Facts&Figures: EU-Bericht zur Lage der Natur

Am 20.Mai 2015 wurde wird die bisher vollständigste und genaueste Beschreibung des Zustands der Natur in der EU veröffentlicht. Dies geschah zeitgleich mit dem Artenschutzbericht des Bundesamts für Naturschutz in Bonn. Die neuen Daten sind alarmierend und bekräftigen das die EU-Naturschutzrichtlinien unbedingt erhalten und viel strikter umgesetzt werden müssen. Über 100.000 Menschen haben sich deshalb schon an die EU-Kommission gewendet, aber es müssen noch viel mehr werden (Hier klicken zum Mitmachen!).

WICHTIGE LINKS:

==> EU-Bericht „State of Nature“: Originalbericht, Presseerklärung EU-Kommission, Kurzfassung EU-Kommission, Broschüre EU-Kommission, Presseerklärung BirdLife Europe

==> Deutscher Artenschutzreport: Originalbericht, Presseerklärung BfN, Presseerklärung NABU

Die Uferschnepfe ist in Deutschland seit 1980 um 75% zurückgegangen (Foto: Frank Derer)

Die Uferschnepfe ist in Deutschland seit 1980 um 75% zurückgegangen (Foto: Frank Derer)

WICHTIGSTE AUSSAGEN (weitere Zahlen und Beispiele hier zum Download):

1) Die EU-Naturschutzrichtlinien wirken da, wo sie richtig umgesetzt werden. Besonders die Vogelschutzrichtlinie und das Natura-2000-Netzwerk zeigen messbare Erfolge.

2) Die EU und Deutschland sind noch weit von ihrem (global gegebenen) Versprechen entfernt, bis 2020 den Artenschwund zu stoppen und eine Erholung einzuleiten. Sie werden es nicht erreichen, wenn es nicht grundlegende zusätzliche Anstrengungen gibt. Für Deutschland gilt das ebenso.

3) Die Schere zwischen Gewinner- und Verliererarten geht immer weiter auseinander. Es gibt einige Arten bei denen der Naturschutz wirkt, dank langjähriger Anstrengungen und korrekter Anwendung der EU-Richtlinien. Andere nehmen rapide ab, wegen mangelhafter Durchsetzung und Finanzierung des Naturschutzes und kontraproduktiver Agrarpolitik.

=> Der Anteil der Arten, die in einem günstigen oder zumindest vor dem Aussterben sicheren Zustand sind, bleibt, verglichen mit 2010, mehr oder weniger gleich (Vögel: ca. 50% vom Aussterben sicher, andere Arten: 25% in günstigem Zustand). Viele der Arten denen es vergleichsweise gut geht, verbessern sich weiter, darunter ehemals hoch bedrohte oder ausgestorbene Arten wie Seeadler, Biber und Wolf.

=> Es gibt einen größer werdenden Anteil an Arten, die sich verschlechtern, darunter einige mit dramatischen Bestandseinbrüchen. Die Roten Listen werden länger und einige Arten drohen aus der EU oder Deutschland zu verschwinden. Ein Drittel aller Vogelarten in der EU sind gefährdet, davon die Hälfte akut bedroht (Rote Liste; die andere Hälfte ist auf der sogenannten „Vorwarnliste“). 60% aller anderen Arten sind in einem schlechten oder unzureichenden Zustand, nur ein Viertel in einem günstigen. Es gehen besonders viele Arten zurück, die im ländlichen Raum zuhause sind und von einer nachhaltigen Landwirtschaft abhängen. Viele bedrohte Arten findet man auch in den Meeren, als Folge von Überfischung und umweltfeindlichen Fischereitechniken.

=> Bei den von der EU geschützten wichtigen Lebensraumtypen gibt es stark negative Trends. Katastrophale Entwicklungen verzeichnet der Bericht für das artenreiche Grünland, aber auch verschiedene Habitat-Typen in Gewässern und Feuchtgebieten sowie auf sandigen Standorten. In der EU sind 77% der Lebensraumtypen in einem unzureichenden oder schlechten Zustand, nur 16% in einem günstigem Zustand.

Originalstudie der Europäischen Umweltagentur.

Originalstudie der Europäischen Umweltagentur.

4) Der Bericht analysiert neben Zustand und Trends der Arten und Lebensräume auch die Bedrohungen der Biodiversität. Hier wurde vor allem die Landwirtschaft als Hauptproblem identifiziert (Intensivierung einerseits und Flächenaufgabe andererseits, Düngung, Pestizide), aber auch vom Menschen verursachte Veränderungen des Wasserhaushalts.

5) Der „State of Nature“ Bericht der EU basiert im Wesentlichen auf den nationalen Berichten der 28 Mitgliedstaaten, die diese gemäß EU-Vogelschutz und FFH-Richtlinie im vorigen Jahr eingereicht haben. Ergänzt wurde er durch weitere Studien, unter anderem durch die „Rote Liste der Vögel der EU“, die am 3.Juni in Brüssel gesondert vorgestellt wird. Dadurch ist die bisher vollständigste genaueste Zustandsbeschreibung der Artenvielfalt in Europa entstanden.

 

Konstantin Kreiser

Konstantin Kreiser

Leiter Globale und EU-Naturschutzpolitik im NABU
Konstantin Kreiser

2 Kommentare

Sigrid Bucher

20.05.2015, 21:31

Es ist erschreckend zu vernehmen wie viele Pflanzen und Tiere sterben und keinen Lebensraum mehr haben. So lange Großflächig in der Landwirtschaft für Raps-Mais- Soja und Palmoel immer mehr Raubbau betrieben und keiner der Politiker dem Einhalt gebietet wird sich wohl für unsere Erde nichts viel ändern. Der Mensch sollte im Privaten Bereich schonend mit den Ressourcen umgehen . Mehr Baugebiete entstehen immer mehr Land wird benötigt. Die Landschaftsveränderungen tuen unseren Tieren ebenfalls nicht gut. Vom Staat werden zu wenig Gelder für solche Objekte zur Erhaltung der Natur zur Verfügung gestellt. Wie soll sich etwas ändern? Es geht allen zu gut erst wenn kein Tropfen Wasser mehr aus dem Hahn kommt dann hat man es vielleicht verstanden. Wir haben die Erde nur für kurze Zeit gepachtet man sollte schonend und liebevoll mit ihr umgehen. Vielleicht mehr im Radio oder in der Presse darüber berichten , ob es hilft ich kann es nicht sagen.

Antworten

Chris

17.09.2015, 20:28

Leider müssen immer mehr Wälder weichen, um neue Häuser, Geschäfte oder Anlagen zu bauen. Die Leittragenden sind aber nicht nur die Menschen, denn auch Tiere sterben so aus und werden immer seltener. Vor allem besondere Tierarten gehen immer mehr zurück. Ändern müssen sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Politik muss ein Zeichen setzen. Nur wenn wir zusammen halten, sind wir stark.

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.