Muschelfriedhof

 

Die einzige Konstante im Wattenmeer ist der Wandel. Die stete Dynamik dieses besonderen Lebensraumes ist auf Trischen hautnah zu erleben. Priele verändern ihren Lauf, Strömungsverhältnisse variieren, hier wird Sediment abgetragen und dort wieder abgelagert. Besonders eindrücklich ist dieses Phänomen dort zu sehen, wo ganze Muschelfriedhöfe mit tausenden im Wattboden steckenden Schalen freigespült werden.

An solchen Stellen tauchen zum Beispiel Sandklaffmuscheln (Mya arenaria) oder Amerikanische Schwertmuscheln (Ensis americanus) auf – tot aber in „Lebendstellung“. Die Todesursache ist unklar, vielleicht sind sie in einem Eiswinter erfroren, oder irgendwann durch Zusanden erstickt. Doch klar ist: Hier wurde Wattboden abgetragen, um die Schalen erscheinen zu lassen, im Falle der Sandklaffmuscheln mindestens 20-30 cm.

Die Sandklaffmuschel ist die größte einheimische Muschel im Wattenmeer und misst eine Länge von bis zu 15 cm. Junge Individuen sind noch relativ mobil und könne sich mit Hilfe ihres Grabefußes fortbewegen sowie ein- und ausgraben. Ältere Sandklaffmuscheln haben diese Fähigkeit verloren. Sie stecken in einer Tiefe von 20-40 cm im Wattboden und besitzen einen langen Sipho zur Wattoberfläche, über den sie planktonreiches Atemwasser ansaugen. Darüber decken sie ihren Sauerstoff- und Nahrungsbedarf. Einmal übersandet sterben sie ab. Ihre Schalen verweilen über Jahrzehnte im Wattboden, bis sie irgendwann wieder freigespült werden.

Sandklaffmuscheln waren übrigens vor der letzten Eiszeit in Europa heimisch, starben dann jedoch aus. Sie wurden vermutlich von den Wikingern vor dem 11. Jahrhundert von Nordamerika nach Europa wieder eingeführt.

Im Gegensatz dazu hat es die Amerikanische Schwertmuschel hier zuvor nicht gegeben, sie ist ein klassischer Neozoon. Im Vergleich zu Sandklaffmuscheln sind Schwertmuscheln sehr aktiv. Sie graben sich schnell durch den sandigen Wattboden und können sogar mit Hilfe ihres Grabfußes durchs Wasser schwimmen oder springen. Sie sind dementsprechend anpassungsfähiger gegenüber der Dynamik im Watt. Doch auch Amerikanische Schwertmuscheln sterben. Werden ihre Schalen freigespült, stehen sie im Watt empor und können bei Wattwanderern empfindliche Schnitte an den Fußsohlen verursachen.

Literatur:

 

Jonas

Naturschutzwart Trischen 2018