Frühling im Wattenmeer

Sie haben es sicherlich gemerkt: Auch auf diesem Blog war gestern der erste Tag des Aprils. Um die Ozeane mit Zitronensaft zu versauern, bräuchte man schon ziemlich viele Zitronen und auch die Schleimbälle sind kein Schnodder von Meerestieren. Was sie tatsächlich sind, soll heute näher betrachtet werden.

Noch ist die Insel zwar eher braun. Doch wie bereits geschrieben, künden die Vögel schon vom Frühling, Feldlerchen und Wiesenpieper zwitschern, Austernfischer und Rotschenkel trillern um die Wette. Aber nicht nur an Land, auch im Meer beginnt ein neues Jahr und dies zeigen uns ganz andere Tiere an.

Untrügliche Frühlingsboten des Wattenmeeres sind kleine, gut 1 cm große, grüne oder rote, schleimige Bällchen. Wenn man jetzt ins Wattenmeer geht, findet man sie überall auf dem Boden. Was auf den ersten Blick aussehen mag, als käme es aus der Nase eines großen Tieres, sind eigentlich Laichballen bzw. Eipakete, die an Pflanzen, andere Objekte oder auf die Wattoberfläche geheftet wurden. Sie sind vergleichbar mit den gallertigen Laichballen vieler Frösche, die aus hunderten einzelnen Eiern bestehen und auch in dieser Zeit zu finden sind. Nur sind die Bällchen im Watt kleiner, enthalten aber dafür viel mehr Eier: Bis zu 15.000 Eier können sich in der gallertigen Hülle befinden. Gebildet werden sie von zwei Borstenwurmarten, die sich, wie die Frösche, im Frühjahr paaren. Zu der Gruppe der Borstenwürmer gehört auch der Wattwurm.

Der besonders im Frühjahr grün-gefärbte Blattwurm Phyllodoce mucosa (bis zu 15 cm lang) bildet die grünen Eipakete. Der deutsche Name leitet sich von blattartigen Anhängen her, die sich entlang beider Seiten am ganzen Körper befinden. Der zweite Teil des wissenschaftlichen Namens „mucosa“ kann vom lateinischen „mucus“ hergeleitet werden und bedeutet „(Nasen)-Schleim“. Auch der Wissenschaftler namens Örsted, der der Art 1843 diesen Namen gab, hat anscheinend die eingangs erwähnte Ähnlichkeit erkannt. Bei diesem Wurm ist aber auch der ganze Körper von Schleim überzogen. Er ernährt sich räuberisch sowie von Aas.

Bei dieser Art wurde schon das Paarungsverhalten beschrieben. Und zwar führen Männchen und Weibchen, nachdem das Weibchen ein Männchen gefunden hat, eine Art Tanz auf. Sie bewegen sich schlängelnd umeinander, tauchen auch mal in den Boden ab, geben dann Eier bzw. Spermien ab und formen bei achtförmigen Bewegungen den Laichballen. Dabei können auch weitere Männchen mitmachen.

Die roten Laichballen sind vom Bewehrten Pfahlwurm (Scoloplos armiger). Dieser ist bis zu 12 cm lang und orange-rot. Er lebt eingegraben in den obersten 10 cm von Sand- und Mischwattböden und ernährt sich, wie der Wattwurm, von organischem Material im Boden.

Am Strand findet man im Frühjahr, aber auch noch später im Jahr, auch noch andere Eipakete. Oft faustgroß und gelblich sind es die Eipakete der Gemeinen Wellhornschnecke (Buccinum undatum). Wenn man sie am Strand findet, sind die kleinen Schnecken meist schon geschlüpft und der Eiballen ist trocken und pergamentartig. Im Wasser jedoch sind auch sie gallertig. Die Gehäuse dieser großen Schnecken findet man häufig am Strand. Sie werden auch gerne von Einsiedlerkrebsen aus Haus genommen. Lebend bekommt man sie dagegen kaum zu sehen, da sie nicht gerne trocken fallen und sie sich daher vor allem in Prielen und dem offenen Meer aufhalten. Auch wenn man es sich bei der Langsamkeit von Schnecken kaum vorstellen kann, ernähren sich Wellhornschnecken räuberisch, allerdings eher von langsamen Tieren, zum Beispiel Seesterne oder kranke Tiere, bzw. von Tieren, die noch langsamer als die Schnecke sind, etwa Muscheln oder Aas.

So viel erst einmal zu nicht-gefiederten Bewohnern des Wattenmeeres. Schon bald  werden Sie an dieser Stelle Neues von gefiederten und ungefiederten Bewohnern der „Perle des Nationalparks“ lesen können. Bis dahin: Bleiben Sie neugierig.

Literatur:
Kock, Klaus (1998). Das Watt: Lebensraum auf den zweiten Blick. 7. Auflage. Schutzstation Wattenmeer. Verlagsdruckerei Boyens & Co: Heide.
Køie, Marianne und Aase Kristiansen (2001). Der große Kosmos Strandführer: Tiere und Pflanzen in Nord- und Ostsee. Frankh-Kosmos: Stuttgart.

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