischen und greife dazu erst einmal zum Tidenkalender. Ich schaue nach, wann Hochwasser ist. Denn bei Niedrigwasser tummeln sich die Vögel auf den weiten Wattflächen um zu fressen. Erst die aufkommende Flut zwingt sie, sich auf den Rastplätzen zu versammeln. Hier kann ich sie dann zählen.

Anfänglich geht die Zählung gut los. Gut zu erkennen sind die großen Brachvögel und die auffälligen Kiebitzregenpfeifer. Dann mache ich mich an die kleineren Vogelarten wie Sandregenpfeifer und Alpenstrandläufer. Da wird es schon etwas schwieriger. Zudem kommt das Wasser schneller in die Bucht gelaufen als ich erwartet habe. Ich muss mich schon ganz schön beeilen. Ich bin noch nicht ganz fertig, wird es in der Gruppe plötzlich unruhig und größere Schwärme fliegen hoch und auf die andere Seite der Insel aus meinem Blickfeld heraus.

„Na toll. Das war wohl nichts!“.

Also nehme ich mir wieder den Tidenkalender und plane eine neue Zählung am Abend. Diesmal bin ich schlauer und fange früher an. Und so klappt es diesmal auch schon viel besser. Etwa 5.000 Vögel habe ich an dem Abend gezählt. Ein kleiner Einblick, wenn man bedenkt das im Wattenmeer jährlich Millionen von Zugvögeln Rast machen. Dennoch sind die Zählungen wichtig, um Veränderungen in den Vogelbeständen frühzeitig zu erkennen. Nur so können wir wissen, ob es der Vogelwelt im Wattenmeer gut geht.

Weitere Informationen zu Rastvögeln im Wattenmeer…

Los geht´s!

Am 4. Mai erreicht uns eine gute Nachricht. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung meldet das der Meldorfer Hafen dem 11. Mai wieder regulär befahrbar ist. Freie Fahrt, für unseren ersten Besuch auf Trischen!

Mit 6 Windstärken war Anfang der Woche jedoch an eine Überfahrt noch nicht zu denken. Donnerstags konnte Axel dann eine erste Erkundungsfahrt unternehmen. Nach dem Herbst und Winter sind viele Sandbänke und Fahrwasser im Wattenmeer stark verändert. In jedem Frühjahr muss die Fahrtstrecke daher neu ausgelotet werden. Am Freitag früh um sechs Uhr ging es für mich dann endlich los. Zwei Monate später als geplant, saß ich nun glücklich an Bord der „Luise“ für meine erste Überfahrt.

Vier Nächte blieb ich auf Trischen. Die ehemalige Vogelwartin Julia hat mich dabei begleitet. Es gab jede Menge zu tun, und so war Julias Hilfe und Erfahrung sehr viel wert. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir nach einer schaukeligen Überfahrt die Südspitze von Trischen. Noch ist zu viel Wasser unterm Schiff, um an Land zu gehen. Also sitzen wir zusammen bei Kaffee und einem Frühstücksbrot und warten auf die Ebbe.

wir warten auf die Ebbe

 

Nach dem Verladen des Gepäcks auf die zwei Handkarren, ziehen wir diese bis zur Hütte den Strand hinauf. Sogleich umschwirren uns die kreischenden Seeschwalben, welche erfreulich zahlreich das große Muschelfeld an der Südspitze in Beschlag genommen haben. Entlang der Dünen stehen Möwen und Austernfischer und beäugen uns. Sobald wir am Dünenübergang der Hütte in die Salzwiese gelangen, wechseln die Rufe. Hier dominieren plötzlich die tütütütü-Rufe der Rotschenkel, welche zum Teil ganz nah an der Hütte brüten.

Eine erste Inspektion der Hütte zeigt, dass diese sehr gut über den Winter gekommen ist. Es sind keine Schäden erkennbar, alles ist trocken und die Solarzellen funktioniert einwandfrei. Kurz nachdem wir die Hütte eingerichtet haben, entdecken wir schon einen Seeadler!  Von aufgeregten Möwen verfolgt, kreist er tief über den Dünen. Es scheint, als ob er auf Nahrungssuche ist. Einige Male zieht er seine Runden, bevor er sich auf leichten Schwingen wieder davon macht.

Brütende Möwen entlang der Dünen.

 

Der Seeadler kreist über den Dünen.

 

Von Möwen verfolgt!

Zum Nachmittag hin holen wir die zweite Fuhre unseres Gepäcks. Auf Trischen gibt es keinen Wasseranschluss. Also muss das Trinkwasser in Kanistern mitgebracht werden. Für die 4 Tage standen uns 70 Liter zur Verfügung. Ich hatte ja keine Ahnung, wie unglaublich schwer diese Wasserkanister sind! Um es uns ein wenig zu erleichtern haben wir zwei Kanister oberhalb des Spülsaums abgestellt, um sie am nächsten Tag zu holen. Völlig aus der Puste stellen wir die Kanister ab und zack! Da findet Julia gleich neben dem Kanister einen wunderbar großen Bernstein!

Und so geht schon bald mein erster Tag auf Trischen zu Ende. Leider ist es viel zu windig und zu kalt, um draußen den Abendhimmel zu genießen. Also sitzen wir bei heißem Tee vorm Ofen, lassen den Tag ausklingen und planen unsere Aktivitäten für die kommenden Tage.

Bernstein

 

Abendhimmel

Liebe Trischenfreunde, ich werde hier bald mehr von meinem ersten Besuch berichten. Bis dahin wünsche ich Ihnen schöne Maitage,

Anne