Nahrungsmittel Beiträge

Strandgut, Müll und Flaschenpost

Schon als Kind bin ich immer gerne mit meinem Opa auf Sperrmülltour gegangen. Er war sein Berufsleben lang Friseurmeister, aber im Herzen ist er leidenschaftlicher und begnadeter Restaurator, mit einem besonderen Blick für den Wert in Dingen, die andere längst aufgegeben haben. Diese Sichtweise hat mich schon immer fasziniert und begleitet mich bis heute. Während es auf dem Festland die Gehwege waren, die sich regelmäßig mit Müll und allerlei Kuriositäten füllten, ist es hier auf Trischen der Strand, der mich täglich zum Suchen und Finden einlädt.

Denn eigentlich ist hier auf Trischen jeden Tag „Sperrmüll“. Die Nordsee liefert zweimal täglich an, was woanders verloren ging oder bewusst entsorgt wurde, und so bin ich bei meinen täglichen Runden immer wieder gespannt, was Neues von der Flut angespült wurde. Von praktischen Dingen wie einem Sägebock und Hackklotz sowie dem dazugehörigen Brennholz, um die Hütte einzuheizen, bis zu kulinarischen Überraschungen wie Tütennudeln in meinem Lieblingsgeschmack (Shrimp mit einem Hauch Glutamat) – genau hinschauen lohnt sich immer!

Postversand via Flackstrom

Bei all dem Zeug, das hier angespült wurde, habe ich dann vor zwei Wochen selbst etwas auf die Reise geschickt: eine Flaschenpost. Hierfür bin ich zur Nordspitze der Insel gegangen, wo der Flackstrom vorbeizieht, den ich aufgrund der starken Strömung als den „Expressversand“ ausgemacht habe. Und tatsächlich: Nur eine Woche später bekam ich Antwort, dass die Post angekommen ist.

Sabine, Sebastian und Charlotte aus Chemnitz haben die Flasche in Büsum – ca. 14km nordöstlich von Trischen- gefunden, während sie dort in ihrem Urlaub am Strand Müll gesammelt haben. Auch hier nochmal ein riesiges Dankeschön an die drei für ihr Engagement für unsere Umwelt! Was mir an der Geschichte besonders gut gefällt – daneben, dass es für mich meine erste Flaschenpost war, die ich abgesendet habe, und für die Familie die erste, die sie gefunden haben – ist der Zufall: Nur zwei Tage zuvor waren sie bei einer Tour zu den Seehundsbänken fast direkt an meiner Haustür vorbeigeschippert.

Die Kehrseite der Medaille

Und so sehr ich mich immer noch über diese tolle Geschichte und die nützlichen Dinge, die ich bisher gefunden habe, freue, dürfen wir eins nicht vergessen: Das meiste, was hier oder sonst wo angespült wird, sind keine „Schätze“, sondern Plastikmüll und Fischereischrott. Eine Flaschenpost ist da die glückliche Ausnahme in einem Meer voll (Mikro-)Plastik. Aber vielleicht motiviert diese Geschichte ja beim nächsten Strandspaziergang dazu, genauer hinzuschauen. Womöglich wartet zwischen dem ganzen Müll auch auf euch eine Nachricht in einer Flasche. 🙂

 

Ausblick auf den nächsten Beitrag:

Im nächsten Beitrag wird es um das gehen, was die Nordsee an organischen Fundstücken anspült. Vorab eine kleine Vorwarnung für die sensibleren Gemüter: Es wird um Totfunde gehen.

Für mich sind dies oft die spannendsten Entdeckungen, denn aus ihnen lassen sich wertvolle Schlüsse und Erkenntnisse über das Leben im Wattenmeer ziehen. Im Gegensatz zu all dem Plastikmüll sind sie – so paradox das klingen mag – voller Leben und ein essentieller Teil des Ökosystems.

Trischen, den 15. April 2026

Das hässliche Geschenk

Wie auch meine VorgängerInnen habe ich mich bei meinem Septemberaufenthalt auf Trischen am International Coastal Cleanup Day (ICCD) beteiligt. Auch ich bin mit dem Handkarren und der Checkliste losgestiefelt und habe gesammelt was das Meer auf Trischen zurückgelassen hat.

