Beobachtungen Beiträge

stimmungsvoller Herbst

Liebe LeserInnen,

auf Trischen ist es herbstlich geworden. Die Gräser der oberen Salzwiesen färben sich gelblich, Strandsode und Queller werden rot, da sie über den Sommer immer mehr Salz in ihren Blättern eingelagert haben und die späten Strandastern zeigen ihre violetten Blüten.

Auch in der Vogelwelt bemerkt man den Wechsel der Jahreszeiten deutlich – der Herbstzug hat begonnen. Die Vögel, welche hier bei uns oder noch viel weiter im Norden ihre Küken großgezogen haben, ziehen nun in ihre südlichen Winterquartiere, wo sie von den dort lebenden Menschen schon erwartet werden. Dort freut man sich bestimmt genauso über die ersten Schwalben die „nach Hause“ kommen, wie wir uns im April über ihre Ankunft bei uns freuen.

Vögel die an der Hütte Rast machen:

Hier auf Trischen habe ich am 18. September die letzten Schwalben gesehen. In diesen Tagen kommen dafür viele Wiesenpieper und Schafstelzen durchgeflogen. Plötzlich tauchen auf den Wasserflächen kleinere Gruppen von Spieß- und Pfeifenten auf, Bläß- Ringel- und Weißwangengänse ziehen über die Insel hinweg.

In den ersten Morgenstunden wird der Vogelzug systematisch erfasst. Ich schaue und lausche also gespannt Richtung Norden. Größere Arten kann ich gut mit den Augen bestimmen. Bei den kleinen Arten benötige ich zusätzlich meine Ohren. Die verschiedenen Zugrufe der Kleinvögel zu unterscheiden ist für mich eine gewaltige Herausforderung. Damit ich möglichst nichts verpasse lasse ich ein Aufnahmegerät mitlaufen, welches an einen Parabolspiegel angeschlossen ist. So kann ich hinterher die Zugrufe am Computer noch einmal anhören und mir die Sonagramme ansehen. Lange Zeit war es für mich ein Mysterium wie Menschen Vogelrufe zuordnen können. Für mich klang das immer alles gleich. Aber so langsam verändert sich das und ich bemerke die Unterschiede. Als Eindruck kommen hier drei Tonmitschnitte aus dem September:

Wiesenpieper mit einem kurzen lauten Ruf eines Steinwälzers (ziemlich am Anfang der Aufnahme)
Graugänse im Hintergrund mit langgezogenem Ruf von Goldregenpfeifer
Mornellregenpfeifer mit Wiesenpiepern in Hintergrund

 

 

Von echten und vermeintlichen Seltenheiten

Liebe LeserInnen,

egal mit welcher Tiergruppe man sich beschäftigt, es gibt immer häufige und seltene Arten. Und genau wie manche Menschen hinter seltenen Briefmarken her sind, sammeln andere Menschen Sichtungen von seltenen Vogelarten. Diese Leute fahren zum Teil viele Kilometer, „nur“ um einen seltenen Vogel zu sehen.

Und klar, auch ich freue mich, wenn ich Vogelarten sehe, die ich eben nicht so häufig zu Gesicht bekomme. Und so waren die letzten Augusttage auf Trischen schon ein bisschen aufregend, da ich (für mich) drei seltene Arten und eine vermeintlich seltene Art gesehen habe. Hier erst einmal die drei echten Seltenheiten:

 

Die Steppenweihe

Steppenweihen werden jährlich in Schleswig-Holstein gesichtet, aber eben lange nicht so häufig wie die anderen Weihen. Ihre Brutgebiete liegen viel weiter im Süd-Osten Europas und auch die Hauptzugroute liegt im östlichen Mittelmeer. Daher kommen immer nur wenige Vögel bis nach Deutschland. Mit ihrer kontrastreichen Zeichnung am Hals bestehend aus einem hellen Kragen mit dunkler „Boa“ ist sie gut zu erkennen. Ich hatte Glück, da die Steppenweihe erst nahe an der Hütte vorbeiflog, um dann an der Wiesenkante einen Rotschenkel zu erbeuten. So hatte ich Zeit ein Bild zu machen.

