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Trischen meldet „Land unter“

Heute lief das Hochwasser besonders hoch auf: das BSH meldete +1,00m. Der Pegelstand lag also zu Hochwasser einen Meter mehr höher als zu einem normalen Hochwasser. Dementsprechend sah es hier auf Trischen dann auch aus. Schon zwei Stunden vor Hochwasser erreichte das Wasser die Bereiche, die es normal erst zu Hochwasser erreicht.

Am Strand konnte ich Sanderlinge (Calidris alba) gemischt mit Alpenstrandläufern (Calidris alpina) und Steinwälzern (Arenaria interpres), Knutts (Calidris canutus) und Sandregenpfeifern (Charadrius hiaticula) beobachten.

Der Sand wehte so stark in meine Augen, dass ich schließlich aufgeben und zurück zur Hütte gehen musste – genau zum richtigen Zeitpunkt, denn das Wasser um die Hütte stand schon so hoch, dass ich gerade so durch das Wasser waten konnte, ohne, dass meine Gummistiefel vollliefen.

Land unter

Land unter

Als der Höhepunkt dann um kurz nach 17:00 erreicht war, konnte man von der Südspitze nichts mehr sehen. Auch die Salzwiese der Insel war nahezu komplett überflutet. Sogar unter der Hütte stand das Wasser schließlich kniehoch!

Die kleinen Vögel hatten schließlich keinen Strand mehr, an dem sie rasten konnten und mussten über der Insel kreisen. Auch Möwen und Seeschwalben flogen um die Hochwasserzeit wild über die Insel. Brandgänse und Eiderenten schwammen in den Bereichen, die eigentlich Salzwiese ist und Kormorane jagten über der Salzwiese nach Fisch.

Land unter - die Vögel flogen um die Insel auf der Suche nach einem trockenen Landeplatz

Land unter – die Vögel flogen um die Insel auf der Suche nach einem trockenen Landeplatz

Ich beobachtete das Spektakel mit einer Tasse Kaffee in der Hand, von der Hütte aus und war begeistert von der Intensität und der Kraft des Wassers. Leider war die Kraft des Wassers so groß, dass sie mein Foto-Versteck, das ich an der Südspitze gebaut habe, weggerissen wurde.

Die Flut riss mein Foto-Versteck mit sich

Die Flut riss mein Foto-Versteck mit sich

 

Kartierung der Salzwiesen- und Dünenvegation auf Trischen

Im Rahmen des Monitorings der Salzwiesen- und Dünenvegetation in Schleswig-Holstein waren an den vergangenen Tagen (3. und 4. August) zwei Experten des Planungsbüros LEGUAN aus Hamburg bei mir zu Besuch auf Trischen. Die Kartierung wird alle fünf Jahre vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) in Auftrag gegeben. Die Vegetation wird stets im Maßstab 1:5000 kartiert. Die aktuellen Erhebungen werden auf Grundlage der Vorkartierung von 2011 durchgeführt – so können die Veränderungen innerhalb der fünf Jahre erkannt und genau dokumentiert werden.

Im Vergleich zur Vorkartierung konnte an einigen Stellen eine leichte Verschiebung der Grenze zwischen Düne und Salzwiese in Richtung Osten festgestellt werden. Der Verzahnungsbereich der verschiedenen Dünen- und Salzwiesenvegetationstypen war an einigen Stellen etwas breiter geworden. Insbesondere im Norden waren einige dem Hauptdünenzug vorgelagerte Primärdünen nicht mehr vorhanden, so Dirk Wesuls von LEGUAN.

Rückkehr der Limikolen

Es ist soweit!
Die Limikolen kehren zurück aus ihren Brutgebieten im hohen Norden. Die Zahl der Alpenstrandläufer (Calidris alpina) ist in den vergangenen Tagen stetig angewachsen. Auch die Sanderlinge (Calidris alba), Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula), Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) wurden mehr. Insgesamt sind nun mehrere tausend Limikolen an der Südspitze der Insel versammelt. Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Tagen und Wochen noch mehr Tiere werden und freue mich schon auf das Naturschauspiel, wenn die Vogelschwärme über dem Watt „tanzen“.