Auf einer Strecke von gerade mal 570 Metern habe ich ca. 140 kg Müll eingesammelt. Da ich mir nicht sicher war wie viel denn überhaupt auf die „Luise“ passen würde, habe ich dann aufgehört zu sammeln.

Ich denke ich muss an dieser Stelle nicht wiederholen, welche Auswirkungen Plastikmüll auf unsere Meeresumwelt hat. Auf Trischen wurden ja bereits mit Bändern eingeschnürte Seehunde gesehen. Ich selber, habe zwei Tage später in der Kormorankolonie viele Nester mit eingearbeiteten Plastikschnüren gesehen. So stellt man sich unberührte Natur in einem Nationalpark und UNESCO Weltnaturerbe doch eigentlich nicht vor.

Was also tun?

Jeder Einzelne kann dazu beitragen, der Plastikflut ein Ende zu setzen.

Bei meinem gesammelten Müll auf Trischen fand ich zum Beispiel sehr viele Getränkeflaschen (32 Stück). Saft, Wasser, Milch usw. kann man auch in Mehrweg-Glasflaschen kaufen. Und für unterwegs einfach die eigene Trinkflasche mitnehmen und immer wieder auffüllen – eigentlich doch ganz simpel.

Ein weiteres Thema, welches mich schon fast ärgert, sind Luftballons (13 Stück). Zur Einschulung, zur Hochzeit oder beim runden Geburtstag: Immer noch werden massenweise Luftballons mit Glückwunschkarten in den Himmel geschickt.

Der Anblick der bunten Ballons am Himmel, die Hoffnung das jemand einen Ballon findet und die vorgefertigte Glückwunschkarte zurückschickt – das ist schön. Nach wenigen Minuten ist der schöne Moment jedoch vorbei. Aus den Augen und aus dem Sinn fliegen die Ballons in unsere Natur und verbleiben dort als hässliches Geschenk. Die Schnüre verheddern sich mit Pflanzen und Tieren und die Glückwunschkarte ist längs unlesbar geworden. Wenige Minuten Glück und Freude stehen einer unglaublichen Umweltverschmutzung gegenüber, da Plastik nicht gänzlich abgebaut werden kann, sondern als Mikroplastik für immer in unserer Natur und sogar unseren eigenen Körpern verbleibt. – ein schlechtes Verhältnis.

Es ist ganz einfach sich ein nachhaltiges Geschenk zu überlegen und damit tolle und festliche Momente zu schaffen – fliegen denn zum Beispiel Seifenblasen oder selbst gefaltete Origami-Kraniche nicht genauso schön dem Brautpaar oder Geburtstagskind zu?

 

Was ich nicht gesammelt habe

Ich habe an dem Tag kein Holz gesammelt, da es einfach viel zu schwer für den Transport war. Und natürlich Mikroplastik, denn das kann ich mit meinen Händen ja gar nicht einsammeln. Aber dennoch ist es da. Und genauso wie beim ICCD hunderte Menschen sich aufmachen, um Müll einzusammeln machen sich im Projekt „Weniger ist Meer“ zwei engagierte Frauen auf, um Mikroplastik in der Nord- und Ostsee aufzuspüren.

Egal ob Sie sich in einem Projekt engagieren oder einfach immer wieder einen prüfenden (Plastik-)Blick in Ihren Einkaufswagen werfen – Alles zählt!

Starten wir gleich heute und machen es besser!

„Meer“-Kohl

Pünktlich zum Kohlanschnitt auf dem dithmarscher Festland sind nun auch im Spülsaum die Kohlwochen angebrochen: Sowohl Anzahl als auch Diversität nehmen zu. Heute gab es gleich frischen Blumenkohl und Brokkoli.

Zeichen des Sommers

Was ist ein untrügliches Zeichen des Sommers? Es gibt überall Melonen, selbst am Strand von Trischen, wenn auch leider bis zur Schale abgenagt…

Seile und „Meer“-Senf

Nach dem tot angespültem Basstölpel nun einmal der Blick auf Strandmüll, der sehr häufig ist, aber hier bislang unterrepräsentiert war: Seile, Taue, Schnüre etc. In diesem Fall noch sehr ordentlich verdrillt. Auf dem Bild ebenfalls zu sehen: die Apfelzeit ist noch nicht beendet, ein zweiter ist nicht dargestellt. Weiterer kurioser Strandfund aus der Gruppe der Lebensmittel: „Meer“-Senf in Portionspackung.