Steppenweihe mit Rotschenkel

Der Mornellregenpfeifer

Über die Sichtung der vier Mornellregenpfeifer habe ich mich besonders gefreut, habe ich doch über einen langen Zeitraum mehrfach versucht diese Vögel zu sehen. Für sie bin ich tatsächlich schon öfters irgendwo hingefahren, wo kurz vorher welche gesichtet wurden – immer ohne Erfolg; bis auf einmal. Diese vier waren also erst meine zweite Sichtung dieser Art. Mornellregenpfeifer kommen hier nur auf dem Zug vor, da ihre Brutplätze hoch im Norden, in den Tundren Schwedens und Norwegens sowie in Schottland, liegen. Ein Foto konnte ich leider nicht machen.

 

Der Ziegenmelker

Ziegenmelker sind nachtaktive Vögel und schlafen im Tageseinstand. Dieses Tier hatte sich dafür ein paar Hölzer ausgesucht, welche gleich neben der Treppe liegen. Und da saß dieser außergewöhnliche Vogel den ganzen Tag und hat sich bis zur Dämmerung nicht vom Fleck bewegt. Ziegenmelker sind unheimlich gut getarnt und imitieren einen Ast auf welchem sie längs draufsitzen, um quasi mit ihm zu verschmelzen. In der Nacht fliegen sie lautlos umher und jagen Insekten aus der Luft. In Deutschland sind sie recht selten. Scheinbar wurde rund um das Jahr 77 n. Chr. verbreitet, das die Vögel nachts an Eutern von Ziegen saugen – daher der bis heute bestehende etwas seltsame Name.

Und nun die Seltenheit, die doch keine war:

Die Weißbartgrasmücke

Beim morgendlichen Blick ins Lockgebüsch wird mir plötzlich anders: eine Grasmücke mit rotem Bauch – habe ich noch nie gesehen! Was kann das sein? Ich mache ein paar Fotos, bin immer noch ganz unsicher, tippe aber auf Weißbartgrasmücke. Ich schicke die Bilder zu Martin, der mir bei schwierigen Beobachtungen hilft und er ist im ersten Moment auch aufgeregt. Aber dann, bei genauerem Hinsehen, entpuppt sich die Seltenheit als ganz normale Klappergrasmücke, die wahrscheinlich an oder bei reifen Beeren gefuttert hat und sich dadurch rötlich eigefärbt hat.

Also nur Fehlalarm – war trotzdem toll!

Fernglas oder Foto?

Liebe LeserInnen,

Vögel kann man auf verschiedene Weise erleben. Klassisch mit dem Fernglas oder dem Spektiv, über das Gehör oder indem man sie fotografiert. Ich persönlich beobachte am liebsten mit dem Fernglas oder lausche dem Zwitschern und Rufen. Hier auf Trischen fotografiere ich aber auch viel, was ich zuhause eher nicht mache. Zum einen damit ich später Erinnerungen an die Momente habe und auch zu Dokumentationszwecken.

Aber das mit dem Fotografieren ist nicht immer so ganz einfach. Meistens sitzen die Vögel nicht frei, in schönstem Licht – ganz so, als wollten sie auch gerne abgelichtet werden. Nein. Meistens huschen sie hinter einen Grasbuschel oder Ast, fliegen einfach weg, bewegen sich viel zu schnell oder drehen mir den Rücken zu. Als Laie habe ich dann manchmal auch noch die falschen Einstellungen an der Kamera gewählt, sodass das Bild dann verwackelt oder viel zu dunkel ist.

Und dann der Zwiespalt wenn ein interessanter Vogel auftaucht: will ich die Beobachtung einfach nur mit dem Fernglas genießen oder schnappe ich mir schnell die Kamera und versuche ein gutes Bild zu machen?

Vor einigen Tagen war wieder so ein Fall. Ich hatte einen tollen Vogel an der Hütte – ein Wendehals. Zuerst habe ich ihn auf dem Zwischendeck gesehen, als ich nach unten gehen wollte. Ich also schnell wieder hoch, rein in die Hütte, Kamera gegriffen, schnell die Einstellungen geprüft und dann wieder raus und vorsichtig Schritt für Schritt nach unten gepirscht. Aber der Wendehals war weg. Mist. Dann tauchte er plötzlich im Lockgebüsch auf, wo er aber immer im tiefen Geäst saß. Ich schoss ein paar schlechte Bilder (besser als nichts, für den Fall, dass er sich davon macht).

Als ich wieder oben war sah ich ihn im anderen, kleinen Lockgebüsch. Schon besser zu sehen, aber auch wieder hinter kleinen Ästen. So ein Ärger. Wieder mache ich Bilder, die ganz okay aber nicht großartig sind.

Ich beschließe dann erst einmal zu frühstücken, wenn das mit dem Fotografieren eben nicht klappen soll. Ein paar Minuten später entdecke ich ihn schon wieder, diesmal direkt vor meinem Fenster! Eine gute Chance. Ich öffne gaaanz langsam das Fenster, schiebe gaaanz langsam die Kamera durch den Spalt und kann dann doch noch ein Bild machen, welches mich zufrieden stellt. Na also.

na endlich!

 

 

vier Jahre später

Liebe LeserInnen,

nach der Beringung der jungen Silber- und Heringsmöwen ist es Aufgabe der Trischenwarte möglichst viele der Jungmöwen am Strand abzulesen. Das geht ganz gut mit ablaufendem Wasser, da sich die Möwen dann am Strand und auf den nahen Wattflächen aufhalten. Dabei sieht man dann natürlich nicht nur die jungen beringten Möwen, sondern auch Altvögel mit Ring. Je älter die Möwen sind, desto länger ist in der Regel auch deren „Lebenslauf“.

Eine solche Heringsmöwe möchte ich hier gerne porträtieren

Die Heringsmöwe mit dem Farbring „HXELV“ wurde am 7. Juli 2017 auf Trischen beringt. In dem Jahr ist sie hier geschlüpft und war am Beringungstag noch nicht flügge.

Das erste Mal wurde sie im September desselben Jahres in Cotesbach, Leicestershire in England gesehen. Danach war sie eine Zeit lang „verschollen“ und wurde dann im Juni 2018 wieder in Cotesbach gesehen. Dort verbrachte sie den Sommer und wurde dort Ende September noch einmal gesehen.

Nach ihrem Sommer in England flog sie für den Winter nach Frankreich. Anfang November 2018 tauchte sie nämlich in Mimizan in Frankreich auf, wo sie wahrscheinlich den Winter verbracht hat.

Im darauffolgenden Sommer, Im Juli 2019, wurde sie in St. Peter-Ording gesehen. Aber schon einen Monat später, im August 2019 war sie schon wieder in England, in Shawell was nur wenige Kilometer von Cotesbach entfernt liegt. Und genau wie im Jahr davor, verschwindet sie von dort Ende September.

Diesmal geht die Reise aber nicht nach Frankreich, sondern weiter gen Süden nach Portugal. Dort hält sie sich im Februar 2020 am Fluss Douro auf und wird im gleichen Jahr im September wieder in St. Peter-Ording gesichtet.

Dann wurde sie für ein Jahr nicht abgelesen und tauchte nun in diesem Jahr wieder bei mir auf Trischen auf. Hier habe ich sie exakt vier Jahre nachdem sie beringt wurde am 7. Juli 2021 abgelesen.

Ob sie in der Zwischenzeit Trischen verlassen hat oder nicht, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie schon wieder in England? Oder direkt auf dem Weg nach Frankreich oder Portugal? Vielleicht wird sie ja wieder irgendwo entdeckt und abgelesen, dann kann ihre Reisegeschichte weitergehen.

 

Das Rätsel der Sandbank

Liebe LeserInnen,

das Buch „Das Rätsel der Sandbank“ von Erskine Childers, welches ich per Post vom Willem (Kapitän der Johanna von Amrum) bekommen habe, ist ein toller und spannender Roman. Zwei junge Engländer segeln Anfang des 20. Jahrhunderts durch das Wattenmeer, um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Das perfekte Buch, wenn man ebenfalls seine Zeit auf einer Sandbank verbringt und die Ausführungen zu Ebbe und Flut besonders gut nachempfinden kann. Ein Buch welches ich allen Freunden des Meeres und des Wattenmeeres empfehlen kann.

Auch wenn nicht ganz so abenteuerlich, wurde auf der Sandbank Trischen auch ein „Rätsel“ gelüftet. Der Verursacher der Tierspuren, wurde gestern von meinem derzeitigen Besuch in den Salzwiesen im Norden der Insel gesehen und sogar fotografiert:

 

 

Bei scheinbar bester Gesundheit durchstreifte der Fuchs also gestern den Norden der Insel. Somit ist er (oder sie) mittlerweile mindestens zwei Wochen auf der Insel, da ich die ersten Spuren schon am 3. August gefunden habe. Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Tier weitergeht und ob ich es noch einmal zu Gesicht bekommen werde.