Bei der heutigen Zählung erfasste ich

  • 3000 Alpenstrandläufer
  • 1200 Knutts
  • 450 Sanderlinge
  • min. 3 Sichelstrandläufer
  • 300 Sandregenpfeifer
  • 50 Kiebitzregenpfeifer
  • 350 Rotschenkel
  • 8 Grünschenkel
  • min. 5 dunkle Wasserläufer

Erhöhtes Paraffin-Vorkommen im Spülsaum von Trischen

Bei meinem gestrigen Kontrollgang fiel mir bereits die große Zahl der kleinen Paraffin-Bröckchen im Spülsaum auf. Heute morgen, als ich erneut  am Strand entlang ging, bemerkte ich, dass die Zahl der Paraffin-Bröckchen weiter zugenommen hat. Die schwimmenden Bröckchen wurden mit der Flut an den Strand gespült und können für die Vögel am Strand gefählich werden, wenn diese das Paraffin mit Nahrung verwechseln und in sich aufnehmen.
Zwischen 20 und 40 daumennagelgroße Teilchen auf einem Quadratmeter lassen sich leicht finden. Zudem finden sich zwischen 3 und 5 größere Brocken auf 100m Strand.  Dieses Phänomen ist am gesamten Strand, besonders jedoch am Südwest- bis Nordweststrand (der zentrale Strandbereich der Insel) zu beobachten. Ich meldete diesen Vorgang der Nationalparkverwaltung in Tönning, die sofort Kollegen und MitarbeiterInnen am Festland über diese Funde informierte. Ich bin gespannt, ob und wo sich das Paraffin noch so finden lässt.

Paraffine sind synthetische Wachse auf Erdölbasis und werden vielfältig eingesetzt. Sie können Gifte enthalten und stellen eine Gefahr für die Tierwelt in und am Wasser dar. Ich berichtete bereits über einen vergangenen Fund in der Rubrik Strandfunde.

 

Farbberingte Möwe macht Siesta auf Trischen

Bei meinem gestrigen Kontrollgang entdeckte ich eine farbberingte Heringsmöwe. Über den Code, der auf dem Ring zu lesen ist, bekam ich auf Nachfrage heraus, dass das Tier im Februar 2012 in Málaga/Spanien beringt wurde. Da ich mangels Teleobjektiv kein ausreichend gutes Foto von der Möwe schießen konnte, habe ich mich entschlossen, die Flugroute des Vogels anhand der Wiederfund-Meldungen für Sie zu rekonstruieren und grafisch darzustellen. Insgesamt wurde der Vogel acht Mal (inkl. Beringung) gesichtet und gemeldet.

Die Reise der Heringsmöwe

Im Februar 2012 wurde die Möwe, vermutlich als diesjährige Möwe, in Málaga beringt. Nächster Stop war dann Heemskerk, eine kleine Stadt in der Region Nordholland. Dort oder in der Nähe verbrachte sie wohl ihren ersten Sommer, bevor ihr Ring am 3.1.13 erneut in Spanien – in der Nähe ihres Beringungsortes Málaga – abgelesen wurde. Dort blieb sie dann erst einmal über den Winter, wo sie an verschiedenen Orten in der Umgebung beobachtet wurde. Den zweiten Sommer verbrachte die Möwe in Frankreich. Dort wurde sie direkt zweimal von Ornithologen in Nurlu, einer Kleinstadt im Norden Frankreichs gesichtet. Den Winter verbrachte sie dann wieder zuhause in Málaga. Seit Januar 2014 war sie dann „verschwunden“. Niemand hat sie gesehen beziehungsweise ihren Standort an die Wissenschaftler in Spanien weitergegeben. Nun habe ich sie auf Trischen entdeckt. Vielleicht hat sie hier gebrütet? Vielleicht aber auch nur Siesta auf Trischen gemacht.

Wo sie geschlüpft ist, geht aus dem Ringfund-Protolkoll nicht hervor. Da sie im Februar in Spanien beringt wurde, kann Málaga nicht der Geburtstort sein. Möwen brüten nämlich im Frühsommer/Sommer! Leider ist dem Protokoll auch nicht zu entnehmen, ob der Vogel bei der Beringung bereits erwachsen war oder nicht. Ich gehe daher ein gewisses Risiko bei der Interptetation des Lebenslaufs ein – ein bisschen Phantasie ist auch in der Biologie nicht verboten.

Siesta auf Trischen - die Reise einer Möwe durch die Ringmeldungen rekonstruiert

Siesta auf Trischen – die Reise einer Möwe durch die Ringmeldungen rekonstruiert

Beringte Vögel sind sehr spannend. Wissenschaftler und deren Teams bekommen durch die Wiederfundmeldungen immer mehr Informationen über das Verhalten der Tiere und können ihre Kenntnisse auf diese Weise erweitern. Die Ergebnisse sind dann am Ende sehr spannend und teils auch für Nicht-Ornithologen und -Ornithologinnen von Relevanz.
Beringungsprojekte leben zum einen von den Leuten, die die Vögel beringen und „bearbeiten“, sind aber ganz stark auch von der Rückmeldung der Vögel durch jeden, der den Vogel beobachtet, abhängig. Sollten Sie auch einen Vogel mit Vogelring beobachten, können Sie den leicht leicht per E-Mail melden. Man bekommt in den meisten Fällen sogar einen „Lebenslauf“ des Tieres zugeschickt, anhand dessen die Route rekonstruiert werden kann. Eine gute Übersicht für die möglichen Meldestellen findet sich hier: