Aller guten Dinge sind drei – Landunter auf Trischen

Der erste Herbststurm in dieser Saison fegte ganze drei Tage über die Insel und ließ die Hütte ordentlich wackeln: teilweise maß ich Windgeschwindigkeiten von über 60 Km/h (8Bft)! Auch jetzt gerade pfeift es um die Hütte – was sehr gemütlich sein kann. Da die Sonne in den vergangenen Tagen nur sehr spärlich schien, war mein Akku heute Morgen aufgebraucht und ich den halben Tag ohne Energieversorgung. Doch nach Regen folgt meist Sonnenschein – nun ist mein Akku wieder voll aufgeladen und ich kann live von der Insel berichten.

Die vergangenen Hochwasser waren „richtige“ Hochwasser: dreimal hintereinander lief das Wasser der  Nordsee nun so hoch auf, dass die Hütte jedes Mal im Wasser stand. Ich bin sehr froh, dass ich auf Stelzen wohne, denn so konnte ich beruhigt auf dem Umlauf sitzen und dem Naturschauspiel beiwohnen. Im Gegensatz zu den gefiederten Inselbewohnern musste mir keine Sorgen um meinen „Rastplatz“ machen. Die Vögel, die um die Hochwasserzeit bevorzugt an der Südspitze rasten, wurden in der letzten Zeit stets um ihren Rastplatz beraubt und flogen daher in großen Schwärmen über die Insel – auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen. Zum Glück waren am Weststrand noch schmale Streifen nicht überflutet worden, sodass die Vögel sich am Ende doch noch niederlassen und von der Aufregung erholen konnten.

Ich persönlich nutzte die stürmische Zeit um die ersten Sachen zusammen zu packen: morgen werde ich Axel, meinem Versorger, die ersten Dinge mit ans Festland geben. In zwei Wochen werde ich dann selbst die Insel verlassen.

 

Mutterkorn in der Salzwiese

Das Mutterkorn (Claviceps purpurea) ist ein parasitischer Pilz, welcher unter vielen verschiedenen Namen (z.B. Hungerkorn, Tollkorn oder Hahnensporn) bekannt ist und in den Fruchtknoten von Gräsern – auch auf dem Schlickgras (Spartina anglica), wächst. Überwintern kann der Pilz in einer Dauerform (Sklerotium), die wie ein Korn aussieht und einige Zentimeter lang und dunkelviolett – orange gefärbt ist. Dieses „Korn“ wächst aus den Blüten der Wirtspflanze, fällt zu Boden und wird im Herbst mit der Flut verdriftet. Im nächsten Frühjahr bildet sich daraus ein Fruchtkörper, der Schläuche mit Sporen ausbildet, die dann mit dem Wind auf die Naben der Pflanzen vertrieben werden. Dort kommt es  zu einer Infektion der Wirtspflanze. Der Pilz „befiehlt“ der Pflanze zunächst ein klebriges Sekret – den Honigtau zu produzieren, welcher Insekten anlockt. In diesem Honigtau befinden sich Pilzsporen, die dann mit Hilfe der Insekten auf andere Pflanzen verbreitet werden. Aus den infizierten Blüten wächst anschließend ein Pilzgeflecht, welches sich innerhalb weniger Wochen zu einem Sklerotium entwickelt, von der Pflanze zu Boden fällt und so den Kreis schließt.

Der Name „Mutterkorn“ rührt daher, dass das Gift des Pilzes, das sog. „Mutterkorn-Alkaloid“ bereits im Mittelalter bei der Geburtshilfe verwendet wurde: so lässt sich das Gift – in der richtigen Dosis, als Wehenmmittel oder nach der Geburt zur Blutstillung einsetzen. In der falschen Dosierung kann das Alkaloid allerdings höchst abenteuerliche Nebenwirkungen (das Alkaloid ist Grundstoff für eine sehr bekannte Droge – LSD) und im schlimmsten Fall sogar den Tod zur Folge haben. Im Mittelalter war das Mutterkorn vor allem deshalb sehr gefürchtet, weil mit Mutterkorn verunreinigtes Getreide / Mehl schnell zum Tod aller, die davon gegessen haben, führte.

Mutterkorn - die Überdauerungsform ist ein blauviolett-orangenes "Korn", das im Moment vor allem am Schlickgras gut zu sehen ist.

Mutterkorn – die Überdauerungsform ist ein blauviolett-orangenes „Korn“, das im Moment vor allem am Schlickgras gut zu sehen ist.

In der Salzwiese kommt das Mutterkorn vor allem auf dem Schlickgras (Spartina anglica) und der Strandquecke (Agropyron litorale) vor. In den letzten Wochen stellte ich immer wieder fest, dass meine Hose nach einem Streifzug durch die Salzwiese voll von diesem klebrigen „Honigtau“ war. Bei Recherchen im Internet und Gesprächen mit Bekannten und Kollegen vom Festland stellte sich heraus, dass es sich hier nicht um ein Trischen-spezifisches Phänomen handelt, sondern, dass die Infektionsrate beim Schlickgras generell sehr hoch ist. Auf dem Schlickgras gedeiht der Pilz sogar noch besser als auf der eigentlichen Wirtspflanze – dem Weizen oder dem Roggen.

Doch auch, wenn Sie Mutterkorn in der Salzwiese oder im Spülsaum entdecken besteht noch keine direkte Gefahr: Denn nur, wer das Mutterkorn isst, läuft Gefahr sich zu vergiften.

Weiterführende Links:

Morgennebel auf Trischen

In den frühen Morgenstunden ist es draußen oft am Schönsten.
Als ich heute Morgen aufgestanden bin, erwartete mich die Insel mit einem wunderschönen Herbstschleier – rings um die Hütte zog sich ein weißes Band aus Frühnebel und tauchte die Landschaft in ein mystisches Licht.

Planvogelzug auf Trischen – der Herbstzug ist in vollem Gange

Morgens beginnt mein Arbeitstag mit dem Sonnenaufgang. Denn kurz vor dem Sonnenaufgang beginnt der Vogelzug der tagziehenden Vögel. Ich beobachte vom Umlauf der Hütte aus schon seit mitte Juli so gut wie jeden Morgen dieses spektakuläre Naturphänomen. Tausende Vögel begeben sich auf den Weg von ihren Brutgebieten, oftmals sehr weit im Norden (Skandinavien / Russland)  zu den Überwinterungsgebieteten – meist in Afrika. In den frühen Morgenstunden kann dieser Vogelzug sehr gut beobachtet werden.

Am gestrigen Morgen war auf Trischen einiges unterwegs: ich notierte, wie fast jeden Morgen den täglichen Vogelzug. Doch an diesem Tag dauerte dies etwas länger. Ich beobachtete von Sonnenaufgang (7:15 Uhr) bis kurz vor Mittag (11:45 Uhr), da der Zug der Wiesenpieper einfach nicht aufhören wollte.

Insgesamt beobachtete ich  in den viereinhalb Stunden:

  • 1.200 Wiesenpieper
  • 18 Baumpieper
  • 8 Strandpieper
  • 17 Bekassinen
  • 3 Ringeltauben
  • 71 Löffler
  • 60 Buchfinken
  • 3 Bergfinken
  • 8 Bachstelzen
  • 4 Bluthänflinge
  • 4 Spießenten
  • 13 Rauchschwalben
  • 1 Mehlschwalbe
  • 3 Uferschwalben
  • 1 Rohrweihe
  • 1 Wanderfalke
  • 1 Ringdrossel

Am heutigen Morgen waren ebenfalls viele Vögel unterwegs – allerdings zogen viele Vögel so hoch, dass ich sie zwar hören, nicht aber sehen konnte. Damit ist eine genaue Anzahl der durchgezogenen Vögel nicht zu ermitteln.

Rotkehlchen erkunden die Vogelwärterhütte

Es ist ja schon ziemlich putzig: insgesamt fünf kleine Rotkehlchen (Erithacus rubecula) belagern zusammen mit einem Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)  und einem Zwergschnäpper (Ficedula parva) meine Hütte. Es wirkt als seien sie überall und nirgends zugleich. Scheinbar unberührt von meiner Anwesenheit erkundeten sie sogar meine Hütte von innen. Ein paar Mal flog ein Vogel in die Hütte hinein. Dabei scheint besonders der Abstellraum im Dachstuhl der Hütte interessant zu sein – auch jetzt höre ich es rascheln und knistern. Scheinbar versteckt sich dort noch jemand.  Das Wetter war gut, sodass ich alle Fenster öffnen konnte: nicht, dass sich jemand den Kopf am Fenster stößt. Ich saß mit meinem PC vor der Hütte und erledigte etwas Bürokram – meine neuen Freunde schien dies sehr zu gefallen. Angelockt von dem getacker meiner Hände auf der Tastatur, landeten sie einige Male direkt neben mir auf dem Tisch oder auf dem Boden. Nicht selten musste ich heute deswegen schmunzeln oder mich erschrecken.

Rotkehlchen zählen zu den sog. Teilziehern. Das heißt, dass ein Teil der Population im Winter Richtung Süden zieht, während ein anderer Teil im Brutgebiet verbleibt. Daher kommt es uns vor, als würden Rotkehlchen nicht wegziehen. Die Rotkehlchen, die mich nun besuchen, gehören der Gruppe der Zieher an. Sie sind auf ihrem Weg in den Süden und machen bei mir Halt an der Hütte.